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	<title>Geld Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Schuld und Schulden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Nov 2012 09:07:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Hatte kürzlich wieder einmal Gelegenheit, in der Frankfurter Heiliggeistkirche eine Diskussionsrunde in der Reihe EKHN-Forum verfolgen zu dürfen. Dieses Mal ging es um das Thema „Schuld und Schulden“, wobei an der Zusammensetzung dieser äußerst informativen Gesprächsrunde, geleitet von Dr. Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft und Finanzen bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, vor allem reizte, dass Ökonomen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/schuld-und-schulden/">Schuld und Schulden</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Hatte kürzlich wieder einmal Gelegenheit, in der Frankfurter Heiliggeistkirche eine Diskussionsrunde in der Reihe <em>EKHN-Forum</em> verfolgen zu dürfen. Dieses Mal ging es um das Thema „Schuld und Schulden“, wobei an der Zusammensetzung dieser äußerst informativen Gesprächsrunde, <span id="more-5465"></span>geleitet von Dr. Rainer Hank, Ressortleiter Wirtschaft und Finanzen bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, vor allem reizte, dass Ökonomen mit Theologen an einem Tisch saßen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Doch es ging hier keineswegs um eine Begegnung von Gewinnstreben und Moral. Vielmehr waren sich alle Beteiligten überraschenderweise in ihrer positiven Haltung zur Schuldenthematik einig. Fehlte eigentlich nur noch ein Verhaltensökonom.</p>
<p>Bereits bei den einführenden Worten von Rainer Rank, der das Verhältnis zwischen Schuldner und Gläubiger beleuchtete, wurde ich hellhörig. So vertrat Hank die Auffassung, dass beide Partner bei der Vergabe eines Kredits grundsätzlich optimistisch seien – der Gläubiger, weil er hofft, eine gute Rendite zu erhalten und sein Geld eines Tages zurückzubekommen. Und der Schuldner, weil er mit dem geliehenen Geld etwas Neues (an)schaffen kann und davon ausgeht, der Mehrwert seines Investments<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> übersteige die Kosten seiner Finanzierung. Mir fiel intuitiv das Phänomen der „Overconfidence“, jenes häufig zu beobachtende überhöhte Vertrauen in eigenen Fähigkeiten, ein. Denn aus den Finanzmärkten weiß man, dass (zu) viele Transaktionen nur deshalb zustande kommen, weil sowohl Anbieter als auch Nachfrager überzeugt sind, klüger als ihr Kontrahent zu sein. Jeder glaubt, mit seiner Entscheidung, etwas zu diesem Zeitpunkt zu kaufen oder es zu verkaufen, richtig zu liegen. Und das könnte auch für Gläubiger und Schuldner gelten. Ob es demzufolge womöglich viel mehr Schulden als nötig gibt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wann die Schuld anfängt</strong></p>
<p>Im Verlauf der Diskussion, bei der es vor allem auch darum ging, wann die Schuld bei der Schuldenthematik ins Spiel kommt, gefiel mir die Ansicht von Jan Pieter Krahnen ganz besonders gut, der hervorhob, Schuld im moralischen Sinne entstünde erst bei einer Überschuldung. Wobei man natürlich unterscheiden müsse, ob es sich um eine durch Schicksalsschlag entstandene oder eine eigenverantwortliche oder gar absichtlich herbeigeführte Überschuldung handelt. Im ersten Fall besteht natürlich keine Schuld, aber wenn Gläubiger oder Schuldner, möglicherweise auch beide, die Überschuldung erkennen können, so der Ökonom, entstünde das, was man als Schuld bezeichnet. Vor allen Dingen, wenn man vielleicht in stillschweigender Übereinkunft schon bei Abschluss eines Kreditgeschäfts einen unsichtbaren Dritten mit ins Kalkül einbezieht, der dann am Ende für die Überschuldung aufkommen muss, ähnlich der Rolle des Staats mit seinen Rettungsschirmen in der derzeitigen Finanzkrise.   </p>
<p>Mehr noch forderte Krahnen, dass die Bedingungen, unter denen eine Überschuldung erlaubt sein könnte, von vornherein festgelegt werden. Damit komme der Frage, ob die Überschuldung kontrollierbar war oder auf externe unkontrollierbare Ereignisse zurückzuführen gewesen sei, eine besondere Bedeutung zu.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Geld auf den Stundenplan!</strong></p>
<p>Kontrolle auszuüben ist aus Sicht der Verhaltensökonomie gleichbedeutend mit der Notwendigkeit, sich zu informieren – wer sich nicht informiert, kann im Zweifel auch nicht kontrollieren. Demzufolge sehe ich nicht nur den schlecht informierten Gläubiger in der Schuld stehen. Vielmehr gilt dasselbe auch für einen betroffenen Dritten, dem womöglich Gläubiger und Schuldner gemeinsam eine faule Schuld aufdrücken wollen. Dieser Dritte ist etwa bei der Eurokrise der Bürger, der im Notfall als Bürge in Anspruch genommen werden muss. Oder wir alle über den Staat.</p>
<p>Wer sich nicht informiert, macht sich also irgendwie mitschuldig. Aber wohin man auch schaut – die Wirtschafts- und Finanzbildung ist schlecht. Konsumenten haben Probleme mit Prozentrechnung und dem Zinseszinseffekt. Viele Bürger verstehen nicht, was Inflation ist, oder wie sich Preise durch Angebot und Nachfrage bilden und verändern. Kurzum: Viele haben keinen blassen Schimmer. Einige haben auch einfach nur keine Lust, sich mit Geld und Finanzen auseinanderzusetzen, andere regelrecht <a href="http://www.blognition.de/tag/angst/">Angst</a> davor. Ausbildung tut Not und zwar am besten schon in der Schule als eigenes Fach auf dem Stundenplan! Dabei kommt auch den Wirtschaftsmedien eigentlich eine enorm wichtige Funktion zu: Sie müssen, möglichst unabhängig, aufklären und informieren. Wer jedoch glaubt, ausgerechnet Wissensvermittlung und gute Informationen in Geldangelegenheiten seien kostenlos, wer unaufgeklärt durch die Welt geht, trägt gewissermaßen selber die Verantwortung dafür. Wie auch für die Folgen.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Die weiteren Teilnehmer des Panels waren die Frankfurter Rabbinerin Elisa Klapheck, der evangelische Theologe Professor Dr. Klaas Huizing und der Direktor des Center for Financial Studies, Professor Dr. Jan Pieter Krahnen</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Aus Sicht eines Konsumenten besteht dieses „Investment“ im vorgezogene Verbrauch eines Gutes</p>
</div>
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		<title>Abschalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 06:59:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Naturaltausch]]></category>
		<category><![CDATA[Zinseszins]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts <span id="more-2751"></span>des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten möglichst einfach für den Endverbraucher portioniert und komplexitätsarm dargestellt.</p>
<p>Und da saßen sie nun, ein paar bekannte Politiker, von denen ich in solchen Talkrunden ohnehin nicht viel erwarte. Auf der anderen Seite aber waren die Experten, die offenbar versuchten, den komplexen Sachverhalt der Krise mit einfachen Worten zu erklären. Dass dergleichen mitunter ein schwieriges Unterfangen sein kann, haben bereits vor 40 Jahren Experimente zur Informations­verarbeitung gezeigt. Etwa zum Gebrauch von so genannten Heuristiken (Faustregeln), die den großen Vorteil bieten, Komplexität zu reduzieren und Zeit zu sparen. Allerdings zu Lasten der Genauigkeit bei den Ergebnissen.</p>
<p>Dieser Neigung zur Vereinfachung, damit das Volk auch wirklich den Ernst der Lage versteht, ist auch ein in der Show auftretender Finanzmarktexperte zum Opfer gefallen. Aber dieser musste natürlich am Ende auch seinem Namen voll und ganz gerecht werden und dem Zuschauer verraten, was man nun mit seinem Geld in den Zeiten der Krise anstellen solle. Und das, nachdem der Experte ausführlich über die Katastrophe und den Reset referiert hatte. Was blieb da noch an realen Sachwerten übrig? Gold? Na klar, aber das hat sowieso jeder. Vielleicht auch Silber? Oder gar Aktien? Da erhält man im Gegenzug etwas Reales, erfuhr ich. Nämlich einen Anteil an einem Unternehmen. Mit allem Drum und Dran. Und damit das Investment zum sicheren Erfolg führt, wird der interessierte Zuschauer belehrt, kann man sich gerade in unsicheren Zeiten gegen Kursrückschläge sogar absichern. Solche Instrumente, Optionen, die man auch als Versicherungen bezeichnen kann, kosten natürlich Geld. Prämien, die gerade bei der heutigen Volatilität möglicherweise Dividendenerträge und Kursgewinne mehr als aufzehren können. Aber viel mehr als das, trieb mich die Frage um, wer bei einem Untergang des Finanzsystems – das wäre doch der Worst Case – eine solche Versicherung noch bedienen könnte.</p>
<p>Aber der Finanzmarktexperte war nicht der einzige, der bei mir Fragen offen ließ. Etwa der Verbraucherschützer, der offensichtlich etwas gegen Aktien hatte. Der riet nämlich dem möglicherweise verschuldeten Konsumenten, zuerst seine Schulden schnell abzutragen. Das macht Sinn, wenn die Zinsen des Kredits tatsächlich hoch sind. Wenn dann noch Geld übrig bliebe, so der Experte, könne man an ein Sparbuch oder (angesichts der niedrigen Zinsen) an ein noch attraktiveres Festgeld denken. Da wurde mir sogleich die massive Differenz zwischen den derzeitigen Soll- und Habenzinsen vor Augen geführt. Aber über die regte sich zumindest in der Runde niemand auf. Ist ja auch keine Spekulation. Und wenn dann immer noch Geld übrig bliebe, solle man sich eine Immobilie zulegen, vernahm ich. Erst dann dürfe man an Aktien denken, womit mir mit einem Schlag klar wurde, warum Aktienengagements in Deutschland immer noch nur wenigen vorbehalten bleiben.</p>
<p>Fast hätte ich den Wirtschaftsprofessor aus Österreich vergessen. Der empörte sich nicht nur über den Zinseszins als Quelle allen Krisenübels. Nein, so lautete seine Forderung, man müsse Geld (das ohnehin alle 70-80 Jahre kaputt ginge) ganz abschaffen und zum Naturaltausch zurückkehren. Das sei doch nur fair. Und ich fragte mich, warum man sich vor mehr als 2000 Jahren überhaupt die Mühe gemacht hatte, Geld als fungibelstes aller Tauschmittel einzuführen. Vielleicht weil man offenbar nicht ohne weiteres sagen konnte, wie viele Äpfel eine Birne wert waren?</p>
<p>Am meisten regte mich aber auf, dass niemand in der ganzen Talkrunde imstande war, diesen teils haarsträubenden Geschichten argumentativ ein Ende zu machen. So blieb mir selbst nur mein eigenes endgültiges Argument übrig: Abschalten.</p>
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