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	<title>Entscheidungen Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Bücher sind uncool</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 07:36:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Werbespot, der bereits seit einigen Monaten immer wieder auf einigen Fernsehkanälen zu sehen ist, regt mich ganz besonders auf. Er ist Bestandteil einer Kampagne der Direktbank Cortal Consors, ist in schwarz-weiß gedreht und scheint auf den ersten Blick sogar recht lustig zu sein. Gezeigt wird eine Buchhandlung, in der ein von den Büchern offensichtlich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Werbespot, der bereits seit einigen Monaten immer wieder auf einigen Fernsehkanälen zu sehen ist, regt mich ganz besonders auf. Er ist Bestandteil einer Kampagne der Direktbank Cortal Consors, ist in schwarz-weiß gedreht und scheint auf den ersten Blick sogar recht lustig zu sein. Gezeigt wird eine Buchhandlung, <span id="more-6904"></span>in der ein von den Büchern offensichtlich überforderter Börsenanfänger von einem Angestellten in Sachen „aussagekräftige Finanzliteratur“ beraten wird. Der Kunde hält das Buch an sein Ohr, lässt es auf und zu schnappen und erklärt dem Verkäufer: „Sagt mir gar nichts. Oder hören Sie etwas?“ Die erste Assoziation, die dieser Spot bei mir hervorrief, war: Bücher lesen ist altmodisch und bringt nichts. Und so mag es vielen anderen Menschen, besonders aber Jugendlichen und Schülern, beim Genuss dieses Werbespots auch ergangen sein. Mit der Schlussfolgerung: Lesen ist out und uncool.</p>
<p>Jetzt könnte man natürlich einwenden, Erfolg in den Finanzmärkten könne sich ja auch niemals der Lektüre von Fachbüchern verdanken, sondern sei vielmehr eine Frage von Erfahrung. Ich selbst kann mich noch daran erinnern, dass ich während meiner ersten Tagen als Devisenhändler einen Kollegen nach einschlägiger Literatur fragte und dieser mir mit einem Achselzucken entgegnete: „Das brauchst du nicht, wir machen hier learning by doing.“ Am Ende habe ich genau auf diese Weise meinen Beruf erlernt, aber während der Ausbildung stand mir ja auch immer jemand zur Seite, der mich im Zweifel an die Hand nahm und vor allzu großen Dummheiten bewahrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Probleme mit der Prozentrechnung</b></p>
<p>Dieses Glück haben viele Normalverbraucher nicht. Die Wirtschafts- und Finanzbildung ist vielerorts schlecht, und die Menschen haben Probleme mit der Prozentrechnung oder dem Zinseszinseffekt. Oft haben sie keine Ahnung davon, wie sich Preise durch Angebot und Nachfrage bilden und verändern, geschweige, dass sie Produkte verstehen, die sie von ihren Vermögensberatern angeboten bekommen. Eine große Mehrheit – so vermute ich – hat schlicht keine Lust, sich mit Geld und Finanzen auseinander zu setzen, obgleich ihnen immer mehr Eigenverantwortung für die Altersversorgung zugemutet wird.</p>
<p>In den USA hat man immerhin als Folge der Finanzkrise eine Bundesbehörde für Finanz-Erziehung eingerichtet, weil man Analphabetismus in Finanzangelegenheiten als eine der Hauptursachen für die große Rezession ansieht. Und tatsächlich erscheint es auf den ersten Blick sinnvoll, dass die Bürger in Sachen Geld und Finanzen ausgebildet sind. Aber die Hauptursache für die große Rezession in den USA bestand jedoch nicht nur in einer unkontrollierten Vergabe von Hypotheken oder intransparenten strukturierten Produkten der Investmentindustrie. Neben der Unwissenheit des Durchschnittsamerikaners spielten auch die Gier und das Unvermögen, die finanziellen Möglichkeiten adäquat einschätzen zu können, eine große Rolle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Behavioral Economics auf den Lehrplan</b></p>
<p>Doch die Theorie um Geld und Finanzen wirkt für viele grau und langweilig. Wer beschäftigt sich schon gerne mit ökonomischen Gesetzmäßigkeiten oder mathematisch-statistischen Rechnungen, zumal, wenn das Erlernte ohnehin nicht sofort in der Praxis angewendet werden kann. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn etwa eine Meta-Studie in den USA <a title="" href="#_ftn1">[1]</a> zu dem Schluss kommt, dass Erziehung in Finanzdingen einen vernachlässigbaren Einfluss auf die damit einhergehenden Entscheidungen ausübt.</p>
<p>Hoffentlich bekommen die deutschen Kultusminister keinen Wind davon! Zumal deren Mehrheit Ökonomie im Lehrplan lediglich als Ergänzung anderer Fächer sieht. Tatsächlich erkenne auch ich wenig Sinn darin, jungen Menschen lediglich die Erkenntnisse der Standardökonomie zu vermitteln. Denn es reicht beileibe nicht aus, zu wissen, wie ökonomisch sinnvolle Finanzentscheidungen aussehen sollen. Viel wichtiger ist es doch, den Menschen zu vermitteln, wie sie überhaupt zu diesen Entscheidung gelangen, wie sie auf dem Weg dorthin beeinflusst und abgelenkt werden können. Und wie der Erfolg oder Misserfolg einer Entscheidung alle weiteren Maßnahmen beeinflussen kann. Kurzum, es geht um die psychischen Faktoren, die optimale Entscheidungen selbst bei hundertprozentiger ökonomischer Informiertheit regelmäßig verhindern. Basiswissen in Finanzen und Wirtschaft reicht nicht. Vielmehr müssten die Erkenntnisse der Behavioral Economics in den Lehrplan aufgenommen werden. Dabei das ein oder andere Buch in die Hand zu nehmen und auch zu lesen, mag vielleicht nicht immer die Erfahrung mit finanziellen Transaktionen ersetzen. Aber Verständnis für die psychische Funktionsweise des Menschen kann vielleicht verhindern, dass diese Erfahrungen allzu kostspielig werden.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Fernandes, Daniel, Lynch Jr, John. G. &amp; Netemeyer, Richard G. (Jan 2014): <i>Financial Literacy, Financial Education and Downstream Financial Behaviors</i>, Management Science, forthcoming</p>
</div>
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		<title>Um die Klippe herum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Nov 2012 13:09:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[DAX]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Eskalierendes Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Fiskalische Klippe]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Frage, ob es in 2012 eine Jahresendrallye geben wird, durfte ich in meinem Kurzinterview am Donnerstag bei n-tv beantworten, das Frank Meyer mit mir führte. Weil ich mich mit einer kurzen Antwort offenbar schwertat, lud mich der nette Moderator direkt im Anschluss zu einem längeren Zwiegespräch bei der n-tv Telebörse ein, wo ich dankenswerter [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Frage, ob es in 2012 eine Jahresendrallye geben wird, durfte ich in meinem Kurzinterview am Donnerstag bei n-tv beantworten, das Frank Meyer mit mir führte. Weil ich mich mit einer kurzen Antwort <span id="more-5456"></span>offenbar schwertat, lud mich der nette Moderator direkt im Anschluss zu einem längeren Zwiegespräch bei der n-tv Telebörse ein, wo ich dankenswerter Weise die Möglichkeit hatte, noch einmal ausführlich auf die kommenden Wochen in Sachen DAX eingehen zu dürfen. Dabei wagten wir auch mal einen Blick hinter die fiskalische Klippe, die er bekanntlich in den USA im kommenden Jahr droht. Dabei konnte ich noch einmal meine Ausführung aus meinem gestrigen Blogbeitrag <a href="http://www.blognition.de/blog/markte/falscher-referenzpunkt/">„falscher Referenzpunkt“</a> erläutern. Außerdem ging es noch um die eskalierten Commitments der Politiker und deren Auswirkungen auf den Aktienmarkt. <a href="http://www.teleboerse.de/mediathek/mediathek_videos/n-tv_mediathek_videos_wirtschaf/Wir-haben-die-falschen-Referenzpunkte-article7834156.html">Das ganze Interview finden Sie hier</a>.</p>
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		<title>Richtungswechsel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Jun 2011 09:53:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In einer Woche wird das Moratorium, das die Kanzlerin angekündigt hatte, um die Verlängerung der Laufzeit von Atommeilern in Deutschland zu überdenken, offiziell zu Ende gehen. Damals hatte ich mich gefragt, ob Angela Merkel angesichts der Ereignisse von Fukushima in ihrer bisherigen Atompolitik die Notbremse gezogen, wenn  nicht sogar kapituliert habe. Eine Frage, die ich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In einer Woche wird das Moratorium, das die Kanzlerin angekündigt hatte, um die Verlängerung der Laufzeit von Atommeilern in Deutschland zu überdenken, offiziell zu Ende gehen. <a href="http://www.blognition.de/markte/1065" target="_blank">Damals hatte ich mich gefragt, <span id="more-1785"></span></a>ob Angela Merkel angesichts der Ereignisse von Fukushima in ihrer bisherigen Atompolitik die Notbremse gezogen, wenn  nicht sogar kapituliert habe. Eine Frage, die ich dann doch mit einem glatten Nein für mich beantwortet hatte. Trotzdem wundere ich mich jetzt, was während der vergangenen Wochen alles passiert ist. Denn unsere zuletzt nicht gerade zupackend und entschlossen auftretende Kanzlerin scheint geradezu eine Metamorphose in Sachen politischer Entscheidungsfähigkeit durchlaufen zu haben. So wurde die Entscheidung zur Zukunft der Atomkraft so zügig getroffen, dass einigen konservativen Parteimitgliedern und Liberalen ganz schwindlig dabei wurde. Ja, die Energiewende, die heute beschlossen werden soll, bringt die Kanzlerin entscheidungstechnisch geradewegs von &#8222;behind“ zu „ahead of the curve“, wie man in gepflegtem Neudeutsch sagen würde. So schnell und überzeugend agiert sie in dieser Sache, dass sich vor allem die grüne Opposition eines ihrer wichtigsten parteipolitischen Themen beraubt sehen muss. Doch wer glaubt, Frau Merkel fahre mit eben diesen Grünen neuerdings einen Kuschelkurs, um vielerorts womöglich schwarz-grüne Koalitionen Wirklichkeit werden zu lassen, muss damit nicht unbedingt richtig liegen. Auch ist unklar, ob die neuerdings entfachte Merkel‘sche Entscheidungsfreude tatsächlich den jüngsten Wahlschlappen ihrer Partei geschuldet ist und somit nur als hektische Überreaktion zu gelten hat.</p>
<p>Zweifellos hat die Kanzlerin in einer schwierigen parteipolitischen Phase mit den Ereignissen um Fukushima Pech und ein Quäntchen Glück zugleich gehabt. Pech, weil die ursprüngliche Entscheidung, die Laufzeiten für Atomkraftwerke zu verlängern, offenbar falsch war und somit modifiziert, wenn nicht gar rückgängig gemacht werden musste. Glück, weil sich bei der Mehrheit der Bundesbürger während der vergangenen beiden Monate die Normen hinsichtlich der Atomkraft massiv verschoben haben. Es ist genau diese Verschiebung, die den Richtungswechsel der Kanzlerin leicht gemacht hat. Denn Entscheidungen, die den (gesellschaftlichen) Normen entsprechen, bringen ein geringeres Commitment mit sich als solche, die gegen diese verstoßen. So gesehen ist der Richtungswechsel in Sachen Atomkraft gar nicht so mutig, wie er auf den ersten Blick aussehen mag. Denn die Konformität mit dem breiten Bürgerwillen macht zum einen den Rückzug von der alten Entscheidung leichter, zum anderen ist die neue Haltung zur Atomkraft zumindest aus dieser Perspektive mit einem geringeren Commitment verbunden. Vielleicht ist Frau Merkel also deshalb so schnell vorgeprescht, weil sie wusste, dass die Mehrheit der Wähler hinter der Kurve sich zumindest in der Energiepolitik treu an ihre Fersen heften würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
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