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	<title>Allzeithoch Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Der Tanz ums Allzeithoch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Oct 2017 16:07:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Allzeithoch]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9669 alignleft" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/10/Senti_04102017-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" />Es dürfte viele Akteure geben, die sich das ganz einfach nicht vorstellen konnten: Der DAX tanzt um ein neues Allzeithoch und steht auch noch kurz vor der 13.000er Marke, während ich dies hier schreibe. Aber es dürften wohl kaum Freudentänze sein. Auch ich habe es sehr selten erlebt, dass ein Markt nach zwei Wochen kleiner, wenig überzeugender Tippelschritte nach oben, die mitunter auch noch von winzigen Korrekturen unterbrochen wurden, <strong><em>nicht</em></strong> schlagartig nach unten wegbricht und auf diesem Wege zumindest die zuletzt entstandenen Kursgewinne oft innerhalb eines einzigen Tages wieder zunichtegemacht werden. Aber offenbar haben zu viele Akteure mit solch einer Abwärtskorrektur gerechnet.</p>
<p>Statt wie erwartet 2 bis 3 Prozent wegzubrechen, legte der DAX eine veritable Shortsqueeze hin und marschierte innerhalb der vergangenen vier Handelstage 400 Zähler nach oben. Wer langfristig orientiert ist und nicht viel herumhandelt und zwischendurch auch keine Gewinne mitnimmt, dem mag diese Entwicklung sehr gelegen kommen. Anderen Anlegern, die ihre Aktien aktiv zu managen versuchen, hat die jüngste Befestigung des Börsenbarometers vielfach wenig Vergnügen bereitet. Natürlich könnte man argumentieren, dass US-Aktien, an denen wir uns ja gerne orientieren, ohnehin einen Aufwärtstrend verzeichnen. Aber warum eigentlich?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Gegen die fundamentale Logik</strong></p>
<p>Dabei sind die Notenbanken dieser Welt doch offensichtlich dabei, in Bälde ihre geldpolitischen Programme zurückzufahren. Und in den USA liegt die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im Dezember jenseits der 80 Prozent-Marke (vergleiche CME FedWatch Tool). Aber auch fiskalpolitisch müsste den Aktienmärkten eher Gegenwind ins Gesicht blasen. Denn Donald Trumps vollmundig angekündigte Steuerreform ist wohl kaum ohne massive Neuverschuldung zu finanzieren, vorausgesetzt, dass sie überhaupt vom Kongress abgesegnet wird. Und selbst wenn die Reform kommen sollte, ist man geteilter Meinung darüber, ob die neuen Maßnahmen tatsächlich die Konjunktur ankurbeln werden.</p>
<p>Aber auch geopolitische Einflüsse werden derzeit von den Finanzmärkten kaum registriert. An die schwelende Nordkorea-Krise hat man sich gewöhnt. Aber da gibt es ein Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien, von dem man eigentlich nicht weiß, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Allein: Es scheint niemanden zu interessieren.</p>
<p><strong>Sehr wahrscheinlich haben viele Akteure deutsche Aktien gekauft, weil sie kaufen mussten.</strong></p>
<p>Wer sich indes an der Entwicklung des Börse Frankfurt Sentiment-Index während der vergangenen Wochen orientiert hat, ist möglicherweise besser gefahren. Ob es tatsächlich zu einer Kaufpanik beim DAX gekommen ist und was die Vorstellungskraft der Anleger hinsichtlich der weiteren DAX-Entwicklung angeht, habe ich in der jüngsten Stimmungsumfrage analysiert, die ich wie immer für die Börse Frankfurt schriftlich (<a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Kaufpanik-2308873" target="_blank" rel="noopener"><strong><span style="color: #ff0000;">HIER</span></strong></a>) und in Form eines Videokommentars (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=-4IIvul5thE" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #00ff00;"><strong>DORT</strong></span></a>) erläutert habe.</p>
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		<title>Das ist der Gipfel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 May 2017 15:31:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[3:1 Regel]]></category>
		<category><![CDATA[Allzeithoch]]></category>
		<category><![CDATA[Aufschieberitits]]></category>
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		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[entgangene Gewinne/Verluste]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidungsaversion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer wenn ein Markt neue Allzeithochs markiert, richten Kommentatoren die Frage an Experten und Analysten: „Was raten Sie dem Anleger? Kann man jetzt noch einsteigen?“ Im Prinzip befinden sich derzeit viele Investoren (nicht nur) beim DAX in einer ähnlichen Situation, weil sie den Aufwärtstrend, der sich nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9504 alignleft" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2017/05/Senti_100517-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" />Immer wenn ein Markt neue Allzeithochs markiert, richten Kommentatoren die Frage an Experten und Analysten: „Was raten Sie dem Anleger? Kann man jetzt noch einsteigen?“ Im Prinzip befinden sich derzeit viele Investoren (nicht nur) beim DAX in einer ähnlichen Situation, weil sie den Aufwärtstrend, der sich nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November vergangenen Jahres etabliert hatte, möglicherweise schlichtweg komplett verpasst haben. Eigentlich wäre man gerne in irgendeiner Form bei diesem starken Trend dabei gewesen dessen Plus etwa beim DAX – selbst wenn man erst an der Spitze des ersten mehrtägigen Impulses nach dem US-Wahltag bei rund 10.800 DAX-Zählern eingestiegen wäre – bis zum Montag dieser Woche rund 18 Prozent betragen hätte. Ein Konjunktiv, der letztlich nichts anderes als einen entgangenen Gewinn in gleicher Höhe bedeutet.</p>
<p>Für Börsenprofis, die sich etwa an einer Benchmark messen müssen, ist dieser entgangene Gewinn gleichbedeutend mit einem relativen Verlust. Eine Benchmark, die für den Privatanleger normalerweise nicht besteht, es sei denn, er befindet sich im persönlichen Wettstreit mit seinem Nachbarn, der möglicherweise an der Börse besser abgeschnitten hat als er selbst. Daher nehmen viele der Möchtegern-Bullen selbst große entgangene Gewinne überhaupt erst dann wahr, wenn neue Allzeithochs markiert werden. Verluste, die aus entgangenen Gewinnen entstehen, wiegen daher längst nicht so schwer wie reale, sofort spürbare Verluste, die sich etwa aus einem „echten“ (Aktien)-engagement ergeben. Mit Folgen für das Management jener Verluste.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Einstiegsdisziplin</strong></p>
<p>Nehmen wir einmal an, jemand hat sich in einem Markt engagiert und setzt sich eine Verlustbegrenzung in Form eines Stopp-Loss von beispielsweise x Prozent, gemessen am Einstandspreis, in der Hoffnung, gemäß einer weit verbreiteten Faustregel etwa das Dreifache seines eventuellen Verlusts zu verdienen<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>.</p>
<p>Konsequenterweise müsste man eine solche Faustregel auch für entgangene Gewinne anwenden. Denn viele Akteure hätten sich während der vergangenen Monate gerne im steigenden Aktienmarkt engagiert, aber natürlich nicht zu Höchstpreisen. Die typische Verhaltensweise: Man wartet auf eine Korrektur von ein paar Prozent, um etwas günstiger einsteigen zu können. Dieses „etwas günstiger“ bedeutet gegenüber dem jeweiligen Verlaufshochs des Marktes für den Börsianer einen relativen Gewinn. Sofern die gewünschte Marktkorrektur überhaupt zustande kommt.</p>
<p>Jemand, der seit Beginn der Aufwärtsbewegung im November 2016 etwa auf eine 3-prozentige Korrektur des DAX wartete, um einen erträglichen Markteinstieg zu erreichen, bekam seither immerhin drei Rücksetzer des Börsenbarometers in dieser Größenordnung präsentiert. Wer sich jedoch vorgenommen hatte, auf eine Korrektur von 4 Prozent zu setzen, wartet bis heute auf diese hypothetische Kaufgelegenheit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Begrenzte Gewinne vs. Ungezügelte Verluste</strong></p>
<p>Stattdessen ist der DAX 18 Prozent davongelaufen. Einem möglichen relativen Gewinn (entgangener Verlust) von 4 Prozent steht nun ein relativer Verlust (entgangener Gewinn) von 18 Prozent gegenüber. Anders ausgedrückt: Man hat gegenüber einem begrenzten Gewinn Verluste laufen lassen.</p>
<p>Dies sollte für alle Anhänger von Stopp-Loss Strategien zur Konsequenz haben, dass man eigentlich für einen möglichen relativen Gewinn, hier in Form einer 4-pro­zen­­ti­­gen Korrektur den Markt nur einen Bruchteil davon nach oben davonlaufen lassen darf. Will sagen: Dem Warten auf eine Korrektur, nur um sich besser fühlen zu können, steht das erhebliche Risiko gegenüber, dass einem der Markt schlichtweg davonläuft. Ganz abgesehen davon, dass die gewünschte Korrektur, sofern sie sich  tatsächlich ereignen sollte, möglicherweise nicht vertrauenserweckend aussieht oder zum falschen Zeitpunkt eintritt wie beispielsweise vor dem ersten Wahlgang bei den  französischen Präsidentschaftswahlen, als der DAX immerhin um 3,5 Prozent gefallen war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Entscheidungs-Aversion</strong></p>
<p>Letztlich wird erkennbar, dass das Warten auf Korrekturen nichts anderes darstellt als eine verkappte Aversion dagegen, eine Entscheidung treffen zu müssen. Man möchte sich nicht jetzt, sondern lieber später (Aufschieberitis) oder möglicherweise gar nicht positionieren. Verständlich, dass für diese Marktteilnehmer ein Kauf am Allzeithoch mit einem besonders schwindelerregenden Blick vom DAX-Gipfel nach unten in die Tiefe einhergeht.</p>
<p>Ob von den hiesigen Börsianern viele den Einstieg gewagt haben, werde ich für Sie an Hand der heutigen Stimmungserhebung, die ich für die Börse Frankfurt <span style="color: #ff0000;"><a style="color: #ff0000;" href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Zu-schnell-zu-hoch-2273278" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>HIER</strong></a></span> erstellt habe, erläutern. Für diejenigen, die nicht gerne lesen, sei dieses Web-Video (<span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="https://www.youtube.com/watch?v=-ozVquGz7Ds&amp;feature=youtu.be" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>HIER</strong></a></span>) empfohlen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Bei einem Stopp-Loss im DAX von beispielsweise 500 Punkten würde ein derartiges Kursziel nach dieser Faustregel (3:1 Regel) bei 1500 Zählern liegen.</p>
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		<title>Falsche Wegmarken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2013 06:50:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Allzeithoch]]></category>
		<category><![CDATA[Bitcoin]]></category>
		<category><![CDATA[DAX]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation. Regretaversion]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation von Referenzpunkten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In meinem Blog vom vergangenen Donnerstag habe ich die ketzerische Frage gestellt, ob man beim DAX angesichts eines Allzeithochs noch einsteigen könne. Bevor man diese Frage beantworten kann, muss man sich zunächst darüber im Klaren sein, dass menschliche Entscheidungen sehr stark von unterschiedlichen Referenzpunkten abhängig sind. Egal, ob es sich um einen Schuhkauf mit Rabatt [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In meinem Blog vom vergangenen Donnerstag habe ich die ketzerische Frage gestellt, ob man beim DAX angesichts eines Allzeithochs noch einsteigen könne. Bevor man diese Frage beantworten kann, muss man sich zunächst darüber im Klaren sein, dass menschliche Entscheidungen sehr stark <span id="more-6738"></span>von unterschiedlichen Referenzpunkten abhängig sind. Egal, ob es sich um einen Schuhkauf mit Rabatt oder um Aktien handelt – eigentlich benötigen wir  im Wirtschaftsleben harte Daten und Analysen, um den Kauf oder Verkauf eines Gutes zu begründen. Doch stattdessen suchen die meisten von uns – oft auch einfach nur aus Bequemlichkeit – nach Anhaltspunkten dafür, ob etwas günstig oder teuer ist, indem sie beispielsweise Vergleiche mit Preisen anstellen, die andere Entscheider für richtig gehalten <i>haben</i>.</p>
<p>„Billig“ oder „teuer“ wird gerne im Kontext der Börsenhistorie, also anhand von Höchst- und Tiefstständen der (jüngeren) Vergangenheit gemessen. Daher wird es für die meisten Akteure an den Finanzmärkten immer dann kritisch, wenn solche Bandbreiten an einer Seite durchbrochen werden. Und weil der DAX derzeit sein vergangenes Handelsband seit Wochen an der Oberseite immer wieder überschreitet und sogar neue historische Höchststände markiert, erweckt er den Anschein, überteuert zu sein. Deswegen fällt es vielen schwer, jetzt noch einzusteigen. Dabei treibt sie nicht nur die Angst um, dass  die Kurse anschließend fallen und sie diese Entscheidung bereuen könnten. Vor allem fehlt ihnen die Orientierung in diesen neuen, unbekannten und nie dagewesenen Kursregionen.</p>
<p>Dennoch muss es anscheinend genügend Entscheider geben, die sich sogar am Allzeithoch zu einem Engagement durchringen. Und diese müssen nicht mal tollkühn oder gänzlich durchgeknallt sein, um diesen Schritt zu wagen. Vielmehr orientieren sie sich einfach an anderen Referenzpunkten als den vergangenen Tiefs oder Hochs. Etwa wenn ein konkurrierender Fondsmanager im DAX stärker als man selbst engagiert ist. Dann gilt vor allem nur noch, dass man beim Kaufen unbedingt mithalten muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Man muss nicht mitmachen</b></p>
<p>Dem gegenüber verfügen Privatanleger gewissermaßen sogar über den „Luxus“, bei einer solchen Hausse nicht zwingend mitmachen zu müssen. Bis zu dem Tag, wo sie plötzlich erkennen, dass der Nachbar mutiger gewesen war und sich mit seinen Gewinnen etwas leistet, was man selbst gerne gehabt hätte. Dann muss nur noch ein guter Freund über Nacht reich geworden sein, weil er seine schon fast vergessen geglaubten Bitcoins auf der Festplatte eines alten PC wiedergefunden hat, und schon wirft auch ein ansonsten besonnener Mensch plötzlich angesichts solch toller Geschichten alle Grundsätze der Vernunft über Bord. Da spielt es auch keine Rolle mehr, wenn man eine Aktie zu 40 € kauft, die gestern noch mit 35 € als überbewertet galt.</p>
<p>Was manchmal noch wie ein durchdachter Strategiewechsel aussieht, kommt in Wahrheit also einer Kapitulation gleich. Man hat es schlichtweg satt, den entgangenen Kursgewinnen im steigenden Markt immer nur hinterherzulaufen. Und weil der erfolgreiche Freund voller Überzeugung ein Kursziel von 70 Euro ausruft und man ihm aufgrund seiner vergangenen Erfolge vollends vertraut, bekommt man gratis sozusagen einen neuen Bezugspunkt frei Haus mitgeliefert. Gegenüber dem Kursziel von 70 Euro sieht ein Kauf bei 40 Euro geradezu wie ein Schnäppchen aus. Bitcoins mit 1.200 US-Dollar kaufen? Die sind gegenüber den Kursen vom Jahresbeginn von etwas mehr als 13 Euro schon beängstigend weit gelaufen. Ob da die Kraft für weitere Abenteuer reicht? Kein Problem, könnte man meinen, wenn man nur genügend vertrauenswürdige Experten um sich herum hat, die auf fünf- oder 10.000 Dollar für einen Bitcoin warten. Mehr noch sorgen diese neuen Referenzpunkte dafür, dass Risikoaversion zu Risikofreude mutiert. Anders ausgedrückt: Man nimmt nicht mehr die bisherigen (wenn auch verpassten) Kursgewinne, sondern nur noch die hohen Kursziele wahr.</p>
<p>Unsere Entscheidungen an den Finanzmärkten werden also in erheblichem Maße durch alte und neue Referenzpunkte beeinflusst. Und dabei handelt es sich um Bezugsgrößen, die manchmal sogar bewusst von Dritten manipuliert werden. Denn die meisten Menschen verhalten sich eben angesichts eines relativen Verlustes (das halb leere Glas) eher risikofreudig, während sie, wenn sie den gleichen Sachverhalt als relativen Gewinn (das halb volle Glas) präsentiert bekommen, vorzugsweise risikoavers agieren.</p>
<p>An der Börse sollte man sich von derlei Referenzpunkten möglichst nicht irre machen lassen. Stattdessen empfiehlt es sich, bei einem Aktienkauf losgelöst von allem Getrommel an sich selbst die Gretchen-Frage zu richten, ob man abseits und ohne Beachtung des bisherigen Kursverlaufs und aller Zielmarken immer noch bereit wäre, etwa aufgrund fundamentaler Bewertungsmaßstäbe, einzusteigen.</p>
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		<title>Letzter Aufruf vor dem Abheben?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Nov 2013 11:14:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Allzeithoch]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[DAX]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzsichtige Verlustaversion]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei einem DAX von fast 9.400 Zählern wundert es nicht, wenn „Experten“ im Börsen-TV oder in Zeitungs-Interviews gefragt werden, ob denn „der Anleger“ jetzt noch einsteigen solle. Eigentlich eine fiese Frage, weil sie den Interviewten leicht ins Schlingern bringen kann. Denn das Schlimmste, was einem „Börsenprofi“ passieren kann, wäre, ausgerechnet am Höhepunkt der Kursentwicklung zum [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/letzter-aufruf-vor-dem-abheben/">Letzter Aufruf vor dem Abheben?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei einem DAX von fast 9.400 Zählern wundert es nicht, wenn „Experten“ im Börsen-TV oder in Zeitungs-Interviews gefragt werden, ob denn „der Anleger“ jetzt noch einsteigen solle. Eigentlich eine fiese Frage, weil sie den Interviewten<span id="more-6731"></span> leicht ins Schlingern bringen kann. Denn das Schlimmste, was einem „Börsenprofi“ passieren kann, wäre, ausgerechnet am Höhepunkt der Kursentwicklung zum Kaufen zu raten und diesen Tipp hinterher bereuen zu müssen, wenn der Markt anschließend kurzerhand heftig nach unten dreht. Während ein Experte im Zweifel aber durch seine Fehlprognose bestenfalls sein Gesicht verliert, geht es beim „Anleger“ um weitaus mehr, möglicherweise um gravierende Verluste, wenn nicht um sein ganzes Vermögen. Sein Commitment ist also ungleich höher.</p>
<p>Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich noch vor einem Jahr in meinem Bekanntenkreis immer wieder für die Aktie als Investment warb und oft zur Antwort bekam: „Ach nein, lieber nicht.“ Zu frisch waren noch die erlittenen Verluste aus der Finanzkrise. Und als der DAX schließlich die 8.000er Marke knackte, winkte ein guter Bekannter von mir dankend ab, er habe gerade den Newsletter eines renommierten Finanzmarkt-Profis gelesen, und dieser prognostiziere, dass der DAX bald auf 6.000 Punkte zusammenkrachen werde. Manche wurden klassisch und sprachen von den Iden des März (2013). Aber der DAX war einfach nicht tot zu kriegen, und als er drei Monate später bei 8.500 Punkten stand, traf ich denselben Bekannten zufällig auf der Straße. „Wie ist die Stimmung, geht‘s weiter hoch?“, fragte er. „Ich glaube schon“, erwiderte ich. Mein Bekannter (strahlend): „Ich glaube, Aktien haben wirklich noch Potenzial, bei der nächsten Korrektur steige ich ein“ – worauf ich ketzerisch erwiderte: „Und wenn die nicht kommt?“ – „Ich muss ja nicht um jeden Preis mitmachen“, gab sich mein Gegenüber gelassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Kann man jetzt noch einsteigen?</b></p>
<p>Gestern habe ich ihn erneut getroffen: „Du hast recht gehabt, ich glaube jetzt auch, dass der Aktienmarkt hochgeht“, sagte mein Bekannter im Brustton der Überzeugung. Und dann fragte er mit leichter Verlegenheit in der Stimme: „Kann man jetzt noch einsteigen?“ „Das kann man immer“, antwortete ich vage. Und dann versicherte ich ihm, dass man auch einmal seine Meinung ändern dürfe, wenn man dafür gute Gründe habe. Zwar wollte ich ihn nicht ärgern, aber die Frage, warum er einen Aktienmarkt, den er bei einem Stand von 8.000 Punkten als teuer eingeschätzt hatte, jetzt, wo er noch einmal um 1.000 Punkte zugelegt hatte, plötzlich für fair bewertet hielt, konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Diesen Aufwärtstrend hätte ja selbst seine sechsjährige Tochter gesehen, bekam ich nun zu hören. Beweis genug also, dass der Aktienmarkt wirklich stabil sei. Aber am Allzeithoch kaufen? Das sei doch fast genauso schlimm, wie sich am tiefsten Punkt von seinen Verlustbringern zu trennen.</p>
<p>Dabei müsste sich mein Bekannter eigentlich nur einmal vorstellen, er wäre zu Beginn dieses Jahres bei einem DAX-Niveau von knapp 7.700 Punkten eingestiegen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Würde er diese Aktien jetzt verkaufen wollen? Wer diese Frage mit einem aufrichtigen „Ja“ beantwortet, dürfte konsequenterweise heute nicht mehr in den Aktienmarkt einsteigen. Nur ein klares Nein wäre die logische Voraussetzung dafür, auch noch am (vorläufigen) Allzeithoch zu kaufen. Auf eigenes Risiko natürlich.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Bei diesem Szenario wird ein neuer Referenzpunkt ins Spiel gebracht, womit sich eine neue Sichtweise des Problems ergibt. Was es sonst noch mit derartigen Referenzpunkten auf sich hat, erfahren Sie im nächsten Beitrag</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/letzter-aufruf-vor-dem-abheben/">Letzter Aufruf vor dem Abheben?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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