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	<title>Relatives Bewerten Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Trump und &#8222;The New Normal&#8220;</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Nov 2016 15:20:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Ethics]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9275 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg" alt="ankerhirn" width="300" height="114" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-300x114.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2-768x293.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Ankerhirn-2.jpg 810w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Selten hat eine Präsidentschaftswahl in den USA die westlichen Gesellschaften so gespalten. Und auch knapp eine Woche nach der Wahl scheinen sich viele Menschen noch nicht an deren Ergebnis gewöhnt zu haben. Vor allem, weil sich die Umfrageinstitute in dramatischer Weise geirrt haben. Und es scheint fast so, als ob die Angst, womöglich nicht der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen, sogar dazu geführt hat, dass viele Wähler bei Umfragen nicht aufrichtig geantwortet haben, aus Angst vor einer möglichen Isolation, wenn sie zu Kandidaten oder Parteien tendierten, die von den Medien und der offiziell vorherrschenden Meinung abwichen. Auch hierzulande galt es bis vor kurzem noch als schick, offiziell den designierten US-Präsidenten Donald Trump abzulehnen, weil er Standpunkte vertritt, die bislang gesellschaftlich als kaum akzeptabel galten.</p>
<p>Das hat sich nun geändert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Reset der Normen</strong></p>
<p>Genauso wie die anonyme Masse der US-Amerikaner, die vorgeblich Trump abgelehnt hatte, plötzlich zu einer Mehrheit von Trump-Anhängern mutierte, scheinen dessen Ideen auch hierzulande bei immer mehr Menschen auf Gegenliebe zu stoßen. Und wenn EU-Parlamentspräsident Martin Schulz jetzt fordert, dem designierten US-Präsidenten offen zu begegnen und praktisch von vorne anzufangen, indem beide Seiten „auf Null schalten“ und sich gegenseitig eine Chance geben, kann man dies einerseits natürlich als Zeichen des Respekts vor dem US-Wahlergebnis deuten. Zum anderen könnte sich in dieser Aufforderung zu einem Reset aber auch die unbewusste Änderung eines gesellschaftlichen Bezugspunkts dessen, was gemeinhin als akzeptabel gilt, andeuten. Gewissermaßen eine Verschiebung des Maßstabs für die Wahrnehmung dessen, was ethisch oder politisch korrekt ist, mithin eine klammheimliche Veränderung von gesellschaftlichen Normen und Referenzpunkten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Von extremen Ankern…</strong></p>
<p>Donald Trump und möglicherweise auch seine Berater haben es aus verhaltensorientierter Sicht geradezu meisterlich verstanden, den Bezugspunkt für soziale Normen zu verschieben. Es ist natürlich nicht erwiesen, dass sich Trump tatsächlich bewusst der Methode des Verankerns (Anchoring) aus der Verhaltensökonomik bedient hat. Aber mit seinen extremen Ansichten, die er im Wahlkampf vertrat, hat dies bei den Wählern zu genau einem solchen Effekt geführt. Ursprünglich wollte Trump 11 Millionen illegale Einwanderer ausweisen, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer bauen, die Gesundheitsreform Obamacare abschaffen, Hillary Clinton ins Gefängnis stecken und alles, was nach Establishment aussieht, am liebsten aus der US-Gesellschaft verbannen. Mit der Diffamierung von Behinderten und Frauen, der Ausgrenzung von Hispanics, Schwarzen und anderen ethnischen Gruppen, der Ablehnung von Homosexuellen und Abtreibungsbefürwortern vertrat der designierte US-Präsident im Wahlkampf Extrempositionen, die weit jenseits des politisch Korrekten anzusiedeln sind. Schlechthin eine Absage an Gleichberechtigung, an eine multikulturelle Gesellschaft, an die Globalisierung, an alles Liberale und Intellektuelle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>…zu neuen Bezugspunkten </strong></p>
<p>Mit diesen Extrempositionen wurden zunächst Anker, das heißt neue, für viele Menschen längst nicht mehr akzeptable Bezugspunkte, gesetzt. Und diese haben sie im Hinterkopf behalten, weshalb sie weiterhin eine ganz wichtige Rolle spielen, als Donald Trump nach seiner Wahl mit einem Male einige dieser Extrempositionen korrigierte. Plötzlich beabsichtigt er, „nur“ 3 Millionen Illegale auszuweisen, auch fordert er heute das Ende der Gewalt gegen Minderheiten, die nach Barack Obama benannte Gesundheitsreform wird teilweise beibehalten und selbst über eine strafrechtliche Verfolgung seiner Wahlkampfgegnerin Hillary Clinton wegen der E-Mail-Affäre will er noch einmal nachdenken. Im Lichte der im Wahlkampf vertretenen Extrempositionen wirkt dieses Zurückrudern oder Relativieren wie Balsam auf die Seelen derjenigen, die sich zuvor noch durch Donald Trumps Äußerungen verletzt und gekränkt fühlten. Mit anderen Worten: Für all diejenigen, die Trump nicht gewählt haben, ist diese Korrektur vormaliger Extrempositionen nichts anderes als ein relativer Gewinn gegenüber vorher Undenkbarem.</p>
<p>Und auch hierzulande sehen sich viele Menschen darin bestätigt, dass auch im Falle Trumps nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde. Mit anderen Worten: Trump und seine sicherlich wegen des Wahlkampfs überzogenen Ansichten seien gar nicht so schlimm und im Grunde habe er in manchen Punkten gar nicht mal Unrecht, räumen einige mittlerweile ein. „Geben wir ihm eine Chance“, fordern daher selbst gemäßigte Zeitgenossen. Immerhin sei er doch demokratisch gewählt, heißt es.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wie aus „unmoralisch“ relativ „moralisch“ wird</strong></p>
<p>Anhänger der Verhaltensökonomik, insbesondere der sogenannten Behavioral Ethics, wissen jedoch, dass einmal gesetzte Anker trotz besseren Wissens später nur unzureichend korrigiert werden. Aber es geht um mehr. Es ist nicht nur plötzlich legitim, Donald Trump gut zu finden, sondern auch den damit einhergehenden gesellschaftlichen Kulturwandel. Denn die Wahrnehmung dessen, was bislang als politisch oder ethisch korrekt angesehen wurde, hat sich wegen eben jener Verschiebung des Bezugspunktes zwischen Recht und Unrecht verändert. Genauso wie Gewinne und Verluste nicht absolut, sondern relativ zu einem Bezugspunkt wahrgenommen werden, verhält es sich mit den moralischen Werten eines „Gut“ und „Böse“. Denn tatsächlich geht es vor allem darum, besser oder schlechter im Vergleich zu anderen zu sein. Und genauso wie man sich an Gewinne und Verluste gewöhnt, kann sich auch die moralische Bewertung im Laufe der Zeit abschwächen. Vor allem auch, weil diese Trennlinie nach einer Weile infolge von Gewöhnungseffekten noch weiteren Veränderungen unterliegt. Und so werden unter diesen neuen Normen und Bedingungen Menschen Dinge tun, die sie selbst vor ein paar Wochen vielleicht nie für möglich gehalten hätten. Es ist die schleichende Veränderung der Normen und der Bezugspunkte, manchmal allein durch das Fortschreiten der Zeit, wodurch wir alle Gefahr laufen, korrumpiert zu werden und das, was wir vormals <strong>absolut</strong> verabscheut hatten, mit einem Male halbwegs, also <strong>relativ </strong>in Ordnung finden.</p>
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		<title>Warum Bronze besser als Silber ist</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Jul 2014 12:55:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Von der Seitenlinie]]></category>
		<category><![CDATA[Fußball WM]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Endlich ist Deutschland Weltmeister im Fußball geworden. Gratulation! „Das war doch auch längst fällig“, wird sich mancher Fußballfan gesagt haben, denn immer „nur“ Dritter wie bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 oder nur Zweiter wie bei der Europameisterschaft 2008 zu sein, hatte bei manch einem zuletzt sogar für eine gewisse Ungeduld gesorgt. Dabei gab es [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Endlich ist Deutschland Weltmeister im Fußball geworden. Gratulation! „Das war doch auch längst fällig“, wird sich mancher Fußballfan gesagt haben, denn immer „nur“ Dritter wie bei den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 oder nur Zweiter wie bei der Europameisterschaft 2008 zu sein, hatte bei manch einem zuletzt sogar für eine gewisse Ungeduld gesorgt. Dabei gab es gerade während der vergangenen großen Turniere immer wieder großartige Spiele der Deutschen und natürlich auch prächtig herausgespielte Siege. Auch bei der Weltmeisterschaft in Brasilien ist das nicht anders gewesen, wobei sich die Nationalmannschaft gerade mit den glänzenden Siegen gegen Portugal (4:0) und dem sensationellen 7:1 gegen den Gastgeber Brasilien selbst einen Referenzpunkt gesetzt hatte, der nur noch durch einen Turniersieg selbst überboten werden konnte.</p>
<p>Wie aber mögen sich die anderen gefühlt haben. Keine Frage – mit einem vierten Platz tragen viele Brasilianer womöglich sogar Trauerflor, obwohl, absolut betrachtet, unter die letzten vier eines so hochkarätigen Turniers zu kommen doch auch schon eine Menge bedeutet. Selbst wenn man als Favorit gehandelt wurde. Aber der Mensch bewertet nun einmal relativ.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Knapp daneben ist auch daneben</strong></p>
<p>Und die Holländer? Gab es da nicht Stimmen, man wolle das Spiel um den dritten Platz abschaffen? Dabei kann ich mir vorstellen, dass sich die Niederländer am Ende über einen dritten Platz bei diesem Turnier mehr gefreut haben als über das verloren gegangene Finale bei der Weltmeisterschaft in Südafrika 2010. Obgleich es doch damals im Endspiel ganz knapp zuging. Man hatte nur mit 0:1 gegen Spanien verloren und das auch erst nach Verlängerung. So wie Argentinien gestern gegen Deutschland. Aber als Zweiter fährt man mit einer Niederlage nach Hause und als Dritter hat man eben ein Spiel gewonnen, obwohl der Einzug ins Finale zuvor verpasst wurde. Was wir am Ende in Erinnerung behalten, ist nach einer geglückten Transaktion an den Finanzmärkten und nach einem schönen Fußballturnier ganz ähnlich: Eben die jeweiligen Höhepunkte und die letzten Erlebnisse, die darüber entscheiden, ob wir so etwas noch einmal erleben oder lieber schnell vergessen möchten.</p>
<p>Aber noch etwas kennen wir bereits von den Olympischen Spielen, bei denen aus psychologischer Sicht eine Bronzemedaille mehr wert sein kann als eine silberne. Denn der Dritte kann sich mit all denen vergleichen, die es nicht aufs Treppchen geschafft haben. Dem Zweiten aber bleibt auch hier die undankbare Rolle des relativen Verlierers: Die Freude, Zweitbester zu sein, wiegt nicht so stark wie das Bedauern, den Sieg verfehlt zu haben. Und so ist das Spiel um den dritten Platz mehr als nur der Kampf um Bronze. Es ist das gute Gefühl, dass es beim Fußballturnier ab dem Halbfinale nicht nur einen Gewinner und drei Verlierer gibt.</p>
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		<title>Zwischen Märkten und Hedonismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Apr 2014 15:17:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
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		<category><![CDATA[Goldbergs Thema des Monats]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Normalerweise mache ich keine Werbung, wenn es um Konsumgüter geht. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nicht versäumen, heute auf einen Artikel im manager magazin online hinzuweisen (hier), der sich mit libanesischen Wein beschäftigt. Ich finde den Beitrag deswegen so interessant, weil ich meinen eigenen Weinkonsum überwiegend auf Bordeaux-Weine begrenzt habe und normalerweise nicht allzu viele [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Normalerweise mache ich keine Werbung, wenn es um Konsumgüter geht. Dennoch möchte ich die Gelegenheit nicht versäumen, heute auf einen Artikel im manager magazin online hinzuweisen (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.manager-magazin.de/lifestyle/genuss/weine-aus-dem-libanon-wo-schon-phoenizier-und-jesuiten-kelterten-a-960796.html">hier</a></span>), der sich mit libanesischen Wein beschäftigt. Ich finde den Beitrag deswegen so interessant, weil ich meinen eigenen Weinkonsum <span id="more-7074"></span>überwiegend auf Bordeaux-Weine begrenzt habe und normalerweise nicht allzu viele Alternativen an mich heranlasse. Manch einer mag dies für engstirnig halten, gerade weil andere Regionen dieser Welt in Sachen Wein ebenfalls sehr reizvoll und längst nicht so teuer sind wie manche Premier Cru.</p>
<p>Warum aber dann ausgerechnet Libanon? Vor einigen Jahren hatte ich das Vergnügen bei einer Bordeaux-Weinprobe einen so genannten Piraten<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> untergeschmuggelt zu bekommen, der sich hinterher als ein fantastischer Chateau Musar herausstellen sollte. Seitdem habe ich mich mit diesem libanesischen Wein, der übrigens unter Weinliebhabern nicht unumstritten ist, intensiv befasst und mit lieben Freunden immer wieder tolle Verkostungserlebnisse haben dürfen. Verbunden mit orientalischem Essen ist das ein Hochgenuss. Und im Vergleich zu den manchmal überteuerten Bordeaux (Achtung, hoher Anker!) eine relativ (ich betone <i>relativ</i>) günstige Alternative.</p>
<p>Natürlich werden Sie sich jetzt fragen, was dies mit Behavioral Finance bzw. Behavioral Economics zu tun hat. Letztlich habe ich mich mit diesen Fachgebieten vor allen Dingen deswegen beschäftigt, weil ich zum einen Finanzmärkte verstehen und meine Erfahrungen damit weitergeben möchte. Zum anderen geht es mir aber auch darum, die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie zur Steigerung des persönlichen Wohlbefindens zu nutzen.</p>
<p>Wen jedoch meine hedonistischen Ausflüge nicht so sehr interessieren, dem darf ich – wie übrigens auch den anderen Lesern – meinen heute zum ersten Mal für die WGZ Bank als Newsletter publizierten <i>Goldbergs Wochenausblick</i> zu DAX<sup>®</sup> und EuroStoxx50<sup>®</sup> ans Herz legen, den Sie <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html">hier</a></span> abrufen können und der in Zukunft montags erscheinen wird. Daneben wird es an jedem dritten Donnerstag im Monat eine Kolumne <i>Goldbergs Thema des Monats</i> geben, die sich mit einem ausgewählten Sonderthema aus der Welt der Finanzmärkte mit Schwerpunkt auf die Behavioral Finance befassen wird.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Das ist bei einer Blindverkostung ein Wein, der zum Motto der Veranstaltung passt, den anderen Weinen der Verkostung zum Verwechseln ähnlich ist, aber dennoch ganz woanders her stammt.</p>
</div>
</div>
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		<title>Wer hat das größte Geweih?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Oct 2013 06:24:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Darwin]]></category>
		<category><![CDATA[Fred Hirsch]]></category>
		<category><![CDATA[Positionsgüter]]></category>
		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich mir vor einiger Zeit das Buch The Darwin Economy von Robert H. Frank zulegte, musste ich fast ein wenig schmunzeln: Der Autor, den ich sehr schätze, trifft darin in der Tat eine gewagte Vorhersage, für die er, so vermutet er selbst, nicht mehr belangt werden kann. Denn als Ökonom zu prognostizieren, dass seine [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/wer-hat-das-groesste-geweih/">Wer hat das größte Geweih?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich mir vor einiger Zeit das Buch <i>The Darwin Economy</i> von Robert H. Frank zulegte, musste ich fast ein wenig schmunzeln: Der Autor, den ich sehr schätze, trifft darin in der Tat eine gewagte Vorhersage, für die er, so vermutet er selbst, nicht mehr belangt werden kann. Denn als Ökonom zu prognostizieren, dass seine Fachkollegen in 100 Jahren mehrheitlich Charles Darwin als den geistigen Vater ihrer Disziplin benennen könnten,<span id="more-6616"></span> erscheint auf den ersten Blick ziemlich kühn und verwegen zu sein. Bei genauerem Hinsehen erweist sich diese steile These jedoch als nicht ganz ungerechtfertigt. Würde man dieselbe Frage heute an Wirtschaftswissenschaftler stellen, so dürften die meisten wohl eher einen berühmten Ökonomen wie Adam Smith als ihren geistigen Vater nennen.</p>
<p>Frank begründet seine Vorhersage mit einem kleinen, aber dennoch äußerst gewichtigen Unterschied zwischen Darwins und Smiths Definition von Wettbewerb. Adam Smith ist ja vor allem durch seine Theorie der unsichtbaren Hand berühmt geworden, der zufolge unpersönliche Marktkräfte, also eine unsichtbare Hand, das Verhalten eigennütziger, selbstsüchtiger Akteure so  dirigiert, dass ihre Produkte zum größten Nutzen für die Gesellschaft führen. Dabei geht Adam Smith davon aus, dass Menschen die Vor- und Nachteile sämtlicher in Betracht kommender Handlungsoptionen sorgfältig und rational abwägen. Mehr noch: Sofern materielle Ressourcen für das Wohlbefinden der Menschen maßgeblich sind, zählt allein deren absolutes Einkommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Adam Smith vs. Charles Darwin</b></p>
<p>Im Gegensatz dazu war Charles Darwins Sichtweise von Wettbewerb eine andere. Seine Beobachtungen hatten ihn davon überzeugt, dass die Interessen einzelner Tiere häufig im Widerspruch zu den weitergehenden Belangen ihrer jeweiligen Gattung stehen können.</p>
<p>Tatsächlich ist die Eignung zur Fortpflanzung eine Fähigkeit, die zu überleben und zu prosperieren hilft. Doch muss ein Individuum dabei nicht das stärkste, schnellste oder geschickteste Exemplar der  ganzen Gattung sein. Am Ende zählt, wie es sich gegen die Mitglieder seines sozialen Umfelds durchsetzt, die sich alle um die gleichen Ressourcen streiten. Um es im Sinne Darwins auszudrücken: Je besser die Durchsetzungsfähigkeit in diesem Wettstreit, desto größer sind nicht nur die Überlebenschancen, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, gut zu leben. Allerdings hat diese relative Durchsetzungsfähigkeit Grenzen. Und zwar in dem Augenblick, wenn man aus seinem sozialen Umfeld in einen größeren, wenn nicht gar globalen Kontext heraustritt. </p>
<p>Derartiges kann man, wie es Robert Frank so schön beschreibt, bereits in der Tierwelt finden. So konnten sich die männlichen Elche mit dem größten Geweih von jeher den Zugang zu den schönsten und vitalsten Elchkühen verschaffen, was zur Folge hatte, dass die Elchgeweihe im Laufe der Evolution immer größer geworden waren. Was jedoch innerhalb des Rudels einen relativen Vorteil bot, konnte für das Rudel als Ganzes im „Außenverhältnis“ hinderlich sein. Denn die Elche mit den prächtigen Schaufeln auf ihrem Kopf liefen eines Tages Gefahr, in einem dichtbewachsenen Wald ständig an den Ästen und Zweigen hängenzubleiben, so dass sie nicht schnell genug vor einem Feind fliehen konnten und außerdem häufig Verletzungen an ihrem Geweih davontrugen.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> </p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Absolutes vs. relatives Bewerten</b></p>
<p>Auch Menschen neigen dazu, in ihrem sozialen Umfeld (also in der Konkurrenz mit anderen Menschen, mit denen sie sich in etwa vergleichen können) einen bestimmten Rang zu erarbeiten, um so etwa bei  der Partnerwahl oder für die eigenen Kinder eine möglichst gute gesellschaftliche Ausgangsposition zu belegen – auch wenn es mir immer noch schwerfällt, dies als legitimes, weil naturgegebenes Streben zu akzeptieren. Daraus ergibt sich, dass es ein universelles menschliches Bedürfnis sein muss, sich permanent mit anderen zu vergleichen, um den eigenen Status in der Gesellschaft festzustellen. Insofern könnte man den sozialen Vergleich als evolutionsgeschichtlich in hunderttausenden von Jahren dem menschlichen Gehirn eingeschriebene Verhaltensweise sehen.  </p>
<p>Das bedeutet aber auch, dass die Motive der Menschen im Gegensatz zu dem, was uns die Standardökonomie lehrt, weit vielschichtiger sind. Anscheinend geht es um mehr als immer nur darum, Gewinne zu maximieren. Ich möchte sogar noch einen Schritt weiter gehen: Wer nicht begreift, was Menschen tatsächlich bewegt und antreibt, kann auch nicht verstehen, wie Märkte funktionieren. Die Ökonomen haben versucht, Märkte zu modellieren, um sie zu entschlüsseln. Dabei waren sie naturgemäß zu starken Vereinfachungen gezwungen. Eine bestand darin zu unterstellen, dass Menschen stets nur auf ihren eigenen Vorteil aus seien und beim Sichern dieses Vorteils absolut rational vorgehen. Kein Wunder also, wenn Ökonomen davon ausgehen, dass der Grad der Befriedigung, den Menschen aus dem Verbrauch eines Gutes beziehen, allein von dessen absoluten Wert abhängt.</p>
<p>Doch die Realität sieht anders aus. Menschen bewerten relativ, also im Vergleich zu einem Umfeld, einem Referenzpunkt. So ist es unter anderem dem Ökonomen Fred Hirsch zu verdanken<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, wenn man mittlerweile zumindest ansatzweise anerkennt, dass es nicht nur eine Ökonomie der materiellen Güter wie Waschmaschinen,  Autos, Häuser etc. gibt, die im Grunde einfach nur produziert werden müssen, um die Nachfrage nach ihnen zu befriedigen. Vielmehr bestehen neben diesen materiellen Dingen, mit denen sich die Standardökonomie beschäftigt, auch noch Güter, die außer ihrem unmittelbaren praktischen Nutzen einen zusätzlichen Wert besitzen. Denn sie verraten etwas über die Position, die jemand innerhalb der Gesellschaft einnimmt oder gerne einnehmen möchte. Man nennt sie daher auch Positionsgüter. Es ist daher das große Verdienst von Hirsch, als Erster eine Ökonomie der Position begründet und beschrieben zu haben. Was es damit genauer auf sich hat, erfahren Sie im nächsten Blog.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Frank, Robert (2011): <i>The Darwin Economy: Liberty, Competition, and the Common Good</i>, Princeton University Press</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Vgl. Hirsch, Fred (1991): <i>Die sozialen Grenzen des Wachstums. Eine ökonomische Analyse zur Wachstumskrise</i> Verlag Rowohlt</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div>
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