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	<title>Fake News Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Große Delegation weckt große Hoffnungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Oct 2019 04:46:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
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		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
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		<category><![CDATA[US-chinesischer Handelskonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es sind keine großen Reaktionen, die sich gestern an den Währungsmärkten ereigneten. Aber es ist schon bemerkenswert, wenn der Dollar gegenüber den typischen Fluchtwährungen Schweizerfranken und Yen in einem ausgesprochen ruhigen, wenn nicht gar bewegungslosen Markt plötzlich an Wert gewinnt. Und zwar angeblich, weil China bekanntgab...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,0965)</strong>             Es sind keine großen Reaktionen, die sich gestern an den Währungsmärkten ereigneten. Aber es ist schon bemerkenswert, wenn der Dollar gegenüber den typischen Fluchtwährungen Schweizerfranken und Yen in einem ausgesprochen ruhigen, wenn nicht gar bewegungslosen Markt plötzlich an Wert gewinnt. Und zwar angeblich, weil China bekanntgab, zur 13. Runde der Handelsgespräche mit den USA eine seiner bisher größten Delegationen nach Washington schicken zu wollen. Als ob die schiere Größe schon den positiven Ausgang der Verhandlungen zwischen China und den USA garantieren würde. Immerhin: China scheint die Verhandlungen ernst zu nehmen. Zumindest hob sich eine derartige Meldung gestern scheinbar wohltuend als Kontrast zum ansonsten pessimistisch anmutenden Nachrichtenstrom in Sachen Handelskonflikt ab.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-11165" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/09102019.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/09102019.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/09102019-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Sanktionsliste dämpft Optimismus</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Denn die Optimisten unter den Marktteilnehmern, die immer noch auf ein positives Ende der Verhandlungen im Handelskonflikt hoffen, bekamen bereits vorgestern Nacht nach Handelsschluss erneut einen Dämpfer: Die Trump-Administration setzte unter anderem acht chinesische Technologie-Riesen – angeblich wegen Verletzung von Menschenrechten gegen muslimische Minderheiten – auf eine schwarze Liste. Unternehmen, die ohne besondere Erlaubnis der US-Regierung keine Geschäfte mehr mit amerikanischen Unternehmen abschließen dürfen. China kündigte bereits Vergeltung an.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Aber auch ein anderes Thema stand gestern plötzlich wieder auf der Tagesordnung. Und zwar erneut die mögliche Beschränkung US-amerikanischer Kapitalströme in Richtung China. Dabei ist es gerade einmal etwas mehr als eine Woche her, dass der Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, Medienberichte bezüglich geplanter Investitionsbeschränkungen Chinas als „Fake News“ zurückgewiesen hatte.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Investitionsbeschränkungen doch keine Fake News?</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Zwar scheint es dem Vernehmen nach derzeit keine Pläne zu geben, chinesische Aktien vom Handel an den US-Börsen auszuschließen. Aber gestern machten Medienberichte die Runde, wonach im Weißen Haus nach wie vor erwogen wird, Investments von staatlichen US-Pensionskassen bei chinesischen Unternehmen zu beschränken. Gespräche, die übrigens bereits in der vergangenen Woche stattgefunden haben sollen. Damit wird es immer schwerer vorstellbar, wie es angesichts eines derartigen Setups überhaupt noch zu irgendwelchen kleineren Teilverträgen zwischen den USA und China kommen kann. Dennoch scheint es unter den Finanzmarktakteuren immer noch Optimisten zu geben, die sich vorstellen können, dass die für den 15. Oktober geplante Erhöhung der US-Strafzölle auf China-Importe als Geste des guten Willens noch einmal verschoben werden könnte.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Immerhin gab es gestern aus den USA neue ökonomische Daten für September zu vermelden. So blieb der Produzentenpreisindex deutlich unter den Werten des Vormonats und den mittleren Erwartungen der Ökonomen zurück. Die Kernrate des Index ist dabei von 2,3 auf 2,0 Prozent gesunken und dürfte etwaige positive Erwartungen auf den am Donnerstag zur Veröffentlichung anstehenden Konsumentenpreisindex dämpfen. Der Dollar geriet allerdings wegen dieser Daten gestern nicht unter Druck. Im Gegenteil. So schaffte es der Euro auch den vierten Tag hintereinander nicht, die nächste Hürde an der Oberseite bei <strong>1,1005</strong> auch nur ansatzweise in Angriff zu nehmen. Stattdessen gab es einen kleinen Rücksetzer im Rahmen des kurzfristigen Abwärtstrends, der zwischen <strong>1,1040</strong> und <strong>1,0835/40</strong> verläuft und fast kein Momentum aufweist.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Rückkehr der gerufenen Geister</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Oct 2019 05:05:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
		<category><![CDATA[US-chinesischer Handelskonflikt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Neues gibt es von einer möglichen Beschränkung US-amerikanischer Kapitalströme in Richtung China seitens der Trump-Administration zu berichten, zu der ich mich bereits am vergangenen Montag eingehend ausgelassen hatte. Wir erinnern uns: Mehrere Medien berichteten am vergangenen Freitag, dass von der Administration die Möglichkeit durchgespielt wurde, Aktien chinesischer Unternehmen nicht mehr an den US-Börsen handeln zu lassen. Aber auch die Option,</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,0930)</strong>             Eigentlich könnte man meinen, dass US-Präsident Donald Trump angesichts des Impeachment-Dramas derzeit andere Sorgen hat, als sich um US-Wirtschaftsdaten zu kümmern. Und wieder einmal – wie gestern geschehen – über die US-Notenbank lamentiert. Um es kurz zu machen: Der ISM Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe war nicht nur deutlich schlechter als erwartet ausgefallen (Ökonomen waren sogar von einem Anstieg des Index ausgegangen), sondern blieb abermals unter der 50er-Signallinie (47,8). Letztere trennt bekanntlich wirtschaftliche Expansion und Schrumpfung voneinander.<img decoding="async" class="alignright wp-image-11144" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/02102019.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/02102019.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2019/10/02102019-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Niemand sprach über Investmentbeschränkungen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Neues gibt es unterdessen von einer möglichen Beschränkung US-amerikanischer Kapitalströme in Richtung China seitens der Trump-Administration zu berichten, zu der ich mich bereits am vergangenen Sonntag <span style="color: #000000;"><strong><a style="color: #000000;" href="https://www.joachim-goldberg.com/2019/09/29/kurzer-blick-in-pandoras-buechse/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">HIER</a></strong></span> eingehend ausgelassen hatte. Wir erinnern uns: Mehrere Medien berichteten am vergangenen Freitag, dass von der Administration die Möglichkeit durchgespielt wurde, Aktien chinesischer Unternehmen nicht mehr an den US-Börsen handeln zu lassen. Aber auch die Option, Engagements amerikanischer Pensionskassen in China zu begrenzen, wurde so genannten gut informierten Quellen zufolge diskutiert.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Bereits in der Nacht zum Sonntag beteuerte die Sprecherin des US-Finanzministeriums, Monika Crowley, dass die Administration es derzeit nicht in Betracht ziehe, chinesische Aktiengesellschaften von den US-Aktienmärkten auszuschließen. Auf Option zwei oder auf andere Möglichkeiten ging Crowley interessanterweise erst gar nicht ein.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Wenn Fake News wahr werden</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Am Montag setzte der als ausgewiesener politischer Falke bekannte Handelsberater des Weißen Hauses, Peter Navarro, diesem halben Dementi noch einen drauf und bezeichnete in einem denkwürdigen Fernsehinterview mit CNBC die Medienberichte bezüglich geplanter Investmentbeschränkungen Chinas als „unverantwortlich“ und als „Fake News“.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Vermutlich hätten die Finanzmarktteilnehmer der ganzen Geschichte kein weiteres Interesse geschenkt. Aber es sollte nicht einmal mehr als einen Tag dauern, bis CNBC (<a href="https://www.cnbc.com/2019/10/01/white-house-floated-memo-to-study-china-investment-limits-amid-trade-war.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="color: #000000;"><strong>HIER</strong></span></a><span style="color: #000000;"><strong>)</strong></span> aus einem Memo des Weißen Hauses von Anfang vergangener Woche zitierte, wonach [in der Administration] eben doch über eine mögliche Beschränkung US/chinesischer Investments diskutiert wurde. Ein Memo, das übrigens Peter Navarros Büro miteinbezogen haben soll. Weitere Beratungen darüber sollen übrigens noch in der laufenden Woche folgen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Unterdessen hat der Euro gestern im Rahmen seines kurzfristigen Abwärtstrends noch einmal ein marginal niedrigeres Jahrestief markiert, bevor gestern eine relativ schnelle Erholung einsetzte. Nicht zuletzt wegen des oben genannten miserablen ISM-Reports. Nach wie vor gilt, dass sich der Euro mit Erholungen innerhalb des kurzfristigen Abwärtstrends zwischen nunmehr <strong>1,1060/65</strong> und <strong>1,0810/20</strong> etwas leichter tun dürfte, zumal das Abwärtsmomentum nach Überschreiten von <strong>1,1005</strong> zum Erliegen käme.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweise</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 10 Stellen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wegen des morgigen Feiertages in Deutschland habe ich ein verlängertes Wochenende eingeplant und melde mich daher erst wieder am Montag, den 7. Oktober zurück.</span></p>
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		<title>Wahrheit – eine Frage der Wahrnehmung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2017 16:09:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Fake News]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaftsbegriff]]></category>
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		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Weitergabe von Informationen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Angeblich leben wir ja bereits seit einigen Jahren in einem postfaktischen Zeitalter, und der Begriff Fake News, womit vor allem gezielte Desinformationen aus dem Internet gemeint sind, ist spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA in aller Munde. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, als ob es vor der Entstehung der sozialen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9381 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/01/Spiegelhalle.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Angeblich leben wir ja bereits seit einigen Jahren in einem postfaktischen Zeitalter, und der Begriff Fake News, womit vor allem gezielte Desinformationen aus dem Internet gemeint sind, ist spätestens seit der Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA in aller Munde. Tatsächlich gewinnt man den Eindruck, als ob es vor der Entstehung der sozialen Netzwerke im Internet sowohl in den Medien als auch im zwischenmenschlichen Umgang die Wahrheit und nichts als die Wahrheit verlautbart worden war. So als ob wir immer nur offen und ehrlich miteinander umgegangen wären und es Lügen oder gar bewusst gestreute Falschinformationen im sogenannten faktischen Zeitalter nie gegeben hätte.</p>
<p>Ich selbst habe bereits bei meinen ersten Erfahrungen als Devisenhändler Anfang der 1980er Jahre erlebt, wie der permanente Einfluss von Informationen unser Entscheidungsverhalten beeinflusst. Das war zu einer Zeit, als es in den Finanzmärkten nur wenige mediale Möglichkeiten gab, Informationen zu verbreiten und zu empfangen. Verglichen mit heute lebten wir informationstechnisch gesehen in einer Wüste.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fake News gibt es schon lange</strong></p>
<p>Tatsächlich gab es im Handelssaal ein Telex-Gerät, das ein paar Mal am Tag klingelte, wenn es Neuigkeiten aus der Wirtschaft gab. Und als der erste Bildschirm der Nachrichtenagentur Reuters im Raum installiert wurde, betrachteten ihn viele Händler fast als so etwas wie Teufelszeug. Mit anderen Worten: Vor knapp 40 Jahren wurden während eines Handelstages nur wenige harte Fakten publiziert. Vielmehr bestand der größte Teil dessen, was man in den Finanzmärkten untereinander austauschte, aus Gerüchten. Gerüchte, die sich manchmal als wahr, ein anderes Mal jedoch als falsch herausstellten. Kamen diese Neuigkeiten von guten Händler-Freunden, denen man vor allen Dingen deshalb vertraute, weil man sie bei einem Forex-Treffen (jährliches Treffen der Devisenhändler) oder beim Besuch einer befreundeten Bank persönlich kennengelernt hatte, hatten diese naturgemäß eine höhere Wertigkeit. Als seriös galt, wen man gut zu kennen glaubte.</p>
<p>Wichtiger noch als Quelle und für wie seriös wir diese hielten, war jedoch die Frage, ob die Information zum bestehenden Engagement, etwa zu einer Long-Position in US-Dollar gegen D-Mark, passte. Damals wie heute wurden Nachrichten und Daten selektiv wahrgenommen. Was zur Position passte, wurde in seiner Bedeutung überschätzt, und das, was den Erfolg des Engagements hätte bedrohen können, wurde heruntergespielt oder sogar schlichtweg ignoriert. Einziger Unterschied zu heute: Damals gab es die Forschungsdisziplin der Behavioral Finance noch nicht. Und deshalb war niemandem bewusst, wie selektiv er genau wie alle anderen auch Informationen bewertete.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Selektive Wahrnehmung entscheidet</strong></p>
<p>Und das hatte Auswirkungen auf die Gespräche mit Kollegen und befreundeten Händlern, mit denen man permanent, in erster Linie telefonisch, in Kontakt stand. Und wenn ein Engagement schiefging, dann waren natürlich oft falsche Gerüchte – gemeinhin als Ente oder Lüge bezeichnet – daran schuld, weil die einen in die Irre geführt hatten.</p>
<p>Heute sagt man dazu „Fake News“.</p>
<p>Auch damals gab es (gerade von den Verlierern) immer wieder die Forderung, man müsse die Verbreiter von Fehlinformationen aufs Schärfste bestrafen. Eine Forderung, die übrigens niemals in die Tat umgesetzt wurde. Vermutlich, weil dies in der Realität ohnehin unmöglich gewesen wäre, aber vor allen Dingen, weil es bei der Desinformation nicht nur Verlierer, sondern auch Profiteure gab.</p>
<p>Aber auch ein anderer wesentlicher Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden. Gerade aufgrund der selektiven Wahrnehmung und Weitergabe von Informationen gab es nicht die prinzipielle Unterteilung in Gut und Böse. Es gab auch nicht Quellen, die immer im Besitz der Wahrheit waren oder ausschließlich Lügen verbreiteten. Gefragt war, was gerade passte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Steigende Informationsflut</strong></p>
<p>Auch die Zeitungen waren damals relativ leicht einzuordnen. Wer konservativ war, konnte sich darauf verlassen, in einem bestimmten Blatt Informationen und Meinungen zu finden, die sein Weltbild bestätigten. Und wer sich eher links einordnete, wusste ganz genau, welche Tageszeitung er kaufen musste, um seine politische Ansicht gut vertreten zu fühlen. Und prinzipiell galt: Medien des politischen Gegners logen sowieso immer.</p>
<p>Der wesentliche Vorteil der (auch nicht) „guten, alten Zeit“ bestand jedoch darin, dass die verfügbaren Informationen für uns auch schon seinerzeit aufgrund ihrer Vielzahl sowohl wahrnehmungstechnisch als auch bei der Verarbeitung schnell zu einer gewissen Überforderung führten. Aber die Anzahl der eintreffenden Nachrichten war dennoch im Vergleich zu heute noch überschaubar, und der europäische Devisenhandel war spätestens um 17:30 Uhr beendet. Ein einziger Anruf in einer anderen Zeitzone, etwa in New York am späten Abend zu mitteleuropäischer Zeit, genügte, um sich bei einem dortigen Händler über die wichtigsten Geschehnisse des Tages zu informieren. Natürlich selektiv aufbereitet. Und manchmal konnte man in diesen Gesprächen sogar heraushören, ob der Kollege gerade am Gewinnen oder Verlieren war.</p>
<p>Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, wenn man heutzutage behauptet, in den vergangenen 40 Jahren hätte sich vieles verändert. Dies gilt zumindest hinsichtlich der Informationsmenge, die natürlich nicht auf die Finanzmärkte beschränkt ist, sondern uns längst im Alltag begleitet. Auch die Verbreitungsgeschwindigkeit von neuen Nachrichten hat sich exponentiell gesteigert. Was die Standardmedien angeht, kann man auch nicht mehr zwischen links und rechts unterscheiden, weil sich die Maßstäbe und gesellschaftlichen Normen verändert und verschoben haben. Etwa derart, dass man heute statt zwischen rechts und links, progressiv oder konservativ eher zwischen Anhängern und Gegnern des Establishments unterscheiden könnte. Während die Gegner Medien, die dem Establishment nahestehen, generell als Lügenpresse verunglimpfen, sehen die Vertreter des Establishments nur zu gerne das, was von den Gegnern geäußert wird, als Verschwörungstheorie an.</p>
<p>Beide Pauschalisierungen sind vereinfachend, polarisierend und falsch.</p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Veränderter Freundschaftsbegriff</strong></p>
<p>Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, sondern hat zwischen diesen beiden Extremen eine Vielzahl von Grautönen. Viel bedeutsamer als diese Unterscheidung sind Charakter und Wesen der sogenannten Freundschaftsbeziehungen, die sich gravierend verändert haben und deren Anzahl ich dank Facebook im Gegensatz zu früher massiv steigern konnte. Von den mehr als 800 sogenannten Freunden kenne ich selbst zwar nur einen Bruchteil. Die meisten sind Freunde von Freunden, die irgendetwas miteinander – und daher auch mit mir – gemeinsam zu haben scheinen.</p>
<p>Auch wenn ich mittlerweile intern zwischen guten und weniger guten Freunden unterscheide, impliziert der Begriff des Freundes doch generell, dass dieser irgendwie ähnlich denkt wie ich und, was noch viel wichtiger ist, in meinen Augen als zuverlässige Quelle seriöser Informationen gilt. Leider ein Trugschluss, wie sich immer wieder herausstellt.</p>
<p>Facebook möchte nun eindeutige Falschmeldungen, die im Netz herumschwirren, auch mittels eines Recherchebüros („Correctiv“) herausfiltern und als solche kennzeichnen. Diese vordergründig gut gemeinte Idee hat jedoch auch wieder einen Haken. Denn die Mitarbeiter dieses Unternehmens sind natürlich auch nicht unvoreingenommen, und jeder von ihnen hat seine eigene Weltanschauung und unterliegt wie alle anderen auch der selektiven Wahrnehmung von Informationen.</p>
<p>Wenn man diesen Faden weiterspinnt, mag das Hauptproblem von Fake News (früher falsche Gerüchte oder Enten genannt) gar nicht einmal allein in deren Produktion liegen, sondern darin, ob deren Empfänger bereit sind, diese wahrzunehmen und zu glauben. Und wie in den Finanzmärkten gilt auch im Leben: Was zur Position (Weltanschauung) passt, wird bevorzugt angenommen und auch gerne weitergegeben. Und was nicht ins eigene Weltbild passt, wird in seiner Aussagekraft heruntergespielt, vielleicht sogar der Lächerlichkeit preisgegeben oder gleich ganz als Fake oder Lügenpresse abgetan.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/wahrheit-eine-frage-der-wahrnehmung/">Wahrheit – eine Frage der Wahrnehmung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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