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	<title>Hyperbolisches Diskontieren Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Missglückte Kommunikation – ein verhaltensorientierter Rückblick</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Dec 2015 08:02:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank haben am vergangenen Donnerstag die Finanzmärkte mächtig durcheinandergewirbelt. Man kann schon von schockartigen Reaktionen sprechen, wenn etwa der Euro gegenüber dem US-Dollar die größte Handelsbandbreite (es handelte sich um mehr als 4,5 Prozent) seit dem Jahr 2009 produzierte, begleitet von einer Verkaufswelle in Aktien und Anleihen. &#160; Auch wenn sich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Beschlüsse der Europäischen Zentralbank haben am vergangenen Donnerstag die Finanzmärkte mächtig durcheinandergewirbelt. Man kann schon von schockartigen Reaktionen sprechen, wenn etwa der Euro gegenüber dem US-Dollar die größte Handelsbandbreite (es handelte sich um mehr als 4,5 Prozent) seit dem Jahr 2009 produzierte, begleitet von einer Verkaufswelle in Aktien und Anleihen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch wenn sich EZB-Präsident Mario Draghi tags darauf in New York bemühte, in seiner Rede das zerschlagene Porzellan wieder zu kitten, bleibt doch die Frage, was eigentlich zu dieser dramatischen Irritation der Finanzmärkte geführt hatte. Natürlich kann man argumentieren, die Erwartungen der Akteure seien enttäuscht worden, zumal bereits Mitte November aus so genannten „gutinformierten Kreisen“ durchgesickert war, dass womöglich der ohnehin schon negative Einlagenzinssatz um bis zu weitere 50 Basispunkte abgesenkt werden könnte. Aber auch hinsichtlich des quantitativen Lockerungsprogramms, das nicht nur zeitlich ausgedehnt, sondern dessen Volumen auch aufgestockt werden sollte, hat die EZB die Hoffnungen der Marktteilnehmer nicht erfüllt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Relative Wahrnehmung vs. absolute Maßnahmen</strong></p>
<p>Natürlich sind die Akteure an den Finanzmärkten selbst schuld, wenn sie sich nach den vollmundigen Vorankündigungen des EZB-Präsidenten in diversen Reden vor der EZB-Sitzung auch noch gegenseitig in ihren Erwartungen und Positionierungen aufputschen. Und so stieg in ihrer Fantasie das Ausmaß der EZB-Beschlüsse mit der Zeit immer höher; viele Händler rechneten außerdem damit, dass Mario Draghi, der schon bei anderen Gelegenheiten fast immer positiv „noch einen drauf gesetzt“ hatte, zusätzlich auch noch mit einem weihnachtlichen Überraschungsgeschenk aufwarten würde. Mit anderen Worten: Diese <strong>relative </strong>Wahrnehmung in Abhängigkeit zu einem völlig überhöhten Referenzpunkt musste fast schon zwangsläufig zu einer Enttäuschung führen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Macht einer Minderheit?</strong></p>
<p>In der Folge wurde dann auch darüber sinniert, ob der EZB-Präsident innerhalb des EZB-Rats noch über genügend Durchsetzungsvermögen verfügt oder ob er sich mit seinen Wünschen vielleicht sogar einer Minderheit von einigen Falken unter deutscher Führung hatte beugen müssen.</p>
<p>Ich glaube indes, dass die Diskrepanz zwischen den Erwartungen und dem tatsächlichen Handeln der EZB auf einer unterschiedlichen Wahrnehmung innerhalb des EZB-Rates und bei den Akteuren an den Finanzmärkten beruht. Während letztere offensichtlich die jüngsten Entscheidungen relativ bewerteten, schien man innerhalb des Rates davon auszugehen, dass die Marktteilnehmer gemäß alter ökonomischer Schule die gefällten Entscheidungen <strong>absolut</strong>, wie sie sind, betrachten würden. Und das hieße, dass sie alleine das, was erforderlich ist, um die Abwärtsrisiken und die Inflationserwartungen in den kommenden zwei Jahren abzufedern, ins Kalkül ziehen müssten. Wenn überdies EZB-Vize Vitor Constancio den Märkten kürzlich eine Überreaktion bescheinigte, wird deutlich, dass sich die Entscheider anscheinend nicht genügend mit der psychologischen Wirkung ihrer Maßnahmen auseinandergesetzt haben. Sonst hätte man durch eine geschicktere Wortwahl im Vorfeld der Dezember-Sitzung etwas Druck aus dem Kessel nehmen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Diskontierte Maßnahmen</strong></p>
<p>Am Ende fällt noch nicht einmal so sehr ins Gewicht, dass der Einlagenzins nur um zehn Basispunkte gesenkt wurde. Auch ist eine Verlängerung des Anleihekaufprogramms um sechs Monate, die in Summa eine deutliche Anhebung der Volumina um gut ein Drittel von 1,08 auf 1,44 Billionen Euro bedeutet, nicht unbeträchtlich. Aber eine Ausdehnung des QE-Programms allein auf zeitlicher Ebene findet eben erst in der späteren Zukunft statt und wurde daher – nach den Erkenntnissen der Behavioral Finance – mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Einschätzung der Marktteilnehmer kräftig abgewertet, sprich diskontiert. Eine sofortige Anhebung der anzukaufenden Wertpapiervolumina hätte diese hingegen vermutlich ganz anders beeindruckt oder zumindest nicht so stark enttäuscht.</p>
<p>Immerhin dürften sich die Börsianer bald wieder beruhigen, denn auf der anderen Seite hat die EZB noch ein paar Pfeile im Köcher behalten, auf die man bei der kommenden Sitzung setzen kann. Interessanterweise ist die Frage, ob all diese Maßnahmen denn überhaupt zum Erfolg führen, während der Diskussion der vergangenen Tage fast vollständig in den Hintergrund geraten.</p>
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		<title>Eine nicht ganz saubere Debatte</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Dec 2010 09:51:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Framing]]></category>
		<category><![CDATA[Hyperbolisches Diskontieren]]></category>
		<category><![CDATA[Studiengebühren]]></category>
		<category><![CDATA[Verlustaversion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Debatte, die zurzeit in Großbritannien über die Verdreifachung der Studiengebühren bis auf 9000 £ pro Jahr sowie die drastische Kürzung der Zuschüsse für Universitäten geführt wird, erhitzt die Gemüter. Längst geht es nicht mehr nur darum, ob die Studenten mehr für ihre eigene Hochschulausbildung bezahlen sollen oder nicht. Vielmehr wird aufs heftigste gestritten. Dabei [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Debatte, die zurzeit in Großbritannien über die Verdreifachung der Studiengebühren bis auf 9000 £ pro Jahr sowie die drastische Kürzung der Zuschüsse für Universitäten geführt wird, erhitzt die Gemüter. <span id="more-684"></span>Längst geht es nicht mehr nur darum, ob die Studenten mehr für ihre eigene Hochschulausbildung bezahlen sollen oder nicht. Vielmehr wird aufs heftigste gestritten. Dabei hat man Schwierigkeiten, sich eine eigene, klare Meinung zu bilden. Denn jedes Mal, wenn eine Interessengruppe ihre Argumente darlegt, wird die Darstellungs­perspektive (Frame) so geschickt gewählt, dass man sich als Beobachter fast gezwungen fühlt, den jeweiligen Standpunkt dessen, der gerade spricht, anzunehmen.</p>
<p>Nehmen wir einmal eine ganz allgemeine Frage, die von den Befürwortern der neuen Gebühren gerne gestellt wird. Etwa wer für die Studiengebühren aufkommen soll. Der Student, der mit einem Universitätsabschluss seine Einkommensperspektive erheblich verbessern kann, oder der Steuerzahler. Eine so verpackte Frage dürfte viele Menschen zum Schluss verleiten, der zukünftige Hochschulabsolvent sei der große Gewinner – also soll er auch zahlen. Allerdings ist dieser Standpunkt nicht ganz korrekt, denn gut verdienende Hochschulabsolventen dürften für den Rest ihres Arbeitslebens auch mehr zum Einkommensteueraufkommen beitragen. Deswegen sollte der Durchschnitts-Steuerzahler möglichst vielen Menschen eine solche Karriere ermöglichen.</p>
<p>Gegner der Studiengebühren weisen indes darauf hin, dass die Befürchtung, am Ende des Studiums Schulden von etwa 40.000 £ auf dem Buckel zu haben, vor allem Schulabsolventen aus einkommensschwachen Familien davon abhalten könnte, überhaupt ein Studium aufzunehmen. Da ist aus verhaltensorientierter Perspektive tatsächlich etwas dran. Die Schulden werden – selbst wenn sie erst in der fernen Zukunft bezahlt werden – schwerer wiegen als der Gewinn eines zukünftigen Studienabschlusses. Trotz dieser bei vielen Menschen zu beobachtenden Neigung, ihre Entscheidungen irrigerweise von derart diskontierten Ergebnissen abhängig zu machen, ist dennoch eines zu beobachten: Jeder, der sich für ein Universitätsstudium entschieden hat, wird per definitionem einen zukünftigen Studienabschluss höher als den Lohn einstufen, den er stattdessen bei sofortigem Abschluss eines Arbeitsverhältnisses in der Gegenwart erzielen könnte.</p>
<p>Am Ende sind die Argumente beider Parteien von Fehlern behaftet. Doch wie könnte man trotzdem eine Einigung finden? Steuerzahler ohne Studienabschluss profitieren von den Universitätsabsolventen, weil Gutverdiener in höherem Maße zum Steueraufkommen beitragen. So gesehen sollten Studenten so lange wie möglich unterstützt werden. Daher könnte man sich folgenden Kompromiss vorstellen: Zwar müssen die Universitätsstudenten die neuen, höheren Studiengebühren bezahlen. Doch sollten sie gleichzeitig die Chance bekommen, diese Beträge von ihren zukünftig in Großbritannien zu zahlenden Steuern absetzen zu können – Hochschulabsolventen, die ins Ausland ziehen, würden natürlich nicht von diesem Vorteil profitieren. Dieser einfache Schritt hätte den Vorteil, dass die Belastung künftiger Verbindlichkeiten für Studienwillige aus einkommensschwachen Verhältnissen als etwas erträglicher wahrgenommen würde.</p>
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