<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>homo oecnomicus Archive - Joachim Goldberg</title>
	<atom:link href="https://www.joachim-goldberg.com/tag/homo-oecnomicus/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.joachim-goldberg.com/tag/homo-oecnomicus/</link>
	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Mon, 05 Nov 2012 08:50:57 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.3</generator>
	<item>
		<title>Moral und Märkte</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/moral-und-markte/</link>
					<comments>https://www.joachim-goldberg.com/moral-und-markte/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Nov 2012 08:50:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[begrenzte Rationalität]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[homo oecnomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[selektive Wahrnehmung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blognition.de/?p=5361</guid>

					<description><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich Gelegenheit, den ehemaligen Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin bei einem Vortragsabend persönlich zu überleben. Nida-Rümelin, der an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München den Lehrstuhl für Philosophie und politische Theorie innehat, sprach über „Das Verhältnis von Wirtschaft und Ethik&#8220;. Seine Ausführungen haben mich sowohl inhaltlich als auch rhetorisch so begeistert, dass ich mir umgehend sein neuestes [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/moral-und-markte/">Moral und Märkte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich Gelegenheit, den ehemaligen Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin bei einem Vortragsabend persönlich zu überleben. Nida-Rümelin, <span id="more-5361"></span>der an der Ludwigs-Maximilians-Universität in München den Lehrstuhl für Philosophie und politische Theorie innehat, sprach über „Das Verhältnis von Wirtschaft und Ethik&#8220;. Seine Ausführungen haben mich sowohl inhaltlich als auch rhetorisch so begeistert, dass ich mir umgehend sein neuestes Buch &#8222;Die Optimierungsfalle&#8220; zulegte, das auch Grundlage des von mir gehörten Vortrags war. Darin versucht Nida-Rümelin, die Grundlagen einer humanen Ökonomie zu skizzieren. Was mich jedoch sofort befremdete, war, dass er dabei seinen Begriff von ökonomischer Rationalität dem traditionellen Bild des homo oeconomicus entlehnt, einem Verständnis von ökonomischem Handeln also, das mittlerweile vielerorts als völlig überholt gilt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Schwierige Nutzenmaximierung</strong></p>
<p>Um es kurz zu machen: Ich habe in der ganzen Argumentation die Erkenntnisse der Behavioral Economics vermisst. Denn spätestens seit Herbert Simon den Begriff der begrenzten Rationalität eingeführt hat, muss einem doch klar sein, dass der ökonomische Optimierer in der Praxis seine Präferenzen weder vollständig kennt noch jede seiner Handlungsalternativen durchrechnen oder deren Folgen richtig einschätzen kann. So vermögen wir uns zum Beispiel aktuell gar nicht auszumalen, wie sehr wir uns in der Zukunft an Gewinne und Verluste gewöhnen werden, weshalb wir deren tatsächlichen Nutzen nicht richtig einschätzen können. Weil wir in der Realität, im Gegensatz zum rationalen Entscheider, Verluste als viel gravierender erleben und bewerten als Gewinne in gleicher Höhe.</p>
<p>Zwar wurde mir auf meine Nachfrage, wo denn bei dem ganzen Diskurs die menschliche Psyche bleibe, freundlich vom Vortragsredner beschieden: „Ja, ja, Behavioral Economics, kenne ich natürlich auch.“ Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass Nida-Rümelin Erkenntnisse aus einer verhaltensorientierten Ökonomie nicht berücksichtigen wollte.</p>
<p>Stattdessen vertrat er in seinem Vortrag die Ansicht, der globale Finanzkapitalismus handle in seinem ausschließlichen Streben nach Effizienz und Optimierung verantwortungslos und habe auf diese Weise auch die seit dem Jahre 2008 herrschende Finanzkrise ausgelöst. Aber auch bei der Feststellung des Redners, eine funktionierende Kommunikation sei für den ökonomischen Erfolg unverzichtbar und eine gelingende Kommunikation setze die Befolgung der Normen Wahrhaftigkeit, Vertrauen und Verlässlichkeit voraus, dachte ich weniger an Tugenden, von denen der eine Mensch mehr und der andere Mensch weniger hat. Sondern mir kam natürlich sofort Leon Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz in den Sinn. Und dieser Theorie zufolge können selbst wahrhaftige Menschen bei aller Aufrichtigkeit Opfer einer selektiven Wahrnehmung werden. Was zu ihren Entscheidungen passt, wird stark vergrößert, und was nicht dazu passt, wird verkleinert oder manchmal sogar völlig ignoriert. Das betrifft sowohl die Rezeption als auch die Weitergabe von Informationen. So wird, um das Beispiel Nida-Rümelins aufzugreifen, der Rat, den eine Frau ihrer Freundin in einer Beziehungskrise erteilt, wesentlich auch davon abhängen, wie es gerade um ihr eigenes Liebesleben steht. Hat sie sich selbst gerade von ihrem Partner getrennt, wird sie die Freundin ermutigen, auch diesen Schritt ins Single-Dasein zu wagen. Hat sie sich indes dazu durchgerungen, trotz gravierender Verstimmungen einen Neuanfang mit ihrem Freund zu wagen, wird sie vermutlich auch der Freundin empfehlen, durchzuhalten und „an der Beziehung zu arbeiten“, wie sie selbst es sich vorgenommen hat. Ähnliche Verhaltensmuster finden wir auch an den Finanzmärkten. Empfohlen wird doch das, was jemand aufgrund seiner eigenen Entscheidungen für richtig hält, was aber nicht notwendigerweise das Richtige sein muss. Auf diese Weise können sogar „falsche“ Normen entstehen, die letztlich zu Herdenverhalten und Blasenbildung in den Finanzmärkten führen können. So gesehen, ist der ökonomische Mensch zumindest phasenweise durchaus zur Freundschaft fähig, eine Eigenschaft, die Nida-Rümelin ihm abspricht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Relative Moral durch Gewöhnung </strong></p>
<p>Wenn Professor Nida-Rümelin postuliert, dass „der ökonomische Markt nicht moralfrei“ sei, dann stimme ich ihm zu 100 Prozent zu. Aber auf Grund ganz anderer Einsichten. Der homo oeconomicus kennt tatsächlich keine Moral, nur existiert er in der Realität gar nicht, weil auch an den Märkten hauptsächlich nicht auf Profit programmierte Menschen agieren. Und deren Motive sind vielfältiger als das ewige, eindimensionale Maximieren von Gewinnen. Ich sehe stattdessen in der Gewöhnung die conditio humana schlechthin. Wir gewöhnen uns an unseren Reichtum, an den Komfort, den er uns ermöglicht, mit der fatalen Folge, dass wir ihn immer mehr steigern müssen, um überhaupt noch Befriedigung zu spüren. So entsteht Gier. Der Bonus muss eben auch jedes Jahr höher ausfallen. Wohin das führt, zeigt die aktuelle Finanzkrise. Dass dieser Mechanismus auch in anderer Hinsicht gefährlich werden kann, beschreibt der großartige Film <em>Dogville</em> von Lars von Trier – ein philosophisches Drama, dessen Erkenntnis darin besteht, dass Menschen auf Grund abnehmender Sensitivität durch Gewöhnung immer heftigere Gewalt und Repression anwenden und immer grausamer werden können, während die Selbstwahrnehmung der eigenen moralischen Integrität davon unangetastet bleibt. Ursache dafür ist  eine kaum wahrnehmbare Verschiebung von Referenzpunkten, die mit der Zeit zu massiven Verhaltensänderungen führen kann. Diese psychologischen Faktoren sind allerdings jenseits von Gut und Böse angesiedelt. Und gegen selektive Wahrnehmung und Gewöhnungseffekte kann man mit moralischen Appellen nur wenig ausrichten. Gleichwohl darf auch eine humane Ökonomie und neue Wirtschaftsethik sie nicht übersehen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/moral-und-markte/">Moral und Märkte</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.joachim-goldberg.com/moral-und-markte/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Veto!</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/veto/</link>
					<comments>https://www.joachim-goldberg.com/veto/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 07:32:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Diktatorspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Fairness]]></category>
		<category><![CDATA[homo oecnomicus]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Ultimatum-Spiel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.blognition.de/?p=1166</guid>

					<description><![CDATA[<p>Bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance spiele ich mit den Zuhörern fast immer ein Ultimatumspiel. Unter anderem, um zu zeigen, dass die Menschen nicht wie in der Theorie des homo oeconomicus beschrieben reine Nutzenmaximierer sind. So wird in der Spielsituation simuliert, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll.  Aber nur unter der Bedingung, dass er [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/veto/">Veto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance spiele ich mit den Zuhörern fast immer ein Ultimatumspiel. Unter anderem, um zu zeigen, dass die Menschen nicht wie in der Theorie des homo oeconomicus beschrieben reine Nutzenmaximierer sind. So wird in der Spielsituation simuliert, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll.  Aber nur unter der Bedingung, <span id="more-1166"></span>dass er diese mit einem anderen Spieler teilt, wobei er bestimmen darf, wie viel er selbst und wie viel der Andere erhält. Stimmt dieser der Aufteilung zu, bekommen beide ihr Geld. Lehnt der Mitspieler indes  ab, ist die ganze Summe futsch, und beide gehen leer aus.  </p>
<p>500 Mal habe ich dieses Spiel bestimmt im Laufe der Jahre gespielt, und niemals ist es vorgekommen, dass ein Mitspieler gemäß der ökonomischen Standardtheorie 9.999,99 € für sich behalten und seinem Mitspieler nur die kleinstmögliche Geldeinheit von einem Cent angeboten hätte. Stattdessen entscheiden sich die meisten Menschen – ob Privatperson oder Investmentprofi – für eine Fifty-Fifty-Lösung, weil diese als besonders fair empfunden wird. Obwohl von Vornherein klar ist, dass es sich nur um  hypothetische 10.000 Euro handelt, haben nur wenige Mut, mehr als die Hälfte des Spielgeldes für sich zu beanspruchen. Vermutlich wollen sie in der Öffentlichkeit nicht als egoistisch und habgierig dastehen.  </p>
<p>In den Fällen, in denen ein Spieler mehr als die Hälfte für sich reklamierte, waren die Mitspieler meist nicht bereit, der vorgeschlagenen Verteilung des Geldes zuzustimmen, wenn ihr Anteil ein Drittel des Geldes oder weniger betrug.</p>
<p>Auf der anderen Seite habe ich es schon ein paarmal erlebt, dass Menschen bei der Verteilung des Geldes ihrem Mitspieler mehr als die Hälfte (meist 60 Prozent) zugedacht haben, „um sich der Zustimmung des anderen&#8220; völlig sicher zu sein – eine Verhaltensweise, die vom übrigen Publikum meist belächelt wird.</p>
<p>Seit einiger Zeit lasse ich dieses Spiel von drei Personen spielen, wobei eine von ihnen verteilt, eine zweite der Verteilung zustimmen muss (ansonsten bekäme niemand etwas) und die dritte ohne Vetorecht das akzeptieren muss, was ihr zugedacht wird.<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a> Interessanterweise bekommt die dritte Person fast immer etwas vom Kuchen (meist zwischen zehn und 20 Prozent) ab – manchmal aber eben auch nichts. Richtig interessant wurde es allerdings bei meiner jüngsten Veranstaltung. Denn dort entschied sich derjenige, der über die Verteilung zu bestimmen hatte, für eine vordergründig fair erscheinende Lösung, indem er jedem ein Drittel des Gesamtbetrages zubilligte. Doch sein Mitspieler, dem das Vetorecht verliehen war, fühlte sich gegenüber dem dritten Partner ohne Einspruchsmöglichkeit ganz offensichtlich benachteiligt. Er lehnte die Verteilung mit der Begründung ab, sie würde seiner (Macht)Position nicht gerecht werden. Immerhin verzichtete er  auf 3333,33 €, nur damit die anderen beiden nichts bekämen. Ob er das im richtigen Leben und mit echtem Geld auch so gemacht hätte? Jemand der so denkt, mag vielleicht nicht ganz so viel, aber zumindest einen gewissen Betrag opfern, damit ein anderer Geld verliert.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> Genau genommen, handelt es sich um eine Kombination eines Ultimatum- mit einem Diktatorspiel</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/veto/">Veto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.joachim-goldberg.com/veto/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
