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	<title>Behavioral Public Choice Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>In Richtung Unsicherheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2016 16:14:21 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Als mich im Anschluss an meinen Blogbeitrag von der vergangenen Woche ein Leser fragte, ob ich es denn für möglich hielte, dass Hillary Clinton ihren klaren Vorsprung gegenüber Donald Trump bei den US Präsidentschaftswahlen noch verspielen könnte, mit einem Ja beantwortete, hatte ich noch keine blasse Ahnung davon, was diesen Stimmungsumschwung tatsächlich auslösen könnte (vgl. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9246 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Senti_02112016-300x114.jpg" alt="senti_02112016" width="300" height="114" />Als mich im Anschluss an meinen Blogbeitrag von der vergangenen Woche ein Leser fragte, ob ich es denn für möglich hielte, dass Hillary Clinton ihren klaren Vorsprung gegenüber Donald Trump bei den US Präsidentschaftswahlen noch verspielen könnte, mit einem Ja beantwortete, hatte ich noch keine blasse Ahnung davon, was diesen Stimmungsumschwung tatsächlich auslösen könnte (vgl. <strong><a href="http://joachim-goldberg.com/2016/10/26/eine-scheinbar-klare-sache/">HIER </a>und<a href="https://twitter.com/Der_Goldberg/status/791308548982632448" target="_blank"> HIER</a></strong>). Nun liegt Donald Trump jüngsten Umfragen der Washington Post und ABC News zufolge sogar knapp in Führung und es scheint gerade aus psychologischer Sicht mehr als fraglich, ob Hillary Clinton die drohende Niederlage noch abwenden kann.</p>
<p>Denn bei der Wahl zwischen Trump und Clinton hat ersterer den großen Vorteil, dass dessen frauenfeindliche Äußerungen und Neigung zu sexuellen Belästigungen bereits vor ein paar Wochen bekannt wurden und sich die Wähler mittlerweile bereits daran gewöhnt haben. Ganz anders die Ermittlungen des FBI gegen Clinton, die zu großen Teilen aus einem Aufwärmen bereits bekannter Tatsachen besteht, aber möglicherweise mit geheimnisvollen neuen Erkenntnissen gespickt sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Hauptsache ein eindeutiger Charakter</strong></p>
<p>Mit anderen Worten: Die Wähler wissen ziemlich genau – und wenn es auch moralisch noch so fragwürdig wäre – worauf sie sich bei einer Wahl Trumps einlassen würden. Es ist genau das, was gerade desillusionierte Wähler an ihrem Kandidaten lieben: Vertrauenswürdigkeit, Führungsqualitäten und – egal wie – ein Abrechnen mit dem politischen Establishment. Und Clinton? Sie steht nicht nur für ein „weiter so“ des Althergebrachten, sondern bleibt für viele Wähler undurchsichtig. Selbst wenn die Ermittlungen des FBI so kurz vor den Wahlen als zeitlich unpassend und ihr Direktor implizit der Parteilichkeit für den republikanischen Kandidaten beschuldigt wird, ist Clinton den Wählern zumindest wahrnehmungstechnisch eine Wundertüte: Wer weiß was da noch alles kommen mag.</p>
<p>Die US-Wahlen erinnern mich stark an das Brexit-Votum der Briten vor ein paar Monaten. Auch dort fühlten sich kurz vor dem Referendum die Brexit-Gegner in Partylaune, um anschließend eine kalte Dusche nehmen zu müssen. Damals wie heute frage ich mich auch, ob die Entscheider mit dem Referendum bzw. mit der US-Präsidentenwahl zumindest insofern überfordert sind, als wohl kaum jemand von Ihnen der Lage sein dürfte, sämtliche Folgen ihres Votums aus allen Blickwinkeln auch mit allen Konsequenzen zu überblicken. Und gerade in dieser schwierigen Entscheidungssituation bedienen sich die meisten Menschen sogenannter Heuristiken, Faustregeln, die im richtigen Kontext durchaus hilfreich sein können, weil sie die Komplexität schwer überschaubarer Sachverhalte verringern und zu schnellen Ergebnissen führen können. So bevorzugen sie etwa leicht verfügbare Informationen und Sachverhalte, die gerade Donald Trump offensiv präsentiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Abneigung gegen das Mehrdeutige (Ambiguitätsaversion)</strong></p>
<p>Leider kommt es eben auch häufig zu ungenauen und verzerrten Einschätzungen, besonders bei ökonomischen und politischen Sachverhalten. Und die Experten der noch jungen Wissenschaftsdisziplin „Behavioral Public Choice“ sind davon überzeugt, dass sich die Wähler gerade in einem emotional aufgeladenen Umfeld wie die US-Präsidentschaftswahl für die Option entscheiden werden, mit der sie sich im Augenblick wohl fühlen, während Kosten oder Nutzen ihrer Wahl in den Hintergrund treten. Genauso wie die Börsianer klare Sachverhalte gegenüber unsicheren Situationen  bevorzugen, möchten auch die Wähler wissen, mit wem sie es zu tun haben als sich für eine mit Zweifeln (=Mehrdeutigkeit) behaftete Persönlichkeit (Ambiguitätsaversion) zu entscheiden.</p>
<p>Für die Börsianer bedeutet eine Wahl Donald Trumps genau das Gegenteil. Nach einer kurzen Phase der Unsicherheit Rückbesinnung auf den Aufwärtstrend im US-Aktienmarkt und anderswo. Ein knapper Wahlausgang – egal wer gewinnen sollte – bedeutet jedoch fortgesetzte Unsicherheit, denn der Verlierer wird alles versuchen, das Wahlergebnis als manipuliert oder gefälscht darzustellen und im Zweifel seine Niederlage nicht anerkennen. Ganz zu schweigen davon, wenn die/der neue Präsident(in) gegen eine Mehrheit im Senat oder gar im Repräsentantenhaus regieren muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nicht zwingend wie nach dem Brexit-Votum</strong></p>
<p>Deswegen dürfte auch eine Strategie, vieler Investoren, die auf eine ähnliche Marktreaktion wie nach dem Brexit-Votum hoffen, dieses Mal möglicherweise nicht ziehen. Denn es ist keineswegs gesichert, dass die Börsen genauso wie im Juni mit einem kurzen Crash und mit einer sich anschließenden deutlichen Erholung reagieren werden.</p>
<p>Immerhin haben sich die Anleger, die die Börse Frankfurt wöchentlich befragt, zuletzt nicht mehr ganz so optimistisch gezeigt. Was das für die kommenden Tage bedeutet, entnehmen Sie bitte meinem heutigen Kommentar <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Realismus-verdraengt-Optimismus-nur-ein-wenig-1649369" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/in-richtung-ungewissheit/">In Richtung Unsicherheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Von der einfachen Information zur Ideologie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Jul 2016 08:41:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Public Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Traf unlängst einen guten Bekannten, der sich nicht nur gelegentlich, sondern sogar ziemlich oft Gedanken über den ökonomischen und politischen Zustand Deutschlands und der EU macht. Man könnte ihn ohne weiteres als einen gebildeten und neuerdings permanent „besorgten“ Mitbürger bezeichnen. Jemand aus der gehobenen Mittelschicht. Und jemand, der von sich behauptet, in politischen Angelegenheiten durchaus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8965 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/07/Kommunikation-300x137.jpg" alt="Kommunikation" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/07/Kommunikation-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/07/Kommunikation-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/07/Kommunikation-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/07/Kommunikation.jpg 802w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p>Traf unlängst einen guten Bekannten, der sich nicht nur gelegentlich, sondern sogar ziemlich oft Gedanken über den ökonomischen und politischen Zustand Deutschlands und der EU macht. Man könnte ihn ohne weiteres als einen gebildeten und neuerdings permanent „besorgten“ Mitbürger bezeichnen. Jemand aus der gehobenen Mittelschicht. Und jemand, der von sich behauptet, in politischen Angelegenheiten durchaus rational zu entscheiden und, was für ihn noch viel wichtiger ist: Er hält sich für einen unbefangenen, neutralen Beobachter.</p>
<p>Wer sich mit den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik befasst, weiß, dass die meisten Menschen keine neutralen Analysten sind. Das gilt nicht nur für die Finanzmärkte, sondern auch für die Politik. So werden etwa bei wichtigen politischen Entscheidungen, wie etwa unlängst dem Brexit-Referendum (vgl. <span style="color: #339966;"><a style="color: #339966;" href="http://joachim-goldberg.com/2016/06/30/ein-wut-votum/" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span>), meist nicht Kosten oder Nutzen einer Entscheidung gegeneinander abgewogen. Vielmehr sind es am Ende die einfachen Parolen, Vorschläge oder Ideen, die den Ausschlag geben, wofür sich ein Wähler entscheidet. Interessanterweise handelt es sich dabei gleichzeitig um die Zutaten, aus denen Ideologien zusammengebraut werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Leicht verfügbare Information</strong></p>
<p>Ideologien existieren und sind deswegen so einflussreich, weil sie einfach gestrickt, aber letztlich aus Informationseinheiten bestehen, die zum einen mental leicht verdaubar sind und zum anderen Menschen emotional ansprechen. Informationen, die sich schnell einprägen und einfach zu erinnern sind und sich deshalb auch schnell übermitteln lassen. Mit anderen Worten: Ideologien müssen leicht verfügbar sein, damit sie sich ausbreiten können. Aber es ist eben auch diese leichte Verfügbarkeit, die ganz schnell zu Irrtümern und einer fehlerhaften Bewertung der tatsächlichen Situation führen. Mit der Folge, dass Ideologien häufig herzlich wenig mit der Realität zu tun haben.<strong><a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Familienideologien wirken lange</strong></p>
<p>Dennoch beeinflussen Ideologien unser politisches Entscheidungsverhalten. Und zwar nicht nur das ihrer glühenden Verfechter bis hin zu unbelehrbaren Extremisten. Nein, eigentlich betrifft es jeden von uns. Selbst Menschen, die sich für weltoffen halten, richten sich nach bestimmten vorgefassten Ideen und Meinungen, deren Ursprung sich mitunter bis in die Kindheit zurückverfolgen lässt. So können dazu bestimmte Überzeugungen gehören, mit denen man gute Erfahrungen gemacht hat –weil sie zu mehr Wohlstand, zu einer Verbesserung in der sozialen Rangfolge geführt haben oder mit anderen positiven Erfahrungen und Belohnungen verbunden waren. Es lassen sich manchmal sogar regelrechte Familienideologien feststellen, die unbewusst viele Entscheidungen im späteren Leben beeinflussen können.</p>
<p>Aufgrund der Erkenntnisse des Sozialpsychologen Leon Festinger<strong><a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></strong>  und seiner Theorie zur Kognitiven Dissonanz müssen wir davon ausgehen, dass Wähler bis hin zu politischen Entscheidern selektiv Informationen suchen und auch weitergeben. Informationen, die bevorzugt wahrgenommen werden, wenn sie ursprüngliche Überzeugungen oder gar Glaubensrichtungen bestätigen. Was nicht zum Weltbild passt, wird hingegen heruntergespielt, wenn nicht ignoriert. Und trotzdem haben die meisten Menschen das Gefühl – und dies gilt vor allen Dingen für gebildete Personen und gut unterrichtete Experten –, rational und unbefangen zu urteilen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ideologische Voreingenommenheit</strong></p>
<p>Anhänger der verhaltensorientierten Wissenschaftsdisziplin „Behavioral Public Choice“<a name="_ftnref2"></a><strong><a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a></strong>, die sich mit dem irrationalen Verhalten politischer Akteure und Wähler beschäftigt und dessen Folgen für Politik und Gesellschaft untersucht, sprechen daher von einer so genannten <em>Ideological Bias</em>, einer ideologischen Voreingenommenheit.</p>
<p>Diese Voreingenommenheit führt dazu, dass neue, oft auch verwirrende und widersprüchliche Informationen an die eigenen Wertvorstellungen, an Schemata angepasst und auf diesem Wege gefiltert werden. Kein Wunder, dass sich mit der Zeit eine sich selbst verstärkende Überzeugung ausbildet, die durch weitere selektiv wahrgenommene, kongruent gemachte Informationen solange bestätigt wird, bis daraus ein unerschütterliches Weltbild geworden ist. Dummerweise sind es demzufolge vor allem die gut informierten Personen, die Gefahr laufen, ideologisch besonders voreingenommen zu sein<a href="#_ftn4" name="_ftnref4">[4]</a>.</p>
<p>Um auf nun auf meinen Bekannten zurück zu kommen: Es spricht einiges dafür, dass er zwar besser als viele andere informiert sein mag. Aber mittlerweile frage ich mich besorgt, ob seine permanente Besorgnis vielleicht gar nicht rational begründet, sondern vielmehr ebenfalls das Ergebnis einer ideologischen Verkrustung seines Denkens ist und ob nicht auch er, dieser kluge Kopf, mittlerweile wie ein Hamster im Rad ewige Kreise im hermeneutischen Zirkel dreht und von der Realität nur noch sieht, was er sowieso schon wusste und zu sehen erwartet hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a></span> Vgl. David Hirshleifer (2008): <em>Psychological Bias as a Driver of Financial Regulation, European Financial Management</em>, Vol 14. Iss. 5 (November 2008) pp. 856-874</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2"></a><span style="color: #0000ff;">[2] </span>Leon Festinger (1957): <em>A Theory of Cognitive Dissonance</em>, Stanford, Stanford University Press</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a></span> Vgl. etwa: Gary J. Lucas &amp; Slaviša Tasić (2015): <em>Behavioral Public Choice and the Law</em>, West Virginia Law Review 199 (2015)</p>
<p><span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="#_ftnref4" name="_ftn4">[4]</a></span> Charles S. Taber  Milton Lodge (2006): <em>Motivated Scepticism in the Evaluation of Political Beliefs</em>, American Journal of Political Science vol. 50, No. 3 (July 2006)</p>
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		<title>Ein Wut-Votum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2016 13:24:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Public Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass das Brexit-Referendum eine hoch emotionale Angelegenheit werden würde, hatte ich erwartet (vgl. HIER und HIER). Und viele, die sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU aussprachen, haben sich höchstwahrscheinlich von leicht verfügbaren Parolen und Bildern beeinflussen lassen. So mag die Verfügbarkeitsheuristik dafür gesorgt haben, dass eindrucksvolle Bilder von Zuwanderern oder ein roter Bus [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ein-wut-votum/">Ein Wut-Votum</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8921 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg" alt="Big Ben" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben.jpg 802w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Dass das Brexit-Referendum eine hoch emotionale Angelegenheit werden würde, hatte ich erwartet (vgl. <span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="http://joachim-goldberg.com/2016/06/22/die-wohlfuehl-wahl/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="color: #008000;"><strong><a style="color: #008000;" href="http://joachim-goldberg.com/2016/06/16/im-zweifel-entscheidet-der-bauch/">HIER</a></strong></span>). Und viele, die sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU aussprachen, haben sich höchstwahrscheinlich von leicht verfügbaren Parolen und Bildern beeinflussen lassen. So mag die Verfügbarkeitsheuristik dafür gesorgt haben, dass eindrucksvolle Bilder von Zuwanderern oder ein roter Bus mit dem Milliardenbetrag der angeblichen wöchentlichen Überweisungen Großbritanniens an die EU stärker gewogen haben als komplizierte Berechnungen möglicher Konsequenzen eines Brexit.</p>
<p>Aber nicht allein die leichte Verfügbarkeit plakativer Informationen dürfte das Verhalten der britischen Wähler am 23. Juni beeinflusst haben. Nicht umsonst verweist der frühere Berater der Obama-Administration und Harvard-Professor für Rechtswissenschaft, Cass R. Sunstein<strong><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span></strong>, darauf, dass das Abstimmungsergebnis zugunsten eines Brexit auch auf empörte Bürger zurückzuführen war, die auf diesem Wege ihrer Wut Luft machen wollten: Einmal in der Position des Richters sein und so scheinbar Ungerechtigkeiten bestrafen zu dürfen. Poltische und ökonomische Konsequenzen – seien sie gut oder schlecht – spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nur damit andere bestraft werden</strong></p>
<p>Ja, viele Menschen sind sogar bereit, Geld dafür auszugeben, dass andere bestraft werden. Eine entsprechende Labor-Studie hat bereits vor vielen Jahren Aufsehen erregt, weil zwei Drittel der Teilnehmer willens waren, Geld zu investieren, damit andere Menschen Geld verlieren<strong><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></span></strong>. In zahllosen Ultimatum-Spielen (vgl. <span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="http://joachim-goldberg.com/2011/03/30/veto/" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span>), bei denen ein Entscheider zwischen sich und einer anderen Person einen Geldbetrag nach seinem Belieben aufteilen darf und der Geldbetrag nur ausgezahlt wird, wenn der Mitspieler der Verteilung zustimmt, zeigt sich immer wieder ein ganz starker Wunsch nach Fairness. Warum soll ich von 10.000 Euro, die ein anderer verteilt, nicht wenigstens die Hälfte bekommen? Es gibt nicht wenige, die bereit wären, lieber auf 2000 Euro bei solch einem Spiel zu verzichten, damit der andere nicht 8000 Euro bekommt. Mit anderen Worten: Man ist bereit, auf ökonomische Gewinnmaximierung zu verzichten, wenn man andere im Gegenzug für ihre Unfairness bestrafen kann.</p>
<p>Die Brexit-Befürworter haben nicht in erster Linie die EU-Bürokraten abgewählt, sondern ein politisches Establishment, von dem sie sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrheitlich alleingelassen und ökonomisch zunehmend ungerecht behandelt fühlten. Eine Lehre, aus der die anderen EU-Mitglieder lernen müssen, wenn weitere Volksabstimmungen Schule machen sollten und vernünftige Entscheidungen durch Wut und Empörung ihrer Bürger überlagert werden. Und genau dabei kann eine Ausweitung der Erkenntnisse der Verhaltensökonomik auf Bereiche der Politik (Behavioral Public Choice) wertvolle Dienste leisten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Vgl. Cass R. Sunstein (28. Juni 2016): <em>When Outrage Clouds Political Judgment, in U.K. and Beyond, </em>gelesen bei Bloomberg.com</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a>  Daniel John Zizzo and Andrew J. Oswald (2001): <em>Are People Willing to Pay to Reduce Others&#8216; Incomes?</em>, Warwick University</p>
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		<title>Die Wohlfühl-Wahl</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/die-wohlfuehl-wahl/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jun 2016 16:22:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Public Choice]]></category>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
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		<category><![CDATA[Verfügbarkeitskaskaden]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Betrachtet man die Entwicklung der hiesigen Aktienmärkte seit Wochenbeginn, könnte man fast den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine vorgezogene Party. Dabei soll es, dem Volksmund nach, Unglück bringen, wenn man jemandem zu früh zu seinem Geburtstag gratuliert oder die Champagnerkorken vorzeitig knallen lässt. Zugegeben: Die Anspannung vor dem Referendum in Großbritannien über dessen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-8921 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg" alt="Big Ben" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben.jpg 802w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Betrachtet man die Entwicklung der hiesigen Aktienmärkte seit Wochenbeginn, könnte man fast den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine vorgezogene Party. Dabei soll es, dem Volksmund nach, Unglück bringen, wenn man jemandem zu früh zu seinem Geburtstag gratuliert oder die Champagnerkorken vorzeitig knallen lässt. Zugegeben: Die Anspannung vor dem Referendum in Großbritannien über dessen möglichen Austritt aus der EU am morgigen Donnerstag scheint sich etwas gelegt zu haben. Derzeit haben die Gegner eines solchen Brexit die Oberhand gewonnen – im ungünstigsten Fall liegen sie, so die jüngste Berechnung der übergeordneten Umfrage der Financial Times („Poll of Polls“), nur marginal hinter den Befürwortern.</p>
<p>Es gibt nicht wenige, die diesen Stimmungswechsel mit der Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox in der vergangenen Woche in Verbindung bringen. Und es würde auch mich nicht wundern, wenn dieses schreckliche Ereignis zumindest auf bislang unentschiedene Wähler einen Einfluss in größerem Ausmaß gehabt hätte. So hatte ich bereits in einem anderen Beitrag (<span style="color: #ff0000;"><strong><a style="color: #ff0000;" href="http://joachim-goldberg.com/2016/06/16/im-zweifel-entscheidet-der-bauch/">HIER</a></strong></span>) darauf hingewiesen, dass die meisten Entscheider mit dem Referendum zumindest insofern überfordert sind, als wohl kaum jemand von ihnen in der Lage sein dürfte, sämtliche etwaige Folgen seines Votums aus allen Blickwinkeln und auch mit allen Konsequenzen zu überblicken. Um diesen schwierigen Entscheidungsweg abzukürzen, bedienen sich die meisten Menschen so genannter Heuristiken. Faustregeln, die im richtigen Kontext durchaus hilfreich sein können, weil sie die Komplexität schwer überschaubarer Sachverhalte verringern und so zu schnellen Ergebnissen führen können. Häufig kommt es aber auch zu ungenauen und verzerrten Einschätzungen, besonders bei ökonomischen und politischen Sachverhalten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Verfügbarkeitskaskaden entstehen</strong></p>
<p>Eine dieser Heuristiken ist der sogenannte Verfügbarkeitsirrtum, wonach Menschen sich durch besonders knallige, drastische oder eben verabscheuenswürdige Ereignisse, also durch leicht verfügbare Informationen, stark beeinflussen lassen. Werden solche Ereignisse auch noch in der Öffentlichkeit diskutiert und erregen sie starkes Aufsehen, können sogar regelrechte Verfügbarkeitskaskaden entstehen<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Am Anfang steht eine einzelne Wahrnehmung, die sich allein durch ihre häufige Erwähnung in den Medien in einer Art Kettenreaktion und sich selbst verstärkendem Prozess schließlich zu einer kollektiven Überzeugung verwandelt – entweder mit breiter sozialer Akzeptanz oder Ablehnung. Doch ist es nicht nur die leicht verfügbare Information, sondern oft auch der (meist unbewusste) Wunsch vieler Menschen, durch  Anpassung ihrer Meinung an die kollektive Überzeugung sozial akzeptiert zu sein, wodurch die Verfügbarkeitskaskaden verstärkt werden. Ein Phänomen, das für die Gesellschaft positive, aber auch negative Folgen haben kann. Daher ist es naheliegend, dass auf Verfügbarkeitskaskaden spezialisierte Aktivisten durch geschicktes Lostreten solcher Kaskaden den politischen Diskurs manipulieren können.</p>
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<p><strong>Behavioral Public Choice</strong></p>
<p>Und so ist es kein Wunder, wenn sich unter dem Namen „Behavioral Public Choice“<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> eine recht junge Wissenschaftsdisziplin mit dem irrationalen Verhalten politischer Akteure und Wähler beschäftigt und dessen Folgen für Politik und Gesellschaft untersucht. Die Experten dieser Forschungsrichtung sind davon überzeugt, dass sich die Wähler gerade in einem emotional aufgeladenen Umfeld wie dem Brexit-Referendum für die Option entscheiden werden, mit der sie sich im Augenblick wohl fühlen, während Nutzen oder Kosten ihrer Wahl in den Hintergrund treten.</p>
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<p>Frage ist, womit sich die Briten mehrheitlich – auch angesichts des Attentats der vergangenen Woche – vor allem moralisch wohl fühlen werden.</p>
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<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Timur Kuran and Cass R. Sunstein (1999): <em>Availability Cascades and Risk Regulation</em> Stanford Law Review, Vol. 51, No. 4 (Apr., 1999), pp. 683-768</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Vgl. etwa: Gary J. Lucas &amp; Slaviša Tasić (2015): Behavioral Public Choice and the Law, West Virginia Law Review 199 (2015) a</p>
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		<title>Im Zweifel entscheidet der Bauch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jun 2016 06:37:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Jüngste Umfragen von Meinungs­­­forschungsinstituten zum bevor­stehenden Referendum in Großbritannien zeigen einen leichten Vorsprung der Befürworter eines Brexits an. Dabei schwanken die Umfragewerte zunehmend. Allerdings wird die Prognosekraft der sowohl am Telefon als auch Online vorgenommenen Umfragen von Kom­mentatoren häufig bezweifelt. Bei den britischen Wettbüros liegt allerdings immer noch das Remain-Camp vorne, allerdings mit abnehmender Tendenz. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-medium wp-image-8908 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-300x200.jpg" alt="Tower Bridge in London, the UK. Dramatic stormy and rainy clouds" width="300" height="200" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-300x200.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London-768x512.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/London.jpg 849w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Jüngste Umfragen von Meinungs­­­forschungsinstituten zum bevor­stehenden Referendum in Großbritannien zeigen einen leichten Vorsprung der Befürworter eines Brexits an. Dabei schwanken die Umfragewerte zunehmend. Allerdings wird die Prognosekraft der sowohl am Telefon als auch Online vorgenommenen Umfragen von Kom­mentatoren häufig bezweifelt. Bei den britischen Wettbüros liegt allerdings immer noch das Remain-Camp vorne, allerdings mit abnehmender Tendenz.</p>
<p>Andere wiederum entwickeln mehr oder weniger schlimme Szenarien, falls es tatsächlich zu einem Brexit kommen sollte. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur eines dieser Szenarien eintritt, extrem gering. Denn dafür ist die Komplexität aller möglichen Folgen und Auswirkungen auch auf andere politische Bereiche samt aller möglichen Kosten und Nutzen schlichtweg zu hoch. Deswegen dürften sich viele Manager in Unternehmen ebenso überfordert fühlen wie die Mehrheit der Wähler auch. Statt rationale Entscheidungen treffen zu können, dürfte am Tag der Abstimmung eher der Bauch votieren. Für welche Faustregeln und mentalen Kurzschlüsse dabei die Wählerinnen und Wähler besonders anfällig sind, damit beschäftigt sich das Thema des Monats Juni, das ich wie immer für die WGZ Bank <a href="https://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html" target="_blank"><strong><span style="color: #ff0000;">HIER</span></strong></a> erstellt habe.</p>
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