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	<title>Contrary Opinion Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Conference-Call-Erwartungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2020 05:41:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Dollar am Morgen]]></category>
		<category><![CDATA[Contrary Opinion]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun steht sie also heute oder morgen an, die Telefonkonferenz der G7-Finanzminister und Notenbanker. Eine Konferenz, an deren Ende Versprechen stehen sollen. Zum einen eine konzertierte Aktion, wie es der französische Finanzminister Bruno le Maire gestern ankündigte. Darüber hinaus erwarten die Händler die Ankündigung einer koordinierten Zinssenkungsrunde der Zentralbanken. Zwischenzeitlich preisten die Finanzmärkte bereits eine Zinssenkung der EZB von 20 Basispunkten in der kommenden Woche ein, die Bank of England wird mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent (vgl. CME BoEWatch-Tool) den Leitzins...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>EUR USD (1,1145)</strong>             Nun steht sie also heute oder morgen an, die Telefonkonferenz der G7-Finanzminister und Notenbanker. Eine Konferenz, an deren Ende Versprechen stehen sollen. Zum einen eine konzertierte Aktion, wie es der französische Finanzminister Bruno le Maire gestern ankündigte. Darüber hinaus erwarten die Händler die Ankündigung einer koordinierten Zinssenkungsrunde der Zentralbanken. Zwischenzeitlich preisten die Finanzmärkte bereits eine Zinssenkung der EZB von 20 Basispunkten in der kommenden Woche ein, die Bank of England wird mit einer impliziten Wahrscheinlichkeit von 63 Prozent (vgl. CME BoEWatch-Tool) den Leitzins um 25 Basispunkte senken. Die Bank of Japan wird sich wohl geldpolitisch „committen“, und in den USA wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Fed die Zinsen um 50 Basispunkte senken. Planmäßig in knapp zwei Wochen.<img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-11684" src="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/03032020.jpg" alt="" width="150" height="469" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/03032020.jpg 240w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2020/03/03032020-96x300.jpg 96w" sizes="(max-width: 150px) 100vw, 150px" /></span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hochgesteckte Erwartungen</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Die Erwartungshaltung ist also hoch, und die einzige Frage, die sich stellt, lautet: Was werden die Finanzmarktteilnehmer mit diesen Erwartungen anfangen? Im Voraus Aktien kaufen? Das ist anscheinend gestern Abend geschehen, wenn man die Reaktion der US-Märkte sieht. Um jene dann womöglich auf höherem Niveau, wenn die Versprechungen bestätigt sind, wieder zu verkaufen? Ich kann mir vorstellen, dass es trotz wiederholt misslungener Versuche wie in der vergangenen Woche immer noch genügend Akteure gibt, die sich als sogenannter „Contrarian“ betätigen möchten. Denn man soll ja entgegen der Masse handeln und kaufen, wenn, nach einem Bonmot, das Carl Mayer von Rothschild zugeschrieben wird, „die Kanonen donnern“. Aber diese haben bereits die ganze letzte Woche gedonnert.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Mehr noch: Weil dieser Rat seit gestern wahrscheinlich bereits Massenmeinung geworden ist, erwarte ich von den durch die G7 möglicherweise verkündeten Maßnahmen bestenfalls ein kurzzeitiges Aufbäumen der Aktienmärkte, das nach dem Motto „buy the rumour, sell the fact“ bereits wieder verpuffen dürfte.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<h3><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Fed mit mehr Zinssenkungspotenzial</strong></span></h3>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Nun gab es hierzulande gestern aus dem EZB-Rat Stimmen (de Guindos, Wunsch), die zwar vermittelten, die EZB werde mit all ihren zur Verfügung stehen Instrumenten in geeigneter Weise bereitstehen. Aber es klang auch durch, dass die Zentralbanken nicht so allmächtig seien, dass sie das Virus mal eben erfolgreich bekämpfen könnten. Überhaupt müsse die EZB weder kurzfristig überreagieren oder etwa auf jeden negativen externen Schock reagieren. Ein Tenor, der nicht gerade den Anschein vermittelt, als verfüge die EZB über eine große Batterie an Maßnahmen.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und so wird auch verständlich, warum der Euro gegenüber dem Dollar gestern abermals erheblich zulegen konnte. Da stehen auf der einen Seite die unterschiedlichen Leitzinserwartungen, weil die US-Notenbank noch mehr Munition als die EZB zu haben scheint. Und damit gingen gestern vermutlich auch weitere Auflösungen von Carry Trades einher, die vielerorts auf einen Euro zurückzuführen sind, der als Verschuldungswährung relativ an Attraktivität verliert.</span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Und so konnte die Gemeinschaftswährung die vergangenen sieben Handelstagen in Folge nicht nur ohne Tagesverlust beenden. Vielmehr hat ihr jüngster Aufwärtsimpuls die bisherigen Kursverluste in diesem Jahr fast wettgemacht. Außerdem bleibt der Euro stabil, solange er sich oberhalb von <strong>1,0980</strong> bewegt. Erste gute Nachfrage erwarten wir allerdings bereits bei <strong>1,1080</strong>.</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;"><strong>Hinweis</strong></span></p>
<p><span style="font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 10pt;">Alle genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.</span></p>
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		<title>Gegen den Schwarm</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 14 Apr 2014 17:26:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Contrary Opinion]]></category>
		<category><![CDATA[Herdenverhalten]]></category>
		<category><![CDATA[kognitive Disonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Normabweichung]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Sentiment]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Las kürzlich eine Anzeige, die das Buch Gegen den Schwarm – aus eigener Kraft erfolgreich werden bewarb. Nun habe ich dieses noch nicht gekauft und bislang auch nicht gelesen. Dennoch hat der Titel bei mir einige Assoziationen hervorgerufen. Nicht weil ich einen Ratgeber brauche, um erfolgreicher zu werden. Aber der Begriff „Schwarm“ taucht momentan häufig [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Las kürzlich eine Anzeige, die das Buch <i>Gegen den Schwarm – aus eigener Kraft erfolgreich werden</i> bewarb. Nun habe ich dieses noch nicht gekauft und bislang auch nicht gelesen. Dennoch hat der Titel bei mir einige Assoziationen hervorgerufen. Nicht weil ich einen Ratgeber brauche, um erfolgreicher zu werden. Aber der Begriff „Schwarm“ taucht momentan häufig auf, <span id="more-7081"></span>als Titel des Bestsellerromans von Frank Schätzing und in dem von der Netzgemeinde geschaffenen Kompositum der „Schwarmintelligenz“. Auch die Behavioral Finance beschäftigt sich mit diesem Phänomen, wenn auch unter der Bezeichnung „Herdenverhalten“, etwas, das vor allen Dingen Kommentatoren immer gerne in Anschlag bringen, um das Marktgeschehen zu erklären. Denn unter dieser Metapher kann sich jeder sofort etwas vorstellen. Schon sieht man sie laufen, eine wilde Horde blökender Schafe, die alle in die gleiche Richtung hinter dem Kurstrend herrennen und alles, was sich ihnen in dem Weg stellt, niedertrampeln. Angetrieben werden sie von Normen, denen sich Börsianer nur schwer entziehen können.</p>
<p>Und weil es sich beim Herdenverhalten um einen simplen, überall in der Natur zu beobachtenden Mechanismus handelt, glaubt man aufgrund dieses Verfügbarkeitsirrtums, dieses sei für den smarten Teilnehmer am Aktienmarkt zum eigenen Vorteil relativ leicht ausnutzbar.</p>
<p>Denn zum einen ist man überzeugt, die Masse der Teilnehmer an den Märkten habe sowieso nie recht. Und zum anderen wird behauptet, Herden seien träge und verhielten sich oft irrational. Doch sind das Behauptungen, die schwer nachweisbar sind. Dennoch lassen sich einige wichtige Erkenntnisse aus dem Herdenverhalten gewinnen, zum Beispiel der Umstand, dass dieses durch Normen begünstigt wird. Und diese Normen werden an den Finanzmärkten durch anerkannte und vielbeachtete Analysten begründet. Viele Börsianer richten ihre eigenen Entscheidungen gerne an solchen Mehrheitsmeinungen aus, weil sie sich durch die Akzeptanz dieser Normen selbst bestätigt und bei ihren Entscheidungen sicherer fühlen. Eine Abweichung von diesen Normen bedeutet hingegen, sich mit Unverständnis und Kritik von Seiten der Mehrheit auseinandersetzen zu müssen, und vor allem ein höheres Commitment, eine stärkere Bindung an die eigene Entscheidung, als wenn man mit dem Strom schwimmt, weil man sich damit zu einem eigenen Urteil über die Lage bekennt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wann Contrary Opinion sich auszahlt</b></p>
<p>Dennoch hat sich schon vor vielen Jahrzehnten an den Futures-Märkten die Strategie der so genannten <i>Contrary Opinion</i> etabliert, wonach es sich angeblich auszahlen soll, wenn man seine Meinung gegen die der Masse ausrichtet. Grob gesagt: Wenn die Mehrheit der Börsianer optimistisch ist, solle man besser verkaufen, weil die Herde schon gekauft hat. Ist diese hingegen extrem pessimistisch, sollte man, zumindest diesem Ansatz zu Folge, kaufen. Also gegen den Schwarm handeln. Das hört sich zunächst spannend und profitabel an, weil eine derartige Strategie impliziert, womöglich am Höhepunkt einer Bewegung verkaufen bzw. am untersten Punkt einer Aktienkursentwicklung einsteigen zu können.</p>
<p>Dennoch rate ich, nicht blindlings nach diesem Grundsatz zu handeln. Denn – um im Bild zu bleiben – kann man als Contrarian auch von der Herde schlicht überrannt werden. Aus Sicht der Behavioral Finance erscheint eine derartige Strategie ohnehin nur dann sinnvoll, wenn die Herde groß genug ist <i>und</i> mit ihren Investments schief liegt <i>und</i> so aufgrund ihrer Abneigung dagegen, Verluste zu realisieren (Verlustaversion), in ihrem Handeln  gefesselt bleibt. Ein (wenn auch nicht immer exaktes) Instrument, solche Marktsituationen zu erkennen, stellen Sentiment-Erhebungen dar. Dennoch sind nur wenige Akteure tatsächlich in der Lage, aus solchen Marktgegebenheiten Kapital zu schlagen. Weil sie in diesem Moment einsam sind und von anderen Investoren, die sich der Herde angeschlossen haben, weder argumentativ noch im Handeln bestätigt werden. Mit anderen Worten: Gegen den Strom zu schwimmen kann, sofern sich nicht sofort Gewinne einstellen, ganz leicht zu kognitiver Dissonanz führen. Und die muss man erst einmal aushalten können.</p>
<p>Vielleicht kann man es trainieren, derartige Dissonanzen zu überwinden, um zu einem erfolgreichen Contrarian zu werden. Wenn solche Übungen allerdings tatsächlich zum Erfolg führen und von vielen Menschen kopiert werden könnten, ergäbe sich jedoch eine ganz andere Gefahr: Nämlich zu einem neuen Investoren-Schwarm zu gehören, zu genau so einer Herde, die ebenso blind und geschlossen, nur aber in die andere Richtung rennt.</p>
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