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	<title>Reframing Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Positive und negative Rekorde</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2020 05:56:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
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		<category><![CDATA[Einkaufsmanager-Indices]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gestern war ein Tag der Superlative, in jeder Hinsicht. Der heimische Aktienindex DAX stieg um rund 11 Prozent und damit an einem Tag so stark wie zuletzt im Jahr 2008. Und in den USA produzierte der Dow Jones Index den größten Tagesgewinn seit Jahrzehnten. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, als würde sich nach den Tagen des Leidens ein großer Optimismus breitmachen. Allerdings war diese Erholung der Aktienkurse dies- und jenseits des Atlantiks angesichts der massiven Stimulus-Programme der US-Notenbank, aber auch hinsichtlich der sich gestern Nacht abzeichnenden Einigung zwischen Demokraten und Republikanern auf fiskalischer Ebene gar nicht einmal so groß. Zumindest, wenn man den dramatischen...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,0800)</strong>             Gestern war ein Tag der Superlative, in jeder Hinsicht. Der heimische Aktienindex DAX stieg um rund 11 Prozent und damit an einem Tag so stark wie zuletzt im Jahr 2008. Und in den USA produzierte der Dow Jones Index den größten Tagesgewinn seit Jahrzehnten. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, als würde sich nach den Tagen des Leidens ein großer Optimismus breitmachen. Allerdings war diese Erholung der Aktienkurse dies- und jenseits des Atlantiks angesichts der massiven Stimulus-Programme der US-Notenbank, aber auch hinsichtlich der sich gestern Nacht abzeichnenden Einigung zwischen Demokraten und Republikanern auf fiskalischer Ebene gar nicht einmal so groß. Zumindest, wenn man den dramatischen Einbruch der Kurse seit den Allzeithochs beim DAX und bei den US-Indices vom 19. Februar zugrunde legt.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Tatsächlich kann man durchaus noch ein wenig mehr erwarten. Aber spätestens, wenn in den USA das staatliche Hilfsprogramm in Höhe von wahrscheinlich 2 Billionen USD als beschlossen – Medienberichten von heute früh zufolge soll dies der Fall sein – verkündet wird, wird man sehen, ob es mit der Erholungsrallye weiter gehen wird. Oder ob es nach dem Motto „buy the rumour, sell the fact“ zu Gewinnmitnahmen kommt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Schlechter als berechnet</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun gab es gestern auch die erste Schätzung der Einkaufsmanagerindices für die Eurozone (Markit) zu begutachten, die natürlich miserabel ausfallen mussten. So lag der aus Industrie und Dienstleistern zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex (Composite PMI) für März bei 31,4 und damit weit unter der Medianprognose (38,8) und selbst unter der pessimistischsten Vorhersage von knapp drei Dutzend befragter Ökonomen. Tatsächlich handelte es sich um den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Juli 1998. Aber auch für die USA wurden schließlich am Nachmittag Indexwerte ermittelt, die auf eine schwere Rezession schließen lassen. Tatsächlich haben diese Zahlen und die dazu gehörenden, für mich allerdings weitgehend sinnlosen Prognosen weder die Aktien- noch die Devisenmärkte durcheinandergewirbelt.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Verordnete Zwangspause mit Folgen… </strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Vielleicht sollte man es tatsächlich wie der Chef der Fed von St. Louis, James Bullard, halten, der bereits am Montag die Vermutung äußerte, dass die US-Arbeitslosenquote im zweiten Quartal auf 30 Prozent hochschnellen könnte. Infolgedessen empfahl Bullard eine dreimonatige Produktionspause für alle nicht lebensnotwendigen Unternehmen in den USA, um die Ausbreitung des Coronavirus bekämpfen zu können. Abhängig vom Erfolg dieser Maßnahmen könne dieser Zeitraum verlängert oder verkürzt werden. Insgesamt handelt es sich, abgesehen vom Namen für diesen Zeitraum, „National Pandemic Adjustment Period (NPAP)“, nicht gerade um einen bahnbrechenden Vorschlag.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-11780" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/25032020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/25032020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/25032020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>… und Bullards veränderte Sichtweise<br />
</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Interessant ist allerdings Bullards Bewertung der damit zusammenhängenden zu erwartenden miserablen ökonomischen Daten, die im zweiten Quartal natürlich zu einer massiven Kontraktion des Bruttoinlandsprodukts führen würden. Da diese Zwangspause allerdings absichtlich verordnet sei, sollte man, so Bullard, die damit verbundene Rezession nicht als solche bezeichnen. Genauso wenig sei es sinnvoll, die fiskalpolitischen Maßnahmen der Regierung als Stimulus zu bezeichnen. Tatsächlich gehe es doch darum, während dieser Zeit Alle [gesundheitlich wie ökonomisch] am Leben zu erhalten. Etwa durch eine Arbeitslosenversicherung, die die Einkommensverluste infolge der Corona-Krise möglicherweise bis zu 100 Prozent ausgleichen soll, so der Chef des regionalen Ablegers der Fed von St. Louis.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Letztlich sollen die damit verbundenen [negativen] ökonomischen Daten nicht als Konjunktureinbruch während eines normalen Zyklus betrachtet werden, sondern als Begleiterscheinung eines gesellschaftlichen „Gesundheitsnotfalls“. Auch wenn sich damit an den Tatsachen nichts ändert, wird der psychische Bezugsrahmen (vgl. Framing) durch diese Definition der Krise wesentlich positiver, als wenn man sich in den kommenden Wochen mit furchterregenden ökonomischen Daten, möglicherweise überzogenen Prognosen oder den daraus resultierenden Entscheidungen und deren langfristigem Schaden herumschlagen müsste.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die gestrige deutliche Erholung der Gemeinschaftswährung war indes kurzzeitiger Natur und bedeutet letztlich keine Änderung des vorherrschenden Abwärtstrends in Richtung <strong>1,0550</strong> bzw. <strong>1,0430</strong> (adjustiert). Der erste Stabilisierungspunkt liegt nach wie vor bei <strong>1,0965</strong>.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong> </strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Falsche Ehrfurcht vor der schwarzen Null</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2014 21:17:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ob nun auf dem Thermometer oder in der Welt des Geldes – für viele Menschen spielt die Null eine ganz wichtige Rolle. Für manche ist sie die Trennlinie zwischen Gut und Böse, könnte man meinen. Auch für den deutschen Finanzminister Schäuble ist die Null offenbar ein so wichtiger Referenzpunkt, dass er für sie die merkwürdigsten Verrenkungen vollführen und alle erdenklichen Opfer erbringen möchte. Da spielt es keine Rolle, dass unlängst die Wachstumsprognosen für die Eurozone zurückgenommen worden sind. Man kann es ja auch verstehen; schließlich hat er die historische Chance, zum ersten Mal seit 1969 als Finanzminister einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können. Mit einer schwarzen Null sozusagen hätte er das Zeug, in die Geschichtsbücher einzugehen. Notfalls muss dafür eben gespart werden.</p>
<p>In der Bankenwelt scheint man anders zu denken. „Wir Deutsche sparen zu viel“ war unlängst in der „Welt am Sonntag“ ein Interview mit dem Chefanlagestrategen der Deutschen Asset &amp; Wealth Management, Asoka Wöhrmann, überschrieben. Man dürfe keine Angst vor Nullen haben, konnte man da lesen, und dem geneigten Leser wurde unvermittelt klar: Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis auch die Sparbücher der Normalverbraucher mit Strafzinsen belegt werden. Vorbei ist es also mit dem zuletzt noch winzigen Taschengeld, mit dem sich der ein oder andere zumindest aus den jährlich erwirtschafteten Mini-Zinsen eine kleine Extraanschaffung leisten konnte. Immerhin: Auch das haben wir zwar mürrisch, aber letztlich doch fast klaglos hingenommen. Weil die Zinseinnahmen stets als Gewinn erlebt wurden. Und diese Gewinne zu verbrauchen verursacht selbst bei konservativ eingestellten Menschen nicht sofort ein schlechtes Gewissen.</p>
<p>Mental wurde – obgleich die Zinszahlung teilweise als Inflationsausgleich für die Entwertung des gesparten Kapitals dienen soll – in zwei Konten gedacht: eines fürs Kapital und eines für die Zinsen. Selbst wenn das Kapital real eigentlich weniger wurde – es gab ja Zinsen. Damit ist jetzt Schluss. Jetzt geht es für viele Sparbuchbesitzer nicht nur real ans Eingemachte.</p>
<p>Ich wage schon jetzt eine Prognose: Ein Viertelprozent Strafzinsen werden von den Anlegern doppelt so stark bewertet werden wie ein Viertelprozent Habenzinsen. Verluste, so die Erkenntnisse der Behavioral Finance, wiegen schwerer als Gewinne gleicher Größe. Aber nicht nur das. Denn wenn die Europäische Zentralbank auf die Idee käme, auf die bei ihr unterhaltenen Einlagen noch höhere Negativzinsen als bereits jetzt zu fordern, könnte es sogar noch schlimmer kommen. Ein halbes Prozent Strafzinsen p. a. für Kleinsparer? Hatte man uns nicht immer wieder gepredigt, bei null Prozent Zinsen sei Schluss nach unten, das sei so etwas wie eine rote Linie?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Referenzpunkt Null</strong></p>
<p>Diese ominöse Null ist für uns nicht nur ein materielles, sondern auch ein psychisches Problem. Und eine Frage der Wahrnehmung. Denn die Null ist ein leicht zu merkender Referenzpunkt. So wie ein DAX bei 10.000 Zählern. Zu Zeiten, als es noch für zehnjährige Anleihen vier Prozent Zinsen p.a. gab, haben sich viele Menschen nicht die Frage gestellt, wie weit das investierte Kapital einer schleichenden Entwertung unterworfen wäre. Man hat es einfach nicht gemerkt.</p>
<p>Eine gleich hohe „Realverzinsung“ unterstellt, fällt es uns nunmehr sehr schwer, für eine Extraausgabe das Kapital angreifen zu müssen. Obgleich man bei fallenden Konsumentenpreisen theoretisch mehr für sein Kapital bekommen würde, eine schleichende Aufwertung also. Aber es will uns nicht einleuchten, dass man in Bälde etwas davon abgeben soll, ohne etwas davon zu haben. Ganz zu schweigen von all den institutionellen Anlegern, die auf Ausschüttungen angewiesen sind oder aus rechtlichen Gründen ihr Kapital (z. B. Stiftungen) nicht angreifen dürfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Achtung, Fehlentscheidungen drohen!</strong></p>
<p>Die Konsequenzen sind für Privatanleger vielfältig und möglicherweise schwerwiegende Fehlentscheidungen schon jetzt absehbar. Sei es, dass man seine liquiden Mittel ganz einfach abhebt und unter die Matratze steckt. Ja, das kann ziemlich riskant sein. Vor allem, wenn man auch noch in der Nachbarschaft herumerzählt, wie man der Bank ein Schnippchen geschlagen hat. Als viel gravierender erachte ich aber die Suche nach Anlageformen, die man unter normalen Umständen nie in Betracht gezogen hätte. Ja, drei, vier oder gar fünf Prozent p. a.! Das sieht ja noch ganz toll aus im Vergleich zu Negativzinsen. Diese drei, vier oder fünf Prozent bekommt man allerdings nicht, ohne entsprechende Risiken einzugehen. Aber das wieder besser gefüllte mentale Zinskonto ermöglicht dann immerhin den Luxus einer Extraausgabe. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines kräftigen (Total)verlustes auf dem Kapitalkonto dabei erheblich größer als bei einer altmodischen Sparform ist. Soll man jetzt überhaupt noch fürs Alter sparen, wo man fürs Sparen doch bestraft wird? Aber einfach drauflos konsumieren, selbst wenn man es sich leisten könnte? Das macht ja auch der Herr Schäuble nicht.</p>
<p>Wir werden uns umgewöhnen müssen in einer Zeit drohender Deflation. Es geht nicht mehr darum, wo ich die meisten Zinsen bekomme. Vielmehr sollte man den Sachverhalt einfach anders darstellen (Reframing) und sich stattdessen fragen, wo man am wenigsten bluten muss. Eine Anlageform, die langfristig nur das Kapital erhält, ist unter diesen Umständen vielleicht gar nicht so schlecht. Deswegen sollte man sich auch nicht ärgern, wenn man demnächst bei den Ersparnissen für die private Altersvorsorge selbst bei seinem Lebensversicherer gesetzlich garantiert nur noch null Prozent bekommt. Das ist dann, relativ gesehen, immer noch ganz gut.</p>
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