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	<title>Angela Merkel Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Eine Couch ins Kanzleramt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2014 14:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/">Eine Couch ins Kanzleramt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. Da verkündet die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragt, ob die Kanzlerin wohl auf die Couch müsse; sogar von einem möglichen Burnout Merkels ist die Rede. In vielen Reaktionen klingt an, dass man die Aufstockung des Beraterstabs im Kanzleramt als Anzeichen für eine wachsende Ratlosigkeit der Regierenden deutet, so als suchten diese verzweifelt nach einem Ausweg aus der Alternativlosigkeit der eigenen Politik. Zahlreiche Bürger lassen zudem unverblümt durchblicken, dass sie von Psychologie nichts halten. So gaben in einer Umfrage von t-online etwa zwei Drittel von 1926 Teilnehmern an, dass sie es als unsinnig ansehen, wenn Psychologen den Politikern dabei helfen, neue Strategien für „wirksameres Regieren“ zu entwickeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>„Anstupsen“ ist nicht neu</strong></p>
<p>Aber geht es der Kanzlerin wirklich nur um eine neue PR-Strategie, um ihre Politik künftig besser an den Wähler verkaufen zu können? Oder sinnt sie vielleicht wirklich auf neue Wege in der Sozial- und Wirtschaftspolitik? Sie wäre dabei mitnichten die erste Regierungschefin, die sich der Erkenntnisse der Behavioral Finance bedient, denn der Grundstein einer verhaltensorientierten Politikberatung ist andernorts schon längst gelegt worden. So haben etwa der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein die so genannte Methode des „Anstupsens“ im Jahre 2008 in ihrem Buch „Nudge“ eindrucksvoll dargestellt. Eine Methode, die übrigens immer mehr Anhänger findet, auch innerhalb der Regierung Obamas, die seit Jahren von verhaltensorientierten Ökonomen beraten wird. Und auch der britische Premier David Cameron lässt sich bereits seit 2010 regelmäßig von seinem „Behavioral Insights Team“ Handlungsempfehlungen erteilen.</p>
<p>Unter „Nudge“ versteht man das geschickte Platzieren von Anreizen und Argumenten, um auf diese Weise dem Bürger einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, damit er „bessere“ Entscheidungen trifft. Dadurch sollen unter anderem langfristig die Staatsausgaben gesenkt werden. Denn es zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen treffen, die man nicht gerade als optimal bezeichnen möchte. Oft sind sie sich dabei nicht über ihre Motive im Klaren, wodurch sie beeinflussbar werden. Mitunter verlieren sie im Dickicht der Statistiken und widersprüchlichen Argumente auch den Überblick.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keine Tricks</strong></p>
<p>Diese auch als „libertärer Paternalismus“ bezeichnete Methode ist jedoch bei vielen traditionellen Volkswirten verpönt, weil der Staat ihrer Meinung nach Wortsinne nur das Beste von seinen Bürgern möchte und diese angeblich durch psychologische Tricks dahingehend manipuliert, ihm das auch zu geben. Im Grunde versucht die Politik beim so genannten Anstupsen jedoch lediglich, eine Entscheidungssituation argumentativ so aufzubereiten, dass das Handeln der Menschen unmerklich in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ohne dabei die Freiheit des Einzelnen wirklich anzutasten. Tatsächlich macht der libertäre Paternalismus den Entscheidern keinerlei Vorschriften.</p>
<p>Dennoch kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts einen enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben. So bewerten Menschen beispielsweise Verluste schwerer als Gewinne in gleicher Höhe. Es spielt also durchaus eine Rolle, ob man ein Glas als halb vor oder halb leer präsentiert.</p>
<p>Ob nun der libertäre Paternalismus ethisch einwandfrei ist oder nicht – darüber kann man durchaus diskutieren. Marketingstrategen gibt es ohnehin nicht erst seit gestern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Psychologie nicht salonfähig?</strong></p>
<p>Dass sich Frau Merkel künftig die Erkenntnisse der Entscheidungspsychologie zunutze machen möchte, bedeutet beileibe nicht, dass sie sich jetzt im „Guru-Modus“ befindet, wie ein Kommentator schrieb. Sie hat damit vielmehr endlich nachgeholt, was in anderen Ländern längst „state of the art“ ist. Solche Reaktionen belegen vor allem, dass man sich vielerorts unter Verhaltensökonomik noch immer nicht viel vorstellen kann. Ganz zu schweigen davon, dass die Psychologie hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch nicht akzeptiert wird, obwohl Depression die häufigste Erkrankung unter Deutschen ist, an der Schätzungen zufolge 40 bis 50 Millionen Bundesbürger leiden sollen. Die Einlassungen des Regierungssprechers zu dem neuen Beraterstab seiner Chefin dürften dabei auch nur wenig zielführend gewesen sein, denn er soll während der Bundespressekonferenz die Aufgabe dieses Teams mit den vielsagenden Worten umschrieben haben: „Es geht um die Beobachtung menschlichen Verhaltens – da haben sich viele Forscher mit befasst.“ Um sofort die Bitte an die versammelten Journalisten anzufügen, sie möchten doch bitte keine weiteren Fragen zu diesem Thema stellen, weil es sie womöglich „langweilen oder überfordern“ könnte. Das zeigt vor allem eines: Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht mit einem Stups in die richtige Richtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Beispiel aus der Praxis</strong></p>
<p>Zum Glück muss ich bei den Stimmungserhebungen, die ich in jeder Woche in Zusammenarbeit mit der Börse Frankfurt durchführe, niemanden mehr von der Sinnhaftigkeit der Verhaltensökonomik überzeugen. Denn es handelt sich bei dieser Umfrage durchaus um eine aufschlussreiche und mitunter profitable praktische Anwendung dieser mich stets von neuem faszinierenden wissenschaftlichen Disziplin. Die jüngste Sentiment-Umfrage habe ich übrigens <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+rallye+der+privatanleger+72342">HIER</a></strong> kommentiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>RoKos Rückkehr</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jul 2010 08:19:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Von der Seitenlinie]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Kognitive Dissonanz]]></category>
		<category><![CDATA[Regret]]></category>
		<category><![CDATA[Roland Koch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Mit Ole von Beust hat Kanzlerin Angela Merkel nun ihren sechsten Ministerpräsidenten innerhalb eines Jahres verloren. Aber der aus psychologischer Sicht interessanteste unter ihnen, ist der Dritte in der Reihe, der vor gut zwei Monaten seinen Rückzug von allen politischen Ämtern Valuta Jahresultimo angekündigt hat. Sicherlich können Sie sich denken, von wem die Rede ist. [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Mit Ole von Beust hat Kanzlerin Angela Merkel nun ihren sechsten Ministerpräsidenten innerhalb eines Jahres verloren. Aber der aus psychologischer Sicht interessanteste unter ihnen, ist der Dritte in der Reihe, der vor gut zwei Monaten seinen Rückzug von allen politischen Ämtern Valuta Jahresultimo angekündigt hat. Sicherlich können Sie sich denken, von wem die Rede ist. <span id="more-237"></span>Es handelt sich um Roland Koch, Noch-Ministerpräsident, der sich sicherlich zu Höherem berufen fühlte, als Hessens Geschicke zu lenken. Doch Finanzminister hätte ihm vermutlich auch nicht gereicht. Und das Kanzleramt? Das gibt Frau Merkel bestimmt nicht her. Roland Koch, dem man nachsagt, er könne ohne Politik nicht leben, ist also tatsächlich in die freie Wirtschaft unterwegs. Und wie sich schon nach kurzer Zeit herausstellen sollte, hat er offenbar ein Supertiming gehabt. Besser als viele Börsianer. Die Wahl in Nordrhein-Westfalen war für seine Partei ohnehin gerade verloren, und seither ging es in den Umfragen für die schwarz-gelbe Koalition eigentlich immer nur bergab. Bis zum bisherigen traurigen Tiefpunkt, der Bundespräsidentenwahl in drei Anläufen. Nein, RoKo, wie ihn manche Junge-Unionler ebenso ehrfürchtig wie liebevoll nennen, hatte nicht nur das sinkende Stimmungsschiff rechtzeitig verlassen, er muss auch der Entscheidungsalternative, weiterzumachen, keine Träne nachweinen. Kurzum: Psychologisch gesehen befindet er sich in einer recht angenehmen Situation, da weit und breit kein Argument zu entdecken ist, das ihn seinen Abschied aus der Politik bedauern (Regret) lassen könnte. Vielmehr wartet in der freien Wirtschaft der ein oder andere lukrative Job auf ihn. Ein rundum komfortables  (konsonantes) Erlebnis.</p>
<p>Bereits am vergangenen Wochenende wurden aus der CDU Stimmen laut, Koch solle doch seinen Entschluss noch einmal überdenken. Das wäre wie „Gewinne einstreichen“. „Viel zu früh!“, winkt er aber sofort ab. Zumal sich das Tor zur Macht in den vergangenen Tagen bestenfalls in den Medien ein bisschen geöffnet hat. Recht hätte er jetzt schon mit seinem Rücktritt gehabt – ein mentaler Gewinn, aber zu gering, um die hedonistische Wahrnehmungsschwelle überschreiten zu können.</p>
<p>Und so werden sich die Rufer damit abfinden müssen, dass RoKo noch zwei, drei Mal die Rückkehrwünsche seiner Parteifreunde abweisen wird. Aber selbst wenn die Kanzlerin in höchster Not als größtmögliches Opfer ihren Stuhl für ihn freimachen würde, hätte Koch zwar einen Machtgewinn und das einzige Amt im Staat, das er für sich als angemessen erachtet. Und vielleicht erläge er ja dieser Versuchung. Der maximale mentale Gewinn würde realisiert. Aber wäre er nicht noch viel mächtiger als Drahtzieher in der freien Wirtschaft? Mit dem Recht, sich immer wieder mit erhobenem Zeigefinger in die Tagespolitik einmischen zu dürfen: „Hättet Ihr damals auf mich gehört – Ihr wäret heute besser dran!“ So spricht Einer, der schon immer alles hat kommen sehen.</p>
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		<title>Unfall ohne Folgen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 20:10:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Verschiedenes]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Bundespräsident]]></category>
		<category><![CDATA[Kontrollillusion]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Drei Wahlgänge mussten es  sein, bis sich die Bundesversammlung für unseren neuen Bundespräsidenten Christian Wulff entschieden hatte. Und das Geschrei der Kommentatoren hinterher war groß: Nicht nur beschädigt, nein sogar schwer beschädigt sei Bundeskanzlerin Angela Merkel nun, war vielerorts zu vernehmen. Natürlich ist die schier endlos anmutende Prozedur am gestrigen Tag nicht gerade als  Glanzstück [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Drei Wahlgänge mussten es  sein, bis sich die Bundesversammlung für unseren neuen Bundespräsidenten Christian Wulff entschieden hatte. Und das Geschrei der Kommentatoren hinterher war groß: Nicht nur beschädigt, nein sogar schwer beschädigt <span id="more-799"></span>sei Bundeskanzlerin Angela Merkel nun, war vielerorts zu vernehmen.</p>
<p>Natürlich ist die schier endlos anmutende Prozedur am gestrigen Tag nicht gerade als  Glanzstück der Regierungskoalition zu bezeichnen. Dass im ersten Wahlgang alte Rechnungen beglichen werden mussten, war klar. Danach hieß es aus Koalitionskreisen im übertragenen Sinn: „Ihr Abweichler habt Euren Spaß gehabt, aber jetzt machen wir  Ernst“. Von Corpsgeist und anderen Werten war die Rede. Und als auch noch nach dem zweiten Wahlgang kein Präsident gewählt war, glaubte vermutlich die Mehrheit der Beobachter an ihr Bauchgefühl.</p>
<p>Für manchen roch es schon nach einer Sensation: Der Super-Gau(ck)? Ja.  Aber die Linken müssen mitmachen. „Denen ist alles zuzutrauen“, war beim Experten meines Lieblingssenders zu hören. Also für den ungeliebten Gegenkandidaten stimmen &#8211; auch wenn der schon immer kritisiert hat, was man heute noch verteidigt. Quasi als Rache für alle Benachteiligten in unserer Gesellschaft? Damit wäre die Regierungskoalition blamiert, wenn nicht erledigt gewesen. Und die Kanzlerin hätte womöglich ihren Sessel räumen müssen. Die hohe Politik, ein  Dominospiel, meinten viele: Wenn der Wulff wackelt, dann kippt auch die Merkel um. Und mit ihr die ganze Koalition.</p>
<p>Doch das Leben ist kein Dominospiel. Auch wenn viele Menschen glauben, die Folgen ihres Handelns bis zum letzten fallenden Stein in der Kausalitätskette genau voraus berechnen zu können &#8211; das nennt man Kontrollillusion oder, weniger freundlich, eine Allmachtsfantasie.</p>
<p>Aber am Ende hat es Wulff doch geschafft, mit absoluter Mehrheit sogar. Und diejenigen, die ihn und Merkel schon für erledigt hielten, landeten auf dem harten Boden der Realität. Aber ein bißchen recht wollte man doch gehabt haben. Also musste die Kanzlerin als stark beschädigt gelten. Ist sie das? Schließlich hat sie  doch ihren Kandidaten durchgesetzt. Und muss sie wegen des Beinahe-Debakels  Konsequenzen fürchten? Fragt sich nur, welche.</p>
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