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	<title>Verschwörungstheorien Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Wahrheit – eine Frage der Wahrnehmung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Jan 2017 16:09:53 +0000</pubDate>
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<p>Ich selbst habe bereits bei meinen ersten Erfahrungen als Devisenhändler Anfang der 1980er Jahre erlebt, wie der permanente Einfluss von Informationen unser Entscheidungsverhalten beeinflusst. Das war zu einer Zeit, als es in den Finanzmärkten nur wenige mediale Möglichkeiten gab, Informationen zu verbreiten und zu empfangen. Verglichen mit heute lebten wir informationstechnisch gesehen in einer Wüste.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fake News gibt es schon lange</strong></p>
<p>Tatsächlich gab es im Handelssaal ein Telex-Gerät, das ein paar Mal am Tag klingelte, wenn es Neuigkeiten aus der Wirtschaft gab. Und als der erste Bildschirm der Nachrichtenagentur Reuters im Raum installiert wurde, betrachteten ihn viele Händler fast als so etwas wie Teufelszeug. Mit anderen Worten: Vor knapp 40 Jahren wurden während eines Handelstages nur wenige harte Fakten publiziert. Vielmehr bestand der größte Teil dessen, was man in den Finanzmärkten untereinander austauschte, aus Gerüchten. Gerüchte, die sich manchmal als wahr, ein anderes Mal jedoch als falsch herausstellten. Kamen diese Neuigkeiten von guten Händler-Freunden, denen man vor allen Dingen deshalb vertraute, weil man sie bei einem Forex-Treffen (jährliches Treffen der Devisenhändler) oder beim Besuch einer befreundeten Bank persönlich kennengelernt hatte, hatten diese naturgemäß eine höhere Wertigkeit. Als seriös galt, wen man gut zu kennen glaubte.</p>
<p>Wichtiger noch als Quelle und für wie seriös wir diese hielten, war jedoch die Frage, ob die Information zum bestehenden Engagement, etwa zu einer Long-Position in US-Dollar gegen D-Mark, passte. Damals wie heute wurden Nachrichten und Daten selektiv wahrgenommen. Was zur Position passte, wurde in seiner Bedeutung überschätzt, und das, was den Erfolg des Engagements hätte bedrohen können, wurde heruntergespielt oder sogar schlichtweg ignoriert. Einziger Unterschied zu heute: Damals gab es die Forschungsdisziplin der Behavioral Finance noch nicht. Und deshalb war niemandem bewusst, wie selektiv er genau wie alle anderen auch Informationen bewertete.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Selektive Wahrnehmung entscheidet</strong></p>
<p>Und das hatte Auswirkungen auf die Gespräche mit Kollegen und befreundeten Händlern, mit denen man permanent, in erster Linie telefonisch, in Kontakt stand. Und wenn ein Engagement schiefging, dann waren natürlich oft falsche Gerüchte – gemeinhin als Ente oder Lüge bezeichnet – daran schuld, weil die einen in die Irre geführt hatten.</p>
<p>Heute sagt man dazu „Fake News“.</p>
<p>Auch damals gab es (gerade von den Verlierern) immer wieder die Forderung, man müsse die Verbreiter von Fehlinformationen aufs Schärfste bestrafen. Eine Forderung, die übrigens niemals in die Tat umgesetzt wurde. Vermutlich, weil dies in der Realität ohnehin unmöglich gewesen wäre, aber vor allen Dingen, weil es bei der Desinformation nicht nur Verlierer, sondern auch Profiteure gab.</p>
<p>Aber auch ein anderer wesentlicher Aspekt darf nicht außer Acht gelassen werden. Gerade aufgrund der selektiven Wahrnehmung und Weitergabe von Informationen gab es nicht die prinzipielle Unterteilung in Gut und Böse. Es gab auch nicht Quellen, die immer im Besitz der Wahrheit waren oder ausschließlich Lügen verbreiteten. Gefragt war, was gerade passte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Steigende Informationsflut</strong></p>
<p>Auch die Zeitungen waren damals relativ leicht einzuordnen. Wer konservativ war, konnte sich darauf verlassen, in einem bestimmten Blatt Informationen und Meinungen zu finden, die sein Weltbild bestätigten. Und wer sich eher links einordnete, wusste ganz genau, welche Tageszeitung er kaufen musste, um seine politische Ansicht gut vertreten zu fühlen. Und prinzipiell galt: Medien des politischen Gegners logen sowieso immer.</p>
<p>Der wesentliche Vorteil der (auch nicht) „guten, alten Zeit“ bestand jedoch darin, dass die verfügbaren Informationen für uns auch schon seinerzeit aufgrund ihrer Vielzahl sowohl wahrnehmungstechnisch als auch bei der Verarbeitung schnell zu einer gewissen Überforderung führten. Aber die Anzahl der eintreffenden Nachrichten war dennoch im Vergleich zu heute noch überschaubar, und der europäische Devisenhandel war spätestens um 17:30 Uhr beendet. Ein einziger Anruf in einer anderen Zeitzone, etwa in New York am späten Abend zu mitteleuropäischer Zeit, genügte, um sich bei einem dortigen Händler über die wichtigsten Geschehnisse des Tages zu informieren. Natürlich selektiv aufbereitet. Und manchmal konnte man in diesen Gesprächen sogar heraushören, ob der Kollege gerade am Gewinnen oder Verlieren war.</p>
<p>Es mag wie eine Binsenweisheit klingen, wenn man heutzutage behauptet, in den vergangenen 40 Jahren hätte sich vieles verändert. Dies gilt zumindest hinsichtlich der Informationsmenge, die natürlich nicht auf die Finanzmärkte beschränkt ist, sondern uns längst im Alltag begleitet. Auch die Verbreitungsgeschwindigkeit von neuen Nachrichten hat sich exponentiell gesteigert. Was die Standardmedien angeht, kann man auch nicht mehr zwischen links und rechts unterscheiden, weil sich die Maßstäbe und gesellschaftlichen Normen verändert und verschoben haben. Etwa derart, dass man heute statt zwischen rechts und links, progressiv oder konservativ eher zwischen Anhängern und Gegnern des Establishments unterscheiden könnte. Während die Gegner Medien, die dem Establishment nahestehen, generell als Lügenpresse verunglimpfen, sehen die Vertreter des Establishments nur zu gerne das, was von den Gegnern geäußert wird, als Verschwörungstheorie an.</p>
<p>Beide Pauschalisierungen sind vereinfachend, polarisierend und falsch.</p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Veränderter Freundschaftsbegriff</strong></p>
<p>Die Welt ist nicht schwarz oder weiß, sondern hat zwischen diesen beiden Extremen eine Vielzahl von Grautönen. Viel bedeutsamer als diese Unterscheidung sind Charakter und Wesen der sogenannten Freundschaftsbeziehungen, die sich gravierend verändert haben und deren Anzahl ich dank Facebook im Gegensatz zu früher massiv steigern konnte. Von den mehr als 800 sogenannten Freunden kenne ich selbst zwar nur einen Bruchteil. Die meisten sind Freunde von Freunden, die irgendetwas miteinander – und daher auch mit mir – gemeinsam zu haben scheinen.</p>
<p>Auch wenn ich mittlerweile intern zwischen guten und weniger guten Freunden unterscheide, impliziert der Begriff des Freundes doch generell, dass dieser irgendwie ähnlich denkt wie ich und, was noch viel wichtiger ist, in meinen Augen als zuverlässige Quelle seriöser Informationen gilt. Leider ein Trugschluss, wie sich immer wieder herausstellt.</p>
<p>Facebook möchte nun eindeutige Falschmeldungen, die im Netz herumschwirren, auch mittels eines Recherchebüros („Correctiv“) herausfiltern und als solche kennzeichnen. Diese vordergründig gut gemeinte Idee hat jedoch auch wieder einen Haken. Denn die Mitarbeiter dieses Unternehmens sind natürlich auch nicht unvoreingenommen, und jeder von ihnen hat seine eigene Weltanschauung und unterliegt wie alle anderen auch der selektiven Wahrnehmung von Informationen.</p>
<p>Wenn man diesen Faden weiterspinnt, mag das Hauptproblem von Fake News (früher falsche Gerüchte oder Enten genannt) gar nicht einmal allein in deren Produktion liegen, sondern darin, ob deren Empfänger bereit sind, diese wahrzunehmen und zu glauben. Und wie in den Finanzmärkten gilt auch im Leben: Was zur Position (Weltanschauung) passt, wird bevorzugt angenommen und auch gerne weitergegeben. Und was nicht ins eigene Weltbild passt, wird in seiner Aussagekraft heruntergespielt, vielleicht sogar der Lächerlichkeit preisgegeben oder gleich ganz als Fake oder Lügenpresse abgetan.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/wahrheit-eine-frage-der-wahrnehmung/">Wahrheit – eine Frage der Wahrnehmung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Kurzgeschnittene Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2016 08:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9327 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg" alt="" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/12/Barbier.jpg 695w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Eigentlich gehe ich gerne zum Friseur, denn dort kann ich stets auch ein wenig entspannen. Manchmal unterhalte ich mich auch mit der Friseurin, deren Alter ich auf deutlich unter 30 Jahren schätze, und dann plaudern wir über alles, was uns im Alltag beschäftigt. Aber bei meinem jüngsten Besuch ging es in unserem Gespräch nicht um Rezepte für Weihnachtsplätzchen oder wohin man das nächste Mal in den Urlaub fahren könnte. Stattdessen erfuhr ich beim Haareschneiden, dass mein Gegenüber politisch viel besser informiert war, als ich es je vermutet hätte.</p>
<p>Sicherlich hätte man den Mord an einer Freiburger Studentin, mit einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling als mutmaßlichem Täter, auch noch als typisches Skandalthema abtun können, wie es gerne zwischen Waschen, Schneiden, Föhnen erörtert wird. „Wissen Sie, wir werden permanent schlecht und falsch informiert – Spiegel, Focus, alles Lügenpresse“, brach es jedoch plötzlich aus der Friseurin hervor. Auch bei den Terroranschlägen des 11. September 2001 sei die Öffentlichkeit an der Nase herumgeführt worden, „das waren doch die Amerikaner selber [die den Anschlag verübten]“, bedeutete sie mir. Woher sie denn diese brisanten Informationen habe, fragte ich vorsichtig. Konkret konnte sie mir das natürlich nicht sagen, aber immerhin seien doch das Internet und die sozialen Medien voll davon, erfuhr ich. Wenn so viele das sagen, muss doch etwas dran sein, erläuterte sie mir. Damit war klar, dass sie offensichtlich alles, was in der Presse zu erfahren ist, für manipuliert und gelogen hielt und daraus die Schlussfolgerung gezogen hatte, dass diejenigen, die diese (vermeintlichen) Lügen aufdeckten, im Besitze der Wahrheit sein müssten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ja, aber</strong></p>
<p>Ich wollte keinen Streit anfangen, zumal die Friseurin schon begonnen hatte, während sie das alles mit erregter Stimme vorbrachte, aufgeregt mit dem Kamm die Luft zu durchfurchen. Doch fühlte ich mich verpflichtet, der jungen Frau zu erklären, dass diejenigen, die andere der Lügen- oder Lücken-Presse bezichtigten, nicht notwendigerweise ehrlich sein müssten. Beinahe glaubte ich, Erfolg gehabt und mein Gegenüber überzeugt zu haben, denn sie hielt beim Haareschneiden inne und schien für einen Moment sehr konzentriert nachzudenken. Aber spätestens, als sie die Schere mit dem berühmten „Ja, aber“ am Haaransatz oberhalb meines Ohres wieder ansetzte, hätte mir klar sein müssen, dass ich genauso gut gegen eine Wand hätte reden können.</p>
<p>„Haben Sie sich schon einmal die Rückseite Ihres Personalausweises genauer angesehen? – Da kann man bei genauem Hinsehen den Teufel erblicken!“ Und zum Beweis zeigte sie mir ihren Personalausweis (in der alten Ausführung). Ich drehte die Karte hin und her, aber wollte absolut keinen Teufel erkennen. „Mit etwas Fantasie kann ich ein Fruchtbarkeitssymbol, vielleicht so etwas wie eine abstrakte Gebärmutter und einen Phallus oder so etwas Ähnliches erkennen. Aber den Gehörnten?“ „Sie sehen doch nur, was Sie sehen wollen!“ erwiderte meine charmante Friseurin. „Und Sie?“ – Schweigen. Ich gab auf, denn ich wusste, sie würde auch beim Betrachten einer Aufnahme  von den Wolkenkratzern des 11. Septembers in New York in den auf dem Foto befindlichen Wolken womöglich die Fratze des Bösen erkennen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kontrollbedürfnis sucht einfache Erklärungen</strong></p>
<p>Es ist wohl dem menschlichen Bedürfnis nach Kontrolle geschuldet, dass es für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben muss. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, den sie erleben, wenn sie bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben können, kaum aus. Und Erklärungen, die plausibel scheinen, weil sie auch noch ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten oder besonders gut ins eigene Weltbild passen, sind besonders beliebt.  Anders ausgedrückt: Wer solche Erklärungen anbieten kann, gilt automatisch als glaubwürdig und ehrlich, weil er im Besitz des Mittels gegen einen als bedrohlich empfundenen Kontrollverlust ist. Kein Wunder, wenn neben diesen Erklärungen auch alle anderen Informationen ungeprüft als Wahrheit akzeptiert werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…, die nicht richtig sein müssen </strong></p>
<p>Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man ohnehin, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige, auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen gegenüber anderen bevorzugt wahrgenommen werden. Am besten kommt eine Geschichte an, in der ein Ereignis oder eine Aktion geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben wird, die selbst nur im Verborgenen tätig sind, also mithin Verschwörungstheorien. Und wenn dann auch noch prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Möglicherweise werden somit Lügen zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>Nicht dass jene anerkannten Autoritäten, zu denen naturgemäß auch die Politiker zählen, in der Vergangenheit nie gelogen oder Geschichten erfunden hätten. Das dramatische Wesen der heutigen sogenannten Post-Fact-Welt liegt darin, dass – und gerade das Beispiel Donald Trump zeigt uns dies besonders gut – Lügen plötzlich egal und wenn auch nicht legal, so doch zumindest legitim zu sein scheinen. Und kommen sie aus der Politik, bleiben sie sogar ungeahndet. Im Gegenteil: Wer besonders dreist lügt, bekommt besonders viel Zuspruch. Eine Dreistigkeit, die nur deswegen möglich ist, weil sie eben auf einfach und schnell begreifbare Erklärungen rekurriert. Möglicherweise nicht einmal, weil die Menschen jemand gesucht haben, der ihnen eine bessere Zukunft verspricht. Es ist ausgerechnet die Transparenz des Internets, die zu einer solch horrend großen Menge an Information geführt hat, dass wir dieser aufgrund unserer begrenzten menschlichen Aufnahmekapazitäten nicht mehr Herr werden können.</p>
<p>Auf der Suche nach Transparenz und Wahrheit ist es zu einem Information-Overkill, einem Gemisch von Wahrheiten und Lüge und einem Kontrollverlust gekommen, der eben zu einer selektiven Wahrnehmung des Einfachen, leicht Erklärbaren führt. Verbunden mit dem Nachteil, dass diese Vereinfachungen und Komplexitätsreduzierungen dennoch nicht zur Wahrheit führen müssen. Informationen, mit denen meine Friseurin und ich demnächst wählen gehen. Gut möglich, dass wir uns beide so oder so für das Falsche entscheiden.</p>
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		<title>Von der Lüge zur Wahrheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Oct 2015 16:45:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-luege-zur-wahrheit/">Von der Lüge zur Wahrheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit die Kommunikation zwischen Menschen durch soziale Netzwerke und Foren im Internet beherrscht wird, ist es nicht schwer, für jedes psychische Problem oder körperliche Gebrechen eine schnelle Erklärung und manchmal auch Hilfe zu finden. Leider sieht man es diesen Erklärungen nicht immer an, ob sie stimmen oder ob sie schlicht Blödsinn sind. Oftmals forschen die Hilfesuchenden so lange, bis sie gefunden haben, was ihnen passt, aber nicht helfen muss.</p>
<p>Das gilt leider auch für kaum zu verstehende Ereignisse wie die Anschläge des 11. September 2001. Oder die Finanzkrise, die im Jahr 2008 implodierte und geldpolitische Programme der Zentralbanken zur Folge hatte, mit deren Konsequenzen sich die Forscher rund um den Globus immer noch auseinandersetzen müssen. Man braucht selbst in der Gegenwart nicht lange zu suchen, um etwa im Internet nach Erklärungen für das Verschwinden von Flugzeugen oder den Schuldigen für die für viele Menschen als bedrohlich, weil nicht kontrollierbar, empfundene Flüchtlingskrise zu finden. Und manchmal sind diese Erklärungen abenteuerlich.</p>
<p>Es ist aber auch kein Wunder, dass die Menschen in dieser enormen Vielfalt von Informationen nur diejenigen wahrnehmen, die sich vom allgemeinen Grundrauschen abheben. Und das Niveau dieses Grundrauschens wird vom sogenannten Mainstream der Tagespresse bestimmt: Informationen, die niemand mehr hinter dem Ofen hervorlocken und im schlimmsten Fall sogar als Lügenpresse tituliert werden.</p>
<p>Ob wir tatsächlich belogen werden?</p>
<p>Ich weiß es nicht, und darum geht es mir an dieser Stelle auch gar nicht. Aber wer wahrgenommen werden will, muss sich im Sinne des Weberschen Gesetzes vom Grundrauschen abheben<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Und das geschieht vor allem fast nur ex negativo. Informationen sind dann interessant, wenn sie ohnehin Schlimmes ins Extreme steigern. Und diese Tendenz hat sich während der vergangenen Jahre durch das Internet drastisch verstärkt. Eigentlich müssten die vermutlich über 300 Millionen Blogger-Auftritte durch den damit ausgelösten Informationswettbewerb für eine immer bessere Qualität an Informationen sorgen. Während dies für die traditionellen Medien gelten mag, scheint die Idee, durch Wettbewerb ein Mehr an Qualität zu bekommen, im Cyberspace nicht zu gelten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ausgezeichnetes Chance/Risiko-Verhältnis für Sensationen</strong></p>
<p>Das mag vermutlich damit zusammenhängen, dass etwa Blogbeiträge durch ihre geringen Kosten eine relativ niedrige Eintrittshürde in die Nachrichten-Welt überwinden müssen. Aber selbst der ernsthafteste Blogger wird nur dann bekannt, wenn er sich vom Rest der Mitbewerber abhebt. Und das Risiko, für eine überspitzt dargestellte Nachricht, bestraft zu werden, ist im Vergleich zur Belohnung, möglicherweise Guru-Status zu erlangen, gering. Eine Nachricht muss nicht in erster Linie akkurat dargestellt werden. Vielmehr generiert sie nur Follower und „Likes“ und vielleicht sogar ein wenig Geld, wenn sie sensationell aussieht. So stellten etwa Wissenschaftler der INSEAD Business School fest, dass Wettbewerb unter den Bloggern generell zu einem übertrieben negativen Unterton in den Beiträgen führten ohne dass sich dadurch die Qualität der Information – in der Studie ging es um Finanzanalysten – wesentlich verbessert hätte<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>.</p>
<p>Am Ende werden Nachrichten, vorzugsweise Negatives, Unglücksfälle, Betrügereien oder schwerwiegende Vergehen nur wahrgenommen, wenn sie das bisher Bekannte noch einmal toppen. Ein möglicher Verlust, der sich aus dem VW-Abgasskandal ergeben könnte, ist längst nicht mehr interessant, wenn er, wie kolportiert, nur Geldstrafen in Höhe von bis zu 18 Milliarden US-Dollar nach sich zieht, sondern das Unternehmen als Ganzes bedrohen könnte. Selbst 50 Milliarden sind zu wenig für eine Sensation, und schon rechnet womöglich jemand einen Verlust von 100 Milliarden Euro für VW aus. Das wird dann wahrgenommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von der Sensation zur Verschwörung</strong></p>
<p>Sie wollen etwas Interessantes erzählen? Dann muss es schon etwas Extremes sein. Am besten etwas, das bisher nicht gesagt werden durfte. Ein Tabubruch. Aus den Erkenntnissen der Verhaltensökonomik weiß man, dass die Verfügbarkeitsheuristik dafür sorgt, dass farbige und auffällige, zeit- und ortsnahe Informationen bevorzugt wahrgenommen werden.</p>
<p>Am besten <em>eine Story, in der ein Ereignis oder eine Tätigkeit geheimen Machenschaften mächtiger Menschen zugeschrieben werden, die selbst nur im Verborgenen tätig sind</em>.</p>
<p>So definiert zumindest der Harvard Professor für Rechtswissenschaften Cass A. Sunstein eine Verschwörungstheorie<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>. Und es ist Sunstein, der eine US-Studie zitiert, wonach 36 Prozent der Befragten zustimmten, dass Staatsbedienstete entweder an den Angriffen des 11. September 2001 auf das World Trade Center teilnahmen oder nichts unternahmen, um sie zu stoppen. Dabei handelt sich keineswegs nur um irgendwelche Spinner, die besonders anfällig für Verschwörungstheorien wären. Nein, es sind erstaunlich viele Menschen, die diesen manchmal extremen Ansichten – obwohl die ihnen zugrunde liegenden Informationen oft jeglicher Relevanz entbehren – Glauben schenken. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass diejenigen, die solche Theorien vertreten, zum Teil ganz ernsthafte Absichten verfolgen. Aber manchmal möchten ihre Urheber einfach nur Geld verdienen oder eben Guru-Status erlangen. Das größte Problem ist jedoch, dass einige Verschwörungstheorien sogar der Wahrheit entsprechen. Und andere wiederum nicht.</p>
<p>Es ist wohl dem Kontrollbedürfnis der Menschen geschuldet, dass viele von ihnen einfach nicht glauben möchten, dass bedeutende Ereignisse manchmal auch nur einfach durch Glück oder Pech oder einen dummen Zufall ausgelöst worden sind. Mit anderen Worten: Es muss für die wichtigen Dinge, die wir erleben, eine Ursache oder zumindest eine Erklärung geben. Viele Menschen halten den Kontrollverlust, bedeutsame Ereignisse nicht einem bestimmten Urheber zuschreiben zu können oder den Zufall als gegeben hinnehmen zu müssen, kaum aus. Und es ist genau dieser Kontrollverlust, der häufig als bedrohlich empfunden wird, der das Entstehen von Verschwörungstheorien begünstigt. Aber im Wesentlichen erscheinen sie vielen Menschen plausibel, weil sie ein passendes Ventil für Empörung und Schuldzuweisung bieten. Oder weil derartige Geschichten gut ins eigene Weltbild passen. Und wenn dann auch noch Prominente oder anerkannte Autoritäten solche mitunter ziemlich zweifelhaften Erklärungen implizit oder explizit bestätigen, dann verleihen sie diesen so etwas wie ein Gütesiegel. Und möglicherweise wird so die Lüge zur Wahrheit verklärt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> je höher ein Grundreiz ist, desto stärker muss ein zusätzlicher Reiz nach diesem Gesetz ausfallen, damit er wahrgenommen wird</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Dong, Yi; Massa, Massimo und Zhang Hong (2014): <em>Guru Dreams and Competition: An Anatomy of the Economics of Blogs,</em> Working Paper, INSEAD Faculty &amp; Research</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Sunstein, Cass R. (2014): Conspiracy Theories and Other Dangerous Ideas, New York</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/von-der-luege-zur-wahrheit/">Von der Lüge zur Wahrheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Deutschsprachiges Schreckens-TV</title>
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		<pubDate>Wed, 21 May 2014 16:29:59 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein US-Blog wie zerohedge.com zum Thema Goldpreis-Manipulation einen TV-Beitrag des deutschsprachigen Senders 3sat einstellt. Schade nur, dass dieser Streifen dann für die englischsprachigen Leser nicht übersetzt worden ist. Ich jedenfalls habe mir diesen Bericht, der bereits am 9. Mai im Fernsehen lief, angesehen und war erstaunt, wie unbefangen dort Wahrheiten, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein US-Blog wie zerohedge.com zum Thema Goldpreis-Manipulation einen TV-Beitrag des deutschsprachigen Senders 3sat einstellt. Schade nur, dass dieser Streifen dann für die englischsprachigen Leser nicht übersetzt worden ist. Ich jedenfalls habe mir diesen Bericht, der bereits am 9. Mai im Fernsehen lief, angesehen und war erstaunt, wie unbefangen dort Wahrheiten, Halbwissen und Unbewiesenes miteinander vermengt wurden. Da ist einerseits von Fixing-Manipulationen beim Goldpreis die Rede, bei denen ich mir sehr gut vorstellen kann, dass sie tatsächlich vorgenommen wurden. Andererseits wird darüber spekuliert, ob die US-Notenbank den Goldpreis künstlich nach unten drückt oder auch vom Oligopol einiger weniger großer Bankenspieler, die angeblich ebenfalls die Kursentwicklung auf unlautere Weise beeinflussen. Wahn oder Wahrheit, saubere Recherche oder Verschwörungstheorie?</p>
<p>Wenn ich dann aber Äußerungen höre wie etwa: „Der Terminmarkt soll für berechenbare und stabile Preise in der Zukunft sorgen“ höre, ist das eigentlich zum Totlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Dann wieder ist von großen Orders die Rede – natürlich nur in Form von Verkäufen und natürlich ausschließlich zum Zwecke der Manipulation.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Geheimnisvolle Machenschaften</strong></p>
<p>Solche Geschichten hat es in anderen Märkten schon vor Jahrzehnten gegeben. Über verdeckte und heimliche Interventionen, über Milliarden-Dollar-Orders im Devisenmarkt, über mächtige jüdische Spekulanten habe ich auch schon früher, als Händler, jede Woche neue Gerüchte gehört. Und zwar stets und vor allen Dingen von denen, die gerade wieder einmal mit ihren Positionen Geld verloren hatten. Klar, dass man einen Sündenbock brauchte (vgl. externer locus of control, über den ich unlängst <strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/zum-kontrollbeduerfnis-2/">hier</a></strong> geschrieben habe). Adressen, die, so sagte man mir damals hinter vorgehaltener Hand, nur eines im Sinn hätten: Die anderen Akteure zu zerstören, koste es, was es wolle. Große Marktteilnehmer, die angeblich bereit wären, kostspielige Risiken einzugehen und viel Geld dafür auszugeben, dass Andere ärmer würden.</p>
<p>Im 3sat-Beitrag ist also von einem abgekarteten Spiel die Rede, was allerdings, so die Stimme aus dem Off, nur schwer zu beweisen sei. Gold sei Spekulationsobjekt mit Symbolkraft, erfuhr ich. Und dann ging es konspirativ weiter mit einem Studiogast, der sich unter anderem auf den umstrittenen Paul Craig Roberts berief, der wiederum behauptet haben soll, die US-Notenbank lasse den Goldpreis nicht über 1.400 $ pro Unze steigen. Nicht ohne am Ende des Interviews dem Goldanleger den Kauf von Zertifikaten, also von „Papiergold“, zu empfehlen. Inklusive der Prognose einer von China in Gang gesetzten Gold-Hausse, die dieses Jahr allerdings noch nicht die 1.400 $ Marke überschreiten werde. Lässt die Fed da etwa im nächsten Jahr locker?</p>
<p>Ich bleibe dabei: Wer <em>physisches</em> Gold als langfristige Absicherung gegen Krisen ansieht, den werden auch temporär manipulierte Fixings und andere Markteingriffe großer Spieler nicht von dieser Überzeugung abbringen. Problematisch wird es allein für diejenigen, die versuchen, mit kurzfristigen Engagements schnell Geld zu verdienen.</p>
<p>Wer jedoch sich den 3sat-Beitrag <strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=TYjtLPcPEj4#t=12">hier</a></strong> ansieht, dürfte als unbefangener Zuschauer dennoch ganz schnell zum Schluss kommen, der Goldmarkt könnte Spielball allmächtiger Kräfte sein. Was ist die Konsequenz, die der Privatanleger aus diesem Beitrag zieht? Finger weg vom Gold, auch wenn es noch so prächtig glänzt. Auch langfristig.</p>
<p>Am Ende bin ich froh, dass es noch den Aktienmarkt gibt, für den ich zumindest die heutige Stimmungserhebung der Börse Frankfurt anhand harter Zahlen <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+noch+ein+erfolgserlebnis+68075">hier</a></strong> kommentieren durfte.</p>
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