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	<title>hedonistische Tretmühle Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Positionsgut Schönheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 06:57:11 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich war ich relativ beruhigt, als ich am vergangenen Sonntag im Sportstudio eine TV-Sendung zum Thema &#8222;Diätwahnsinn&#8220; verfolgte. Während ich unermüdlich auf dem Cross-Trainer strampelte, wurde mir vor allen Dingen eine Einsicht vermittelt: egal, ob Kohlsuppe, Atkins-Diät , Weightwatchers oder Trennkost – das meiste davon bringt langfristig nichts, wenn man nicht bereit ist, diese Form [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich war ich relativ beruhigt, als ich am vergangenen Sonntag im Sportstudio eine TV-Sendung zum Thema &#8222;Diätwahnsinn&#8220; verfolgte. Während ich unermüdlich auf dem Cross-Trainer strampelte, wurde mir vor allen Dingen eine Einsicht vermittelt:<span id="more-3744"></span> egal, ob Kohlsuppe, Atkins-Diät , Weightwatchers oder Trennkost – das meiste davon bringt langfristig nichts, wenn man nicht bereit ist, diese Form der Kasteiung lebenslänglich zu betreiben. Besonders beruhigend fand ich das Statement eines Medizin-Professors von der Universitätsklinik Lübeck, der meinte, dass es alles nur eine Frage der Kommunikation zwischen Gehirn und Körper sei, und bei chronisch stressgeplagten Menschen funktioniere diese nun einmal besonders schlecht. Ich verstand die tröstliche Botschaft sofort:  Eigentlich kann ich nichts dafür, dass ich übergewichtig bin. So weit, so entlastend.</p>
<p>Aber natürlich habe ich mich gleichzeitig auch gefragt, warum ich mich trotzdem drei bis vier Mal pro Woche auf Ausdauergeräten herumquäle. Klar doch, der Gesundheit wegen, um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Aber wenn ich ehrlich bin, treibt mich, den Genuss-Menschen, auch noch etwas anderes an. Das was im Grunde die meisten von uns zum Sport und zur Enthaltung von kulinarischen Genüssen bewegt: Wir wollen attraktiv sein. Und als ich dann auch noch in der online- Ausgabe des „Freitag“ las, warum in jüngster Zeit vor allem viele Männer „dem Diät-Wahn erliegen“ und des Narzissmus wegen selbst nach Ostern noch fasten, wurde mir klar: Schönheit ist ein knappes Gut, das sich nicht ohne weiteres vermehren lässt. Anders ausgedrückt, Schönheit ist ein Positionsgut mit allen klassischen Eigenschaften. Wenn ich dann noch lese, wenn Männer zu viel abnehmen, werde daraus  schnell ein gnadenloser Wettbewerb, dann sind alle Voraussetzungen für eine weitere „hedonistische Tretmühle“ gegeben. Nein, heute reicht es anscheinend nicht mehr, das Haus mit der besten Aussicht, das Auto mit der höchsten PS-Zahl und eine Premium-Mitgliedschaft im Golfclub vorweisen zu können. Auf dem Markt der schönsten Lebenslügen hat der die größten Chancen, der am besten aussieht. Und das Diktat des Schlankseins ist anscheinend nicht mehr weiblich, sondern unisex. Immer mehr Männer machen mit beim Abrüsten von Kilogrammen, beim entsagungsreichen Verzicht auf Kalorienzufuhr, um ihre Position an der Partnerschaftsbörse zu verbessern. Dafür sind sie bereit, auch positionsunabhängige Güter wie Freizeit, Ruhe, Entspannung und Genuss aufzugeben. Und das alles unter dem Vorwand, doch nur etwas für seine Gesundheit und für ein längeres Leben tun zu wollen – also lieber lange leiden statt lustvoll leben?</p>
<p>Sie werden mich jetzt sicherlich fragen, was man tun könne, um sich nicht auch noch im Privatleben beim Rennen um Positionsgüter abhetzen zu müssen. Mein Rat ist ebenso simpel wie schwer zu befolgen: einfach nicht mitmachen.</p>
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		<title>Eine Trilogie von Neid III</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 09:11:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Sie glauben nicht an die Idee, dass Neid gerade bei einander nahestehenden Menschen besonders ausgeprägt sein kann? Dann empfehle ich Ihnen, noch einmal in der Bibel nachzulesen. Etwa die Geschichte von Kain und Abel. Oder die von Josef und seinen Brüdern. Weil der Vater, Jakob, diesen einen Sohn offensichtlich bevorzugte, brachte diese Ungerechtigkeit unter dessen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie glauben nicht an die Idee, dass Neid gerade bei einander nahestehenden Menschen besonders ausgeprägt sein kann? Dann empfehle ich Ihnen, noch einmal in der Bibel nachzulesen. Etwa die Geschichte von Kain und Abel. Oder die von Josef und seinen Brüdern. <span id="more-1328"></span>Weil der Vater, Jakob, diesen einen Sohn offensichtlich bevorzugte, brachte diese Ungerechtigkeit unter dessen Brüdern so viel Neid und Missgunst hervor, dass sie anfangs sogar daran dachten, Josef umzubringen. Dann aber beschlossen sie, ihn als Sklaven zu verkaufen.  </p>
<p>Der Neid ist der Katalysator für die so genannte hedonistische Tretmühle. Wer kennt nicht den Spruch: „To keep up with the Joneses“. Man will denselben Wohlstand wie der Nachbar haben. Weil dessen Vermögen, Fähigkeiten, der soziale Status als Referenzpunkt dienen. Dabei ist die Welt so lange in Ordnung, wie man sich selbst in allen Kategorien überlegen fühlt. Hat man indes den Eindruck, man bewege sich unterhalb dieses Referenzniveaus, wird dies wie ein Verlust empfunden, den man wettmachen möchte. Da es dem Nachbarn möglicherweise genauso geht und ein Überholen auf der Vermögensschiene unsererseits ebenfalls wie ein Verlust empfunden werden könnte, entsteht so ein regelrechter Wettlauf. Ein Wettlauf, den viele Menschen als unsinnig und unnötig verurteilen<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a>.</p>
<p>Interessanterweise ist mit dieser Tretmühle wirtschaftliches Wachstum verbunden, wie schon Bernard Mandeville<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2">[ii]</a> erkannte.  Denn wenn solche Wettläufe zur gesellschaftlichen Norm werden, könnten gesamtwirtschaftlich Leistungen und Güter schneller als zuvor produziert und in Anspruch genommen werden, so der Arzt und Sozialtheoretiker. Man könnte sogar so weit gehen und behaupten, dass ohne relatives Bewerten oder gar Neid Wachstum überhaupt nicht möglich sei. In der Tat eine gewagte These! Wer sich allerdings Mandevilles Bienenfabel aus dem Jahre 1705 einmal durchliest – zur damaligen Zeit ein unglaublich provokantes, aber auch heute noch oft als anstößig empfundenes Werk – entdeckt, dass dort von einem &#8222;Laster&#8220;, einem grenzenlosen Habenwollen<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn3">[iii]</a> der Menschen die Rede ist. Und weil jeder aber seiner „Bedürfnissucht“ nachgeht, schafft er die Grundlage für „Industrie und Handel“. Der Mandevill‘sche Bienenstaat ist gespalten in einerseits fleißig arbeitende, von Entbehrung gezeichnete arme Menschen und andererseits egoistische Reiche, die ihrem Laster ungehemmt nachgehen. Am Ende wird in der Bienenfabel die Auflösung des Staates beschrieben, weil sich die Masse der Arbeitenden betrogen fühlt. Mit der Folge, dass sich der allseitige Ruf nach Tugend durchsetzen konnte. Es gab keinen Betrug mehr, Schuldner zahlten rechtzeitig, ein jeder erfüllte seine Pflichten und lebte sparsam. Mit der neuen Genügsamkeit sanken allerdings auch die Bedürfnisse und damit die Nachfrage. Die Preise von Land und Häusern brachen zusammen, Handel und Handwerk verfielen, und Kunst und Vergnügen brauchte wegen der neuen Enthaltsamkeit auch niemand mehr. Eine Welt voller Tugend, aber ohne Neid? – Das wäre in der Tat eine Welt ohne Wachstum und glücklicherweise ist sie bis heute Utopie geblieben.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> Nicht immer wird jedoch eine hedonistische Tretmühle durch Neid befeuert, sondern durch gesellschaftliche Zwänge. So stellt etwa der Ökonom Robert H. Frank fest, dass es nicht auf Neid zurückzuführen sein muss, wenn man sich ein gleich großes Auto wie Freunde Nachbarn oder Verwandte es haben kaufen möchte. Allein schon aus Gründen der Verkehrssicherheit könnte eine solche Anschaffung gerechtfertigt sein. Als einziger sich mit einer alten Rumpelkiste fortzubewegen, wenn alle anderen große verkehrssichere Autos fahren, kann nämlich ein erhöhtes Unfallrisiko zur Folge haben.</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2">[ii]</a> Bernard Mandeville (1670 &#8211; 1733)</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref3">[iii]</a> vgl. Stapelfeldt, Gerhard (2001), <em>Der Merkantilismus: Die Genese der Weltgesellschaft vom 16. bis 18. Jahrhundert</em>, Freiburg (ça ira-Verlag)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-trilogie-von-neid-iii/">Eine Trilogie von Neid III</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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