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	<title>Hartz IV Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Das Los der Armen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Mar 2011 10:54:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bewertung kleiner Wahrscheinlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die gestrige einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln, dass Hartz-IV-Empfänger in Nordrhein-Westfalen ab sofort nicht mehr an öffentlichen Glücksspielen teilnehmen dürfen, mag mancherorts wie eine Bombe eingeschlagen und für große Empörung gesorgt haben. Von einer Stigmatisierung armer Menschen ist in vielen Internetforen die Rede. Andere wiederum sehen in diesem Verbot die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen massiv beschnitten. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die gestrige einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln, dass Hartz-IV-Empfänger in Nordrhein-Westfalen ab sofort nicht mehr an öffentlichen Glücksspielen teilnehmen dürfen, mag mancherorts wie eine Bombe eingeschlagen und für große Empörung gesorgt haben. Von einer Stigmatisierung armer Menschen ist in vielen Internetforen die Rede. Andere wiederum sehen in diesem Verbot<span id="more-1054"></span> die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen massiv beschnitten. Ich möchte nicht darüber befinden, ob die Entscheidung, dass jemand, der soziale Leistungen bezieht, kein Geld für Glücksspiele verwenden darf, richtig ist oder nicht. Auch will ich nicht vor Spielsucht warnen. Die Risiken und Nebenwirkungen von Spielautomaten und Glückslotterien dürften hinlänglich bekannt sein. Schon gar nicht aber möchte ich mich dem homo oeconomicus anschließen, dieser vernunftgesteuerten Spaßbremse. Er, der notorische Besserwisser und Langeweiler, würde einem an dieser Stelle erklären, dass Glücksspiele kein sinnvolles Investment sind, weil sie eine negative Gewinnerwartung haben: Der Einsatz wird der winzigen Chance auf den Jackpot nicht annähernd gerecht. Sie beträgt lediglich 1 zu knapp 140 Millionen.</p>
<p>Allerdings haben die Verhaltensökonomen schon vor Jahren festgestellt, dass die meisten Menschen kleine Wahrscheinlichkeiten wesentlich höher einschätzen, als sie tatsächlich sind. Anders ausgedrückt: Von der Tatsache, dass an jedem Samstag jeder Lottospieler in der Republik glaubt, jetzt sei er aber mal dran, den Jackpot zu knacken, profitiert eine ganze Industrie.</p>
<p>Während die einen also schulmeisterlich erklären, dass Lottospielen irrational sei und deswegen den Geldbeutel der Ärmsten nur unnötig belaste, sollte man gleichzeitig bei aller kühlen Rechnerei nicht vergessen, dass mit dem Ausfüllen des Lottoscheins auch ein Traum gekauft wird. Ein Traum, der einem zumindest für ein paar Stunden in der Woche die Hoffnung vermittelt, vielleicht auf einen Schlag aus dem ganzen Schlamassel herauszukommen. Genau um diese Sehnsucht mag es auch George Orwell gegangen sein, als er in seinem Roman „1984“ beschrieb, was die wöchentliche Lotterie mit ihren riesigen Gewinnen für die Armen bedeutet. Auch wenn die Hauptpreise stets an Personen gingen, die in Wahrheit gar nicht existierten, war die Lotterie der Haupt-, wenn nicht der einzige Grund der Bedürftigen, überhaupt weiterzumachen und nicht an ihrer Not zu verzweifeln.</p>
<p>Diejenigen, die den Ärmsten das Lottospielen verbieten wollen, sei es, um sie zur Sparsamkeit zu erziehen oder um die Kosten für das soziale Netz zu drücken, sollten daher nicht unterschätzen, welchen Sinn und Nutzen kollektiv erlebte Wunschträume und Hoffnungen für benachteiligte Menschen haben können. Auch wenn es nur für ein paar Stunden am Mittwoch und am Samstagabend ist. Und wohl fast immer eine schöne Illusion bleiben wird.</p>
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		<title>Für eine Handvoll Euros</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 12:43:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesverfassungsgericht]]></category>
		<category><![CDATA[Hartz IV]]></category>
		<category><![CDATA[Koalition]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für manch einen mögen es nur kleine Beträge sein, wenn es um die Neuregelung der Hartz-IV-Sätze geht, die das Bundesverfassungsgericht per Urteil im Februar 2010 angemahnt hatte. Die Berechnung des Regelsatzes sei nicht transparent genug und daher nicht nachvollziehbar, das Existenzminimum nicht ordentlich berechnet, sondern nur grob geschätzt, so die Kritik der Richter. Am Ende [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Für manch einen mögen es nur kleine Beträge sein, wenn es um die Neuregelung der Hartz-IV-Sätze geht, die das Bundesverfassungsgericht per Urteil im Februar 2010 angemahnt hatte. Die Berechnung des Regelsatzes sei nicht transparent genug und daher nicht nachvollziehbar, das Existenzminimum nicht ordentlich berechnet, sondern <span id="more-470"></span>nur grob geschätzt, so die Kritik der Richter.</p>
<p>Am Ende kommt jetzt, so die Koalition ihren Vorschlag durchsetzen kann, bei der ganzen Geschichte ein um fünf Euro erhöhter Hartz-IV-Regelsatz und jede Menge Wut und Enttäuschung bei den Betroffenen heraus. Nicht weil fünf Euro bei einem Normalverdiener unter der Wahrnehmungsschwelle liegen würden. Vielmehr ist es die Art und Weise wie die Reform präsentiert wird.</p>
<p>Ich möchte gar nicht davon sprechen, dass allein mit der sporadischen Darstellung etwaiger Listen und Hochrechnungen für das „neue Hartz IV“ in der Boulevardpresse ein Bezugspunkt gesetzt wurde, der mit dem jüngsten Vorschlag bei weitem verfehlt wurde. Auch nicht davon, ob (nach Abzug der Hartz-IV-Haushalte) das Einkommen der unteren 20 oder das der unteren 15 Prozent der bundesdeutschen Haushalte als Referenzgruppe herangezogen wurden. Eine Gruppe übrigens, die per se nicht nur durch zu niedrige Löhne, sondern auch durch zu hohe Sozialabgaben (letztere sind ab einer Grenze von 800 Euro monatlich voll zu bezahlen) belastet wird.</p>
<p>Tatsächlich ist die Koalition der Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach mehr Transparenz mit ihrer 74 Seiten fassenden Aufstellung so folgsam nachgekommen, dass man meinen könnte, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr zu sehen. Doch eine solch akribische Aufstellung verführt aber auch Parteien jedweder Couleur, an kleinen Einzelpositionen herumzuschrauben. Wobei leider nicht beachtet wird, dass Gewinne und Verluste auch hier unterschiedlich wahrgenommen werden: Letztere doppelt so stark wie Gewinne in gleicher Höhe*.</p>
<p>Am Ende ist aber nur eines sicher: Je mehr die Parteien um solche Kleinstbeträge bei den notwendig gewordenen Verhandlungen im Bundesrat schachern, desto höher das Risiko, dass am Ende im Gedächtnis der Hartz-IV-Empfänger vornehmlich die Streichposten hängen bleiben. Das schlägt auf die ohnehin miese Stimmung der Betroffenen, möglicherweise aber auch auf deren Verhalten bei den nächsten Wahlen. Am Ende schneidet nämlich der besser ab, der pauschal eine Erhöhung des Regelsatzes – etwa auf die nächste runde Zahl (400 Euro) – einfordert, ohne uns jedoch zu sagen, wer die Zeche dafür bezahlen soll.       </p>
<p><em>* Wer etwa hypothetisch das Konto „Bildung“ von den geplanten 1,39 Euro um zwei Euro erhöhen möchte und denselben Betrag der „Gesundheitspflege“ (unterstellt werden monatlich 15,55 Euro) belasten möchte, sollte sich nicht wundern, wenn diese Belastung nicht nur von der Umwelt, sondern von den Hartz-IV-Empfängern selbst viel schwerer als der gleich hohe Gewinn auf dem „Bildungskonto“ bewertet wird. </em></p>
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