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	<title>Ägypten Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Jenseits von Gut und Böse III: Ab in den Urlaub</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Mar 2011 09:56:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Normalerweise kümmere ich mich nicht um Werbe-Mails mit Urlaubsangeboten, aber die, die ich am 24. Februar in meinem Outlook-Postfach vorfand, sprang mir dennoch ins Auge. So ließ mich der Betreff  „In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!“ neugierig und nachdenklich zugleich werden. Und dann las ich: &#8222;Lieber Herr Goldberg, die Ferienflieger starten endlich wieder [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/jenseits-von-gut-und-bose-iii-ab-in-den-urlaub/">Jenseits von Gut und Böse III: Ab in den Urlaub</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Normalerweise kümmere ich mich nicht um Werbe-Mails mit Urlaubsangeboten, aber die, die ich am 24. Februar in meinem Outlook-Postfach vorfand, sprang mir dennoch ins Auge. So ließ mich der Betreff  „In Ägypten wird gefeiert – feiern Sie mit!“ neugierig und nachdenklich zugleich werden. Und dann <span id="more-970"></span>las ich: &#8222;Lieber Herr Goldberg, die Ferienflieger starten endlich wieder Richtung Ägypten! Wir haben für Sie die besten Angebote am Roten Meer herausgesucht – Luxushotels zu bezahlbaren Preisen. Also nicht lange warten und zugreifen! Buchen Sie Ihren Urlaub, z.B. im 5-Sterne-Hotel Grand Resort Hurghada ab 436 Euro in der Juniorsuite und feiern Sie mit den Ägyptern ihre neu erlangte Demokratie. Einen schönen Urlaub wünscht Ihnen Ihre Anja Stern.“</p>
<p>Was für eine Geschmacklosigkeit, dachte ich mir in einer ersten Reaktion. Nachdem sich offenbar der erste Pulverdampf der Revolution verzogen hat, will man mir also die Gelegenheit geben, noch schnell an den &#8222;Feierlichkeiten&#8220; teilzunehmen. Vielleicht war das Angebot sogar gut gemeint, möglicherweise steckte dahinter die Idee, ich könne bei dieser Gelegenheit mental noch einmal das erhebende Gefühl „unseres“ Mauerfalls in Deutschland 1989 erleben, dieses Mal nun im sonnigen und warmen Ägypten und in einer Art Retro-Urlaub. Vielleicht würde man mir aber auch vorwerfen, dass ich zu wenig Mitgefühl für das noch vor zwei Wochen krisengeschüttelte Land zeigte. Schließlich ist Ägypten in erheblichem Maße auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen, der jedoch wegen der instabilen Lage in den vergangenen Wochen massiv eingebrochen war. Dort hinzureisen könnte also auch als ein Akt der Solidarität mit den revolutionären Massen verstanden werden.</p>
<p>Und dann versuchte ich mir vorzustellen, wie ich im Resort in Hurghada oder Sharm El Sheikh in der nunmehr wieder verfügbaren Präsidentensuite (so die Werbung in der Email des Veranstalters) mit den ägyptischen Hotelbediensteten deren Befreiung feiern würde – nachdem diese mein Bett gemacht, mir das Frühstück serviert und den Pool für mein erquickendes Bad gereinigt haben. Sollten wir gemeinsam eine Flasche Sekt leeren, wie damals in Berlin? – Undenkbar. Oder würde ich, um des authentischen Erlebnisses willen, sogar einen Ausflug zum Tahrir-Platz, dem „Platz der Befreiung“ in Kairo, wagen, um mir den Geist der Revolte noch einmal direkt um die Nase wehen zu lassen?</p>
<p>Haben sich die Normen für guten Anstand in den vergangenen Wochen tatsächlich verschoben, frage ich mich. Vielleicht bekomme ich ja demnächst von einem Reiseveranstalter eine Rundreise &#8222;auf den Spuren geglückter Revolutionen&#8220; angeboten. Mit Übernachtungen in diversen, nun vakanten Diktatorenpalästen. Und einer Rücktrittsoption für einzelne Zwischenstationen, falls der Boden dort wider Erwarten doch noch etwas zu heiß sein sollte.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/jenseits-von-gut-und-bose-iii-ab-in-den-urlaub/">Jenseits von Gut und Böse III: Ab in den Urlaub</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Brandherde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 12:48:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
		<category><![CDATA[Normabweichung]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
		<category><![CDATA[Status-quo-Bias]]></category>
		<category><![CDATA[Szenariodenken]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer wenn es irgendwo auf dem Globus eine schwerwiegende Krise gibt, sind die Kommentatoren schnell geneigt, von drohenden Ansteckungsgefahren zu sprechen. So geschehen etwa bei der Krise in der Eurozone. Dabei wird immer wieder gerne das Bild des Domino-Effekts bemüht,  also eine Verkettung von Ereignissen die aufeinander beruhen. Solche Szenarien, sind auf der einen Seite [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/brandherde/">Brandherde</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wenn es irgendwo auf dem Globus eine schwerwiegende Krise gibt, sind die Kommentatoren schnell geneigt, von drohenden Ansteckungsgefahren zu sprechen. So geschehen etwa bei der Krise in der Eurozone. <span id="more-809"></span>Dabei wird immer wieder gerne das Bild des Domino-Effekts bemüht,  also eine Verkettung von Ereignissen die aufeinander beruhen. Solche Szenarien, sind auf der einen Seite sehr eingängig, sehen logisch und bildhaft aus und werden mit jedem Detail leichter vorstellbar und so für immer wahrscheinlicher gehalten. Auf der anderen Seite wird leider vergessen, dass mit Hinzufügen jedes weiteren Puzzleteils die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Szenarios sinkt – es handelt sich um so genannte verbundene Wahrscheinlichkeiten<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a>.</p>
<p>Der jüngste Sturz des tunesischen Machthabers hat bei vielen Kommentatoren zu ähnlichen Gedankengebäuden geführt. Nach dem Motto: Wenn es in einem Land des Maghreb Aufstände gibt, wirkt dies wie ein Flächenbrand. Wenn man sich indes den eigentlichen Auslöser für den Aufstand der tunesischen Bevölkerung, eine Selbstverbrennung, vor Augen hält, muss man sich natürlich fragen, warum es anderswo bis dahin nicht ebenfalls schon längst zu Aufständen mit Umstürzen gekommen war. Etwa in Marokko oder Algerien, wo Selbstverbrennungen bis dato keine vergleichbaren Reaktionen ausgelöst hatten.</p>
<p>Ganz anders liegen indes die Dinge in Ägypten. Hier waren nicht notwendigerweise zu hohe Lebensmittelpreise die Ursache für die jüngsten Aufstände, die mit einem Male eine Größenordnung annehmen, die bislang für dieses Land undenkbar waren. Die Menschen hatten ihren Herrscher und die damit verbundene Herrschaftsform jahrzehntelang als etwas Normales akzeptiert – ein Status quo, an dem nur wenige während all der Zeit rütteln wollten. Veränderungen im Machtgefüge des Landes waren für eine große Mehrheit undenkbar.</p>
<p>So gesehen, hatten die Ereignisse in Tunesien per se nichts Ansteckendes. Nein, es war keine Selbstverbrennung eines Menschen, die einen Domino-Effekt ausgelöst hätte. Aber die Vertreibung ihres einstigen Präsidenten Ben Alí hat bei vielen Ägyptern offenbar zu einer Veränderung ihres Wahrnehmungsspektrums geführt: Es wurden Handlungsalternativen vorstellbar, die über Jahre hinweg im Bewusstsein der Menschen verschüttet gewesen sein müssen. Auch weil mit dem Festhalten am Status quo eine gewisse Schicksalsergebenheit, Trägheit oder auch Bequemlichkeit verbunden war. Jetzt hat man offenbar gesehen, dass es auch anders gehen kann. Und dieses &#8222;anders gehen&#8220; muss einen so starken positiven Eindruck hinterlassen haben, dass immer mehr Menschen trotz der damit verbundenen Gefahren für Leib und Leben, bereit sind, sich von jenem Status quo zu lösen. Einem immerhin mächtigen Bezugspunkt, mit dessen Aufgabe, psychologisch betrachtet, auch noch eine hohe Normabweichung einhergeht, solange die Proteste nur von wenigen getragen werden. Die Not muss schon groß gewesen sein, um dem Umdenken Taten folgen zu lassen. Demonstrationen, deren Erfolg nicht einmal gewiss ist.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> So hätte etwa ein Szenario, das aus fünf voneinander abhängenden Ereignissen mit einer geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit von jeweils 80%, besteht, insgesamt nur eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,8<sup>5</sup> = 32,8 Prozent.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/brandherde/">Brandherde</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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