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	<title>Kohäsion Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Höhere Erfolgsquote?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Feb 2011 08:10:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Frage, „Warum Deutschland eine Quote braucht“ (So der Titel des „Spiegel“ in seiner Ausgabe vom 31. Januar), wird meist als Forderung nach einer späten Gerechtigkeit diskutiert. Inzwischen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel allerdings den Daumen gesenkt und die Debatte für sich abgehakt. Anders ihre Arbeitsministerin, Ursula von der Leyen, die die Quote weiterhin befürwortet. In [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Frage, „Warum Deutschland eine Quote braucht“ (So der Titel des „Spiegel“ in seiner Ausgabe vom 31. Januar), wird meist als Forderung nach einer späten Gerechtigkeit diskutiert. Inzwischen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel<span id="more-871"></span> allerdings den Daumen gesenkt und die Debatte für sich abgehakt. Anders ihre Arbeitsministerin, Ursula von der Leyen, die die Quote weiterhin befürwortet. In derselben „Spiegel“-Ausgabe wird sie in einem Interview gefragt, auf welche Weise denn die Wirtschaft von den Frauen profitieren könne. Eine Frau sei nicht besser als die Männer, sondern anders, so die Antwort der CDU-Politikerin. Auf der anderen Seite steige das Risiko von Fehlentscheidungen, je homogener eine Gruppe sei. Und 97 % Männerquote in den Top-Gremien sein nun einmal „sehr homogen“, findet Frau von der Leyen. Ohne jetzt darüber urteilen zu wollen, ob allein die Zugehörigkeit zum selben Geschlecht Menschen einander schon sehr ähnlich macht, finde ich dennoch, dass die Ministerin hier einen wichtigen Punkt macht.</p>
<p>Denn tatsächlich kennen wir den Teamgeist, die Leistung und Leitung verschworener Kleingruppen aus den Finanzmärkten. Etwa in Gestalt von Anlageausschüssen oder Strategie- und Händlergruppen. Sie alle haben sich ursprünglich zusammengefunden oder wurden geschaffen, um sich gemeinsam besser für eine ungewisse Zukunft zu wappnen. Und dabei hat man versucht, möglichst homogene Teams zu schaffen, weil man glaubte, mit einer Gruppe von Gleichgesinnten weiter zu kommen als mit einer bunt zusammengewürfelten Schar von selbstbezogenen Solisten, prächtigen Paradiesvögeln und unbändigen Einzelkämpfern. Und sollte die Chemie dennoch einmal nicht mehr stimmen, führt im schlimmsten Fall ein kurzfristig engagierter Motivationstrainer die Gruppe an die Kletterwand oder auf himmelhohe Holzbalken im Outdoor-Parcours. Hier muss man sich gegenseitig sichern gegen den Absturz, hier lernt man zu vertrauen, sich fallen zu lassen und von den anderen aufgefangen zu werden. Und diese Erfahrung schweißt zusammen, vor allem gegen mögliche Kritiker. Trotzig klingt jetzt das Motto: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!“  Der Gleichklang von Einstellung und Gesinnung, das was etwa in Parteien den so genannten „Stallgeruch“ ausmacht, erhöht noch einmal das Vertrauen in die gemeinsam getroffenen Entscheidungen. Was aber, wenn externer Druck dazukommt, sich etwa plötzlich Misserfolge einstellen? Dann wächst die Gefahr, dass das Team dem so genannten „Groupthink“ verfällt. Ein Phänomen, das sich nach Meinung des Sozialpsychologen Irving R. Janis beim Club der guten, alten Buddies, also einer Gemeinschaft mit großem Zusammenhalt, besonders deutlich beobachten lässt.   </p>
<p>Gerade in den Finanzmärkten, aber auch in politischen Gremien, kann Groupthink zu kostspieligen Ergebnissen führen. Weil die Mitglieder dieser Gruppen irgendwann glauben, dass sie sich ohnehin im Besitz der Wahrheit befinden, und sich daher nicht mehr ausreichend informieren. Und wenn doch, dann nur, um Bestätigung für die eigene Position zu suchen. Mit der Folge, dass die Risiken eigener Entscheidungen unterschätzt, Beharren und Aussitzen begünstigt und Kritiker mundtot gemacht werden. Eine Serie schnell aufeinanderfolgender, kleinerer Erfolge beschleunigt diesen Prozess noch.</p>
<p>Ich würde mich zwar freuen, wenn Frau von der Leyen mit ihren Ausführungen auf das Groupthink-Problem angespielt haben sollte. Sie hätte damit zumindest theoretisch ein weiteres Argument für die Quote auf ihrer Seite. Nicht nur weil Frauen möglicherweise die Welt anders als Männer wahrnehmen. Oder weil sie mit externem Druck und Stress anders als ihre männlichen Pendants umgehen. In der Praxis dürfte es aber schwierig werden. Sicherlich: Das Klima in den Gremien könnte sich verändern, wenn mehr Frauen mit am Konferenztisch sitzen, hoffentlich wird dort in Zukunft auch lebhafter und kontroverser diskutiert – eine  Grundvoraussetzung übrigens dafür, das gefürchtete „Gruppendenk“ zu verringern.</p>
<p>Doch wenn man den Unternehmen die Frauenquote aufzwingt, werden sie dieser Pflicht nachkommen, indem sie vorzugsweise „homogene“ Frauen auswählen. Solche, die in die Männerrunde passen. Weil sie jenseits aller Geschlechtergrenzen eine gemeinsame corporate identity mit ihren Kollegen eint. Die Entscheidungen fielen dann wohl kaum anders aus als bisher, sie wären auch nicht unbedingt besser, nur weil jetzt ein gemischtes Team am Werke ist. Und Groupthink würde dadurch nicht vermieden. Der kleine Unterschied ist eben doch nicht so groß.</p>
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		<title>Meinungsverschiedenheiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Nov 2010 12:01:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Groupthink]]></category>
		<category><![CDATA[Gruppennorm]]></category>
		<category><![CDATA[Kohäsion]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstzensur]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Man müsse den Widerspruch willkommen heißen, schrieb der Mathematik-Dozent Chandler Davis im Jahre 1959[1]. Er meinte damit den ernsthaften, systematischen und missionarischen Dissens, weniger aber den spielerischen, sporadischen oder gar anbiedernden Widerspruch. So sehr sollte man Meinungsverschiedenheiten schätzen, dass man sie nicht nur unermüdlich hervorbringen, sondern sich auch dagegen wehren müsse, wenn andere sie zu zerstören [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Man müsse den Widerspruch willkommen heißen, schrieb der Mathematik-Dozent Chandler Davis im Jahre 1959<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[1]</a>. Er meinte damit den ernsthaften, systematischen und missionarischen Dissens, weniger aber den spielerischen, sporadischen oder gar anbiedernden Widerspruch.<span id="more-6643"></span> So sehr sollte man Meinungsverschiedenheiten schätzen, dass man sie nicht nur unermüdlich hervorbringen, sondern sich auch dagegen wehren müsse, wenn andere sie zu zerstören drohten. Davis’ Appell blieb ungehört.</p>
<p>Der Professor verlor seine Dozentenstelle an der University of Michigan, nachdem er zuvor eine Gefängnisstrafe verbüßt hatte. Grund: Er hatte sich rundweg geweigert, mit dem Ausschuss des Repräsentantenhauses zur Untersuchung unamerikanischer Aktivitäten zusammenzuarbeiten. Davis hatte nämlich das Recht des Staates bestritten, ihn zu Erklärungen über seine politischen Überzeugungen zwingen zu können. Stattdessen berief er sich auf das Recht der Redefreiheit, das in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben ist. Davis wurde wegen Missachtung des Kongresses verurteilt – ein Revisionsantrag wurde vom Obersten Gerichtshof nicht einmal zur Entscheidung angenommen.</p>
<p>Die Panikmache vor Kommunisten in den USA der 1950er ist ein klassisches Beispiel dafür, was geschehen kann, wenn ein Verhaltensmuster, das sich normalerweise nur in kleinen Gruppen beobachten lässt, mit einem Male auf eine ganze Nation übergreift. Die Rede ist vom Phänomen des <em>Groupthink. </em>Es zeigt sich vor allem dann, wenn Gruppen infolge äußeren Drucks oder einer Bedrohung – sei sie real oder auch nur subjektiv empfunden – sehr stark zusammenrücken (Kohäsion), Konflikte zu minimieren versuchen und stark nach Übereinstimmung streben. Ein typisches Groupthink-Symptom ist die Selbstzensur. So ist es in solchen Gruppen üblich, auf Abweichler, die eine starke Meinung gegen die Werte und Normen der Gruppe vertreten, unmittelbar und massiv Druck auszuüben.</p>
<p>Und weil der Kommunismus seinerzeit als nationale Bedrohung angesehen wurde, kam es zu einer landesweiten politischen Verfolgung von verdächtigen &#8222;Roten&#8220;. Chandler Davis wurde in  diesem Zusammenhang von zehn Mitgliedern der Fakultät der &#8222;Doppelzüngigkeit, Listigkeit und Unaufrichtigkeit, wie man sie von einem Universitätskollegen kaum jemals erwartet hätte&#8220; bezichtigt.</p>
<p>Ob diese ideologische Säuberungswelle tatsächlich die Nation gerettet hat, bleibt indes zweifelhaft. Aber sie wirkt auch noch bis in die Gegenwart, wenn zum Beispiel Anhänger des rechten Flügels behaupten, die Gesundheitsreform der US-Regierung hätte den Beigeschmack des europäischen Sozialismus. Oder man denke an die Liberalen, die das TARP-Rettungsprogramm für die Banken als unternehmerisches Sicherheitsnetz verhöhnten. Davis bedauert übrigens, dass der politische Diskurs in den USA seit den Vorgängen der 1950er Jahre verarmt sei. Mehr noch würden die meisten Ideen zur wirtschaftlichen Gerechtigkeit und der Kontrolle der Bürger über die Ökonomie von der politischen Debatte ausgeschlossen<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2">[2]</a>. Eine dieser Ideen, ein progressives Steuersystem, ist übrigens noch nicht einmal aufgegriffen worden, als im Zusammenhang mit der Diskussion um die Steuersenkungen des früheren Präsidenten Bush die Ungerechtigkeit der Einkommensteuer erörtert wurde. Auch kann niemand leugnen, dass die quantitativen Lockerungsprogramme der US-Notenbank in Höhe von womöglich zwei, fünf oder gar zehn Billionen US-Dollar letztlich nur vom Abstimmungsverhalten des Fed-Offenmarktauschusses (FOMC) abhängen. Wenn man Davis’ Ausführungen folgt, könnte man sogar so weit gehen und die Finanzkrise von 2008 und der Folgejahre abermals als eine nationale Bedrohung, ähnlich der des Kommunismus vor gut 50 Jahren, auffassen. Eine Krise, in deren Folge sich erneut die Tendenz zum Groupthink-Phänomen herausbildet, das nicht auf eine Kleingruppe begrenzt bleibt, sondern sich mindestens auf eine nationale Ebene ausgeweitet hat.</p>
<p>Davis geht sogar noch weiter, wenn er feststellt, dass der Gewinner das &#8222;Big Business&#8220; sei, wenn Gedanken zensiert und Abweichler mundtot gemacht würden: &#8222;Die Macht, bestimmte Ideen auszuschließen, dient der Macht der Unternehmen.“ Leider gäbe es keine politische Partei, die gegen Unternehmen anträte. Und er fügt verdeutlichend hinzu: &#8222;Ich bin für Wahlen, aber es gibt keine Möglichkeit, dass ich gegen Goldman Sachs stimmen kann.&#8220;</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[1]</a> Davis, C. (1960): <em>From an Exile, </em>ed. R.O. Bowen (Holt, Rinehart &amp; Winston), Erstdruck in <em>The New Professors, </em>Copyright 1960</p>
<p><em> </em></p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2">[2]</a> Hedges, C. (2010): <em>The Origin of America’s Intellectual Vacuum</em>, 15. November 2010 in truth-out.org</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/meinungsverschiedenheiten/">Meinungsverschiedenheiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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