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	<title>Georg Baselitz Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Neidgesellschaft und Schwarzgeldgauner</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2013 08:05:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer häufiger bringt die Jagd auf Steuerhinterzieher neue prominente Namen ans Tageslicht. Die Bevölkerung ist mit Recht empört, und Politiker von der Mitte bis links machen sich solche Geschichten für den bevorstehenden Wahlkampf zunutze. „Keine Gnade für Steuerhinterzieher!“, hallt es durch Deutschland. Auch von Moral ist die Rede und von der Bestrafung der Schuldigen, sei [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/neidgesellschaft-und-schwarzgeldgauner/">Neidgesellschaft und Schwarzgeldgauner</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer häufiger bringt die Jagd auf Steuerhinterzieher neue prominente Namen ans Tageslicht. Die Bevölkerung ist mit Recht empört, und Politiker von der Mitte bis links machen sich solche Geschichten für den bevorstehenden Wahlkampf zunutze. „Keine Gnade für Steuerhinterzieher!“, hallt es durch Deutschland. Auch von Moral ist die Rede<span id="more-6072"></span> und von der Bestrafung der Schuldigen, sei es nun ein im Rampenlicht stehender Uli Hoeneß oder ein zurückgezogen lebender Maler und Bildhauer wie Georg Baselitz. Natürlich könnte ich mich an dieser Stelle auch über die Scheinheiligkeit derjenigen auslassen, die einerseits die Steuersünder anprangern, es andererseits aber völlig in Ordnung finden, günstige Dienstleistungen gegen Barzahlung und ohne Rechnung in Anspruch zu nehmen. Aber darum geht es mir nicht. Vielmehr ist mir aufgefallen, dass sich bei vielen Menschen unter dem Deckmantel der Moral doch eine gewisse Häme, wenn nicht gar Schadenfreude abzeichnet, die sich in Hohn und Verachtung gegenüber denen ausdrückt, die derzeit von der Lichtgestalt zum Schwarzgeldgauner mutieren.</p>
<p>Wo Schadenfreude herrscht, kann der Neid nicht weit sein, habe ich mir gesagt. Neid, das schmerzhafte Gefühl, das ein Mensch erlebt, wenn er erfährt, dass ein anderer etwas hat – sei es ein Gegenstand, eine Eigenschaft oder ein bestimmter Status –  was er selbst für erstrebenswert hält, aber eben nicht besitzt. Und das man ihm am liebsten sogar wegnehmen möchte, weil man sich unterlegen fühlt<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>. Dieses peinliche Gefühl eigener Minderwertigkeit ist es auch, weswegen viele Menschen es nicht gerne zugeben, wenn sie auf jemanden neidisch sind, und auch Schadenfreude offen und ungehemmt zu äußern gilt nicht gerade als salonfähig<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Drang nach sozialem Vergleich</b></p>
<p>Neid resultiert aus dem permanenten Wunsch der Menschen – und dieses Bedürfnis ist ein universales und kein spezifisch deutsches –, sich mit anderen vergleichen zu wollen, um den eigenen Status in der Gesellschaft zu ermitteln. Deswegen spielen für viele Menschen Positionsgüter, über die ich bereits <a href="http://www.blognition.de/blog/politik/von-der-euro-krise-zur-wahrungsreform/" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;">an anderer Stelle geschrieben habe</span></a>, eine so wichtige Rolle. Positionsgüter sind Ausdruck für einen bestimmten Status.</p>
<p>Der soziale Vergleich ist nur natürlich. Außerdem, so beschreibt es die Sozialpsychologin Susan T. Fiske in ihrem hervorragenden und lesenswerten Buch<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>, befindet sich jeder von uns in einer Position, von der aus wir einerseits Menschen mit höherem Status beneiden und andererseits Menschen, die wir als unter unserem Status befindlich wahrnehmen, verachten. In gewissem Sinne seien wir regelrechte Vergleichs-Maschinen, so die Professorin. Wir stellen permanent Vergleiche an, um uns über uns selbst und darüber zu informieren, wo wir stehen. Und wir tun dies, um unseren Selbstwert zu schützen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>In der Champions League des Reichtums</b></p>
<p>Neid ist aber noch mehr als ein Vergleich nach oben. Jemand anderen auf der persönlichen Vergleichsskala zu beneiden bedeutet für Menschen weitaus mehr Stress als der Blick auf derselben Skala nach unten. Dabei bleibt festzustellen: Neid ist dort am größten, wo wir uns mit Ähnlichen, Gleichgesinnten vergleichen können. Also im Vergleich mit unseren Bekannten, Nachbarn, Freunden und Verwandten, die so zu natürlichen Feinden werden können. Jemanden zu beneiden heißt letztlich auch, ihn seiner Gewinne wegen zu beneiden. Aber eigentlich käme doch ein Kreisklassenverein kaum auf die Idee, sich mit Bayern München zu vergleichen. Die spielen in einer anderen Liga. So wie Uli Hoeneß für viele von uns ebenfalls in einer anderen materiellen Liga spielt. Wie kann es dann aber überhaupt zur Schadenfreude kommen, wenn es einen aus der Champions League des Reichtums und Erfolgs erwischt?</p>
<p>In unserer Wahrnehmung fällt da jemand von ganz oben nach ganz unten und wird dadurch für uns für einen Augenblick lang, vielleicht auch für ein paar Tage, auf seinem Weg nach unten vergleichbar. Wenn eine große Persönlichkeit zu Fall gebracht wird, mag so aus Neid Verachtung werden, und es ist genau dieser Sturzflug, der bei vielen Menschen Schadenfreude auslöst, begleitet von einem Gerechtigkeitsempfinden, das uns manchmal selbst die Unschuldsvermutung vergessen lässt. Vor allem, wenn selbst Angela Merkel, die sich ja meistens eher bedeckt hält und herumlaviert, blitzschnell auf Abstand zu Herrn Hoeneß geht und in für sie ungewöhnlich deutlichen Worten ihre Enttäuschung kundtut.</p>
<p>Bei so viel Selbstgerechtigkeit war ich am Ende fast ein wenig erleichtert darüber, dass einer Umfrage zufolge 65 Prozent der Befragten Herrn Hoeneß, sofern er sich brav entschuldigt, verzeihen würden.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Vgl. Parrott, Gerrod (1991): <i>The Emotional Experience of Envy and Jealousy. </i>In:<i> The Psychology of Jealousy and Envy, </i>edited by Perter Salovey, New York:Guilford Press</p>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Obgleich der Begriff Eifersucht häufig als Synonym für Neid verwandt wird, muss jene abgegrenzt werden. Eifersucht entsteht nämlich dann, wenn man glaubt etwas sehr Wertvolles zu besitzen und man befürchten muss, dass ein anderer es einem wegnimmt. Eifersüchtige Menschen werden wahrscheinlich ganz offene Maßnahmen ergreifen, um das zu beschützen, was sie als ihr rechtmäßiges Eigentum betrachten. In unserer Gesellschaft ist Eifersucht im Gegensatz zu Neid zumindest eine Emotion, der man Verständnis entgegenbringt</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p>[3] Vgl. Fiske, Susan T. (2011): Envy up, Scorn down: How Status Divides Us, Russel Sage Foundation, New York</p>
<p>&nbsp;</p>
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