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	<title>Diktatorspiel Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Wie viel ist genug?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Mar 2012 06:08:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gestern habe ich an dieser Stelle die Geschichte der armen Hazel Loveday erzählt. Deren zwölf Busfahrerkollegen hatten 38 Millionen englische Pfund bei der Lotterie „Euro Millions“ gewonnen, sie selbst aber war sechs Monate zuvor aus der Tippgemeinschaft ausgestiegen, weil sie sich den Einsatz von zwei Pfund pro Woche nicht mehr leisten konnte. Ihr Schicksal hat [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern habe ich an dieser Stelle die Geschichte der armen <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/busfahrerin-steigt-zu-fruh-aus/" target="_blank">Hazel Loveday erzählt</a>. Deren zwölf Busfahrerkollegen hatten 38 Millionen englische Pfund bei der Lotterie „Euro Millions“ gewonnen, sie selbst aber war sechs Monate zuvor aus der Tippgemeinschaft ausgestiegen,<span id="more-3555"></span> weil sie sich den Einsatz von zwei Pfund pro Woche nicht mehr leisten konnte. Ihr Schicksal hat mir genauso wenig Ruhe gelassen wie den Lesern der „Daily Mail online“. Denn die alles bewegende Frage war natürlich, ob die glücklichen Gewinner ihrer Kollegin und früheren Mitspielerin nicht aus alter Verbundenheit etwas von ihrem riesengroßen Gewinn abgeben sollten. 34 Prozent der Leser der Daily Mail waren in der vergangenen Woche der Meinung: ja, sie sollten. Die große Mehrheit aber fand, Frau Loveday habe auf solche Großzügigkeit keinen Anspruch.</p>
<p>Wie stehen also Frau Loveday‘s Chancen, doch noch am Reichtum ihrer ehemaligen Kollegen und Lottobrüder zu partizipieren? Recht gut, wenn man einer Meta-Studie des Max-Planck-Instituts Glauben schenken möchte<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn1">[1]</a>. In dieser Zusammenfassung der Ergebnisse aus zahlreichen Einzelstudien zu so genannten Diktatorspielen<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn2">[2]</a>  hat sich nämlich gezeigt, dass Menschen im Durchschnitt bereit sind, 28,3 Prozent eines (Geld)gewinns an andere Menschen abzugeben, obwohl sie es eigentlich nicht müssten, ein Sechstel der Probanden würde sogar die Hälfte spenden. Allerdings zeigten sich gut 36 Prozent aller Teilnehmer egoistisch und weigerten sich, ihren Spielpartner am Gewinn zu beteiligen. Übrigens: Der homo oeconomicus würde ebenfalls nicht mit einem anderen teilen, aber reale Menschen sind anscheinend altruistischer.</p>
<p>Die Studie förderte jedoch auch noch andere interessante Details zu Tage. So hat sich gezeigt, dass sich soziale Distanz negativ auf die Spendierfreundlichkeit der „Geber“ auswirkt. Je näher die zu begünstigende Person dem Gönner stand, desto geringer dessen Bereitschaft, dieser etwas abgeben zu wollen. Waren die Geldgeber indes davon überzeugt, dass der Begünstigte seinen Anteil verdient habe, überließen sie ihm sogar einen größeren Anteil am Gewinn, während die Zahl derjenigen, die gar nichts abgaben wollten, gleichzeitig um die Hälfte sank.</p>
<p>Stellt sich eigentlich nur noch die Frage, wie viel Geld Frau Loveday von ihren Kollegen erwarten kann. Die „Daily Mail“ setzte gleich einmal einen Anker, indem sie vorrechnete, dass, wenn die Lotto-Gewinner jeweils 10.000 Pfund von ihrem Millionengewinn an die allein erziehende Mutter abträten, insgesamt 120.000 Pfund zusammenkämen. Und das sei genau der Betrag, den Mrs. Loveday benötige, um die Hypothek auf ihrem Haus abzubezahlen. Das klingt plausibel, ist aber dennoch ein willkürlich gewählter Referenzpunkt. Denn man könnte auch sagen: Nur 10.000 von insgesamt 3,16 Millionen Pfund? Das ist doch etwas mickrig! Dabei hat man nicht den Betrag verringert, sondern nur den Referenzpunkt gewechselt. Hazel Loveday selbst hätte nach eigenen Angaben im umgekehrten Fall „1 Mio. Pfund oder mehr“<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftn3">[3]</a> gegeben.</p>
<p>Tatsächlich könnte man stundenlang darüber sinnieren, wie glücklich Mrs. Loveday wäre, wenn sie ein Almosen von ihren ehemaligen Kollegen und Mitspielern bekäme. Den besten Tipp, den man in diesem Fall für die Zukunft geben kann: Wenn Ihnen nahestehenden Menschen, also von Kollegen, Freunden oder Nachbarn eine Tippgemeinschaft angeboten wird – machen Sie von Anfang an und bis zum Ende mit. Auch wenn es ökonomisch nicht sinnvoll sein sollte. Denn das Bedauern über einen entgangenen Super-Jackpot wiegt im Zweifel schwerer als der Ärger über die wöchentlich zum Fenster hinausgeworfenen Lottoeinsätze.</p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Engel, Christoph: <em>Dictator Games: A Meta Study</em>, Reprints of the Max Planck Institute for Research on Collective Goods, Bonn 2010/07</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref2">[2]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Als Dikatorspiel wird eine Variante des so genannten Ultimatumspiels bezeichnet. Bei letzterem muss eine Person einen (hypothetischen) Geldbetrag zwischen sich und einem anderen Spieler so aufteilen, dass dieser der Verteilung zustimmt. Lehnt der Spielpartner indes ab, so bekommen beide Spieler nichts. Beim Diktatorspiel hat der Spielpartner ein derartiges Vetorecht nicht und muss mit dem Vorlieb nehmen, was ihm angeboten („diktiert“) wurde.</span></span></p>
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<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=345-20111127#_ftnref3">[3]</a><span style="font-size: x-small;"><span style="font-family: Calibri;"> Daily Mail online vom 23.3.2012 </span></span></p>
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		<title>Veto!</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Mar 2011 07:32:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Diktatorspiel]]></category>
		<category><![CDATA[Fairness]]></category>
		<category><![CDATA[homo oecnomicus]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance spiele ich mit den Zuhörern fast immer ein Ultimatumspiel. Unter anderem, um zu zeigen, dass die Menschen nicht wie in der Theorie des homo oeconomicus beschrieben reine Nutzenmaximierer sind. So wird in der Spielsituation simuliert, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll.  Aber nur unter der Bedingung, dass er [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/veto/">Veto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bei meinen Vorträgen zur Behavioral Finance spiele ich mit den Zuhörern fast immer ein Ultimatumspiel. Unter anderem, um zu zeigen, dass die Menschen nicht wie in der Theorie des homo oeconomicus beschrieben reine Nutzenmaximierer sind. So wird in der Spielsituation simuliert, dass ein Teilnehmer 10.000 € bekommen soll.  Aber nur unter der Bedingung, <span id="more-1166"></span>dass er diese mit einem anderen Spieler teilt, wobei er bestimmen darf, wie viel er selbst und wie viel der Andere erhält. Stimmt dieser der Aufteilung zu, bekommen beide ihr Geld. Lehnt der Mitspieler indes  ab, ist die ganze Summe futsch, und beide gehen leer aus.  </p>
<p>500 Mal habe ich dieses Spiel bestimmt im Laufe der Jahre gespielt, und niemals ist es vorgekommen, dass ein Mitspieler gemäß der ökonomischen Standardtheorie 9.999,99 € für sich behalten und seinem Mitspieler nur die kleinstmögliche Geldeinheit von einem Cent angeboten hätte. Stattdessen entscheiden sich die meisten Menschen – ob Privatperson oder Investmentprofi – für eine Fifty-Fifty-Lösung, weil diese als besonders fair empfunden wird. Obwohl von Vornherein klar ist, dass es sich nur um  hypothetische 10.000 Euro handelt, haben nur wenige Mut, mehr als die Hälfte des Spielgeldes für sich zu beanspruchen. Vermutlich wollen sie in der Öffentlichkeit nicht als egoistisch und habgierig dastehen.  </p>
<p>In den Fällen, in denen ein Spieler mehr als die Hälfte für sich reklamierte, waren die Mitspieler meist nicht bereit, der vorgeschlagenen Verteilung des Geldes zuzustimmen, wenn ihr Anteil ein Drittel des Geldes oder weniger betrug.</p>
<p>Auf der anderen Seite habe ich es schon ein paarmal erlebt, dass Menschen bei der Verteilung des Geldes ihrem Mitspieler mehr als die Hälfte (meist 60 Prozent) zugedacht haben, „um sich der Zustimmung des anderen&#8220; völlig sicher zu sein – eine Verhaltensweise, die vom übrigen Publikum meist belächelt wird.</p>
<p>Seit einiger Zeit lasse ich dieses Spiel von drei Personen spielen, wobei eine von ihnen verteilt, eine zweite der Verteilung zustimmen muss (ansonsten bekäme niemand etwas) und die dritte ohne Vetorecht das akzeptieren muss, was ihr zugedacht wird.<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a> Interessanterweise bekommt die dritte Person fast immer etwas vom Kuchen (meist zwischen zehn und 20 Prozent) ab – manchmal aber eben auch nichts. Richtig interessant wurde es allerdings bei meiner jüngsten Veranstaltung. Denn dort entschied sich derjenige, der über die Verteilung zu bestimmen hatte, für eine vordergründig fair erscheinende Lösung, indem er jedem ein Drittel des Gesamtbetrages zubilligte. Doch sein Mitspieler, dem das Vetorecht verliehen war, fühlte sich gegenüber dem dritten Partner ohne Einspruchsmöglichkeit ganz offensichtlich benachteiligt. Er lehnte die Verteilung mit der Begründung ab, sie würde seiner (Macht)Position nicht gerecht werden. Immerhin verzichtete er  auf 3333,33 €, nur damit die anderen beiden nichts bekämen. Ob er das im richtigen Leben und mit echtem Geld auch so gemacht hätte? Jemand der so denkt, mag vielleicht nicht ganz so viel, aber zumindest einen gewissen Betrag opfern, damit ein anderer Geld verliert.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> Genau genommen, handelt es sich um eine Kombination eines Ultimatum- mit einem Diktatorspiel</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/veto/">Veto!</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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