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	<title>Sparmaßnahmen Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Lebenslänglich?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 May 2014 15:32:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Dissonanzverringerung]]></category>
		<category><![CDATA[Homo oeconomicus]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit vielen Jahren schon bin ich Mitglied einer Fitness-Kette, die man wohl als erste Adresse am Bankenplatz Frankfurt bezeichnen darf. Und wer wie ich jede Woche regelmäßig etwas für seine Kondition tut, bekommt zwangsläufig Höhen und Tiefen eines derartigen Unternehmens mit. So kann ich mich noch gut daran erinnern, wie vor ein paar Jahren einem Bekannten und mir eine lebenslange Mitgliedschaft zum damals durchaus attraktiven Preis von 4.000 Euro angeboten wurde. Abgesehen davon, dass wir uns damals, Mitte 2008, bereits in der Immobilienkrise befanden und es für mein Sportstudio kein Kredit-Rating gegeben hatte, hegte ich durchaus noch andere Bedenken. Mir war es einerlei, ob die Betreiber der Sportstudio-Kette auf diese Weise schnell und zinslos Liquidität von ihren Kunden zur Verfügung gestellt bekamen. Mittlerweile hat sich das Investment meines Bekannten bei einem Monatsbeitrag von 80 bis 100 Euro für treue Mitglieder ohne Zinseffekte ja durchaus amortisiert. Ich selbst hingegen hatte mich aus – wie sich später herausstellte – unbegründeten Bedenken, mein Vertragskontrahent könne womöglich eines Tages ausfallen, gegen ein derartiges Commitment entschieden. Trotz aller ökonomischen Vorteile: Die psychische Bindung an solche Verträge ist zwangsläufig lebenslänglich, weil die Mitgliedschaft nach der Amortisation quasi kostenlos ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Schadensersatz wegen Falschberatung</strong></p>
<p>„Von einem Schadensersatzprozess wegen Falschberatung will ich jetzt einmal absehen“, scherzte unlängst mein Bekannter, ein Volkswirt, dem ich damals von einem derartigen Investment abgeraten hatte. Ich sei doch schon genug gestraft, jeden Monat mittlerweile mehr als 100 Euro an Mitgliedsbeiträgen abdrücken zu müssen.</p>
<p>Mittlerweile habe ich nämlich in ein anderes Studio der Kette, das sich in einer großen Shopping-Mall in der Frankfurter City befindet, gewechselt, doch bin ich dort alles andere als zufrieden mit den Gegebenheiten. Denn es ist etwas eingetreten, das mein lieber Freund, der Volkswirt und durch und durch rationale homo oeconomicus von nebenan bei allen Gewinnmaximierungsbestrebungen völlig ausgeblendet hatte: Die Sauberkeit des Studios lässt seit Monaten zu wünschen übrig. Verdreckte Geräte sind an der Tagesordnung, und selbst unappetitliche Haare auf den Cross-Trainingsmaschinen musste ich schon entdecken. Und von den Deckenbeleuchtungen hängen trotz meiner unermüdlichen Intervention bei der Geschäftsleitung und der regionalen Betreuung immer noch eklige Staubgirlanden herab. Immer wieder wird mir gegenüber Abhilfe versprochen und Besserung gelobt. Aber nichts passiert. Stattdessen erhalte ich vom Personal so zweckdienliche Ratschläge wie “Dann gehen Sie doch in ein anderes Studio unserer Gruppe!“ Was ich tatsächlich ausprobiert habe, aber in einem der Pendants war‘s um die Sauberkeit nicht viel besser bestellt. Staubflusen in der Herrenumkleide, eine versiffte Wäscheschleuder und so weiter und so fort. Die Mitarbeiter der Reinigungsfirma befänden sich momentan im Streik, aber zum Monatsende habe man sich um eine neue Firma bemüht, erklärte mir die dortige Studio-Chefin.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sparen bis auf die Knochen</strong></p>
<p>Man könne nicht viel gegen diese Zustände unternehmen, man tue, was man kann, versprachen mir Leitung und Trainer unisono. Hinter vorgehaltener Hand wispern einem die Angestellten dann noch zu, dass das Management in Deutschland ja gar nichts für diese Zustände könne, man kämpfe geradezu heroisch gegen den Dreck, den der derzeitige Umbau des Studios verursache. Auf meinen Einwand hin, es sei auch schon vor dem Umbau nicht allzu sauber zugegangen, verwies man auf die Klimaanlage. Ja, die sei eine regelrechte Dreckschleuder. Außerdem, so wurde mir ebenfalls geheimnistuerisch zugeraunt, seien die von der Zentrale im Ausland bewilligten Budgets zu knapp bemessen. Hat die Nähe zu den Bankentürmen etwa abgefärbt? Sparen bis zum Beinahe-Zusammenbruch?</p>
<p>Im Gegensatz zu meinem guten Bekannten könnte ich wegen dieser Mängel vermutlich sogar fristlos kündigen. Aber der gute Volkswirt hat ja schon für seine lebenslängliche Mitgliedschaft bezahlt und möchte jetzt natürlich auch bis an das Ende seiner Tage das für ihn mittlerweile kostenlose Training ausnutzen. Ein Studiowechsel kommt für ihn daher natürlich nicht infrage: „Dafür dass es nichts kostet, kann man schon mal über den Dreck hinwegsehen!“ Hoffentlich muss er das nicht lebenslänglich, dachte ich mir.</p>
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		<title>Commitment-Poker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Feb 2012 07:31:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Eskaliertes Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[EU-Kommission]]></category>
		<category><![CDATA[Griechenland]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Vor zwei Jahren haben wir alle noch auf ein griechisches Wunder gehofft. Damals hatte die EU-Kommission gerade neue Griechenlandpläne verkündet: Sie wollte die Griechen fest an die Hand nehmen, um sie durch einen strikten Sparkurs zu führen. Auch indem das Land regelmäßig zum Rapport gebeten werden sollte. Schon damals fragte ich mich, womit man einem [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor zwei Jahren haben wir alle noch auf ein griechisches Wunder gehofft. Damals hatte die EU-Kommission gerade neue Griechenlandpläne verkündet: Sie wollte die Griechen fest an die Hand nehmen, um sie durch einen strikten Sparkurs zu führen. Auch indem das Land<span id="more-3241"></span> regelmäßig zum Rapport gebeten werden sollte. Schon damals fragte ich mich, womit man einem Beinahe-Bankrotteur noch drohen könnte. Mit Geldstrafen etwa, wie sie seinerzeit im Gespräch waren? Auch kann ich mich noch gut daran erinnern, wie Griechenland der EU-Kommission versprach, seine Neuverschuldung bis zum Jahre 2012 unter drei Prozent des BIP zu drücken – damals hatte dieses Defizit gerade die 13-Prozent-Marke erreicht.</p>
<p>Nun hören wir zum wiederholten Male, dass Griechenland die ihm auferlegten zusätzlichen Einsparungen in Höhe von 3,3 Milliarden Euro akzeptieren wird. Aber die EU-Finanzminister haben sich gerade einmal zu einer Telefonkonferenz durchringen können – immerhin will man jetzt am kommenden Montag über die Hilfsgelder entscheiden. Damals wie heute spielt man auf Zeit, aber auch heute geht es um die Frage, ob Griechenland sein gegebenes Versprechen wird einhalten können. Wo wir doch ohnehin schon wissen, dass auch diese Sparanstrengungen die Verschuldung Griechenlands nicht, wie vor kurzem noch geplant, auf 120 Prozent des Bruttosozialprodukts bis 2020 gedrückt haben werden. Jeder weiß: Es kann und es wird nicht klappen. Denn jede weitere drastische Sparmaßnahme wird die Wirtschaftsleistung weiter schrumpfen lassen. Dennoch wird weiter Commitment-Poker gespielt, weil die Einsätze aller Beteiligten längst viel zu hoch sind, als dass einer passen könnte.</p>
<p>Heute stelle ich mir genauso wie damals die Frage, auch wenn das zu jener Zeit noch als unschicklich galt, warum die griechische Regierung immer noch nicht in der Lage ist, Steuern in angemessener Höhe einzutreiben oder den lange versprochenen Verkauf von Staatsbesitz endlich einzuleiten. Es wäre doch ein Leichtes, mit Hilfe einer oder mehrerer Investmentbanken einen Staatsfonds zu gründen, der dieses Vermögen direkt veräußert oder sich alternativ Geld über die Emission von Anteilen am Fonds beschafft. Allerdings mit der Auflage, dass diese Werte bzw. Anteile ausschließlich an Personen mit griechischer Staatsbürgerschaft verkauft werden dürften. Auch wenn dadurch nicht die anvisierten 50 Milliarden Euro eingenommen werden könnten: Das Land müsste sich nicht ausgeraubt und gedemütigt fühlen.</p>
<p>Und wenn es dann noch gelänge, der Steuerflüchtigen und ihrer Riesengeldsummen endlich habhaft zu werden – vielleicht sollte Griechenland wahr machen, wovon dereinst Steinbrück schwadronierte, und seine Kavallerie in die Schweiz schicken – müsste man sich bedeutend weniger Sorgen machen, ob sich zu den wütenden Menschen auf der Straße demnächst nicht auch noch Angestellte des öffentlichen Dienstes, etwa Feuerwehrleute und Polizisten, hinzugesellen.</p>
<p><span style="font-size: small;">So aber bleibt das Gefühl, dass die Zeit bis zur endgültigen Pleite Griechenlands immer kürzer und der Zorn seiner Bürger und Politiker immer heftiger wird.</span></p>
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