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	<title>Versunkene Kosten Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Ausgestochen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Mar 2021 05:52:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[AstraZeneca]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsirrtum]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca vorübergehend eingestellt würden. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, versteht sich. Und es sollte auch niemanden verwundern, dass die Aktienmärkte hierzulande kaum darauf reagiert haben. Ob die Vorbehalte gegenüber AstraZeneca berechtigt sind oder nicht – in jedem Fall bedeutet der kurzfristige [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis auch in Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca vorübergehend eingestellt würden. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, versteht sich. Und es sollte auch niemanden verwundern, dass die Aktienmärkte hierzulande kaum darauf reagiert haben. Ob die Vorbehalte gegenüber AstraZeneca berechtigt sind oder nicht – in jedem Fall bedeutet der kurzfristige Stopp eine weitere Verzögerung bei den Verimpfungen, und damit rückt die Rückkehr zur Normalität noch mehr in die Ferne. <img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-13218" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/17032021.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/17032021.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2021/03/17032021-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Wer etwa noch am Sonntag eine Impfung verpasst bekommen hat, mag sich, zusätzlich zu den erwarteten normalen Impfnebenwirkungen, nun besonders unwohl fühlen. Ein Umstand, der auch dem Verfügbarkeitsirrtum geschuldet sein mag, wonach Menschen dramatische, zeitnahe und medial stark hervorgehobene Informationen bevorzugt (und häufig überstark) wahrnehmen.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>In letzter Minute</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es gab aber auch in meinem entfernteren Bekanntenkreis den Fall einer älteren Dame, die gestern zum Impftermin geladen war. Ja, sie wollte geimpft werden, aber nur mit einem bestimmten Impfstoff, der dummerweise nicht angeboten wurde. Zwei schlaflose Nächte wegen eventueller Nebenwirkungen hatte sie bereits hinter sich, und das Testament hatte sie am Tag des Impftermins für alle Fälle auf ihrem Schreibtisch platziert.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Mit gemischten Gefühlen fuhr sie zum Impfzentrum. Und nach 90 Minuten Fragebogen, Bürokratie und Wartezeit war es soweit und die Dame nur noch wenige Sekunden vom Einstich der Nadel entfernt. Der Arzt hatte die mit dem AstraZeneca-Vaccine gefüllte Spritze bereits in der Hand und wollte gerade die Einstichstelle am Oberarm der Patientin desinfizieren, als plötzlich sein Smartphone klingelte. Die Anweisung der Stimme aus dem Off war eindeutig: Stopp! Die Impfung darf auf keinen Fall vorgenommen werden.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Versunkene Kosten</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Eigentlich hätte die Dame ja erleichtert sein müssen, weil der Impf-Kelch mit dem Vaccine, das nicht das ihrer Wahl war, an ihr vorübergegangen war. Aber ihre Reaktion bestand aus Ärger und Unmut. 90 Minuten Warten für nichts? Verhaltensökonomen sprechen in diesem Fall von versunkenen Kosten, die einen wesentlichen Einfluss auf das Entscheidungsverhalten haben. „Jetzt, nachdem ich so lange gewartet habe, möchte ich auch meine Impfung bekommen“, empörte sich die Dame. Vergessen waren die schlaflosen Nächte und all die Angst zuvor.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Es ist eine Geschichte, die mich an Anleger erinnert, die nach 30 Minuten Informationsbeschaffung und Analyse einer mittelprächtige Aktie diese alleine deswegen kaufen möchten, weil der zeitliche Einsatz nicht umsonst gewesen sein soll. Egal, ob das Papier etwas taugt oder nicht.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Fragwürdige Korrelation</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Natürlich gab es gestern auch noch Märkte, deren Akteure sich jedoch eher abwartend zu verhalten schienen. Zumal das Hauptereignis in dieser Woche die am Mittwoch endende Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank sein wird. Per Saldo war der Dollar gegenüber dem Euro leicht im Vorteil, obwohl sich mancherorts Analysten ganz bewusst von der Idee vieler Kommentatoren distanzierten, dass die Stärke des Greenback zurzeit mit der Entwicklung der US-Anleiherenditen korreliert sei. Auch wenn ich selbst von derlei Zusammenhängen grundsätzlich nichts halte, muss ich einräumen, dass die Gemeinschaftswährung derzeit in ihrem kurzfristigen Abwärtstrend verharrt, der allerdings nach Überschreiten von <strong>1,1990</strong> große Teile seines Momentums verlieren würde.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Die magische Nulllinie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Feb 2016 12:04:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitulation]]></category>
		<category><![CDATA[Krankenversicherung]]></category>
		<category><![CDATA[Negativzinsen]]></category>
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		<category><![CDATA[Verlustaversion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist das Unterschreiten der Nulllinie, der Übergang von positiven zu negativen Zahlen, der den Menschen große Schwierigkeiten zu bereiten scheint. Diese Beunruhigung dürfte sich noch verstärken, da die Europäische Zentralbank wahrscheinlich mit dem ohnehin schon negativen Zins für Bankeinlagen noch weiter nach unten gehen wird. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird man seitens der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist das Unterschreiten der Nulllinie, der Übergang von positiven zu negativen Zahlen, der den Menschen große Schwierigkeiten zu bereiten scheint. Diese Beunruhigung dürfte sich noch verstärken, da die Europäische Zentralbank wahrscheinlich mit dem ohnehin schon negativen Zins für Bankeinlagen noch weiter nach unten gehen wird. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird man seitens der Kreditinstitute eines Tages nicht umhin kommen, diesen negativen Zins – Zins ist eigentlich die falsche Bezeichnung – an die Sparer weiterzugeben. Spätestens an dem Tag, an dem deswegen auf dem Kontoauszug die erste Belastung Schwarz auf Weiß ausgewiesen ist, dürften viele Anleger das Gefühl haben, in einer verkehrten Welt angekommen zu sein. Hatte man sich zuvor immerhin schon damit abgefunden, dass Spareinlagen und Tagesgeld gering oder gar nicht verzinst wurden, schien dieser Tag X immer noch in einer fernen, kaum vorstellbaren Zukunft zu liegen. Obwohl offensichtlich ist, dass Sparer schon längst über negative Realzinsen bestraft werden, blendet man gerne solch schwierige Berechnungen aus.</p>
<p>Dass die negativen Zinsen nominal trotzdem so langsam bei uns ankommen, wird etwa daran deutlich, dass etwa die Krankenkassen deswegen 1,8 Millionen Euro im Jahr 2015 verloren haben sollen. Das ist Geld, das letztlich von den Sozialversicherungsbeiträgen der Beitragspflichtigen einbehalten wird. Und zwar nicht nur bei der Kranken-, sondern natürlich auch bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Gemessen am Beitragsaufkommen mag es sich zwar um relativ kleine Beträge handeln, die die meisten von uns eigentlich nicht wahrgenommen hätten, gäbe es da die Medien nicht. Aber bei nominellen Zinsverlusten hört für viele Menschen der Spaß auf.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Scheckheftgepflegtes Auto für einen Verstorbenen </strong></p>
<p>Die Macht der Nulllinie erfuhr unlängst auch mein Bekannter B. Der hatte nämlich im Jahre 2010 von seinem Vater neben einem Haus auch ein altes Auto und ein Girokonto mit ein paar tausend Euro geerbt. Während die Immobilie längst veräußert wurde, brachte B. es nicht übers Herz, sich von dem Oldtimer, für den ihm niemand mehr als 2.000 Euro anbot, zu trennen. Pietät, liebende und ehrende Erinnerung an den Vater, mögen der eine Grund gewesen sein, aber der Umstand, dass B. nicht den hohen Preis, den er erhofft hatte, erzielen konnte, wog mindestens so schwer.</p>
<p>Und weil sich kein zahlungswilliger Käufer finden wollte, zahlte B. vom geerbten Girokonto brav jedes Jahr Kfz-Steuer und -Versicherung und brachte das betagte Gefährt sogar regelmäßig zum TÜV. Auch kam es für ihn nicht infrage, den Wagen an „irgendjemanden“ zu verkaufen, der vielleicht die Verblendung aus Walnussholz an Schalthebel und Armaturenbrett nicht zu schätzen gewusst und das Gefährt insgesamt nicht in Ehren gehalten hätte. Und so schmolz das Guthaben auf dem Konto langsam zusammen.</p>
<p>Schließlich war es ein kleiner Sollsaldo auf dem Girokonto von gerade einmal 20 Euro, der die Alarmglocken bei B. schrillen ließ. Vergessen war der Vorsatz, das mittlerweile über 20 Jahre alte Automobil des Vaters nur in beste Hände abzugeben. Vergessen waren auch all die jahrelang gezahlten Ausgaben für Steuer, Versicherung und TÜV (versunkene Kosten), weil B. unbedingt an seinem Erbe festhalten wollte.</p>
<p>Plötzlich musste der Wagen ganz schnell weg. Um jeden Preis. Hauptsache, das Girokonto kam wieder ins Haben.</p>
<p>Immerhin hatte die Geschichte etwas Positives: Durch den Übergang auf dem Konto vom Haben ins Soll konnte B. endlich loslassen und mit dem väterlichen Erbe abschließen. Die Nulllinie auf dem Girokonto wirkte wie ein unfreiwilliger Stopp-Loss. So hat sich wieder einmal gezeigt: Menschen empfinden Verluste als viel gravierender und gehen mit ihnen auch ganz anders als mit Gewinnen um.</p>
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		<title>Monteur &#038; Marketing</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 Feb 2013 08:46:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Da war er nun, jener Augenblick, wie er hoffentlich nur einmal im Leben einer jeden Geschirrspülmaschine vorkommt: Das Waschprogramm blieb eine Minute vor Schluss stehen, das Geschirr in der Maschine wegen der ausgefallen Heizung feucht, weswegen ich den Kundendienst vom Hersteller der Maschine anrufen musste. Gott sei Dank ist die Hotline von Siemens rund um [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Da war er nun, jener Augenblick, wie er hoffentlich nur einmal im Leben einer jeden Geschirrspülmaschine vorkommt: Das Waschprogramm blieb eine Minute vor Schluss stehen, das Geschirr in der Maschine wegen der ausgefallen Heizung feucht,<span id="more-5745"></span> weswegen ich den Kundendienst vom Hersteller der Maschine anrufen musste. Gott sei Dank ist die Hotline von Siemens rund um die Uhr besetzt und nimmt selbst samstagabends Aufträge an. Allerdings, so beschied mir die nette Dame am Telefon, müsste ich gut eine Woche warten, denn der Reparaturservice sei derzeit völlig überlastet. Im Geiste hatte ich mir schon einmal ausgerechnet, was so eine Reparatur kosten könne. Wahrscheinlich 200 bis 250 Euro. Dachte ich.</p>
<p>Eine Woche später klingelt es überraschend pünktlich um 8:00 Uhr an der Tür: Der Mann von Siemens war da! Flott öffnete er den Geschirrspüler und zeigte mir mit mitleidiger Miene das durchsichtige Abflusssystem, die so genannte Wassertasche, die allerdings hier und da hässliche Verstopfungen aufwies, verursacht durch Reste von Stärke (feinste Rückstände aus Kartoffeln, Reis, etc.), die sich über die Jahre ansammeln. Das nenne ich Transparenz. Dann kam für mich der mentale kurze, aber heftige Schmerz, als mir der Monteur  eröffnete, dass das ganze Reparatur-Vergnügen mich 320 Euro kosten würde. Das war viel mehr, als ich gedacht hatte, und schnell machte ich einen internen Faktencheck: Eine neue Maschine würde mich vermutlich mindestens 700 Euro, wenn nicht mehr, kosten, überschlug ich blitzschnell im Kopf und spürte, dass ich bereits in der Falle saß. Denn die 320 Euro befanden sich ziemlich genau an der Grenze dessen, was ich gerade noch zu investieren bereit gewesen wäre, bevor ich mich für die Anschaffung eines neuen Gerätes entschieden hätte. Vielleicht hatte Siemens das vorher berechnet. „In dem Preis sind auch alle Kosten enthalten, also Anfahrt, Arbeitszeit, Mehrwertsteuer“, fügte der Monteur, der meinem Gesichtsausdruck offenbar verschiedene Schattierungen des Schreckens entnommen hatte, beflissen hinzu. Als ob er nicht nur Fachmann für Wasserschläuche, sondern auch für Behavioral Economics wäre, eröffnete er für jede einzelne seiner Leistungen bei mir ein separates mentales Gewinnkonto.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Allround-Verkäufer</b></p>
<p>Aber er hatte meine Entscheidung sowieso schon in der Tasche, denn ich konnte mir absolut nicht vorstellen, dass ich den Servicemitarbeiter unverrichteter Dinge nach Hause schicken würde, nachdem ich doch bereits seit einer guten Woche auf den Reparaturtermin gewartet hatte. Die baldige Lösung aller Geschirrspül-Probleme vor Augen, bemerkte ich, wie ich in der Commitment-Falle saß. Wenn ich jetzt Nein gesagt hätte, hätte ich überdies die Anfahrt des Monteurs bezahlen, mir einen neuen Geschirrspüler bestellen und womöglich noch einmal eine Woche auf die Installation der Maschine warten müssen – nein, das war zu viel für mich. Und so entschloss ich mich zur Reparatur, an deren Ende mir der smarte Monteur auch noch einen möglicherweise überteuerten Reiniger nach allen Regeln der Verhaltensökonomie (vier Päckchen zum Preis von drei) für 15 Euro verkaufte, den es angeblich nur bei Siemens gäbe.  </p>
<p>„Jetzt haben Sie zwei Jahre Garantie – und hoffentlich Ruhe“, strahlte mich der Monteur an und hielt mir einen laminierten Prospekt zum Abschluss einer Reparaturversicherung für ein paar ausgewählte Haushaltsgeräte, auch wenn sie nicht von Siemens stammten, unter die Nase: „Nur 16 Euro pro Monat“, hob er an, aber ich ließ ihn gar nicht erst weiterreden, weil ich ahnte, dass schon die nächste Falle auf mich lauerte. Und bei der nächsten Reparatur, schwor ich mir, werde ich mich besser auf das Verkaufsgespräch vorbereiten.</p>
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		<title>Europa und das eskalierende Commitment</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 06:55:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am vergangenen Wochenende war ich bei einem Freund eingeladen, und natürlich musste das Gespräch auf die europäische Schuldenkrise kommen. Dabei ging es ausnahmsweise einmal nicht um die Frage, wie man sein eigenes Geld in Sicherheit bringen könne. Und auch nicht darum, wohin die Krise Deutschland noch führen werde. Vielmehr fragte mein Gegenüber, ob man diese [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/europa-und-das-eskalierendes-commitment/">Europa und das eskalierende Commitment</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am vergangenen Wochenende war ich bei einem Freund eingeladen, und natürlich musste das Gespräch auf die europäische Schuldenkrise kommen. Dabei ging es ausnahmsweise einmal nicht um die Frage, wie man sein eigenes Geld in Sicherheit bringen könne. Und auch nicht darum, wohin die Krise Deutschland noch führen werde. Vielmehr fragte mein Gegenüber, <span id="more-2786"></span>ob man diese Rettungsorgie nicht besser stoppen solle, da sich ja immer deutlicher zeige, dass das Hilfspaket für die strauchelnden Länder der Eurozone von Tag zu Tag größer und umfangreicher würde. Am Anfang habe es sich noch um halbwegs überschaubare Hilfsmittel für die in Not geratenen Partner gehandelt, mittlerweile sei man aber bei Billionen schweren Beträgen gelandet, und immer noch nicht sei ein Ende abzusehen. Von einer seriösen Finanzierung könne ja außerdem nicht die Rede sein, da man auf Instrumente wie den EFSF-Hebel oder Zweckgesellschaften für die Schaffung strukturierter Produkte zurückgreifen müsse – also jene riskanten Strategien befolge, die einst die Immobilienkrise in den USA ausgelöst hatten. Im Prinzip, so meinte mein Freund, verhalte sich Europa nicht anders als ein Händler, der seine Verluste auf jede erdenkliche Art wieder wettmachen will. Wie er versuche man nun, durch so genanntes „Hinzumischen“ neuer Engagements zu bestehenden Positionen, die bereits in den Verlustbereich abgerutscht seien, den Einstandspreis scheinbar zu verbilligen. Aber die Eurozone dürfe sich doch nicht wie ein Kerviel oder Adoboli gerieren, empörte sich mein Gesprächspartner. Schließlich hatten diese Hasardeure durch ihr skrupelloses und unverantwortliches Vorgehen während der Finanzkrise Milliardenverluste verursacht.</p>
<p>Leider konnte ich die Sorgen meines Freundes nicht zerstreuen. Denn auch aus psychologischer Sicht stellt sich die Lage als bedenklich dar. So sind die europäischen Regierungen meines Erachtens ein hohes Commitment eingegangen. Und diese Bindung an eine einmal gefällte Entscheidung hat sich mittlerweile auch noch unglaublich verstärkt, nicht nur wegen der Angst vor möglichen Verlusten, die naturgemäß das Commitment der Handelnden erhöht. Vielmehr haben Politiker generell eine sehr große Selbstverpflichtung gegenüber dem, was sie tun oder versprechen zu tun, weil sie immer im grellen Licht der öffentlichen Beobachtung agieren müssen. Und diese Bindung macht es ihnen praktisch unmöglich, selbst bei hohen Verlusten eine einmal eingeschlagene Strategie zu revidieren. Kommt noch eine Normabweichung hinzu – in diesem Fall die Missachtung der zuvor getroffenen Vereinbarung, im Zweifel Nachbarländern finanziell nicht aus der Patsche zu helfen – gibt es gar kein Zurück mehr.</p>
<p>Und so bleiben auf den ersten Blick nur zwei Lösungsmöglichkeiten: Entweder gelingt die Rettung der Eurozone unter Einsatz vermutlich selbst noch aus heutiger Sicht ungeheurer Mittel. Oder die Politiker kapitulieren eines Tages, was einer Aufgabe des Projektes Europa gleichkäme. Denn die hohen Commitments aller Beteiligten verringern die Wahrscheinlichkeit eines Stopp-Loss, was in diesem Falle nichts anderes hieße, als die Rettungsaktion für die notleidenden Staaten sofort abzubrechen, auf ein Minimum. Diese starke Bindung an eine einmal gefällte Entscheidung kann letztlich nur durch neue Entscheider gelöst werden – wie im Fußball, wo ein neuer Trainer manchmal Wunder bewirken kann. In Europa weisen Regierungswechsel bereits in diese Richtung. Allerdings konnten jene bis jetzt kaum Veränderungen bewirken, da es in vielen europäischen Partnerländern, allen voran Frankreich und Deutschland, noch nicht zu einem Machtwechsel gekommen ist. Und so werden die Commitments – und damit die Risiken einer Ausweitung der Krise – mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter eskalieren.</p>
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