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	<title>Whistleblowing Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Keine Spur von Kulturwandel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2015 05:58:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[G7-Treffen]]></category>
		<category><![CDATA[Insiderinformationen]]></category>
		<category><![CDATA[Investmentbanking]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich in der vergangenen Woche in einem Vorbericht zum G7-Treffen im Handelsblatt las[1], dass ein neuartiger Verhaltenskodex für Banker diskutiert würde, der die Finanzmärkte krisensicherer machen soll, musste ich innerlich den Kopf schütteln. Natürlich ist es klar, dass gegenseitiges Vertrauen und ein „integres Verhalten“ der Marktteilnehmer die Grundlage für ein funktionierendes Finanzsystem bilden. Aber [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich in der vergangenen Woche in einem Vorbericht zum G7-Treffen im Handelsblatt las<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, dass ein neuartiger Verhaltenskodex für Banker diskutiert würde, der die Finanzmärkte krisensicherer machen soll, musste ich innerlich den Kopf schütteln. Natürlich ist es klar, dass gegenseitiges Vertrauen und ein „integres Verhalten“ der Marktteilnehmer die Grundlage für ein funktionierendes Finanzsystem bilden. Aber ich bin sicherlich nicht der Einzige, der Zweifel hegt, was die Integrität der Akteure an den Finanzmärkten betrifft. Insbesondere seit ständig der so genannte Kulturwandel in der Finanzbranche proklamiert wird. Ich habe mich vor zwei Jahren schon einmal zu diesem Thema <strong><u><a href="https://www.joachim-goldberg.com/fragwuerdiger-kulturwandel/">HIER</a></u></strong> geäußert. Damals weckte die New Yorker Anwaltskanzlei Labaton Sucharow meine Aufmerksamkeit, die eine Umfrage in Auftrag gegeben hatte, bei der 250 Angestellte aus der Finanzbranche die Geschäftsmoral ihrer Wettbewerber beurteilen sollten. Das war fünf Jahre nach dem Ausbruch der Finanzkrise.</p>
<p>Zufall oder Fügung, dass ausgerechnet an demselben Tag, als ich den Bericht über den Verhaltenskodex las, mir ein Freund eine brandneue Studie<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> als E-Mail zusandte, an der ausgerechnet wieder Labaton Sucharow beteiligt war? Im Vergleich zu 2012 wurden dieses Mal sogar 1200 Berufstätige aus der Finanzindustrie der USA und Großbritannien befragt. Mich interessierte natürlich vor allem die Frage, ob sich nach all den Diskussionen und Bemühungen um eine ethisch verbesserte Investment-Bankenwelt etwas zum Positiven verändert hatte. Zumal seitdem wichtige Reformen eingeleitet und milliardenschwere Strafen verhängt worden sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie würden es wieder tun</strong></p>
<p>Die Ergebnisse sind schockierend. Trotz diverser Ethikseminare, die manches Kreditinstitut vor einigen Jahren seinen Angestellten verordnet hatte, um die schlimmsten Auswüchse der Gier zu bekämpfen. Demnach hält es immer noch rund die Hälfte der Befragten für wahrscheinlich, dass ihre Mitbewerber unethisch oder illegal handeln würden, um sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Mehr als ein Drittel derjenigen, die 500.000 US-Dollar oder mehr im Jahr verdienten, wurden nach dieser Umfrage Zeuge von Fehlverhalten am Arbeitsplatz oder hatten solches Wissen darüber aus erster Hand. 23 Prozent der Befragten – das sind fast doppelt so viele wie im Jahre 2012 – glauben, dass Kollegen im eigenen Unternehmen in unrechtmäßige oder unethische Aktivitäten verwickelt gewesen seien, um sich einen Vorteil zu verschaffen.</p>
<p>Auch waren 25 Prozent der Befragten bereit, für einen Betrag von 10 Millionen Dollar Insiderinformationen auszunutzen – vorausgesetzt, ihnen drohte im Falle einer Strafverfolgung keine Gefängnisstrafe. Im Gegensatz zu den Befragten aus den USA lag der vergleichbare Anteil der Kollegen aus Großbritannien sogar bei 32 Prozent der Interviewten.</p>
<p>Noch mehr gefällig?</p>
<p>27 Prozent der Bankmitarbeiter bestritten, dass die Finanzdienstleister im besten Interesse ihrer Kunden handeln würden. Dieser Prozentsatz steigt sogar auf 38 Prozent für diejenigen Banker, die 500.000 Dollar und mehr im Jahr verdienen. Anders ausgedrückt: Die Daten zeigen, dass zwischen dem Einkommensniveau und der Wahrscheinlichkeit, Zeuge von Fehlverhalten zu werden, ein Zusammenhang besteht.</p>
<p>Aber es kommt noch dicker. Einer von zehn Teilnehmern hat sogar (oder wurde dazu angehalten) eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterschreiben müssen, die ihm untersagt, unrechtmäßiges oder unethische Aktivitäten den Behörden zu melden. Bei einem Jahreseinkommen von 500.000 $ oder mehr steigt der Prozentsatz derjenigen, die nach eigenen Angaben ebenfalls den Maulkorberlass unterzeichnet haben, sogar auf 25 Prozent.</p>
<p>Wie hoch wäre der Prozentsatz derjenigen, die an die Wirksamkeit eines freiwilligen Verhaltenskodex glauben?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> online Ausgabe des Handelsblatts zum G7-Treffen: <em>Neuer Verhaltenskodex für Banker soll Märkte sicherer machen</em>, gelesen am 28.5.2015</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Tenbrunsel, A &amp; Thomas, J. (Mai 2015): <em>The Street, The Bull and The Crisis: A Survey of the US &amp; UK Financial Services Industry</em>, presented by The University of Notre Dame and Labaton Sucharow LLP</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/keine-spur-von-kulturwandel/">Keine Spur von Kulturwandel</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Drauf gepfiffen!</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/drauf-gepfiffen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jun 2013 06:38:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Adaption]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Snowden]]></category>
		<category><![CDATA[Überwachung]]></category>
		<category><![CDATA[Whistleblowing]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ist der US-Informant Edward Snowden ein Verräter oder ein Volksheld? – Eine Frage, die die Gemüter derzeit bewegt und für kontroverse Diskussionen sorgt. Ist Snowden ein Whistleblower, der einfach nur Alarm schlagen wollte, um Fehlverhalten, Missstände und Ähnliches an die Öffentlichkeit zu bringen? Jemand also, der von einem Denunzianten abzugrenzen ist, weil er uneigennützig handelt, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ist der US-Informant Edward Snowden ein Verräter oder ein Volksheld? – Eine Frage, die die Gemüter derzeit bewegt und für kontroverse Diskussionen sorgt. Ist Snowden ein Whistleblower, der einfach nur Alarm schlagen wollte, um Fehlverhalten, Missstände und Ähnliches an die Öffentlichkeit zu bringen? <span id="more-6269"></span>Jemand also, der von einem Denunzianten abzugrenzen ist, weil er uneigennützig handelt, der seinen Arbeitsplatz, seine beruflichen und privaten Kontakte riskiert, um einzig aus Gewissensgründen auf gesetzeswidriges Verhalten hinzuweisen? Und der nicht wegen finanzieller Anreize aktiv wird und den man mancherorts sogar als positiven Verräter bezeichnen würde. Unzweifelhaft ist dennoch, dass dem Whistleblowing der Beigeschmack des Verrats anhaftet. Hätte sich Snowden darüber im Klaren sein müssen, bevor er seine Stelle bei der NSA (National Security Agency) antrat, dass Spionieren zu seinem täglichen Arbeitsgebiet gehören würde und er somit kein Recht haben sollte, Informationen über Späh- und Abwehrprogramme der Geheimdienste der USA und Großbritanniens an die Medien weiterzugeben? Oder hat Snowden anfangs das Ausmaß und die Bedeutung seines Arbeitsfeldes unterschätzt und erst mit der Zeit Skrupel bekommen? Dies alles sind Fragen, die ich weder bewerten noch endgültig beantworten kann. Das Einzige, was sicher scheint, ist: Die betroffenen Staaten haben kein Interesse daran, dass der tatsächliche Umfang ihrer Überwachungsmethoden an die Öffentlichkeit gerät.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Whistleblowing für Geld</b></p>
<p>Aber es scheint noch andere Formen des Whistleblowing zu geben, nämlich die Aufdeckung von Verbrechen und Straftaten gegen Geld. Sei es, dass eine Frau Informationen über den Hedgefonds ihres Ex-Manns an die US-Börsenaufsicht SEC liefert, der darauf des Insider-Tradings überführt werden kann und dafür eine Million US-Dollar kassiert (Näheres dazu in einem früheren <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/whistleblower/">Blogbeitrag hier</a></span>), sei es der Verkauf von Schweizer Kontendaten an die Steuerermittler europäischer Staaten. Verrat für einen guten Zweck also, der, obwohl in der Schweiz illegal, hierzulande legitimiert wird, weil der Staat ein starkes Interesse an diesen Informationen hat. Steuerhinterziehung und Insider-Tradings sind strafbar<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>;  deshalb ist auch das Pfeifen für Geld willkommen!</p>
<p>Vielleicht sollen die hohen Belohnungen ja auch diejenigen auf den Plan rufen, die bislang aufgrund materieller oder ideeller Hindernisse nicht bereit waren, gesetzwidriges Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten anzuzeigen, weil sie sich einer „lokalen“ Gruppennorm verbunden fühlten oder in einer vertrauensvollen Beziehung und nicht in Scheidung lebten. Hätte Judas Ischariot Jesus ohne finanziellen Anreiz verraten? Manchmal stellt Rache selbst in den Augen entlassener Mitarbeiter oder betrogener Ehefrauen und -männer einen zu niedrigen Beweggrund dar, als dass sie bereit wären, dem ehemaligen Arbeitgeber oder Partner auf diese Weise eins auszuwischen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Verrat nach Motivlage</b></p>
<p>Mir selbst geht es aber nicht um den Verrat nach Motivlage, denn Moral ist etwas Relatives und unterliegt Normen, die sich mitunter auch verändern können. Viel mehr stört mich, dass mit den Enthüllungen eines Edward Snowden ein Überwachungssystem ungeahnten Ausmaßes aufgedeckt wurde, das in wenigen Monaten bereits zur neuen Norm werden könnte. Dafür sorgt schon allein die Gewöhnung der Menschen an das heute Unerhörte, das Verbotene eines Überwachungsstaates. Da beruhigt mich nicht, dass der Absatz des Romans „1984“ von George Orwell in jüngster Zeit sprunghaft angestiegen ist und man sich hierzulande allzu schnell mit dem Versprechen mancher Politiker zufrieden gibt, dass sie für eine rückhaltlose Aufklärung sorgen wollen.</p>
<p>Wenn es zur Normalität wird, dass ein Staat über alles, das man tut, Aufzeichnungen machen und speichern darf, obwohl dies illegal ist, braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn eines Tages Privatleute einander ausspähen. Zum Beispiel aus Neid und Rachsucht. „Was regst du dich denn auf? Du bist doch auch bei Facebook, Twitter et cetera, du bist doch eh schon nackt!“, werden manche das achselzuckend kommentieren. Und dann kommt meist der Satz: „Ich hab‘ ja sowieso nichts zu verbergen.“ Wenn sie sich da mal nicht täuschen. Denn auch die Normen, was als erlaubt und was als schändlich oder verboten gilt, können sich leicht verschieben.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Streng genommen handelt es sich dabei nicht um Whistleblowing, denn die Motive dieser Menschen sind nicht uneigennützig</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/drauf-gepfiffen/">Drauf gepfiffen!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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