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	<title>Heuristik Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Ein höchst emotionales Referendum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 May 2016 13:38:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Tag der Entscheidung, des Referendums über die Frage, ob Großbritannien in der EU verbleiben oder diese verlassen soll (Brexit), rückt näher, und die Umfragen dazu haben sich in den vergangenen Tagen deutlich verändert. So ergibt sich etwa bei der übergreifenden Befragung („Poll of Polls“) der Financial Times nunmehr eine Mehrheit von 46 Prozent von [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Tag der Entscheidung, des Referendums über die Frage, ob Großbritannien in der EU verbleiben oder diese verlassen soll (Brexit), rückt näher, und die Umfragen dazu haben sich in den vergangenen Tagen deutlich verändert. So ergibt sich etwa bei der übergreifenden Befragung („Poll of Polls“) der Financial Times nunmehr eine Mehrheit von 46 Prozent von EU-Freunden gegenüber 40 Prozent EU-Gegnern – 13 Prozent der Befragten sind jedoch immer noch unentschieden.</p>
<p>Wie ich bereits an anderer Stelle erläutert habe, zeigte sich zwischen den Telefon- und den Internet-Umfragen (vgl. politicalbetting.com) ein deutlicher Unterschied. Während bei ersteren das REMAIN-Camp deutlich in Führung lag, ist das Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern eines Brexit im Cyberspace noch nicht so klar entschieden.</p>
<p>Interessanterweise lassen sich gerade unter den jüngeren Wählern viele EU-Befürworter finden, während sich bei den Älteren – zuletzt jedoch mit sinkender Tendenz – deutlich mehr EU-Gegner finden. Dies mag auf den ersten Blick im Widerspruch dazu stehen, dass bei den Internet-Umfragen das Brexit-Rennen noch nicht entschieden scheint. Denn normalerweise würde man gerade den jüngeren Wählergruppen eine starke Affinität zum Cyberspace bestätigen, während Telefonumfragen deutlich mehr ältere Bürger erfassen und demnach mehr EU-Gegner aufweisen sollten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Brexit-Befürworter leidenschaftlicher</strong></p>
<p>Eine Erklärung lässt sich vielleicht in der möglichen Wahlbetei­li­gung der Briten beim Referendum finden. Nicht nur, dass mehr als 80 Prozent der über 55-jährigen versprachen, tatsächlich auch am 23. Juni zur Wahl zu gehen, während das Interesse bei den 18 bis 24-jährigen gerade einmal bei gut 20 Prozent liegt (vgl. Observer). Vielmehr besteht außer dem Umstand, dass eben ausgerechnet die Gruppe junger EU-Befürworter möglicherweise nicht zur Wahl geht, auch die Gefahr einer gewissen Apathie im REMAIN-Lager. Diese Neigung, am 23. Juni zu Hause zu bleiben, dürfte sich noch vergrößern, wenn sich während der kommenden Wochen in den Umfragen ein deutlicher Vorsprung zugunsten der EU-Befürworter verfestigen sollte. Nach dem Motto: Auf meine Stimme kommt es sowieso nicht an, es gibt doch genügend andere. Nicht auszudenken, wenn es am Wahltag auch noch regnen sollte!</p>
<p>Mit anderen Worten: Die Befürworter eines Brexit scheinen wesentlich leidenschaftlicher zu sein, und deswegen sind sie vermutlich auch in der Lage, mehr Bürger zu mobilisieren (vgl. auch yougov <a href="https://yougov.co.uk/news/2016/05/21/assessing-impact-turnout-eu-referendum/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;"><strong>HIER</strong></span></a>)als ein sich in Sicherheit wiegendes REMAIN-Camp, von dessen Anhängern im Zweifel zu viele am Tag der Entscheidung zu Hause bleiben und so am Ende womöglich sogar noch zu einem zufälligen Brexit beitragen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nur eine Bauchentscheidung?</strong></p>
<p>Überdies befürchte ich, dass viele Briten, obwohl sie glauben, in Sachen Referendum rational zu entscheiden, am Ende nicht in der Lage sind, alle möglichen Folgen ihrer Entscheidung zu überblicken. Schließlich handelt es sich um eine vielschichtige Entscheidung, vergleichbar mit dem Mosaik eines Kaleidoskops, dessen Mischungsmöglichkeiten selbst von einem leistungsfähigen Großrechner kaum bewältigt werden können. Gerade wenn es aber um die Vereinfachung komplexer Sachverhalte geht, greifen Menschen nun einmal gerne zu Faustregeln (Heuristiken) aus der Verhaltensökonomik. Mit dem Risiko, dass knallige und dramatische Informationen, besonders, wenn sie kurz vor dem Tag des Referendums lanciert werden, aufgrund des Verfügbarkeitsirrtums übergroßes Gewicht erhalten. Am Ende entscheidet womöglich ganz schnell der Bauch – und nicht der Kopf.</p>
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		<title>Abschalten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 06:59:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Heuristik]]></category>
		<category><![CDATA[Informationsverarbeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Komplexitätsreduzierung]]></category>
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		<category><![CDATA[Zinseszins]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gutes Fernsehen muss offenbar einfach sein. Diesen Eindruck konnte ich gewinnen, als ich mir jüngst wieder einmal eine dieser zahlreichen Talkshows zur Euro-Krise anschaute. Aber ich hatte Verständnis dafür, dass angesichts <span id="more-2751"></span>des am selben Tage endenden Gipfels der EU-Staats- und Regierungschefs zur Rettung der Eurozone ein paar klare oder erklärende Worte vonnöten waren. Am besten möglichst einfach für den Endverbraucher portioniert und komplexitätsarm dargestellt.</p>
<p>Und da saßen sie nun, ein paar bekannte Politiker, von denen ich in solchen Talkrunden ohnehin nicht viel erwarte. Auf der anderen Seite aber waren die Experten, die offenbar versuchten, den komplexen Sachverhalt der Krise mit einfachen Worten zu erklären. Dass dergleichen mitunter ein schwieriges Unterfangen sein kann, haben bereits vor 40 Jahren Experimente zur Informations­verarbeitung gezeigt. Etwa zum Gebrauch von so genannten Heuristiken (Faustregeln), die den großen Vorteil bieten, Komplexität zu reduzieren und Zeit zu sparen. Allerdings zu Lasten der Genauigkeit bei den Ergebnissen.</p>
<p>Dieser Neigung zur Vereinfachung, damit das Volk auch wirklich den Ernst der Lage versteht, ist auch ein in der Show auftretender Finanzmarktexperte zum Opfer gefallen. Aber dieser musste natürlich am Ende auch seinem Namen voll und ganz gerecht werden und dem Zuschauer verraten, was man nun mit seinem Geld in den Zeiten der Krise anstellen solle. Und das, nachdem der Experte ausführlich über die Katastrophe und den Reset referiert hatte. Was blieb da noch an realen Sachwerten übrig? Gold? Na klar, aber das hat sowieso jeder. Vielleicht auch Silber? Oder gar Aktien? Da erhält man im Gegenzug etwas Reales, erfuhr ich. Nämlich einen Anteil an einem Unternehmen. Mit allem Drum und Dran. Und damit das Investment zum sicheren Erfolg führt, wird der interessierte Zuschauer belehrt, kann man sich gerade in unsicheren Zeiten gegen Kursrückschläge sogar absichern. Solche Instrumente, Optionen, die man auch als Versicherungen bezeichnen kann, kosten natürlich Geld. Prämien, die gerade bei der heutigen Volatilität möglicherweise Dividendenerträge und Kursgewinne mehr als aufzehren können. Aber viel mehr als das, trieb mich die Frage um, wer bei einem Untergang des Finanzsystems – das wäre doch der Worst Case – eine solche Versicherung noch bedienen könnte.</p>
<p>Aber der Finanzmarktexperte war nicht der einzige, der bei mir Fragen offen ließ. Etwa der Verbraucherschützer, der offensichtlich etwas gegen Aktien hatte. Der riet nämlich dem möglicherweise verschuldeten Konsumenten, zuerst seine Schulden schnell abzutragen. Das macht Sinn, wenn die Zinsen des Kredits tatsächlich hoch sind. Wenn dann noch Geld übrig bliebe, so der Experte, könne man an ein Sparbuch oder (angesichts der niedrigen Zinsen) an ein noch attraktiveres Festgeld denken. Da wurde mir sogleich die massive Differenz zwischen den derzeitigen Soll- und Habenzinsen vor Augen geführt. Aber über die regte sich zumindest in der Runde niemand auf. Ist ja auch keine Spekulation. Und wenn dann immer noch Geld übrig bliebe, solle man sich eine Immobilie zulegen, vernahm ich. Erst dann dürfe man an Aktien denken, womit mir mit einem Schlag klar wurde, warum Aktienengagements in Deutschland immer noch nur wenigen vorbehalten bleiben.</p>
<p>Fast hätte ich den Wirtschaftsprofessor aus Österreich vergessen. Der empörte sich nicht nur über den Zinseszins als Quelle allen Krisenübels. Nein, so lautete seine Forderung, man müsse Geld (das ohnehin alle 70-80 Jahre kaputt ginge) ganz abschaffen und zum Naturaltausch zurückkehren. Das sei doch nur fair. Und ich fragte mich, warum man sich vor mehr als 2000 Jahren überhaupt die Mühe gemacht hatte, Geld als fungibelstes aller Tauschmittel einzuführen. Vielleicht weil man offenbar nicht ohne weiteres sagen konnte, wie viele Äpfel eine Birne wert waren?</p>
<p>Am meisten regte mich aber auf, dass niemand in der ganzen Talkrunde imstande war, diesen teils haarsträubenden Geschichten argumentativ ein Ende zu machen. So blieb mir selbst nur mein eigenes endgültiges Argument übrig: Abschalten.</p>
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