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	<title>Lehman-Pleite Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Margin Call</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Oct 2011 07:28:33 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, mir im Kino den Film mit dem feinsinnigen Namen „Margin Call“ oder zu Deutsch &#8222;der große Crash“ anzusehen. Erwartungsgemäß ging es um eine Investmentbank der Wall Street im Jahre 2008 in Anlehnung an die Lehman-Pleite. Der Streifen beginnt mit einer für damals wie auch heute typischen Entlassungsrunde von Mitarbeitern, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, mir im Kino den Film mit dem feinsinnigen Namen „Margin Call“ oder zu Deutsch &#8222;der große Crash“ anzusehen. <span id="more-2677"></span> Erwartungsgemäß ging es um eine Investmentbank der Wall Street im Jahre 2008 in Anlehnung an die Lehman-Pleite. Der Streifen beginnt mit einer für damals wie auch heute typischen Entlassungsrunde von Mitarbeitern, der auch der Analyst Eric Dale zum Opfer fällt. Immerhin gelingt es diesem bei seinem Rauswurf an Ort und Stelle (die Kartons für die persönlichen Habseligkeiten waren schon bereitgestellt), einem der verbliebenen emporstrebenden Kollegen einen USB-Stick mit brisanten Daten zuzustecken. Das junge Talent benötigt nur ein paar Stunden, um anhand der digitalen Aufzeichnungen und nach Durchspielen einiger Szenarien (zu Deutsch: Stresstests) herauszufinden, dass der finanzielle Untergang seiner Bank praktisch unausweichlich ist. Schnell wird die Konzernleitung informiert und quasi über Nacht ein Rettungsplan, der Ausverkauf „toxischer Papiere“, ausgearbeitet und zu Börsenbeginn am Montag mit fast schon strategischer Perfektion durchgeführt.</p>
<p>Tatsächlich wird der Zuschauer manchmal fast schon in Zeitlupe mit den Lebensumständen und Motiven der Handelnden vom jungen gerade einer Entlassungswelle entkommenen Angestellten über die Chefin des Risikomanagements, den Chefhändler bis hoch zum Konzernchef konfrontiert. Wobei Letzterer ganz unumwunden zugibt, dass er seinen Sessel nicht aufgrund fachlicher, sondern anderer Fähigkeiten erreicht hat. Und jener Chefhändler, der sich scheinbar einen letzten Funken Charakter erhalten hat und über den Tod seines heiß geliebten Hundes noch Tränen vergießen kann, besitzt auch noch so etwas wie einen Händlerethos, kann aber am Ende aufgrund seines für ihn subjektiv nicht gerade ausschweifenden Lebensstils doch nicht einfach aus dem Belohnungssystem seines Chefs heraustreten.</p>
<p>Dabei hätte es sich der Regisseur J. C. Chandor in Hollywood-Manier einfach machen können. Aber „Margin Call“ hat keinen Helden und auch keinen richtigen Bösewicht. Alle Beteiligten sind Täter aber auch Opfer eines Systems, das für Außenstehende abstrakt und so komplex zu sein scheint, dass ich schon die Befürchtung hatte, der Streifen könnte zu einem Langweiler werden. Weil er eben nicht dynamisch, sondern streckenweise fast statisch das Wechselspiel der Beteiligten beleuchtet. Etwa deren Einkommens-Referenzpunkte, die sich durch Gewöhnung soweit vom Durchschnittsverdiener entfernt haben, dass selbst das vertraulich (natürlich unabsichtlich) an Untergebene kommunizierte Einkommen des vorgesetzten Gruppenleiters von zwei Millionen Dollar pro Jahr angesichts der laufenden Kosten für Familie, Haus, Autos und sonstige kostspielige Vergnügungen nur noch wie Peanuts erscheinen mag.</p>
<p>&#8222;Margin Call“ war für mich ein durchaus hautnahes Filmerlebnis, ja so realistisch, dass ich mich manchmal fragen musste, ob Übereinstimmungen mit Persönlichkeiten aus dem realen Leben nicht doch gewollt waren – einige Szenen dürften Kennern der Branche zumindest nicht unbekannt gewesen sein. Und am Ende war ich froh, dass sich der Film nicht auf eine Kritik der gerade zurzeit viel gescholtenen ungezügelten Gier von einzelnen Händlern und Bankern reduzierte. Vielmehr wird dem Zuschauer klar gemacht, dass all diese Auswüchse, denen man jetzt Herr zu werden versucht, einmal im Kleinen angefangen müssen und sich in gewisser Weise fast schon automatisch verselbständigt haben.</p>
<p>Und sei es auch nur durch den in vielen von uns innewohnenden Wunsch, eine etwas bessere Verzinsung für sein Vermögen als der Durchschnitt zu bekommen.</p>
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