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	<title>Aufmerksamkeit Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Auf dem Weg zum Glück (3)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2015 07:58:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Ablenkung]]></category>
		<category><![CDATA[Almosen]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmerksamkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute möchte ich den letzten Teil der Trilogie zur Bedeutung von Aufmerksamkeit in der Glücksforschung, die mein früherer Mitstreiter, Herman Brodie vor längerer Zeit* erstellt hat, vorstellen. Dieses Mal geht es darum, ob man von einem klammen Mitmenschen, dem man mit einem Geldgeschenk oder einem großzügigen Darlehen aus der Patsche geholfen hat, erwarten darf, dass [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute möchte ich den letzten Teil der Trilogie zur Bedeutung von Aufmerksamkeit in der Glücksforschung, die mein früherer Mitstreiter, Herman Brodie vor längerer Zeit* erstellt hat, vorstellen. Dieses Mal geht es darum, ob man von einem klammen Mitmenschen, dem man mit einem Geldgeschenk oder einem großzügigen Darlehen aus der Patsche geholfen hat, erwarten darf, dass er diese Zuwendung auch sinnvoll verwendet. Spender und Empfänger haben nämlich häufig eine recht unterschiedliche Vorstellung darüber, was sinnvoll ist. Die vorherigen Teile der Trilogie finden Sie übrigens <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck-2/">HIER</a></strong></span>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Aufmerksamkeit Teil 3: Von Almosen und Spendern</strong></h2>
<p><em>von Herman Brodie</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wenn wir etwas kaufen möchten, von dem wir erwarten, dass es uns glücklich machen wird, sollten wir nicht primär darüber nachdenken, ob wir es tatsächlich wollen oder ob das Objekt der Begierde gar zu teuer ist. Vielmehr sollten wir herausfinden, ob das zu Erwerbende unsere Aufmerksamkeit auch in Zukunft, also beim alltäglichen Gebrauch, an sich binden wird. Ist das nicht der Fall, ist es unwesentlich, ob wir das Gekaufte mögen, geschweige denn, was es gekostet hat.</p>
<p>Das Gleiche gilt übrigens auch, wenn wir Geld ausgeben, um Dingen, die wir nicht mögen, aus dem Weg zu gehen. Dabei sollten wir uns weniger um die Intensität noch die Dauer dessen kümmern, was unser Missfallen erregen könnte. Vielmehr ist für uns entscheidend, wie oft solche Gemeinheiten und negativen Dinge unsere Aufmerksamkeit erregen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Ausgabeverhalten armer Menschen, das ich an dieser Stelle etwas näher beleuchten möchte.</p>
<p>Gutmenschen regt wahrscheinlich nichts mehr auf, als wenn sie Bedürftigen ein Almosen zukommen lassen und diese dann das Geld für ein Kabel-TV-Abonnement, Zigaretten oder Lottoscheine ausgeben. Schnell fragt man sich dann: Warum müssen diese Menschen ihre wertvolle Zeit mit sinnlosen Game-Shows und dummen Telenovelas verschwenden, statt ihre Energie etwa für die Jobsuche sinnvoll einzusetzen? Warum tun diese Menschen Dinge, die nachweislich schlecht für ihre Gesundheit sind und ihre Lebenserwartung und ihr Leistungsvermögen senken – bei gleichzeitiger Steigerung der Gesundheitskosten? Aus der Armut hilft ihnen das alles nicht heraus. Warum müssen ausgerechnet diese bemitleidenswerten Leute an Spielen teilnehmen, deren Gewinnchancen einen negativen Erwartungswert haben? Wäre es nicht besser, dieses Geld auf ein Ausbildungskonto für die Kinder einzuzahlen, damit diese später wenigstens eine Chance auf sozialen Aufstieg haben? Kurzum: Warum verwenden die Almosenempfänger Geld nicht genauso sinnvoll wie ihre großherzigen Gönner?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Enttäuschte Spender</strong></p>
<p>Der Grund, warum großzügige und wohlhabende Spender so oft vom Verhalten der von ihnen Beschenkten enttäuscht sind, liegt darin, dass sie sich ein Leben in Armut schlichtweg nicht vorstellen können. Sie vermögen sich einfach kein Bild darüber zu machen, wie es sich anfühlt, stundenlang eine langweilige und schmutzige Arbeit gegen niedrige Bezahlung verrichten zu müssen. Oder wie es ist, in einer heruntergekommenen Wohnung zu leben, sich permanent Sorgen machen zu müssen, was der nächste Tag wohl bringen wird.</p>
<p>Wer kein Geld hat, wird seine ganze Aufmerksamkeit zwangsläufig seiner Armut widmen. Wenn aber so jemand an etwas anderes zu denken versucht, führen ihn die Gedanken automatisch immer wieder zu seinem persönlichen Elend zurück.</p>
<p>Daher bringt jede erfolgreiche Ablenkung von dieser Situation, und sei es auch nur für kurze Zeit, für das Wohlbefinden und die Gesundheit des Betroffenen möglicherweise enorme Vorteile mit sich. Damit möchte ich nicht sagen, Zigarettenkonsum, Glücksspiele und Kabel-Fernsehprogramme seien per se gut. Aber sie haben durchaus positive Eigenschaften, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein mögen. Natürlich können auch Glücksspiele mit geringem Einsatz – wenn man etwa nur eines statt zehn Felder auf dem Lottosschein bespielt – oder preisgünstige Freizeitaktivitäten das gleiche Maß an Ablenkung wie teure Ausflüge bringen. Dennoch kann man nicht davon ausgehen, dass das Ausgabeverhalten der großzügigen Spender und das ihrer armen Nutznießer gleich sind. Denn beide maximieren ihr Glück bzw. minimieren ihr Unglück mit unterschiedlicher Zielsetzung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* (erschien im August 2013 schon einmal unter blognition.de)</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck-3/">Auf dem Weg zum Glück (3)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Auf dem Weg zum Glück (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2015 08:01:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Aufmerksamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Glücksforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute möchte ich Ihnen wie angekündigt den zweiten Teil der Trilogie zur Bedeutung von Aufmerksamkeit in der Glücksforschung, die mein früherer Mitstreiter, Herman Brodie vor längerer Zeit* erstellt hat, vorstellen. In diesem Beitrag geht es darum, wie Ablenkungen die Freude – und damit verbunden auch das Glücksgefühl – über die Erfüllung eines lang gehegten materiellen Wunsches [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck-2/">Auf dem Weg zum Glück (2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Heute möchte ich Ihnen wie angekündigt den zweiten Teil der Trilogie zur Bedeutung von Aufmerksamkeit in der Glücksforschung, die mein früherer Mitstreiter, Herman Brodie vor längerer Zeit* erstellt hat, vorstellen. In diesem Beitrag geht es darum, wie Ablenkungen die Freude – und damit verbunden auch das Glücksgefühl – über die Erfüllung eines lang gehegten materiellen Wunsches mindern können.  Den ersten Teil der Trilogie finden Sie übrigens <a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck/"><span style="text-decoration: underline;"><strong>HIER</strong></span></a>.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<h2><strong>Über die Bedeutung von Aufmerksamkeit II: Der Autokäufer</strong></h2>
<p><em>von Herman Brodie</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Stellen Sie sich einen Auto-Liebhaber vor, der gerade all seine Ersparnisse in einen funkelnagelneuen Sportwagen seiner Träume gesteckt hat. Während er auf dem Parkplatz geradewegs auf das Objekt seiner Begierde zusteuert, bewundert er dessen schnittigen Linien, die Männlichkeit des markigen Kühlergrills, die flimmernden Radkästen, das Geschwindigkeitsversprechen, verkörpert durch die Leichtmetallfelgen und des tiefergelegten Chassis seines Wagens. Sein Puls beschleunigt sich und sein Hals wird trocken. Er öffnet die große Fahrertür und schwingt sich auf den ledernen Sportsitz. Die Präzisionsinstrumente leuchten auf dem Armaturenbrett und der Motor wird auf Knopfdruck angelassen. Er liebkost geradezu das Gaspedal mit der Spitze seines rechten Schuhs: Eine leichte Schwingung erfasst den ganzen Wagen, begleitet von einem kräftigen Aufheulen, scheinbar aus drei Richtungen gleichzeitig. „Ja“ schwärmt unser Enthusiast, „es ist jeden Cent wert“. Dann fährt er los.</p>
<p>Er lernt die Vorzüge einer schnell reagierenden Lenkung zu schätzen, als er plötzlich ein schlecht geparktes Auto umfahren muss. Er gelangt auf die Straße. Das Gaspedal ein weiteres Mal kurz angetippt – wow – aber er ist nicht schnell genug um die Ampel an der nächsten Kreuzung noch passieren zu können. Zumal vor ihm auch noch ein Fahrradfahrer in die Pedale tritt – „mit denen sollte man vorsichtig sein, weil man nie weiß, was diese Vögel als nächstes im Sinn haben“ nimmt er seine Geschwindigkeit vorsichtshalber einen Gang zurück.</p>
<p>Eine Frau in einem SUV hält auf der Spur neben unserem Autofreak. Sie redet eifrig auf ihr Handy ein. Auch er erinnert sich daran, dass er eigentlich noch einen Anruf zu erledigen hätte. Aber er wird damit warten bis er im Büro ist. Denn er ist nicht scharf darauf, seiner Frau wieder einmal erklären zu müssen, warum er sich heute Abend wegen „dringender geschäftlicher Termine“ wieder einmal verspäten würde. Aber wenn er auch in diesem Monat keine besseren Zahlen abliefert, würde ihm dieser widerliche Mensch namens Parker wohl seine nächste Beförderung streichen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Permanente Ablenkung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Leider ist unsere Aufmerksamkeit kein treuer Begleiter, der über alles das wacht, was wir gerne hätten. Viel eher handelt es sich bei ihr um eine Art Schürzenjäger, der sich schnell davonschleicht, um etwa das Gespräch einer Gruppe kichernder Teenager zu belauschen. Unsere Aufmerksamkeit wird sich manchmal regelrecht in einen tiefen Ausschnitt herablassen oder sich um einen muskulösen Body herumwinden. Oder sie wird sich eine Zeit lang im Duft frischgebackener Schneckennudeln aalen. Tatsächlich lässt sich der größte Teil unserer Aufmerksamkeit nicht wirklich steuern. Sie findet Ablenkungen nützlich und wertvoll, aber ist hinsichtlich monetärer Kosten völlig indifferent. Dabei zieht ein einzelnes graues Haar viel leichter die Aufmerksamkeit auf sich, als der teure Haarschnitt, der es umgibt. Genauso erregen die herumliegenden Socken mehr Interesse als der Mahagoniboden, auf den dieselben achtlos hingeworfen wurden. Und der trockene Hautfleck fällt uns mehr auf als die teure Maniküre.</p>
<p>Es dauerte also nicht lange, bis die Aufmerksamkeit unseres Autokäufers von Dingen abgelenkt wurde, die neu, ungewohnt, seltsam, farbig, dramatisch oder sexy waren. Weg von Dingen übrigens, die für ihn einen höheren monetären Wert besaßen. Es war der Moment, von dem an das tolle neue Auto seinen Besitzer nicht weiter glücklich machen sollte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* (erschien im August 2013 schon einmal unter blognition.de)</p>
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		<title>Auf dem Weg zum Glück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2015 13:54:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[Glücksforschung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Es las sich fast schon ein bisschen süffisant, als die Berliner Zeitung auf den gestrigen Bürgerdialog im Berliner Gasometer hinwies, zu dem die Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingeladen hatten. Denn Angela Merkel möchte mit den Bürgern über Lebensqualität sprechen, salopp ausgedrückt mit dem Ziel, das Glück zu finden. Offensichtlich lässt die Bundeskanzlerin [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck/">Auf dem Weg zum Glück</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es las sich fast schon ein bisschen süffisant, als die Berliner Zeitung auf den gestrigen Bürgerdialog im Berliner Gasometer hinwies, zu dem die Kanzlerin Angela Merkel und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingeladen hatten. Denn Angela Merkel möchte mit den Bürgern über Lebensqualität sprechen, salopp ausgedrückt mit dem Ziel, das Glück zu finden.</p>
<p>Offensichtlich lässt die Bundeskanzlerin in ihrem Bestreben, sich für eine wirksamere Politik der Erkenntnisse der Behavioral Economics zu bedienen, trotz vieler hämischer Kommentare (vgl. etwa mein Blogbeitrag <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/">HIER</a></span></strong>), nicht abbringen. Und weil es ganz im Stile der Town Hall Meetings in den USA am Ende um die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen hierzulande gehen soll, sind natürlich auch die Erkenntnisse der Glücksforschung gefragt.</p>
<p>Ein Grund mehr, an dieser Stelle noch einmal eine Trilogie meines früheren Mitstreiters Herman Brodie aufzugreifen, die sich mit einem wichtigen Thema in Sachen Glück, nämlich der Bedeutung von Aufmerksamkeit, beschäftigt.</p>
<p>Hier der erste Teil* :</p>
<p>&nbsp;</p>
<h2><strong>Über den Einfluss von Aufmerksamkeit bei politischen Strategien</strong></h2>
<p><strong> </strong><em>von Herman Brodie<strong><br />
</strong></em></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Oskar Wilde beschrieb einmal den Zyniker als einen Menschen, der von allem den Preis und von nichts den Wert kennt. Der Schriftsteller sinnierte auch über Glück<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, aber leider gibt es von ihm keine vergleichbare Definition zur Bedeutung von Aufmerksamkeit: Sie kennt den Wert von allem, aber den Preis von nichts. Gerade für die Suchenden nach dem großen Glück sollte das Thema Aufmerksamkeit eine wichtige Rolle spielen. Denn wenn die zahlreichen Studien zur Glücksforschung uns eines gelehrt haben, ist es ist es die Erkenntnis, dass weder Freude noch Trauer, Vergnügen noch Schmerz entstehen können, sofern man nicht zuvor darauf aufmerksam geworden ist.</p>
<p>Professor Paul Dolan von der London School of Economics arbeitet sehr eng mit der offiziellen britischen Statistikbehörde, dem Office for National Statistics (ONS) zusammen. Doch wenn die Menschen etwa im Rahmen einer staatlich in Auftrag gegebenen Erhebung danach gefragt werden, was ihnen wichtig sei, zeigt sich der Professor sehr kritisch. Denn allein schon, wenn Menschen eine bestimmte Frage gestellt bekommen, denken Sie schnell über etwas nach, an das sie normalerweise womöglich gar nicht gedacht hätten. Weil ihre Aufmerksamkeit in diesem Augenblick auf eine ganz bestimmte Sache gelenkt und so mit einem Male und meist nur für diesen kurzen Zeitraum der Erhebung wichtig wird. Bereits kurz danach ist das Gefragte schnell vergessen und spielt so für den Interviewten keine Rolle mehr. In der Konsequenz führt dies dazu, dass eine auf der Umfrage basierende politische Strategie mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Realität vorbeigehen wird, weil sie die Menschen nur wenig kümmert. Mit den Worten Daniel Kahnemans ausgedrückt: „Nichts ist im Leben so wichtig wie man denkt, wenn man mal darüber nachdenkt“.</p>
<p>Professor Dolan führte etwa eine Studie durch, um herauszufinden wie sehr der monetäre Wert eines Autos und das Vergnügen, das dieses seinem Besitzer stiftet, zusammenhängen könnten. Er fragte Autofahrer ganz einfach, wie viel Spaß ihnen ihr Auto bereiten würde. Als er die Antworten mit einem objektiven Maß, dem monetären Wert der Autos, verglich, entdeckte er eine positive Korrelation von 40 Prozent. Anders ausgedrückt: Je teurer die Autos, desto größer das Fahrvergnügen.</p>
<p>Doch als der Professor die Frage nur ein wenig abwandelte, änderten sich die Antworten dramatisch: „Wie viel Spaß machte ihnen ihr Wagen, als sie ihn <em>das letzte Mal</em> fuhren?“ Nun war die Korrelation von Fahrvergnügen und Wert des Autos praktisch null – es gab keinen Zusammenhang. Offenbar machte den befragten Personen das Autofahren nur Spaß, wenn sie über die Eigenschaften ihres Fahrzeugs nachdachten, also ihre Aufmerksamkeit darauf gelenkt wurde – ansonsten nicht.</p>
<p>Aus diesem Grund meldet Professor Dolan große Bedenken zu einer staatlichen Politik an, die sich nach Umfragen des Typs „Wie viel sind Sie bereit zu bezahlen, um einen Vorteil X zu bekommen oder einen Nachteil Y zu vermeiden?“ stützen. Viele Menschen kommen nämlich erst auf die Idee, überhaupt über einen Vorteil X oder Nachteil Y nachzudenken, <em>nachdem</em> diese Frage gestellt wurde. Mit der so initiierten Aufmerksamkeit bekommen manche Dinge also eine Bedeutung, die sie normalerweise nie bekommen hätten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> „Some cause happiness wherever they go, others whenever they go“, Oscar Wilde – „Manche verbreiten Glück wo auch immer sie hingehen, andere wann auch immer sie gehen“</p>
<p>* (erschien im August 2013 schon einmal unter blognition.de)</p>
<p><strong>Der zweite Teil der Trilogie folgt am kommenden Dienstag</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/auf-dem-weg-zum-glueck/">Auf dem Weg zum Glück</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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