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	<title>Zinseszins Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Der böse Zinseszins</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2014 13:42:52 +0000</pubDate>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gelegentlich stoße ich im Internet auf Beiträge, die sich mit der angeblichen Ungerechtigkeit des Zinseszinses auseinandersetzen. Und nicht selten wird behauptet, alle Ungleichheit auf dieser Erde beruhe auf diesem Effekt. Auch prominente Börsenexperten erzählen immer wieder gerne die Legende vom Josefs-Pfennig. Eine Geschichte, die vor allem dazu dient, Zinsen als unethisch darzustellen. Und weil diese Parabel recht eingängig ist, wird sie auch immer wieder gerne nachgeplappert. So wird darin geschildert, welchen unermesslichen Reichtum Josef, der Vater Jesu Christi, hätte schaffen können, wenn er eben diesen berühmten Pfennig zur Geburt seines Sohnes bei einer lokalen Sparkasse angelegt hätte. Bei kontinuierlicher Wiederanlage jährlich anfallender Zinsen in Höhe von fünf Prozent durch Kinder und Kindeskinder würde daraus ein Betrag auf seinem Sparbuch entstanden sein, der selbst mit vielen erdballgroßen Goldkugeln nicht aufzuwiegen wäre. Dagegen würde die Geschichte ohne Zinseszinseffekt selbst nach mehr als 2000 Jahren ganz harmlos aussehen: Aus einem wären etwas mehr als 100 Pfennige geworden.</p>
<p>Abgesehen davon, dass es einer Sparkasse in Judäa aufgrund des unter Juden bereits damals bestehen Zinsverbots nicht möglich gewesen wäre, dem redlichen Zimmermann Josef überhaupt Zinsen gutzuschreiben und eine römische Bank die anfänglichen Pfennige oder tatsächlich durch Zinseszins angehäufte Vermögen vermutlich irgendwann konfisziert hätte, schwingt in dieser Geschichte vom exponentiellen theoretischen Wachstum eines solchen Sparbuchs unterschwellig ein großes moralisches Ressentiment mit. Dabei ist doch kaum anzunehmen, dass Josef diesen Ur-Pfennig bei irgendwelchen Spekulationsgeschäften erwirtschaftet hat. Vielmehr müsste man doch annehmen, dass er sein Geld mit schwerer körperlicher Arbeit als Zimmermann verdiente. Und da sein Sohn ohnehin nicht vor Erreichen der Volljährigkeit über diesen Pfennig verfügen dürfen sollte, ist es doch nur legitim, dass auch die Zinsen auf die Zinsen eine etwaige Inflation hätten ausgleichen sollen. Oder sind Zinsen, die für erarbeitetes angelegtes Geld empfangen werden, moralisch gerechtfertigter als Zinsen auf Zinsen? Dabei wird immer wieder gerne vergessen, dass Geld ohnehin ganz einfach nur das fungibelste aller Tauschmittel ist.</p>
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<p><strong>Zinsen abschaffen? – Aber nicht für Sparer</strong></p>
<p>Interessanterweise sind diejenigen, die am liebsten die Zinsen abschaffen würden, meist dieselben, die sich gleichzeitig lauthals darüber beschweren, dass die Sparer derzeit durch die Nullverzinsung der Sparbücher de facto schleichend enteignet würden. Und jetzt drohen sogar Negativzinsen.</p>
<p>Zu Recht hat der Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH, Thorsten Polleit, unlängst in der Wirtschaftswoche geäußert, man kenne den Zins als Entgelt für die Nutzung von Kapital, ökonomisch betrachtet resultiere er also aus einer Wertdifferenz, weil Menschen sofort verfügbare erst künftig erhältlichen Gütern vorzögen. Damit gebe es (mit Verweis auf den Ökonomen Ludwig von Mises, 1881-1973) einen „neutralen Zins“ oder „Urzins“, der elementar für das menschliche Handeln sei. Insofern, so Polleit, liefen Nullzins oder ein gar negativer Zins der Logik menschlichen Handels zuwider<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>.</p>
<p>Aber letztlich geht es nicht nur darum. Auch sind Zinsen per se nicht unmoralisch und als Anreiz zum Sparen und für die Altersvorsorge sogar unerlässlich. Fragwürdig ist allein das Geldmonopol der Zentralbanken, durch deren Politik letztlich der Einlagenzins künstlich nach unten gedrückt wird, während die Zinsen für Kredite – sofern man überhaupt einen bekommt – gerade für den Normalverbraucher „marktgerecht“ hoch gehalten werden.</p>
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<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1] </a>Allerdings hat man mittlerweile herausgefunden, dass diese Zeitpräferenz nach Erkenntnissen der Behavioral Finance nicht stabil ist. So stellte sich in einem vergleichbaren Experiment heraus, dass die meisten Probanden 1.100 Euro in 30 Wochen den Vorzug gegenüber 1.000 Euro in 26 Wochen geben würden. Und eigentlich dürfte sich daran, so die ökonomische Theorie, auch nichts ändern, wenn die 26 Wochen bereits abgelaufen sind: Theoretisch müsste man dann immer noch 1.100 Euro in vier Wochen wählen, statt sofort die 1.000 Euro zu nehmen. Tatsächlich findet bei den Menschen häufig jedoch eine Präferenzumkehr statt. So würden die meisten von ihnen nämlich den sofortigen, sicheren Erhalt von 1.000 Euro gegenüber 1.100 Euro in vier Wochen bevorzugen, also dann sogar auf eine sehr hohe Verzinsung verzichten.</p>
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		<title>Abschalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 06:59:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts <span id="more-2751"></span>des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten möglichst einfach für den Endverbraucher portioniert und komplexitätsarm dargestellt.</p>
<p>Und da saßen sie nun, ein paar bekannte Politiker, von denen ich in solchen Talkrunden ohnehin nicht viel erwarte. Auf der anderen Seite aber waren die Experten, die offenbar versuchten, den komplexen Sachverhalt der Krise mit einfachen Worten zu erklären. Dass dergleichen mitunter ein schwieriges Unterfangen sein kann, haben bereits vor 40 Jahren Experimente zur Informations­verarbeitung gezeigt. Etwa zum Gebrauch von so genannten Heuristiken (Faustregeln), die den großen Vorteil bieten, Komplexität zu reduzieren und Zeit zu sparen. Allerdings zu Lasten der Genauigkeit bei den Ergebnissen.</p>
<p>Dieser Neigung zur Vereinfachung, damit das Volk auch wirklich den Ernst der Lage versteht, ist auch ein in der Show auftretender Finanzmarktexperte zum Opfer gefallen. Aber dieser musste natürlich am Ende auch seinem Namen voll und ganz gerecht werden und dem Zuschauer verraten, was man nun mit seinem Geld in den Zeiten der Krise anstellen solle. Und das, nachdem der Experte ausführlich über die Katastrophe und den Reset referiert hatte. Was blieb da noch an realen Sachwerten übrig? Gold? Na klar, aber das hat sowieso jeder. Vielleicht auch Silber? Oder gar Aktien? Da erhält man im Gegenzug etwas Reales, erfuhr ich. Nämlich einen Anteil an einem Unternehmen. Mit allem Drum und Dran. Und damit das Investment zum sicheren Erfolg führt, wird der interessierte Zuschauer belehrt, kann man sich gerade in unsicheren Zeiten gegen Kursrückschläge sogar absichern. Solche Instrumente, Optionen, die man auch als Versicherungen bezeichnen kann, kosten natürlich Geld. Prämien, die gerade bei der heutigen Volatilität möglicherweise Dividendenerträge und Kursgewinne mehr als aufzehren können. Aber viel mehr als das, trieb mich die Frage um, wer bei einem Untergang des Finanzsystems – das wäre doch der Worst Case – eine solche Versicherung noch bedienen könnte.</p>
<p>Aber der Finanzmarktexperte war nicht der einzige, der bei mir Fragen offen ließ. Etwa der Verbraucherschützer, der offensichtlich etwas gegen Aktien hatte. Der riet nämlich dem möglicherweise verschuldeten Konsumenten, zuerst seine Schulden schnell abzutragen. Das macht Sinn, wenn die Zinsen des Kredits tatsächlich hoch sind. Wenn dann noch Geld übrig bliebe, so der Experte, könne man an ein Sparbuch oder (angesichts der niedrigen Zinsen) an ein noch attraktiveres Festgeld denken. Da wurde mir sogleich die massive Differenz zwischen den derzeitigen Soll- und Habenzinsen vor Augen geführt. Aber über die regte sich zumindest in der Runde niemand auf. Ist ja auch keine Spekulation. Und wenn dann immer noch Geld übrig bliebe, solle man sich eine Immobilie zulegen, vernahm ich. Erst dann dürfe man an Aktien denken, womit mir mit einem Schlag klar wurde, warum Aktienengagements in Deutschland immer noch nur wenigen vorbehalten bleiben.</p>
<p>Fast hätte ich den Wirtschaftsprofessor aus Österreich vergessen. Der empörte sich nicht nur über den Zinseszins als Quelle allen Krisenübels. Nein, so lautete seine Forderung, man müsse Geld (das ohnehin alle 70-80 Jahre kaputt ginge) ganz abschaffen und zum Naturaltausch zurückkehren. Das sei doch nur fair. Und ich fragte mich, warum man sich vor mehr als 2000 Jahren überhaupt die Mühe gemacht hatte, Geld als fungibelstes aller Tauschmittel einzuführen. Vielleicht weil man offenbar nicht ohne weiteres sagen konnte, wie viele Äpfel eine Birne wert waren?</p>
<p>Am meisten regte mich aber auf, dass niemand in der ganzen Talkrunde imstande war, diesen teils haarsträubenden Geschichten argumentativ ein Ende zu machen. So blieb mir selbst nur mein eigenes endgültiges Argument übrig: Abschalten.</p>
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