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	<title>Bibel Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Von der Euro-Krise zur Währungsreform – Teil 3</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 07:43:06 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wenn man über eine Währungsreform, etwa als Folge eines Staatsbankrotts oder politischen Umbruchs, nachdenken muss, orientiert man sich unweigerlich an geschichtlichen Vorbildern und versucht, die Regeln von damals auf heute wieder anzuwenden. Der große Haken an der Geschichte besteht allerdings darin, dass im Gegensatz zu 1948 oder der deutschen Wiedervereinigung Vermögen heutzutage überall in irgendeiner [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform-teil-3/">Von der Euro-Krise zur Währungsreform – Teil 3</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn man über eine Währungsreform, etwa als Folge eines Staatsbankrotts oder politischen Umbruchs, nachdenken muss, orientiert man sich unweigerlich an geschichtlichen Vorbildern und versucht, die Regeln von damals auf heute wieder anzuwenden. Der große Haken an der Geschichte besteht allerdings darin, <span id="more-2954"></span>dass im Gegensatz zu 1948 oder der deutschen Wiedervereinigung Vermögen heutzutage überall in irgendeiner Form auf die Welt verteilt werden kann. So können etwa hierzulande Schulden gemacht und im Gegensatz dazu irgendwo im Ausland Sachwerte gekauft worden sein. Vermögenswerte und Schulden überhaupt vollständig zu erfassen, würde einer Herkulesaufgabe gleichkommen, die in der Praxis überdies zu noch größeren Ungerechtigkeiten führen dürfte. Weil kleine und mittlere Vermögen im Gegensatz zu den großen oft das Land nicht verlassen haben und deswegen leichter kontrollier- und steuerbar sind. Mit der Folge, dass die kleinen und mittleren Vermögen prozentual stärker belastet werden als die der Superreichen. Dabei sollte doch bei einer Währungsreform die Chance wahrgenommen werden, Ungerechtigkeiten in der Einkommens- und Vermögensverteilung, wenn nicht zu beseitigen, so doch zumindest zu verringern. Sich verschärfende Ungleichheiten, wie sie gerade erst gestern von der OECD selbst für Länder wie Schweden und Finnland, insbesondere aber auch für Deutschland und die USA festgestellt wurden<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>In der Praxis kommen also für eine Währungsreform nur Vermögenswerte in Frage, die irgendwo festgehalten oder offiziell registriert wurden. Also auch Grund und Boden. Denn vor allem dieser kann nicht versteckt oder gar ins Ausland geschmuggelt werden. Wäre es nicht ein geradezu unerhörter Gedanke, Grund und Boden zu konfiszieren (ohne die darauf stehenden Fabriken und Gebäude) und etwa im Falle Deutschlands auf 80 Millionen Bundesbürger gerecht zu verteilen?</p>
<p>Eine solche Praxis war vor rund 3000 Jahren nicht unüblich. Denn in der Bibel steht geschrieben, dass alle 50 Jahre ein so genanntes Jubeljahr ausgerufen werden soll. Ein Jahr, in dem neben dem Verbot der landwirtschaftlichen Arbeit, der Freilassung aller Sklaven und einem generellen Erlass sämtlicher Schulden auch Grund und Boden an den ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden sollen, ohne dass der Käufer das verhindern kann (Leviticus 25, 8-10). Also eine Vorschrift, die das Recht des Grundstückkäufers (selbst wenn dieser jahrelang den Boden bewirtschaftet haben sollte) für nichtig erklärt.</p>
<p>Abgesehen davon, dass die Erde des Alten Testaments ohnehin Gott gehört, versucht die Vorschrift des Jubeljahres, den natürlichen Erwerbstrieb des Menschen zu begrenzen. Der nordamerikanische Sozialphilosoph und Bodenreformer Henry George (1839 – 1897)  zitiert das Jubeljahr als eine Vorschrift zur Erhaltung, aber auch zur Verteilung des Reichtums. Denn damit konnte eine Monopolisierung des Landes wie etwa in Ägypten ausgeschlossen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn2">[2]</a> werden. Ägypten, ein Land, das durch die Konzentration von Grund und Boden auf wenige Vermögende am Ende in zwei Gruppen aufgeteilt war: in die ganz Reichen und die furchtbar Armen.  Arbeit war dort quasi mit Sklaverei gleichzusetzen.</p>
<p>Auch wenn Sklaverei im biblischen Sinne, also Leibeigenschaft, heute nicht mehr praktiziert wird, gibt es dennoch Niedriglohnarbeiter, deren Lebenssituation durchaus mit Sklaverei vergleichbar scheint. Denn die Löhne richten sich nur selten nach dem tatsächlichen Beitrag eines Angestellten zu den Gewinnen des Unternehmens. Selbst Firmenlenker würden zustimmen, dass jemand, der das 20-fache des durchschnittlichen Arbeitslohns in seinem Unternehmen verdient, nicht zwingend ein schlechterer Manager sein muss als derjenige, der das 40-fache des Durchschnittslohns seiner Mitarbeiter bekommt. Vielmehr spiegelt die Lage der Beschäftigten häufig eine Ungleichverteilung der Verhandlungsmacht über Löhne und mangelnde Transparenz wider. Ganz zu schweigen von den Zugangsbeschränkungen in einigen Berufen (beispielsweise Apotheker, Notare oder Taxifahrer). Um die moderne Sklaverei zu beenden, müsste das Kräfteverhältnis zwischen Unternehmen und Angestellten korrigiert werden. Zurzeit sind die Kräfte ähnlich verteilt wie bei einer Erpressung. Wer die Bedingungen nicht akzeptiert, fliegt raus oder wird gar nicht erst eingestellt. Oder das ganze Unternehmen wandert ab, ins Ausland, wo die Arbeitskräfte angeblich bereit sind, für weniger Geld noch mehr zu arbeiten. Und wo keine Gewerkschaft Sand ins Getriebe streut.</p>
<p>Schon vor 3000 Jahren hat man also erkannt, dass sich die Ungleichverteilung von Vermögen niemals von alleine korrigiert. Dazu bedarf es staatlicher Reformen. Eines Resets sozusagen. Dann und wann, eben alle Jubeljahre.</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Spiegel Online vom 5.12.2011: <em><a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,801730,00.html" target="_blank">Deutschland wird amerikanischer </a></em></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref2">[2]</a> George, Henry: <em>Moses, der Gesetzgeber</em>, Berlin : Welt, 1920</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform-teil-3/">Von der Euro-Krise zur Währungsreform – Teil 3</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Eine Trilogie von Neid III</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 09:11:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Sie glauben nicht an die Idee, dass Neid gerade bei einander nahestehenden Menschen besonders ausgeprägt sein kann? Dann empfehle ich Ihnen, noch einmal in der Bibel nachzulesen. Etwa die Geschichte von Kain und Abel. Oder die von Josef und seinen Brüdern. Weil der Vater, Jakob, diesen einen Sohn offensichtlich bevorzugte, brachte diese Ungerechtigkeit unter dessen [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-trilogie-von-neid-iii/">Eine Trilogie von Neid III</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Sie glauben nicht an die Idee, dass Neid gerade bei einander nahestehenden Menschen besonders ausgeprägt sein kann? Dann empfehle ich Ihnen, noch einmal in der Bibel nachzulesen. Etwa die Geschichte von Kain und Abel. Oder die von Josef und seinen Brüdern. <span id="more-1328"></span>Weil der Vater, Jakob, diesen einen Sohn offensichtlich bevorzugte, brachte diese Ungerechtigkeit unter dessen Brüdern so viel Neid und Missgunst hervor, dass sie anfangs sogar daran dachten, Josef umzubringen. Dann aber beschlossen sie, ihn als Sklaven zu verkaufen.  </p>
<p>Der Neid ist der Katalysator für die so genannte hedonistische Tretmühle. Wer kennt nicht den Spruch: „To keep up with the Joneses“. Man will denselben Wohlstand wie der Nachbar haben. Weil dessen Vermögen, Fähigkeiten, der soziale Status als Referenzpunkt dienen. Dabei ist die Welt so lange in Ordnung, wie man sich selbst in allen Kategorien überlegen fühlt. Hat man indes den Eindruck, man bewege sich unterhalb dieses Referenzniveaus, wird dies wie ein Verlust empfunden, den man wettmachen möchte. Da es dem Nachbarn möglicherweise genauso geht und ein Überholen auf der Vermögensschiene unsererseits ebenfalls wie ein Verlust empfunden werden könnte, entsteht so ein regelrechter Wettlauf. Ein Wettlauf, den viele Menschen als unsinnig und unnötig verurteilen<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a>.</p>
<p>Interessanterweise ist mit dieser Tretmühle wirtschaftliches Wachstum verbunden, wie schon Bernard Mandeville<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn2">[ii]</a> erkannte.  Denn wenn solche Wettläufe zur gesellschaftlichen Norm werden, könnten gesamtwirtschaftlich Leistungen und Güter schneller als zuvor produziert und in Anspruch genommen werden, so der Arzt und Sozialtheoretiker. Man könnte sogar so weit gehen und behaupten, dass ohne relatives Bewerten oder gar Neid Wachstum überhaupt nicht möglich sei. In der Tat eine gewagte These! Wer sich allerdings Mandevilles Bienenfabel aus dem Jahre 1705 einmal durchliest – zur damaligen Zeit ein unglaublich provokantes, aber auch heute noch oft als anstößig empfundenes Werk – entdeckt, dass dort von einem &#8222;Laster&#8220;, einem grenzenlosen Habenwollen<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn3">[iii]</a> der Menschen die Rede ist. Und weil jeder aber seiner „Bedürfnissucht“ nachgeht, schafft er die Grundlage für „Industrie und Handel“. Der Mandevill‘sche Bienenstaat ist gespalten in einerseits fleißig arbeitende, von Entbehrung gezeichnete arme Menschen und andererseits egoistische Reiche, die ihrem Laster ungehemmt nachgehen. Am Ende wird in der Bienenfabel die Auflösung des Staates beschrieben, weil sich die Masse der Arbeitenden betrogen fühlt. Mit der Folge, dass sich der allseitige Ruf nach Tugend durchsetzen konnte. Es gab keinen Betrug mehr, Schuldner zahlten rechtzeitig, ein jeder erfüllte seine Pflichten und lebte sparsam. Mit der neuen Genügsamkeit sanken allerdings auch die Bedürfnisse und damit die Nachfrage. Die Preise von Land und Häusern brachen zusammen, Handel und Handwerk verfielen, und Kunst und Vergnügen brauchte wegen der neuen Enthaltsamkeit auch niemand mehr. Eine Welt voller Tugend, aber ohne Neid? – Das wäre in der Tat eine Welt ohne Wachstum und glücklicherweise ist sie bis heute Utopie geblieben.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> Nicht immer wird jedoch eine hedonistische Tretmühle durch Neid befeuert, sondern durch gesellschaftliche Zwänge. So stellt etwa der Ökonom Robert H. Frank fest, dass es nicht auf Neid zurückzuführen sein muss, wenn man sich ein gleich großes Auto wie Freunde Nachbarn oder Verwandte es haben kaufen möchte. Allein schon aus Gründen der Verkehrssicherheit könnte eine solche Anschaffung gerechtfertigt sein. Als einziger sich mit einer alten Rumpelkiste fortzubewegen, wenn alle anderen große verkehrssichere Autos fahren, kann nämlich ein erhöhtes Unfallrisiko zur Folge haben.</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref2">[ii]</a> Bernard Mandeville (1670 &#8211; 1733)</p>
<p><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref3">[iii]</a> vgl. Stapelfeldt, Gerhard (2001), <em>Der Merkantilismus: Die Genese der Weltgesellschaft vom 16. bis 18. Jahrhundert</em>, Freiburg (ça ira-Verlag)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-trilogie-von-neid-iii/">Eine Trilogie von Neid III</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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