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	<title>Teschnische Analyse Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Finanzmarktanalysen mit Behavioral Finance</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Feb 2017 08:23:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die meisten Akteure an den Finanzmärkten kennen im Grunde zwei Methoden, um künftige Kursentwicklungen zu prognostizieren. Bei der einen handelt es sich um die so genannte ökonomische Fundamentalanalyse, mit deren Hilfe häufig stichtagsbezogene Vorhersagen erstellt werden. Doch scheint dieses Verfahren nicht wirklich erfolgreich zu sein. Etwas besser schneidet die technische Analyse ab, die in Deutschland [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Akteure an den Finanzmärkten kennen im Grunde zwei Methoden, um künftige Kursentwicklungen zu prognostizieren. Bei der einen handelt es sich um die so genannte ökonomische Fundamentalanalyse, mit deren Hilfe häufig stichtagsbezogene Vorhersagen erstellt werden<a name="_ftnref1"></a>. Doch scheint dieses Verfahren nicht wirklich erfolgreich zu sein. Etwas besser schneidet die technische Analyse ab, die in Deutschland während der vergangenen Jahre eine Renaissance erlebte. Nach wie vor versuchen „Techniker“, aus Chartbildern und Kursverläufen der Vergangenheit Rückschlüsse auf die künftige Entwicklung von Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffmärkten zu ziehen. Im Gegensatz zu den unter Fundamentalanalysten beliebten (Stich)-<strong>Punkt-Prognosen</strong> ist es das Ziel der technischen Analysten, oftmals ganze <strong>Marktentwicklungen</strong> vorherzusagen.</p>
<p>Die Argumentation der Behavioral Finance stellt sowohl die fundamentalen als auch die technischen Analyseansätze in Frage. Doch haben bislang nur wenige Experten an den Finanzmärkten versucht, die Erkenntnisse dieser immer noch recht jungen Disziplin in der Praxis anzuwenden. Oftmals werden die Ergebnisse der Behavioral Finance sogar irrtümlicherweise mit denen der Chartanalyse gleichgesetzt. Zwar mag die Behavioral Finance teilweise die theoretische Grundlage für die Existenz mancher markttechnischer Ansätze bilden, doch geht sie in ihrem Potenzial als Prognoseinstrument weit darüber hinaus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Dies sind die wichtigsten Argumente:</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>a) Gewinn/Verlust-Asymmetrie</strong></p>
<p>Daniel Kahneman, einer der „Urväter“ der Behavioral Economics¹ wurde im Jahr 2002 mit dem Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet, weil er unter anderem in zahllosen Experimenten nachweisen konnte, dass Verluste in der Wahrnehmung der Anlieger weit schwerer wiegen als Gewinne – häufig werden sie sogar als zwei bis zweieinhalb Mal so schwerwiegend empfunden wie Gewinne in gleicher Höhe. Dies führt letztlich zum sogenannten Dispositionseffekt, demzufolge Akteure an den Finanzmärkten – entgegen jeder rationalen Erwägung – dazu neigen, Gewinne zu realisieren, Verluste hingegen laufen zu lassen. Dieser unterschiedliche Umgang mit Gewinnen und Verlusten sorgt dafür, dass Finanzmärkte zumindest zeitweise nicht effizient sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>b) Bezugspunktabhängigkeit</strong></p>
<p>Gewinne und Verluste werden von den Teilnehmern an Finanzmärkten nicht als absolute Größe wahrgenommen. Vielmehr ist ihre Bewertung von einem Referenzpunkt abhängig. Bei diesem Referenzpunkt handelt es sich meistens um den Einstandspreis eines Engagements, doch können beispielsweise auch Extrempunkte früherer Kursverläufe als Referenzpunkt für die Marktteilnehmer dienen. Insofern haben technische Analysten scheinbar Recht, wenn sie etwa in Charts nicht nur eine Aufzeichnung der Einstandspreise aller Marktteilnehmer sehen. Ihrer Meinung nach beinhalten diese Marktpreise außerdem alle verfügbaren Informationen und Meinungen derjenigen, die sie zustande gebracht haben, also aller an der Preisbildung beteiligten Anbieter und Nachfrager. Deswegen bedarf es nach Ansicht der meisten Techniker auch keiner Fundamentalanalyse, weil deren Erkenntnisse im Marktpreis bereits enthalten sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>c) Selektive Wahrnehmung</strong></p>
<p>Das ist falsch, könnten die Vertreter der Behavioral Finance sagen: Der Marktpreis beinhaltet nicht alle Informationen und Meinungen der Akteure. Vielmehr sorgt der Mechanismus der <strong>selektiven </strong>Wahrnehmung vor allem unter dem Eindruck von Kursverlusten dafür, dass die Marktteilnehmer passende Informationen stark vergrößert wahrnehmen, während sie ihrem Engagement zuwiderlaufende Nachrichten in ihrer Bedeutung herunterspielen oder sogar völlig ignorieren. Insofern haben ökonomische Analysen – wie alle anderen Informationen – für Anbieter und Nachfrager nur dann einen Wert, wenn sie die eigene Position bestätigen.</p>
<p>Deshalb untersuchen die Analysten der Behavioral Finance, ob die Marktinformationen zu den Markttrends passen. Mit anderen Worten: Reflektieren die ökonomischen Erkenntnisse und Marktkommentare die Marktentwicklung oder widersprechen sie dieser? Ein wichtiges Instrument sind dabei <strong>Stimmungserhebungen</strong>, weil man davon ausgeht, dass das Markt-Sentiment ein Spiegel der wichtigsten Engagements der beteiligten Akteure darstellt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>d) Gewöhnungseffekte und verschobene (wahrgenommene) Referenzpunkte</strong></p>
<p>Der Einstandspreis bildet häufig als Bezugspunkt die Grenze zwischen der Wahrnehmung von Gewinnen und Verlusten. Dieser Referenzpunkt bleibt jedoch nur in der Anfangsphase eines Engagements eine konstante Beobachtungsgröße, wobei er in erster Linie für die Verlierer an den Finanzmärkten eine ganz wichtige Rolle spielt. Es handelt sich nämlich um den Punkt, an dem sie einen zwischenzeitlichen Buchverlust wieder wettmachen können. Im Gegensatz zu den Gewinnern, die jederzeit ihren Profit realisieren <em>können</em>, sind die Verlierer, die ihren Buchverlust nicht realisieren<em> wollen</em> (Verlustaversion), mental an ihren Referenzpunkt gebunden. Mit anderen Worten: Diese Referenzpunkte sorgen in den Finanzmärkten für <strong>künftiges Angebot bzw. künftige Nachfrage</strong>.</p>
<p>Gerade bei anhaltenden und längeren Verlustphasen <strong>verändert</strong> sich jedoch die <strong>Wahrnehmung</strong> dieser Referenzpunkte. Durch Gewöhnungseffekte (<strong>Adaption</strong>) nähert sich der Bezugspunkt der Investoren oftmals immer mehr der neuen Marktsituation an. Daher ist die Kenntnis dieser als Grenze zwischen Gewinn und Verlust <strong>wahrgenommenen </strong>Referenzpunkte für eine Marktanalyse von wichtiger Bedeutung. Denn oft wiegen sie schwerer als jedes ökonomische Argument.</p>
<p>Mit anderen Worten: Die auf einer Chart sichtbaren einstigen Einstandspreise der Marktteilnehmer verlieren mit der Zeit ihre Relevanz und werden im Bewusstsein der Akteure je nach Kursverlauf mental verschoben, weshalb sie grafisch nicht mehr erkennbar sind. Deswegen kommt ein verhaltens­orientierter Analyst unter Berücksichtigung der Adaption der Referenzpunkte im Zeitablauf zu realistischeren Kursniveaus, bei denen künftiges Angebot und künftige Nachfrage auftreten können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Fazit: </strong></p>
<p>Mit den Erkenntnissen der Behavioral Finance ist man gegenüber herkömmlichen Analysemethoden stets einen Schritt voraus. Am Ende könnte die wichtigste Frage bei der Beurteilung und Analyse von Finanzmarktentwicklungen lauten:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;"><strong>Wer liegt zu welchem Kurs schief?</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Häufig sind in den Finanzmärkten Verlierer über größere Strecken an ihre Engagements gefesselt, weil sie ihre <em>wahrgenommenen </em>Einstandspreise noch nicht wiedergesehen haben, aber auch noch nicht bereit sind, angesichts der aufgelaufenen Buchverluste zu kapitulieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>¹ Behavioral Economics ist der weiter gefasste Begriff für die Verhaltensökonomik, unter deren Dach auch die Behavioral Finance firmiert</p>
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		<title>Unsterbliche Technische Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Sep 2015 08:14:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[200-Tage Linie]]></category>
		<category><![CDATA[Chartmuster]]></category>
		<category><![CDATA[Fundamentalanaylse]]></category>
		<category><![CDATA[self-fulfilling destruction]]></category>
		<category><![CDATA[self-fulfilling prophecy]]></category>
		<category><![CDATA[Teschnische Analyse]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich vorgestern im Finanzteil der online-Ausgabe der FAZ las, dass fundamentale Aktienanalysen praktisch wertlos seien[1], dachte ich mir, diese Erkenntnis ist eigentlich nicht neu. Aber der Beitrag geht noch weiter, da er sich auf eine Studie stützt[2], die die Prognosen der Fundamentalanalysten mit denen von technisch orientierten Prognostikern vergleicht. Natürlich haben die Techniker besser [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich vorgestern im Finanzteil der online-Ausgabe der FAZ las, dass fundamentale Aktienanalysen praktisch wertlos seien<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, dachte ich mir, diese Erkenntnis ist eigentlich nicht neu. Aber der Beitrag geht noch weiter, da er sich auf eine Studie stützt<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>, die die Prognosen der Fundamentalanalysten mit denen von technisch orientierten Prognostikern vergleicht. Natürlich haben die Techniker besser abgeschnitten, werden jetzt einige meiner Leser sagen. Das sei doch auch nicht überraschend. Auch ich kam ins Grübeln, zumal ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Technische Analyse seit einiger Zeit hierzulande eine regelrechte Renaissance erfährt. So viel wie jetzt anlässlich der jüngsten Korrektur in den globalen Aktienmärkten wurde selten über die 200-Tage-Linie diskutiert. Bekanntermaßen habe ich Vorbehalte gegen diese Betrachtungsweise, die ich <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ungebrochener-mythos/"><strong>HIER</strong></a> schon einmal geäußert habe.</p>
<p>Das Interessante an dieser Studie ist indes die Erkenntnis, dass die Prognosen der Charttechniker nur bei Einzelaktien treffsicherer sind als die der „Fundis“. Geht es um Aktienindices oder andere Anlageklassen wie Staatsanleihen oder Rohstoffe, treffen die Vorhersagen der Techniker anscheinend genauso wenig ein wie die der Fundamental-Analysten. Verwenden die technischen Analysten bei der Analyse von Aktien womöglich weniger bekannte Indikatoren, um aus den Chartbildern verborgene Informationen –</p>
<p>möglicherweise sogar Insider-Trading-Muster – zu extrahieren, die sich nur auf die einzelnen Unternehmen beziehen? Das wären Informationen, die sich naturgemäß in den breiteren Indices verflüchtigen müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Self-fulfilling destruction</strong></p>
<p>Auch ich habe mich vor langer Zeit (und das mit Herzblut) mit der so genannten technischen Analyse beschäftigt und habe Formationen und Kursverläufe der Vergangenheit studiert, um aus früheren Marktpositionierungen der Akteure Rückschlusse zu ziehen, zu welchen Preisen sich in der Zukunft Angebot und Nachfrage  ergeben könnten. Ich habe aber die Chartanalyse vor langer Zeit nicht auf den Müllhaufen geworfen, weil diese Methode immer gerne mit Verschwörungstheoretikern und Kaffeesatzlesern in Verbindung gebracht wurde. Sondern, weil ich durch das Studium der Behavioral Finance zu der Erkenntnis gelangt war, eine tickende Zeitbombe in der Hand zu haben. Allein schon deswegen, weil auch Chartisten vor der selektiven Wahrnehmung von grafischen Bildern genauso wenig gefeit sind, wie Ökonomen und Händler vor der selektiven Auswahl Ihrer Informationen.</p>
<p>Jeder soll mit seiner Lieblingsanalysemethode glücklich werden. Und ich will auch gar nicht den Stab über technische Analysten brechen. Ein Irrglaube hält sich jedoch, immer noch hartnäckig: Die Idee, dass Charts vor allen Dingen deswegen gut funktionierten, weil so viele Akteure ihnen folgen. Genau diese sich selbst erfüllende Prophezeiung wurde mir schon vor Jahrzehnten von Kritikern immer wieder entgegengehalten.</p>
<p>Wenn das doch nur gestimmt hätte!</p>
<p>Leider habe ich immer wieder das Gegenteil erfahren. Denn je mehr Chartjünger an einem bestimmten weithin kommunizierten Preisniveau als Folge bestimmter Kauf-oder Verkaufssignalen handeln, desto schneller und kräftiger reagieren die Kurse an dieser Stelle, so dass der kleine vermeintliche Vorteil gegenüber der Masse der Marktteilnehmer schnell dahinschmilzt. Man könnte auch sagen, aus der self-fulfilling prohecy wird mit zu starkem Gebrauch eines Handelsansatzes jedweder Art eine self-fulfilling destruction, eine sich selbst erfüllende Zerstörung. Weil sich große, schwere Marktteilnehmer freuen, wenn eine Analysemethode – dazu gehören auch fundamentale und ökonomische Analysen – en vogue ist. Nicht weil sie ihren Signalen folgen möchten. Im Gegenteil. Solche Marktteilnehmer können nur dann weitestgehend unbemerkt etwa als Käufer agieren, wenn möglichst viele der anderen Akteure an den „Untergang“ glauben. Oder verkaufen, wenn der Rest der Welt euphorisch ist.</p>
<p>Am Ende ist die Aufzeichnung vergangener Kurse dennoch sinnvoll – sofern sie man unvoreingenommen wahrnimmt und die richtigen Schlüsse aus Ihnen zieht. Chartmuster, Wolkenbilder und die Prognosen aus 200-Tage-Linien gehören für mich jedenfalls nicht dazu.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Vgl. Kuls, Norbert in FAZ.net, gelesen am 9. September 2015: <em>„Fundamentale Aktienanalyse ist praktisch wertlos“</em></p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Avramov D., Kaplanski G., Levy H.: <em>Talking Numbers: Technical versus Fundamental Recommendations, </em>Version vom 20. August 2015<em>, </em>Hebrew University of Jerusalem und Bar-Ilan University, Israel</p>
<p>&nbsp;</p>
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