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	<title>Marketing Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>DAX-Sentiment vom 26. Juni</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jun 2019 15:21:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Im Großen und Ganzen lässt sich behaupten, dass zuletzt vor allen Dingen die geldpolitische Linie der US-Notenbank die Finanzmärkte, abseits aller sonstigen Erwägungen, in ihren Bann gezogen hat. Und davon haben die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks zumindest bis zum Ende der vergangenen Woche profitiert. Obgleich die Fed den Leitzins unverändert gelassen hatte, wurde [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Im Großen und Ganzen lässt sich behaupten, dass zuletzt vor allen Dingen die geldpolitische Linie der US-Notenbank die Finanzmärkte, abseits aller sonstigen Erwägungen, in ihren Bann gezogen hat. Und davon haben die Aktienmärkte dies- und jenseits des Atlantiks zumindest bis zum Ende der vergangenen Woche profitiert. Obgleich die Fed den Leitzins unverändert gelassen hatte, wurde in ihrem Statement und auch in den Projektionen so etwas wie eine&#8230; lesen Sie <strong><a href="https://www.boerse-frankfurt.de/news/dbc44328-889a-41c3-b6da-1a8164da6b1b" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="color: #000000;">HIER</span></a></strong> weiter oder verfolgen Sie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=AftV5UPXYFs&amp;feature=em-uploademail" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="color: #000000;"><strong>HIER</strong></span></a> meinen Skype-Kommentar für die Börse Frankfurt.</p>
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		<title>Trump-o-logy</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Nov 2016 14:55:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Phänomen Donald Trump beherrscht auch zwei Wochen nach der Wahl die Schlagzeilen in den Medien ebenso wie die Finanzmärkte. Dabei fällt auf, dass die Wall Street einerseits eine ausgelassene Trump-Party feiert (Börsenzeitung) und dem US-Aktienmarkt vor lauter Euphorie gestern im morgendlichen Newsletter des Handelsblatts gar ein 15-prozentiger Anstieg seit dem Wahltag bescheinigt wurde, den [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-9300 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/11/Senti_23112016-300x114.jpg" alt="senti_23112016" width="300" height="114" />Das Phänomen Donald Trump beherrscht auch zwei Wochen nach der Wahl die Schlagzeilen in den Medien ebenso wie die Finanzmärkte. Dabei fällt auf, dass die Wall Street einerseits eine ausgelassene Trump-Party feiert (Börsenzeitung) und dem US-Aktienmarkt vor lauter Euphorie gestern im morgendlichen Newsletter des Handelsblatts gar ein 15-prozentiger Anstieg seit dem Wahltag bescheinigt wurde, den ich in dieser Größenordnung offenbar verpasst haben muss.</p>
<p>Andererseits wird dem hiesigen DAX offenbar eine Konsolidierungszone zum Verhängnis, aus der er trotz aller Jubelrufe aus den USA bislang nicht nach oben ausbrechen möchte. „Langsam wird es peinlich“, konstatierte etwa ard.boerse.de diesbezüglich online. Dabei haben sich im Vergleich zum S&amp;P 500 sowohl der EURO STOXX 50 als auch der DAX gemessen an den Monatstiefs kurz vor oder nach dem Wahltag bislang nicht schlechter geschlagen. Aber ein 6-prozentiger Kursanstieg innerhalb einer sehr breiten, seit Wochen anhaltenden Konsolidierung klingt fast schon etwas langweilig. Dies scheinen die von der Börse Frankfurt allwöchentlich befragten Akteure aber immer noch positiv zu sehen – meinen Kommentar dazu können Sie dieses Mal <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Party-ohne-Musik-1654404" target="_blank"><span style="color: #ff0000;"><strong>HIER</strong></span></a> abrufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Die Videobotschaft</strong></p>
<p>Natürlich kann man sich die Frage stellen, warum ausgerechnet Europa bzw. Deutschland von einem Wahlsieg Donald Trumps profitieren sollten. Denn trotz aller geplanten fiskalpolitischen Maßnahmen des designierten US-Präsidenten, sollte man selbst angesichts eines damit verbundenen Aufwärtstrends des US-Dollar und den damit möglicherweise erwarteten steigenden Erlösen für die europäische Exportwirtschaft nie vergessen: Amerika comes first. Und im Zweifel müssen andere [angesichts möglicherweise drohender Handelsbarrieren] aus den USA draußen bleiben.</p>
<p>Jetzt werden mir gleich wieder einige sagen, ich solle doch nicht so pessimistisch sein, denn auch Donald Trump sei doch bereits dabei, zurück zu rudern. Tatsächlich hatte dieser gestern in einer Videobotschaft die Prioritäten für die ersten 100 Tage seiner Amtszeit dargestellt. Kommentatoren mögen darin nichts Überraschendes gefunden haben und sogar darauf verweisen, dass es wichtiger sei, darauf zu achten, worauf Trump in seiner Botschaft <strong><em>nicht</em> </strong>eingegangen sei. Mag sein, dass in dem etwa zwei-minütigen Videoclip nicht mehr die Rede von einer Mauer an der Grenze zu Mexiko ist. Auch dass die im Wahlkampf angekündigte Abschaffung von „Obamacare“ nicht mit einem Wort erwähnt wurde. Ganz zu schweigen von anderen von vielen als radikal empfundenen Maßnahmen. Kein Waterboarding also?</p>
<p>Dass all dies keine Erwähnung gefunden hat, heißt nicht, dass es nicht kommt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Rabatte und Mentale Konten wirken </strong></p>
<p>Ich höre schon wieder die Stimmen, die mir weismachen wollen, dass der Mann eigentlich gar nicht so schlimm sei. Dies mag, gemessen an den durch den Wahlkampf extrem gesetzten Referenzpunkten, sogar eine relative Verbesserung sein. Nein, Donald Trump verkauft uns nicht die nackte Wahrheit, sondern eine extreme Vision, reduziert um einen kleinen Rabatt, aber am Ende mit dem gleichen Ergebnis. Genau so, wie man eben einen Gebrauchtwagen verkaufen muss.</p>
<p>Die mentale Kontoführung sorgt dafür, dass wir den Rabatt aus einem überhöhten Verkaufspreis separat und deshalb wie einen Gewinn wahrnehmen. Genauso verhält es sich mit der Einladung der Chefs der wichtigsten Nachrichtensender von Trumps Gnaden am Montag, der bei dieser Gelegenheit seinen Gästen dem Vernehmen nach, obwohl „off the records“, der Lüge bezichtigte und so richtig den Kopf gewaschen haben soll, nur um einem seiner offenkundigen Gegner einen Tag später zu bedeuten, dass er doch alle ganz lieb habe und seine journalistischen Gäste ein großartiges Juwel für Amerika, ja, die ganze Welt seien.</p>
<p>Soll doch da noch jemand von einer bevorstehenden Einschränkung der Pressefreiheit fabulieren. Ich ziehe es jedenfalls vor, statt mich mit diesen Spiegelfechtereien zu beruhigen, mich nicht auf das zu konzentrieren, was Trump sagt, sondern darauf, was er tut. Und da muss man sich nur die von ihm geplante Besetzung der Schlüsselpositionen seiner Regierung ansehen, um zu begreifen, was in den USA trotz anderslautender Beteuerungen zu erwarten ist.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/trump-o-logy/">Trump-o-logy</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Mit (S)pass durch London</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Aug 2016 13:56:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<category><![CDATA[Aggregation von Verlusten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Habe unlängst mit meinen Kindern Urlaub in der Nähe von London gemacht. In der Regel sind Städtereisen meist ja nicht so besonders erholsam, doch wir verbrachten zehn angenehme Tage in einem netten Reihenhaus am Rande des beschaulichen Stadtteils Greenwich. So ein Besuch in einer Weltstadt will natürlich gut vorbereitet sein, angefangen mit der Oyster Card [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8921 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg" alt="Big Ben" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben.jpg 802w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Habe unlängst mit meinen Kindern Urlaub in der Nähe von London gemacht. In der Regel sind Städtereisen meist ja nicht so besonders erholsam, doch wir verbrachten zehn angenehme Tage in einem netten Reihenhaus am Rande des beschaulichen Stadtteils Greenwich. So ein Besuch in einer Weltstadt will natürlich gut vorbereitet sein, angefangen mit der Oyster Card für den öffentlichen Nahverkehr, die jedem London-Besucher unbedingt zu empfehlen ist. Und da ich mich noch an die langen Warteschlangen vor den großen Museen und Sehenswürdigkeiten während meines jüngsten Aufenthalts in Paris erinnern konnte, war es nur natürlich, dass ich mir vor unserer Abreise nach Großbritannien Eintrittskarten zu den wichtigsten Londoner Attraktionen sichern wollte.</p>
<p>Man braucht im Internet tatsächlich nicht lange zu suchen, da sticht einem die Homepage des „London Pass“ ins Auge. Und ganz schnell wird deutlich, dass nicht nur viele Sehenswürdigkeiten mit diesem Pass kostenlos besichtigt werden können, für die man selbst mit einer kleinen Familie im teuren London normalerweise Hunderte britischer Pfund innerhalb weniger Tage berappen müsste. Warteschlangen vor den Museen? Nicht mit dem London Pass, so die Werbung. Und je länger die Laufzeit des Passes, desto billiger sei der ganze London-Urlaub pro Tag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Homo oeconomicus in Urlaub?</strong></p>
<p>Da ich als Freund der Verhaltensökonomik zur Erhöhung des eigenen Wohlbefindens immer peinlich genau darauf achte, Kosten zu bündeln, entschied ich mich für die 10-Tages-Variante des London Pass, bei der sich der Preis von anfänglich 59 für einen einzigen Tag am Ende auf etwas mehr als 15 Pfund pro Tag ermäßigte. Pro Person versteht sich. Als ich dann auch noch auf die Gesamtbestellung einen anständigen, natürlich nur kurzfristig erhältlichen Rabatt erhielt, war auch der mentalen Kontoführung genüge getan. Denn die Anbieter solcher Produkte wissen natürlich ganz genau, dass ein Rabatt bei solch deftigen Summen zumindest am Ende das angenehme Gefühl hinterlässt, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Was noch viel besser war: Wenn wir es extrem geschickt anstellten und tatsächlich alle Attraktionen des London Pass ausnutzen würden, hätte jeder homo oeconomicus über 18 Jahre fast 900 Pfund in 10 Tagen sparen können, aber vermutlich nicht wirklich Spaß gehabt.</p>
<p>Denn die Realität war eine andere. Schnell begriffen wir, dass man in Windeseile durch London hetzen muss, wenn man tatsächlich in den Genuss aller angebotenen Preisvorteile kommen möchte. Und meine älteste Tochter rechnete beflissen aus, wie viele Minuten wir wo höchstens verbringen dürften, um das meiste aus dem Pass heraus zu holen. Aber es dauerte nicht einmal einen halben Tag, bis wir alle in eine Art Generalstreik verfielen und nicht mal mehr noch ganz schnell vor Toresschluss Traitors&#8216; Gate im Tower passieren wollten. Der botanische Garten? Hätte jeden von uns ein paar Pfund erspart, aber keiner wollte deswegen eine längere U-Bahnfahrt antreten. Die Doppeldecker-Bustour hätte ich normalerweise auch nicht gemacht, und fast wurde ich ein wenig misslaunig, als der Bus minutenlang im Londoner Verkehr mitten in einer Straßenschlucht steckenblieb.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keine Warteschlangen</strong></p>
<p>Und die große Zeitersparnis langer Schlangen vor den Museen? Ich durfte erfahren, dass es keiner sogenannten Fast Lane bedurfte, um schneller als andere in die Modern Tate zu gelangen – der Eintritt war nämlich wie bei vielen anderen Museen frei. Und der vom London Pass in Aussicht gestellte Audioguide war leider auch nicht verfügbar, weil das Lesegerät für unsere London-Pässe gerade kaputtgegangen war. Längst hatten wir die monetären Vorteile vergessen, zumal uns die Jagd auf weitere Schnäppchen in Rekordzeit jeglichen Erholungsspaß verdarb. Nein, wir waren ganz bestimmt auch nicht (wie viele andere) auf der Jagd nach Pokémon durch London.</p>
<p>Ganz davon zu schweigen, dass der London Pass ausgerechnet für die ganz großen, vor allem bei Kindern beliebten Attraktionen wie London Eye (abgesehen von einem Mini-Rabatt), Madame Tussaud‘s oder das Gruselkabinett The London Dungeon nicht galt. Mit anderen Worten: Nach ein paar Tagen geriet das Joch des London Passes glücklicherweise ein wenig in Vergessenheit. Wenn da nicht meine älteste Tochter gewesen wäre, die am Tag Nummer 9 lakonisch feststellte: Break-even erreicht!</p>
<p>Endlich waren die Kosten des Passes mittels gesparter Eintrittsgelder ausgeglichen. Auf die Jagd nach mehr hatten wir bewusst verzichtet. Denn wir wollten einfach nur das was einen Urlaub ausmacht: Spaß, Entspannung, Erholung, in den Tag hineinleben und einfach tun und lassen können, wie es einem gerade gefällt.</p>
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		<title>Wochenausblick vom 8. Dezember 2014</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Dec 2014 07:19:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Dass die Behavioral Economics auf dem Vormarsch ist und weltweit eine immer größere Bedeutung erlangt, zeigt der Jahres-Entwicklungsbericht 2015 der Weltbank. Dieser beschäftigt sich eingehend mit Erkenntnissen und Anwendungsmöglichkeiten der Behavioral Economics in der Praxis der Entwicklungspolitik. Der Report ist Anfang Dezember ...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass die Behavioral Economics auf dem Vormarsch ist und weltweit eine immer größere Bedeutung erlangt, zeigt der Jahres-Entwicklungsbericht 2015 der Weltbank. Dieser beschäftigt sich eingehend mit Erkenntnissen und Anwendungsmöglichkeiten der Behavioral Economics in der Praxis der Entwicklungspolitik. Der Report ist Anfang Dezember unter dem Titel &#8222;Mind, Society, and Behavior&#8220; (<span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.worldbank.org/en/news/feature/2014/12/02/world-development-report-2015-explores-mind-society-and-behavior">HIER</a></strong></span>) erschienen.</p>
<p>Meinen neuesten Wochenausblick (Goldbergs Wochenausblick), den ich allwöchentlich für die WGZ-Bank für DAX und EURO STOXX 50 erstelle, können Sie wie immer <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html">HIER</a></strong></span> abrufen. Die heutigen Themen: <em>Dissens und drohende Demontage</em> und <em>Ölpreise halten EZB auf Trab</em>.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/wochenausblick-vom-8-dezember-2014/">Wochenausblick vom 8. Dezember 2014</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Die schwarze Null (2)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Dec 2014 08:44:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der Eurozone herrschen Wachstumssorgen und Deflationsgefahren. Dabei bemüht sich die Europäische Zentralbank redlich, zumindest den Eindruck zu erwecken, sie werde im kommenden Jahr mit einem echten quantitativen Lockerungsprogramm (QE) in Form von Staatsanleihekäufen beginnen. Doch ist es dem EZB-Präsidenten bislang offenbar aber nicht gelungen, alle Mitglieder des EZB-Rats und offenbar auch nicht die Mehrheit [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-schwarze-null-2/">Die schwarze Null (2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In der Eurozone herrschen Wachstumssorgen und Deflationsgefahren. Dabei bemüht sich die Europäische Zentralbank redlich, zumindest den Eindruck zu erwecken, sie werde im kommenden Jahr mit einem echten quantitativen Lockerungsprogramm (QE) in Form von Staatsanleihekäufen beginnen. Doch ist es dem EZB-Präsidenten bislang offenbar aber nicht gelungen, alle Mitglieder des EZB-Rats und offenbar auch nicht die Mehrheit des Direktoriums die Mehrheit des Direktoriums von seiner Mission zu überzeugen. Die größten Gegner eines derartigen Programms kommen aus Deutschland in Gestalt des Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann und des EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger daher. Ihr Dauervotum zu einem Ankauf von Staatsanleihen lautet klar und deutlich: Nein. Aber auch andere EZB-Verantwortliche wollen erst einmal abwarten, ob die jüngst begonnenen Maßnahmen (Ankauf von Covered Bonds und ABS) nicht doch noch erfolgreich sein werden.</p>
<p>Man mag natürlich berechtigte Zweifel daran hegen, dass ein quantitatives Lockerungsprogramm à la QE zum gewünschten Erfolg führen wird. Aber ich vermisse bei den Gegnern dieser Programme eine konkrete Alternative, wie man der derzeitigen Probleme Herr werden kann. Auch behaupten die meisten QE-Gegner, es drohe derzeit gar keine Deflationsgefahr. Gleichzeitig ist ein Signal aus der EZB klar und deutlich zu vernehmen: Leute, hört auf zu sparen, sonst gibt es Strafzinsen!</p>
<p>Natürlich kann man es nur begrüßen, wenn Finanzminister Schäuble für das Jahr 2015 einen Haushalt mit einer schwarzen Null (vergleiche meinen Blogbeitrag <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="https://www.joachim-goldberg.com/falsche-ehrfurcht-vor-der-schwarzen-null/">HIER</a></strong></span>) zum ersten Mal seit Jahrzehnten vorweisen kann. Und für das Erreichen dieses Ziels werden anscheinend alle Hebel in Bewegung gesetzt. Auch indirekte Steuererhöhungen (für echte hätte man vielerorts und auch in Deutschland selbst angesichts der Probleme in der Eurozone nur wenig Verständnis) sind kein Tabu.</p>
<p>So habe ich dann doch über Zeitungsberichte gestaunt, denen zufolge man im Finanzministerium offensichtlich zumindest im Kleinen ausgesprochen kreativ geworden zu sein scheint. Ich kann nicht beurteilen, wie viel Geld bei diesen kleinen Nadelstichen, die auch nicht jedem Steuerzahler zugemutet werden, herausspringen wird. Eines ist indes sicher: Es wird alles komplizierter und die Vorschläge sind unpopulär. Ich rege mich nicht darüber auf, wenn einige betriebliche Weihnachtsfeiern nicht mehr stattfinden können, weil künftig die Voraussetzung für das Ausschöpfen der Freibeträge seitens der Arbeitgeber an bestimmte Bedingungen (vgl. <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/jahressteuergesetz-das-aus-fuer-die-weihnachtsfeiern-13280285.html">HIER</a></strong></span>) geknüpft sein soll. Vielerorts sind solche Feiern sowieso schon dem Rotstift des Costcutters zum Opfer gefallen.</p>
<p>Eine Klarstellung des Bundesfinanzministeriums, einen im Flugzeug angebotenen Snack (vgl. <strong><span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.focus.de/finanzen/videos/teure-regel-chipstuete-im-flieger-zaehlt-steuerlich-als-mittagessen_id_4278167.html">HIER</a> </span>und <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.huffingtonpost.de/2014/11/18/chipstuete-flugzeuge_n_6175788.html">HIER</a></span></strong>) auf die ohnehin mickrige Verpflegungspauschale für Geschäftsreisende mit mehr als neun Euro anzurechnen, selbst wenn es sich nur um eine Chipstüte handelt, erinnert schon ein wenig an einen Schildbürgerstreich. Aber wer fliegt heute noch innerdeutsch in der Business-Class?</p>
<p>Als ich gestern außerdem erfuhr, dass die Steuergutschrift für Handwerkerrechnungen „wackelt“ – zumindest solange ein Mindestbetrag von 300 Euro bei einer Rechnung nicht überschritten wird (vgl. <span style="text-decoration: underline;"><strong><a href="http://www.welt.de/finanzen/steuern-recht/article134891956/Steuerbonus-fuer-Handwerkerrechnungen-wackelt.html">HIER</a></strong></span>) – verschlug es mir die Sprache.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kleine Verluste sind besonders ärgerlich</strong></p>
<p>Es geht mir nicht um die paar Euro Mehrbelastung. Viel eher geht es um die psychologische Signalwirkung und den Verlust kleiner Freuden wie ein betriebliches Weihnachtsessen, den die Bürger erleiden werden. Es sind nämlich gerade die kleinen Verluste, und seien sie noch so klein, die besonders schwer wiegen. Und je mehr man davon präsentiert bekommt, desto schlechter wird die Stimmung. Dabei hat doch die Regierung Merkel erst vor einigen Monaten Stellen für Verhaltensökonomen ausgeschrieben. Damit wir die Regierung besser verstehen.</p>
<p>Ob die wohl mit ihrer Arbeit schon begonnen haben?</p>
<p>Dann wäre zumindest der Unsinn solcher Mini-Maßnahmen, mit dem Zwecke, das Steuersäckel überdies mit viel Anstrengung aller Beteiligten etwas zu füllen, möglicherweise verhindert worden. Denn Verluste sollten den Betroffenen möglichst am Stück, d. h. aggregiert, präsentiert werden.</p>
<p>Nein, die deutsche Regierung bewirkt mit dem starren Festhalten an der schwarzen Null keine Lösung der Probleme in der Eurozone. Nein, sie möchte nicht wirklich für etwas Konjunkturbelebung sorgen. Aber zum Glück haben wir, so wird mir manch einer entgegenhalten, noch die angekündigten Strukturmaßnahmen, die in den kommenden Jahren, also in der ferneren Zukunft, am besten erst vor den kommenden Bundestagswahlen greifen sollen.</p>
<p>Manchmal kommt es mir so vor, die Bundesregierung handelt nach dem Motto vieler Anleger: „Wir sind gern bereit, etwas zu riskieren, aber es darf nichts kosten“. Erfahrungsgemäß führt diese ängstliche Haltung zur Untätigkeit. Ein Festhalten am Status quo, das, so fürchte ich, uns am Ende viel mehr kosten wird, als wir uns das alle heute vorstellen können.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-schwarze-null-2/">Die schwarze Null (2)</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Geviertelte Freude ist vierfache Freude</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Jun 2014 17:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Quartalsdividende]]></category>
		<category><![CDATA[Segregation von Gewinnen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gerade schickt sich der DAX an, mit Mühen die 10.000er Marke zu erklimmen, aber da keine rechte Freude aufzukommen scheint, macht man sich natürlich Sorgen um den deutschen Anleger. Rechtzeitig zum seit Tagen geplanten medialen Jubelfest hat „Welt online“ deswegen eine Studie von Jens Kleine, Professor an der Steinbeis-Hochschule Berlin, veröffentlicht. Ja, wenn nach Recherchen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gerade schickt sich der DAX an, mit Mühen die 10.000er Marke zu erklimmen, aber da keine rechte Freude aufzukommen scheint, macht man sich natürlich Sorgen um den deutschen Anleger. Rechtzeitig zum seit Tagen geplanten medialen Jubelfest hat „Welt online“ deswegen eine Studie von Jens Kleine, Professor an der Steinbeis-Hochschule Berlin, veröffentlicht. Ja, wenn nach Recherchen von Ernst &amp; Young 58 Prozent der DAX-Aktien sich in den Händen ausländischer Investoren befinden und nur 34 Prozent der Deutschen so wenig DAX-Werte wie noch nie zuvor besitzen, dann ist es tatsächlich schlecht bestellt um die heimische Börsenkultur.</p>
<p>Und so sind neue, bahnbrechende Ideen gefragt – eine Herausforderung, die selbst Akademiker nicht einfach arrogant übergehen können. Ein Vorschlag hat selbst mich altes Börsenzirkuspferd neugierig auf Aktien gemacht. Nicht weil ich glaube, dass Aktionäre in Zukunft eine höhere Rendite erwarten könnten, sondern weil mir dieser Einfall aus Sicht der Behavioral Finance beachtenswert erscheint. Denn die Besitzer deutscher Aktien sollen endlich nicht mehr nur einmal im Jahr nach der Hauptversammlung ihre Dividende erhalten, sondern – wie es bereits bei US-Firmen und auch japanischen Unternehmen praktiziert wird – Dividenden parallel zum Quartalsbericht vierteljährlich ausbezahlt bekommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quartalsweise mentale Konten</strong></p>
<p>So mag sich der Professor gefragt haben, ob sich denn die Zahl derer, die bisher noch keine Aktien besitzen, im Falle einer quartalsweisen Dividendenzahlung eher für ein Engagement gewinnen lassen würden. Kenner der Behavioral Finance würden diese Frage intuitiv sofort bejahen. Weil wir Menschen für alle unsere Entscheidungen und Zahlungen mentale Konten im Kopf führen. Danach würde für jede Dividendenzahlung ein gesondertes geistiges Konto eröffnet und als Gewinn wahrgenommen, weswegen ein viermal im Jahr geviertelter (oder sogar jeweils etwas geringerer Betrag) einer einmaligen jährlichen Zahlung vorgezogen würde. Denn die Bewertung dieser vier Einzelgewinne (=Segregation) fällt in der Summe bei den meisten Menschen höher aus als die Bewertung einer jährlichen Einmalzahlung[1].</p>
<p>Auch wenn es verwunderlich erscheinen mag: Die Studie von Jens Kleine hat die Theorie der Mentalen Konten bestätigt: 22 Prozent von repräsentativ befragten 2000 Bürgern, die bisher noch keine Aktien besitzen, würden bei einer quartalsweisen Ausschüttung Aktien kaufen. Und 32 Prozent derer, die bereits Geld in Aktien angelegt haben, würden bei dieser Art der Auszahlung zusätzliches Geld in Dividendentitel investieren!</p>
<p>Schenkt man dem Bericht auf „Welt online“ Glauben, hat der Forscher herausgefunden, dass Quartalsdividenden die Zahl der Aktionäre in Deutschland um bis zu 3,5 Millionen, im ungünstigsten Fall immerhin noch um 500.000 erhöhen könnten. Abgehen von diversen rechtlichen Klippen, die man für die Quartalsdividende hierzulande noch umschiffen müsste, nenne ich die Diskussion darum gutes timing. Kommt die Aktien-Kultur ausgerechnet oberhalb von 10.000 DAX-Zählern also doch noch zurück?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>[1] Mehr dazu im Buch <em>Genial einfach Entscheiden</em>, S. 166 ff., das Christin Stock mit mir zusammen im vergangenen Jahr im Finanzbuchverlag veröffentlicht hat.</p>
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		<title>Am Allzeithoch sieht eine Anlage immer gut aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2014 09:01:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun sei also die Zahl der direkten und indirekten Aktienbesitzer in Deutschland im Jahr 2013 erneut zurückgegangen, stellte das deutsche Aktieninstitut (DAI) unlängst fest. Damit ist die Zahl der Aktionäre seit dem Jahr 2001, also ein Jahr nachdem seinerzeit noch der Begriff der Aktienkultur hierzulande die Runde machte, von 12,9 Millionen Anlegern um fast ein [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun sei also die Zahl der direkten und indirekten Aktienbesitzer in Deutschland im Jahr 2013 erneut zurückgegangen, stellte das deutsche Aktieninstitut (DAI) unlängst fest. Damit ist die Zahl der Aktionäre seit dem Jahr 2001, also ein Jahr nachdem seinerzeit noch der Begriff der Aktienkultur hierzulande die Runde machte, <span id="more-6980"></span>von 12,9 Millionen Anlegern um fast ein Drittel gesunken. Danach hatten vor allem Menschen unter 40 Jahren weniger Interesse an Aktien – von den 20 bis 29jährigen besitzt nicht einmal jeder zehnte Aktien oder Aktienfonds. Natürlich könnte man jetzt hadern, das alles sei ja angesichts der nicht abflauen wollenden Skandalmeldungen aus dem Finanzsektor nicht weiter verwunderlich. Das Vertrauen sei einfach futsch, höre ich manchmal im Bekanntenkreis. Aber normalerweise scheren sich viele Menschen nicht um moralische Bedenken, sobald ihnen eine gute Rendite in Aussicht gestellt wird.</p>
<p>Tatsächlich verzeichnete der DAX im Jahr 2013 einen Kursanstieg von 26 Prozent, womit <i>im Nachhinein</i> die Aktie sicherlich als sinnvolle Anlageform geradezu hervorstechen mag. Besonders am Allzeithoch sieht jedes Investment selbst im langjährigen Vergleich gut aus. Allerdings wird dabei gerne vergessen, dass das Gros der Investoren diesen Trend Anfang 2013 (genauso wenig wie im Jahr 2012) eben nicht vorausgesehen und sich über weite Strecken sogar gegen diese positive Entwicklung gestellt hatte. Ganz zu schweigen, welche Erfahrungen Investoren mit den teils massiven Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten während der Finanzkrise in den Jahren 2008 ff. gemacht hatten.</p>
<p>Ich sehe die Dinge auch noch aus einer anderen Perspektive. Während der schwierigen Zeiten für Aktieninvestments haben sich nicht nur immer mehr Menschen vom Aktienmarkt abgewandt. Oftmals sind auch deren Berater in den Zeiten heftiger Kursverluste abgetaucht – wer möchte schon freiwillig mit seinen Kunden Verlustdepots ansehen. Die Folge: Weniger Aktiengeschäft und konsequenterweise erhöhter Kostendruck bei den Kreditinstituten, nicht zuletzt infolge der Krise. Weswegen die Zahl der Berater mit der Zeit stark reduziert werden musste, wodurch für die verbliebenen durchaus anlagewilligen Kunden noch weniger Service und Zeit übrig blieb.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Kein Geld für Ausbildung</b></p>
<p>Auch die Ausbildung der Menschen in Gelddingen ist während der vergangenen Jahre deutlich zurückgegangen. Und zwar nicht nur wegen eines angeblichen Desinteresses der Anleger. Tatsächlich sind die Sparwellen im Bankgewerbe natürlich auch nicht an den Marketingbudgets vorbeigegangen. Wenn man jedoch in der Finanzindustrie einen Kulturwandel glaubhaft vermitteln möchte, gehört dazu auch die Transparenz, seinen Kunden zu erklären, wie die Dinge an den Märkten tatsächlich funktionieren. Wenn ich mir dann jedoch gestern den ausgezeichneten Blogbeitrag von Thomas Knüwer (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2014/03/zdf-wirtschaftsjournalismus/">hier</a></span>) zu Gemüte führe, das ZDF habe offenbar kein Interesse an Wirtschaftsberichterstattung, ist das die Fortsetzung genau jenes ungesunden Trends.</p>
<p>Interessieren sich Menschen tatsächlich nicht genügend für das, mit dem man Güter und Dienstleistungen bewertet, mithin also für Geld? Wenn das wahr wäre, interessierten sich die Menschen natürlich erst recht nicht für dessen Vermehrung. Ja, Geldangelegenheiten und Aktieninvestments sind für viele komplex und mitunter schwer zu begreifen. Ich kann sogar verstehen, wenn man dafür weder Zeit, Nerven oder gar Geld übrig hat. Von letzterem sollte man dann aber lieber ganz die Finger lassen, denn sonst läuft man Gefahr, für die selbstgewählte Unwissenheit später (und dann oft viel mehr) nachzahlen zu müssen.</p>
<p>Immerhin scheint es noch eine ausreichend große Minderheit der Spezies Mensch zu geben, die sich für die DAX-Stimmung interessiert, vielleicht auch mit dem Motiv, mit Aktien zumindest kein Geld zu verlieren. Für diese Gruppe und für die Börse Frankfurt habe ich (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+abgewartet+statt+gekauft+64696">an dieser Stelle</a></span>) die gestrige Sentiment Erhebung kommentiert.</p>
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		<title>Bücher sind uncool</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Jan 2014 07:36:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Werbespot, der bereits seit einigen Monaten immer wieder auf einigen Fernsehkanälen zu sehen ist, regt mich ganz besonders auf. Er ist Bestandteil einer Kampagne der Direktbank Cortal Consors, ist in schwarz-weiß gedreht und scheint auf den ersten Blick sogar recht lustig zu sein. Gezeigt wird eine Buchhandlung, in der ein von den Büchern offensichtlich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Werbespot, der bereits seit einigen Monaten immer wieder auf einigen Fernsehkanälen zu sehen ist, regt mich ganz besonders auf. Er ist Bestandteil einer Kampagne der Direktbank Cortal Consors, ist in schwarz-weiß gedreht und scheint auf den ersten Blick sogar recht lustig zu sein. Gezeigt wird eine Buchhandlung, <span id="more-6904"></span>in der ein von den Büchern offensichtlich überforderter Börsenanfänger von einem Angestellten in Sachen „aussagekräftige Finanzliteratur“ beraten wird. Der Kunde hält das Buch an sein Ohr, lässt es auf und zu schnappen und erklärt dem Verkäufer: „Sagt mir gar nichts. Oder hören Sie etwas?“ Die erste Assoziation, die dieser Spot bei mir hervorrief, war: Bücher lesen ist altmodisch und bringt nichts. Und so mag es vielen anderen Menschen, besonders aber Jugendlichen und Schülern, beim Genuss dieses Werbespots auch ergangen sein. Mit der Schlussfolgerung: Lesen ist out und uncool.</p>
<p>Jetzt könnte man natürlich einwenden, Erfolg in den Finanzmärkten könne sich ja auch niemals der Lektüre von Fachbüchern verdanken, sondern sei vielmehr eine Frage von Erfahrung. Ich selbst kann mich noch daran erinnern, dass ich während meiner ersten Tagen als Devisenhändler einen Kollegen nach einschlägiger Literatur fragte und dieser mir mit einem Achselzucken entgegnete: „Das brauchst du nicht, wir machen hier learning by doing.“ Am Ende habe ich genau auf diese Weise meinen Beruf erlernt, aber während der Ausbildung stand mir ja auch immer jemand zur Seite, der mich im Zweifel an die Hand nahm und vor allzu großen Dummheiten bewahrte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Probleme mit der Prozentrechnung</b></p>
<p>Dieses Glück haben viele Normalverbraucher nicht. Die Wirtschafts- und Finanzbildung ist vielerorts schlecht, und die Menschen haben Probleme mit der Prozentrechnung oder dem Zinseszinseffekt. Oft haben sie keine Ahnung davon, wie sich Preise durch Angebot und Nachfrage bilden und verändern, geschweige, dass sie Produkte verstehen, die sie von ihren Vermögensberatern angeboten bekommen. Eine große Mehrheit – so vermute ich – hat schlicht keine Lust, sich mit Geld und Finanzen auseinander zu setzen, obgleich ihnen immer mehr Eigenverantwortung für die Altersversorgung zugemutet wird.</p>
<p>In den USA hat man immerhin als Folge der Finanzkrise eine Bundesbehörde für Finanz-Erziehung eingerichtet, weil man Analphabetismus in Finanzangelegenheiten als eine der Hauptursachen für die große Rezession ansieht. Und tatsächlich erscheint es auf den ersten Blick sinnvoll, dass die Bürger in Sachen Geld und Finanzen ausgebildet sind. Aber die Hauptursache für die große Rezession in den USA bestand jedoch nicht nur in einer unkontrollierten Vergabe von Hypotheken oder intransparenten strukturierten Produkten der Investmentindustrie. Neben der Unwissenheit des Durchschnittsamerikaners spielten auch die Gier und das Unvermögen, die finanziellen Möglichkeiten adäquat einschätzen zu können, eine große Rolle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Behavioral Economics auf den Lehrplan</b></p>
<p>Doch die Theorie um Geld und Finanzen wirkt für viele grau und langweilig. Wer beschäftigt sich schon gerne mit ökonomischen Gesetzmäßigkeiten oder mathematisch-statistischen Rechnungen, zumal, wenn das Erlernte ohnehin nicht sofort in der Praxis angewendet werden kann. Und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn etwa eine Meta-Studie in den USA <a title="" href="#_ftn1">[1]</a> zu dem Schluss kommt, dass Erziehung in Finanzdingen einen vernachlässigbaren Einfluss auf die damit einhergehenden Entscheidungen ausübt.</p>
<p>Hoffentlich bekommen die deutschen Kultusminister keinen Wind davon! Zumal deren Mehrheit Ökonomie im Lehrplan lediglich als Ergänzung anderer Fächer sieht. Tatsächlich erkenne auch ich wenig Sinn darin, jungen Menschen lediglich die Erkenntnisse der Standardökonomie zu vermitteln. Denn es reicht beileibe nicht aus, zu wissen, wie ökonomisch sinnvolle Finanzentscheidungen aussehen sollen. Viel wichtiger ist es doch, den Menschen zu vermitteln, wie sie überhaupt zu diesen Entscheidung gelangen, wie sie auf dem Weg dorthin beeinflusst und abgelenkt werden können. Und wie der Erfolg oder Misserfolg einer Entscheidung alle weiteren Maßnahmen beeinflussen kann. Kurzum, es geht um die psychischen Faktoren, die optimale Entscheidungen selbst bei hundertprozentiger ökonomischer Informiertheit regelmäßig verhindern. Basiswissen in Finanzen und Wirtschaft reicht nicht. Vielmehr müssten die Erkenntnisse der Behavioral Economics in den Lehrplan aufgenommen werden. Dabei das ein oder andere Buch in die Hand zu nehmen und auch zu lesen, mag vielleicht nicht immer die Erfahrung mit finanziellen Transaktionen ersetzen. Aber Verständnis für die psychische Funktionsweise des Menschen kann vielleicht verhindern, dass diese Erfahrungen allzu kostspielig werden.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Fernandes, Daniel, Lynch Jr, John. G. &amp; Netemeyer, Richard G. (Jan 2014): <i>Financial Literacy, Financial Education and Downstream Financial Behaviors</i>, Management Science, forthcoming</p>
</div>
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		<title>Weißes Hemd</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Dec 2013 05:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Konten]]></category>
		<category><![CDATA[Rabatt]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich mir nur ein neues weißes Hemd kaufen, in gängiger Größe, kein besonderer Schnitt. Im Internet wurde ich schnell bei einem traditionellen Herrenausstatter fündig. Immerhin: 69 Euro sollte das gute Stück kosten, aber im Rahmen einer Werbeaktion und wahrscheinlich, um mir die Kaufentscheidung etwas leichter zu machen, durfte ich mir noch ein weiteres [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich wollte ich mir nur ein neues weißes Hemd kaufen, in gängiger Größe, kein besonderer Schnitt. Im Internet wurde ich schnell bei einem traditionellen Herrenausstatter fündig. Immerhin: 69 Euro sollte das gute Stück kosten, aber im Rahmen einer Werbeaktion <span id="more-6780"></span>und wahrscheinlich, um mir die Kaufentscheidung etwas leichter zu machen, durfte ich mir noch ein weiteres Hemd der gleichen Qualität und Preisklasse aussuchen. Also wählte ich ein dunkelblaues, obwohl ich das nicht wirklich benötigte. Aber es war ja gratis. Wenige Tage später traf bereits das Päckchen ein. Aber darin entdeckte ich lediglich das blaue Gratishemd – dessen Qualität mir allerdings gefiel. Weniger gefiel mir, dass ich keine Erklärung, keine Entschuldigung dafür vorfand, warum man mir bei dieser Sendung das, was ich geordert hatte, vorenthielt. Meine eigentliche Bestellung war vom Versand anscheinend vergessen worden.</p>
<p>Doch dann erhielt ich mit separater Post eine so genannte „Information zum Liefertermin“. Samt Bestellkatalog. Anders als zugesagt, könne man mein Hemd leider nicht sofort liefern, sondern erst Ende Januar 2014. Diese Ware sei überraschenderweise restlos ausverkauft, ließ man mich wissen. Selbstverständlich würde ich, sobald eine neue Lieferung im Januar eingetroffen sei, mein weißes Hemd zu den jetzigen Sonderkonditionen geliefert bekommen. Ja, man versprach mir sogar, mich vor  allen anderen Kunden zu bedienen. In der Tat, das war ein klug gewählter Referenzpunkt, damit ich mich besser fühlen konnte: Nur mir wurde das Privileg zuteil, sozusagen auf der Überholspur an der digitalen Warteschlange und allen, die sich dort in Erwartung der neuen Hemden einreihen mussten, vorbeizuziehen! „Das fühlt sich gut an, aber ob es stimmt, lässt sich nicht nachprüfen“, dachte ich mir. Und wegen meiner pessimistischen verhaltensökonomischen Sicht konnte das Versandhaus bei mir mit so etwas sowieso nicht punkten.</p>
<p>Aber damit noch nicht genug der Wohltaten. Als Entschuldigung für die verzögerte Auslieferung des Hemds bot man mir einen 20-Euro-Gutschein auf das gesamte Sortiment an. Das könne ja womöglich, so legte mir das Entschuldigungsschreiben nahe, meine Weihnachtseinkäufe deutlich verbilligen. Dann las ich weiter: Der Gutschein war gültig erst ab einem Auftragswert von 80 Euro und musste überdies noch in diesem Jahr eingelöst werden. Ja, bei diesem Internet-Versandhaus versteht man in der Tat etwas von mentaler Kontoführung<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Zu viel des Guten</b></p>
<p>Bewaffnet mit dem Gutschein schaute ich mich abermals im Onlineshop herum. Ob ich noch vor Weihnachten ein weißes Hemd in Größe 42 bekommen würde? Und da entdeckte ich es erneut, mein weißes Hemd, und es war genauso „sofort lieferbar“ wie noch eine Woche zuvor. Vorsichtshalber rief ich bei der Hotline an und fragte, wie das denn möglich sei. Die Antwort: „Im Internet daten wir nicht so schnell up“.</p>
<p>Und dann machte ich das, was ich bei Rabattaktionen immer empfehle. Ich rechnete einmal zusammen, was gewesen wäre, wenn ich tatsächlich von meinem Gutschein Gebrauch gemacht hätte: Zwei weiße Hemden, auf Wochen hinaus nicht lieferbar. Plus ein kostenloses blaues Hemd, das ich eigentlich nicht gebraucht, aber dummerweise bereits anprobiert hatte<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> und ein 20 Euro Rabattgutschein, ohne den ich meine Bestellung nicht vergrößert hätte. Und psychologisch gesehen? War ich mittlerweile schon viel zu verstrickt in diese Angelegenheit, dass ich es nicht mehr schaffte, von meinem Rückgaberecht Gebrauch zu machen.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Einem als Verlust wahrgenommenen Verkaufspreis steht ein als Gewinn wahrgenommener Gutschein gegenüber, der aber nur bei einem weiteren Kauf realisiert werden kann</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Mit dem Auspacken und dem Anprobieren der Ware erhöht sich die Bindung an die gekaufte Ware</p>
</div>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/weisses-hemd/">Weißes Hemd</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Geschmacksverwirrung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Jul 2013 09:06:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>
		<category><![CDATA[abenhmende Sensitivität]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
		<category><![CDATA[Expertenurteile]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[relative Bewertung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst las ich wieder einmal einen Artikel aus der Online-Ausgabe des britischen Guardian, durch dessen Überschrift, Weinverkostungen seien wissenschaftlich unbrauchbar, ich mich provoziert fühlte. Denn ich  bin ein ausgesprochener Weinliebhaber und beschäftige mich schon seit Jahren mit (Alt)-Weinen, vornehmlich aus Bordeaux. Dabei habe ich vermutlich wie jeder andere die Erfahrung gemacht: Was teuer ist, muss [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/geschmacksverwirrung/">Geschmacksverwirrung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst las ich wieder einmal einen Artikel aus der Online-Ausgabe des britischen Guardian, durch dessen Überschrift, Weinverkostungen seien wissenschaftlich unbrauchbar, ich mich provoziert fühlte. Denn ich  bin ein ausgesprochener Weinliebhaber und beschäftige mich schon seit Jahren mit (Alt)-Weinen, vornehmlich aus Bordeaux.<span id="more-6320"></span> Dabei habe ich vermutlich wie jeder andere die Erfahrung gemacht: Was teuer ist, muss nicht unbedingt gut sein, während sich Gewächse, die preisgünstig waren, im Nachhinein oftmals  als kostbare, köstliche Schätze herausstellen können. Nun aber stehen wieder einmal die Weinpäpste in der Kritik: Man wirft ihnen vor, dass sie gar nicht in der Lage seien, auch nur halbwegs objektiv zu urteilen. Dabei glaube ich kaum, dass sich jemals ein Weinkritiker als objektiv oder gar als Wissenschaftler bezeichnet hätte. Aber es ist schon erstaunlich, wie etwa der Weinliebhaber und Statistiker Robert Hodgson, Inhaber einer Kellerei in Kalifornien, eine Reihe von Weinverkostungen analysierte, weil er sich darüber gewundert hatte, wie bestimmte Weine (darunter auch sein eigenes Gut) einmal eine Goldmedaille gewinnen und ein anderes Mal bei den Juroren durchfallen konnten.</p>
<p>Seit Jahren zeigt Hodgson immer wieder, wie uneinheitlich die Experten manchen Wein bewerten. So präsentierte er etwa bei einer Blindverkostung im Juni dieses Jahres<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> innerhalb verschiedener Flights (Verkostungsserien) drei Mal einen Wein aus derselben Flasche.  Dabei handelte es sich bei den dort versammelten Testern keineswegs um Amateure. Dennoch variierten ihre Bewertungen innerhalb kurzer Zeit zwischen 86 und 94 Punkten für denselben Wein – auf einer 100-Punkte-Skala. Weil die meisten Weine in der Praxis irgendwo zwischen 75 und 95 Punkten landen<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, bedeutet dies immerhin einen Unterschied zwischen „akzeptabel“ und „vorzüglich“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Fehlurteile beeinflussen Kaufverhalten</b></p>
<p>Wenn man sich vorstellt, dass derartige Urteile über niedrige und hohe Preise und damit auch über die ökonomische Zukunft eines Weingutes entscheiden, kann man sich der vermeintlichen Willkür der Experten durchaus ausgeliefert fühlen. Hodgsons Studie steht stellvertretend für viele andere Tests, bei denen man zeigen wollte, wie leicht Weinverkoster doch zu beeinflussen sind. Die Sparbrötchen unter den Weintrinkern dürften sich beispielsweise gefreut haben, als sie von den Ergebnissen eines Experimentes lasen, das der Psychologe Richard Wiseman 2011 mit 578 Probanden veranstaltet hatte. Sie alle mussten mehrere Rot- und Weißweine probieren, wobei sich herausstellte, dass nur 53 Prozent der Teilnehmer zwischen Weißweinen unterscheiden konnten, deren Preis entweder unter fünf oder über zehn englischen Pfund lag. Bei Rotwein war dieser Prozentsatz sogar noch niedriger (47 Prozent) – man hätte also auch eine Münze werfen können.</p>
<p>Wie kann es zu solchen Fehlurteilen kommen? Nicht nur wenn es um Geschmack geht, bewerten die Menschen relativ. Ein mittelprächtiger Wein, der nach einem mäßigen Wein verkostet wird, steht natürlich viel besser da, als wenn derselbe Tropfen im Anschluss an eine Top Grand Cru getrunken wird. Jetzt stelle man sich nur einmal einen Verkoster vor, der innerhalb kürzester Zeit Dutzende Weine probieren muss, möglicherweise an diesem Tag mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden oder wohlgestimmt oder geradezu euphorisch ist.  Ich möchte den sehen, der nach 100 Mal Riechen, Schlürfen und Ausspucken noch einen durchschnittlichen Wein angemessen bewerten kann.</p>
<p>Auch mir als Liebhaber passiert es immer wieder, dass ich denselben Wein je nach Stimmung vollkommen unterschiedlich einschätze und nach dem dreißigsten Testschluck bei einer Verkostung aufgrund von abnehmender Sensitivität, Gewöhnung und leichter Trunkenheit kaum mehr differenzieren kann. Im Gegensatz zu einem erfahrenen Weinexperten, der manchmal nur anhand von Farbe, Geruch und Geschmack eines Bordeaux-Weines diesen (manchmal auf das Jahr genau!) dem produzierenden Weingut zuzuordnen vermag.</p>
<p>Die Konsequenz aus all diesen Erkenntnissen: Geschmack kann man nicht wissenschaftlich nachweisen, und ich möchte mir auch nicht die Freude nehmen lassen, selbst auf Geschmackserkundung zu gehen. Die Weinpäpste mögen dabei eine gewisse Hilfestellung sein, aber probieren muss man selbst. Und dann dauert es nicht lange, bis wir, wie in den Finanzmärkten selbst, forschen, ob wir für einen Bruchteil des Geldes einen Wein finden, der eine ähnliche Qualität haben könnte wie die teuren Statussymbole Petrus, Latour und Rothschild. Und da stört es mich auch nicht, wenn mir mein Geschmackssinn manchmal vorgaukelt, ein richtig gutes Schnäppchen gemacht zu haben. Vielleicht möchte ich das auch gar nicht so genau wissen. Eines weiß ich aber sicher: Ich möchte am nächsten Morgen keine Kopfschmerzen haben, weil ich zu knauserig war und einen Billigverschnitt aus dem Supermarkt-Regal gegriffen habe, bei dem das Flaschenglas der wertvollste  Bestandteil ist.</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> vgl. Derbyshire, David: <i>Wine-tasting: it’s junk science, </i>Online Ausgabe des Observer vom 23. Juni 2013</p>
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<div>
<p>[2] Die Mindestbewertung, die ein Wein auf der 100er Skala bekommen kann, beträgt 50 Punkte, was in Schulnoten ausgedrückt einer 6 entspräche.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/geschmacksverwirrung/">Geschmacksverwirrung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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