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	<title>Risikowahrnehmung Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Lebenslänglich Sport</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Jan 2012 07:38:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als sich gestern in der Online-Ausgabe des Guardian lesen musste, dass mein geliebtes &#8222;Fitness First&#8220; mit seinen Gläubigern in Verhandlungen getreten sei, kam ich ins Grübeln. Augenscheinlich hat die Fitness-Kette – eine der größten der Welt – Probleme, ihren hohen Zinszahlungen nachzukommen; die Nettoverbindlichkeiten hatten im Oktober 2010 bereits 612 Millionen englische Pfund betragen. Und [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als sich gestern in der Online-Ausgabe des Guardian lesen musste, dass mein geliebtes &#8222;Fitness First&#8220; mit seinen Gläubigern in Verhandlungen getreten sei, kam ich ins Grübeln. Augenscheinlich hat die Fitness-Kette – eine der größten der Welt – Probleme, <span id="more-3132"></span>ihren hohen Zinszahlungen nachzukommen; die Nettoverbindlichkeiten hatten im Oktober 2010 bereits 612 Millionen englische Pfund betragen. Und prompt kam mir auch wieder mein alter Bekannter in den Sinn, <a href="http://www.blognition.de/behavioral-livin/lebenslanglich" target="_blank">der Mitte 2008 eine lebenslange Mitgliedschaft </a>bei besagtem Sportstudio zum stolzen, aber durchaus attraktiven Preis von 4.000 € (weltweite Nutzung aller Fitness Firststudios eingeschlossen) erworben hatte. Bei einem Monatsbeitrag von ca. 70 € bis 80 € für treue Mitglieder, hätte er ohne Berücksichtigung von Zinsen nach etwa vier bis fünf Jahren seinen Break-Even erreicht – legt man einen Zinssatz von realistischen 7 Prozent p. a. zu Grunde, kann man noch etwa ein gutes Jahr dazu rechnen.</p>
<p>Ich hatte damals sicherlich gute Gründe gehabt, meinen Sportsfreund vor solch einem Engagement zu warnen, zumal auch ich ein ähnliches Angebot erhalten hatte, mich aber letztlich dagegen entschied. Immerhin befanden wir uns mitten in der Immobilienkrise und viele Menschen erfuhren zum ersten Male, dass es so etwas wie ein Kontrahenten-Risiko gibt. Und fast schon etwas ketzerisch begann ich damals darüber zu nachzudenken, ob das Sportstudio zum Zeitpunkt, an dem mein Bekannter seinen Break-Even erreichen würde, überhaupt noch existierte. Oder, wie mein Mitstreiter damals selbst zu bedenken gab, er überhaupt zu diesem Zeitpunkt noch am Leben sei.</p>
<p>Damals wie heute wurde mir allerdings sehr schnell klar, dass das Leben nicht aus binären Ereignissen besteht. Es gibt nicht nur Tod oder Leben, sondern viele Schattierungen dazwischen, Unfälle und schwere Verletzungen eingeschlossen. Genauso wenig mache ich mir Sorgen, ob Fitness First überlebt, oder Pleite geht. Vielmehr sollten wir uns auf das konzentrieren, was zwischen diesen Extrema liegen könnte. Alleine die Tatsache, dass mein geliebtes Sportstudio – auch wenn es seinen Zinszahlung nachkommen kann – erhebliche Einsparungen vornehmen muss, bereitet mir Kopfzerbrechen. Zumal in Zeiten drohender Rezession vor allem aus Faulheit &#8222;ruhende&#8220; Mitgliedschaften in solchen Klubs als erstes gekündigt werden. Und weil sich eine lebenslange Mitgliedschaft nicht ein zweites Mal verkaufen lässt, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass die Cost-Cutter als erstes am Service und den Personalkosten sparen werden. Möglicherweise wird dann, wie oft in solchen Fällen, etwas weniger geputzt und die Toilette etwas seltener gereinigt. Macht doch nichts, wo man den dadurch entstehenden Verlust an Gesundheit und Wohlbefinden doch durch zwei Stunden extra Training in der Woche wieder ausgleichen kann. Sehen Sie es positiv! Und das lebenslänglich!</p>
<p><span style="font-family: Calibri; font-size: small;"> </span></p>
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		<title>Wetten, dass?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Dec 2010 18:18:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wetten, dass viele Tageszeitungen Morgen früh damit aufmachen werden? Wetten, dass hochmoralische Talkshow-Runden dieses Thema diskutieren werden? Wetten, dass irgend ein maßgeblicher Mensch Konsequenzen aus diesem tragischen Vorfall fordern wird? Und wetten, dass alle anderen Menschen, die an diesem Wochenende Opfer eines schweren Unfalls wurden, weitaus weniger Anteilnahme erfahren? Denn sie sind ja nicht im [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wetten, dass viele Tageszeitungen Morgen früh damit aufmachen werden? Wetten, dass hochmoralische Talkshow-Runden dieses Thema diskutieren werden? Wetten, dass irgend ein maßgeblicher Mensch Konsequenzen aus diesem tragischen Vorfall fordern wird? Und wetten, dass alle anderen Menschen, die an diesem Wochenende Opfer eines schweren Unfalls wurden, weitaus weniger Anteilnahme erfahren?<span id="more-655"></span></p>
<p>Denn sie sind ja nicht im Fernsehen verunglückt, vor den Augen von Millionen Zuschauern. Und ihretwegen wurde ja auch nicht die berühmteste Live-Sendung des Zweiten Deutschen Fernsehens zum ersten Mal in ihrer 29jährigen Geschichte abgebrochen. Samuel K., Kandidat von Thomas Gottschalk in der Show „Wetten, dass &#8230;?“, hatte versucht, mit Sprungfedern (Powerboots) an den Füßen, spektakuläre Salti über Autos zu springen, während diese auf ihn zufuhren. Die Crew von<strong> </strong>“Wetten, dass …?” war sich sicher, dass der 23jährige in der Lage war, diese Aufgabe zu meistern. Und dann, während seines Live-Auftritts im Fernsehen, passiert es: Beim vierten Auto springt er wohl zu kurz ab und liegt einen Bruchteil von Sekunden später reglos auf dem Boden.</p>
<p>Ist Samuel K. ein zu hohes Risiko eingegangen, nur um ins Fernsehen zu kommen? Und hat das ZDF diesen Wett-Kandidaten mit seinem waghalsigen Salto mortale deshalb zugelassen, weil dessen Auftritt Quote versprach? Schließlich lief zur selben Zeit auf RTL „Das Supertalent“. Diese Fragen werden jetzt in den Wohnzimmern und Redaktionsstuben heftig diskutiert. Während Samuel K. nach einer zweieinhalbstündigen Not-OP im künstlichen Koma liegt. Und mit Samuels Schicksal verknüpft scheint auch die Karriere von Thomas Gottschalk. Denn schon wird darüber spekuliert, dass er die Sendung nur dann weiter moderieren wird, wenn der junge Mann am Ende einigermaßen glimpflich davongekommen ist. Das ist ihm wirklich zu wünschen, das Unfall- oder gar Todesrisiko solcher Stunts und Mutproben bleibt aber dennoch unvermindert bestehen.</p>
<p>Und all’ die anderen Verunglückten von diesem zweiten Adventwochenende, die die meisten von uns vermutlich gar nicht wahrgenommen haben? Etwa jene 46 Jahre alte Frau aus Aschaffenburg, die auf einem Fußgängerüberweg von einem Auto bei Rot erfasst und schwer verletzt wurde? Da fordert niemand, das Autofahren zu verbieten. Oder man denke an die Nummer des Großen Russischen Staatscircus’ in Konstanz, bei dem im April dieses Jahres drei Motorradfahrer ineinander gerast waren, an den Zirkusartisten, der vom Trapez gefallen und jetzt querschnittsgelähmt ist oder an den Dompteur, der vor gut einem Jahr in der Manege von drei Tigern zerfleischt worden war. Mir ist nicht bekannt, dass ein großer Zirkus wegen eines derartigen Unfalls jemals geschlossen worden wäre. Oder dass sich die Leute davon abhalten ließen, derlei Veranstaltungen in Zukunft zu besuchen. Wenn Sanktionen für den Zirkus gefordert werden, dann betreffen sie stets nur die Tiere, um deren körperliche Unversehrtheit man sich anscheinend mehr sorgt als um das Wohl der Artisten und Akrobaten. Und die haben immer schon alles und oft auch ihr Leben dafür gegeben, die Lust an Nervenkitzel und Gefahr zu bedienen.</p>
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		<title>Lebenslänglich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 08:05:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Immobilienkrise]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Traf neulich im Sportstudio einen alten Bekannten. Nach dem üblichen Smalltalk, in den man automatisch verfällt, wenn man sich lange nicht gesehen hat, fragte mich mein Gegenüber: &#8222;Kannst du dich noch erinnern? So vor etwa gut zwei Jahren? Damals hatte uns doch das Sportstudio eine lebenslange Mitgliedschaft angeboten.&#8220; Jetzt dämmerte es mir: Richtig, ich glaube, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Traf neulich im Sportstudio einen alten Bekannten. Nach dem üblichen Smalltalk, in den man automatisch verfällt, wenn man sich lange nicht gesehen hat, fragte mich mein Gegenüber: &#8222;Kannst du dich noch erinnern? So vor etwa gut zwei Jahren? Damals hatte uns doch das Sportstudio eine lebenslange Mitgliedschaft angeboten.&#8220; <span id="more-588"></span>Jetzt dämmerte es mir: Richtig, ich glaube, dieses lebenslange Commitment sollte seinerzeit 4000 € kosten. Bei einem Monatsbeitrag von ca. 80 bis 100 € für treue Mitglieder hätte dies ohne Zinseffekte etwa einer vier- bis fünfjährigen Beitragszahlung entsprochen.</p>
<p>&#8222;Damals hast Du mir davon abgeraten, nicht wahr?&#8220; Mein Bekannter, übrigens ein Volkswirt, schaute mich lächelnd an. Nein, er wollte mir sicherlich nicht vorwerfen, dass ich ihn seinerzeit schlecht beraten hätte. &#8222;Jetzt habe ich noch genau anderthalb Jahre, bis ich meinen Break-even erreicht habe.&#8220; Damals hatte ich sicherlich gute Gründe gehabt, den Sportsfreund vor einem derartigen Engagement zu warnen. Denn ich selbst hatte mich gegen &#8222;lebenslänglich&#8220; entschieden. Abgesehen davon, dass es – wir befanden uns Mitte 2008 immerhin bereits in der Immobilienkrise – für mein Sportstudio kein Kredit-Rating gegeben hatte, hegte ich durchaus noch andere Bedenken. Angenommen, 100 Mitglieder machten von dem Angebot Gebrauch, so hätte dies für den Betreiber des Studios zusätzliche Liquidität von 400.000 €, zinslos versteht sich, bedeutet. Das aber ließ mich grübeln: Wer offensichtlich so dringend Geld benötigt, ist vielleicht bereits vor Ende der Frist, die mein Bekannter als Break-even bezeichnet, pleite. Ganz zu schweigen davon, dass der Service sicherlich nachlassen würde, wenn man sich einer so großen Zahl von Kunden sicher sein kann. Denn diese können ja nicht mehr das Studio wechseln. Sie müssen in jedem Fall ausharren, selbst wenn die Duschen dreckig, die Geräte überaltert und die Trainer muffig sein sollten. </p>
<p>&#8222;Die anderthalb Jahre werden die auch noch schaffen“, fuhr mein Bekannter fort. &#8222;Bleibt eigentlich nur noch das Risiko, dass ich früh sterbe – aber den Frust darüber, dass sich die 4000 Euro dann nicht amortisiert haben, werde ich ja nicht mehr empfinden!&#8220;, lachte er. Im ersten Augenblick hätte ich ihm fast zugestimmt. Doch dann fiel mir ein, dass wir Menschen, gerade wenn es darum geht, Sachverhalte schnell begreifen zu müssen, zur Vereinfachung, zur Schwarzweißmalerei tendieren. Aber das Schicksal ist kein binäres Ereignis, kennt nicht nur Tod oder Leben. Plötzlich wurde mir klar, dass dazwischen durchaus noch viele Schritte liegen können,  die wir mangels Vorstellbarkeit ausblenden, was zu einer zu optimistischen Einschätzung von Risiken führen kann. Was ist, wenn man einen Unfall hat, querschnittsgelähmt wäre oder so herzkrank, dass der Arzt jede Anstrengung verbieten würde, dachte ich. Könnte man dann noch zum Training kommen? All’ das aber sagte ich nicht laut, denn ich wollte meinen Bekannten nicht in Angst und Schrecken versetzen, nur um Recht behalten zu haben.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/lebenslanglich/">Lebenslänglich</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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