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	<title>Warren Buffett Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Low Noon oder Kurssturz bei Warrens wohltätigem Lunch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 10 Jun 2013 07:15:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Eskalierendes Commitment]]></category>
		<category><![CDATA[Fluch des Gewinners]]></category>
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		<category><![CDATA[quantitative Lockerungsprogramme]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich staunte nicht schlecht, als ich am Wochenende erfuhr, dass Warren Buffett dieses Mal seine alljährliche Einladung zu einem wohltätigen Mittagessen[1] bei eBay nur für eine Million US-Dollar versteigern lassen konnte. Dieser Betrag nimmt sich geradezu mickrig aus, wenn man ihn mit dem Ergebnis der Versteigerungen in den beiden Jahre zuvor vergleicht. 2011 konnte sich [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich staunte nicht schlecht, als ich am Wochenende erfuhr, dass Warren Buffett dieses Mal seine alljährliche Einladung zu einem wohltätigen Mittagessen<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> bei eBay nur für eine Million US-Dollar versteigern lassen konnte. Dieser Betrag nimmt sich geradezu mickrig aus, <span id="more-6193"></span>wenn man ihn mit dem Ergebnis der Versteigerungen in den beiden Jahre zuvor vergleicht. 2011 konnte sich der Gewinner der Auktion für ein Eintrittsgeld von 2,63 Millionen Dollar glücklich schätzen, mit dem Orakel von Omaha und weiteren sieben Freunden im berühmten New Yorker Steakhouse Smith &amp; Wollensky zu Mittag essen zu dürfen. Und im vergangenen Jahr musste man für einen Lunch mit Warren sogar 3,46 Millionen Dollar hinlegen. Insofern kann man die eine Million, die ein bislang unbekannter Bieter für dieses Vergnügen berappen muss, als wahres Schnäppchen ansehen. Oder als einen Kurssturz von mehr als 70 Prozent!</p>
<p>Fast schon ein wenig besorgt fragte ich mich, ob die Reichen aus Amerika und dem Rest der Welt wohl spendenmüde geworden sind oder ob einfach nur die Vernunft in den Gehirnen der Bieter Einzug gehalten habe. Vielleicht wollten sie angesichts der Auktionen der Vorjahre nicht mehr dem Fluch des Gewinners erliegen und sich gegenseitig beim Eintrittsbillett zu einem völlig überteuerten Mittagessen gegenseitig überbieten, auch wenn der Erlös dieser Versteigerung einem guten Zweck dienen soll. Immerhin hatte der Sieger von 2011 nach Angaben von Reuters als Dessert zum Luxus-Lunch einen Top-Job als Investmentmanager bei Buffetts Fonds <i>Berkshire Hathaway</i> serviert bekommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Reiche noch reicher, aber knauseriger?</b></p>
<p>Doch noch am selben Tag las ich zufällig den jährlichen Report der Federal Reserve Bank von St. Louis. Dort erfuhr ich, dass 62 Prozent der Erholung der Vermögenswerte bis zum Ende des vergangenen Jahres allein den steigenden Aktienkursen zuzuschreiben gewesen wären. Und das bereitete mir Kopfzerbrechen. Denn im Jahr 2010 befanden sich gemäß einer Studie 91,4 Prozent der Aktien und Investmentfonds im Besitz des oberen Zehntels der US-Bevölkerung, und das oberste Prozent hielt etwa die Hälfte davon<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>. Diese Zahl per se überrascht noch nicht, war doch der Anteil der Reichen und Superreichen am Gesellschaftsvermögen während der vergangenen 30 Jahre immer schon sehr hoch gewesen. Aber die äußerst lesenswerte Studie zeigt, dass die Finanzkrise diese ungleiche Verteilung der Vermögen in der US-Gesellschaft durch die Krise noch verstärkt hat: Die mittleren Vermögen sind im Zuge dieser Entwicklung real sogar auf den niedrigsten Stand seit 1969 gedrückt worden! Genauso wie sich die Lücke zwischen sinkenden mittleren und den hohen Einkommen (gemessen am Median) während dieser Zeit noch einmal vergrößert hat. Am Ende haben also die Haushalte der Reichen von der Erholung der Aktienkurse, ausgelöst durch die quantitativen Lockerungsprogramme der US-Notenbank, überproportional profitiert.  Unterdessen wurden die durch die Krise verloren gegangenen Arbeitsplätze durch schlechter bezahlte ersetzt – eine Tendenz, die gerade auch in den Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag zu Tage getreten ist: Mehr als die Hälfte der neu geschaffenen Stellen entstanden im Niedriglohnbereich.</p>
<p>Bleibt am Ende die Frage, warum die Reichen nicht mehr Geld für Warrens Einladung zum Lunch lockergemacht haben. War dies das Ergebnis einer konzertierten Kostensenkungsaktion von den Reichen dieser Welt?  Oder war die Zurückhaltung bei der Auktion bereits ein Hinweis darauf, dass man sich demnächst auf einen massiven Kursrückgang im Aktienmarkt vorbereiten muss, weil man unter den oberen 10.000 dieser Welt mit dem Versagen der Notenbankpolitik und massiven Kursverlusten rechnet?</p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Der Erlös kommt der Wohltätigkeitsorganisation GLIDE in San Francisco zugute, die  die Armen des Bezirks mit Obdach, Essen und anderen Dienstleistungen versorgt</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Wolff, Edward N.: <i>The Asset Price Meltdown and the Wealth of the Middle Class</i>, New York University 2012</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
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		<title>Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Dec 2012 07:25:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bordeaux-Weine]]></category>
		<category><![CDATA[Stuart Pigott]]></category>
		<category><![CDATA[Survivorship bias]]></category>
		<category><![CDATA[Verfügbarkeitsheuristik]]></category>
		<category><![CDATA[Warren Buffett]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein, mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &#38; Co begründete. Auch in der TV-Sendung [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin bekennender Bordeauxwein-Liebhaber. Deshalb schaltete ich neulich spät abends den Fernseher ein, um mir im ZDF die Dokumentation „Die Weinprobe“ anzuschauen. Gleich zu Beginn der Sendung fiel mir der Wahlspruch meiner Schwiegermutter: „Von Millionären kann man‘s sparen lernen“ ein,<span id="more-5488"></span> mit dem sie ihre regelmäßigen Einkaufstouren zu Aldi &amp; Co begründete. Auch in der TV-Sendung waren Billigweine ein Thema, und mit Schrecken musste ich, der keiner Flasche unter fünf Euro traut, erfahren, wie vorzüglich billige Weine sein können. Nicht dass ich jetzt einen besonderen Wert auf Individualität beim Weingenuss lege oder Wein als Statussymbol betrachte, aber Qualität ist mir doch wichtig. Und wenn man bedenkt, dass in besagten fünf Euro 19 Prozent Umsatzsteuer, der Preis fürs Flaschenglas, Handelsspannen etc. enthalten sind, dürfte für das, was ich genießen möchte, nicht mehr allzu viel übrig bleiben. Aber „Die Weinprobe“ vermittelte mir noch allerhand anderes Wissenswertes. So erfuhr ich, dass der Durchschnittspreis, den deutsche Weinliebhaber für eine Flasche Rebensaft bereit sind auszugeben, bei etwas mehr als 2,50 Euro liegt. Und eine Flasche Wein zum Preis von drei Euro wird häufig bereits als teuer eingestuft. Da liege ich ja voll daneben!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Günstige Weine im Blindversuch</strong></p>
<p>Interessant wurde es, als getestet wurde, ob man günstige Weine von Aldi, Lidl, Rewe &amp; Co auch am Geschmack erkennen könne. Und dazu lud man keinen geringeren als den britischen Weinkritiker Stuart Pigott ein, der im Blindversuch nur einen von vier günstigen Supermarkt-Weinen im Preis richtig einschätzte<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>, bei den anderen hingegen um bis zu mehr als dem Dreifachen nach oben abwich. „Da sieht man‘s mal wieder, alles nur Show“, hörte ich im Geiste meinen Freund K. ausrufen, der meinen Faible für Bordeaux-Weine schon immer verspottet hatte und den ich wiederum nicht nur in Sachen Wein für ein spaßfernes Sparbrötchen halte. Nun aber fragte ich mich, ob man den guten Stuart Pigott auch im Fernsehen gezeigt hätte, wenn er alle Weine richtig eingeordnet hätte? Wohl kaum, denn das hätte dem TV-Beitrag mit der Botschaft „Gutes muss nicht teuer sein“ einen großen Teil seiner Attraktivität geraubt. Ganz abgesehen von der Schadenfreude vieler Zuschauer, die es ja lieben, wenn einem Experten wieder einmal ein Schnippchen geschlagen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Interessant sind nur die Besten aller Talente</strong></p>
<p>Aber wir interessieren uns nun halt immer für das Spektakuläre. Und wenn es um Geld und Macht geht, für die Warren Buffetts und Bill Gates dieser Welt. Dabei wird gern vergessen, dass es unter all den Reichen und Steinreichen dieser Welt am rechten äußersten Rand der Glockenkurve zur statistischen Verteilung zwangsläufig den einen Ultrareichen geben muss. Und wenn er nicht Buffett heißt, dann ist es eben jemand anderes. Aber weil sich das öffentliche Interesse auf die Besten der Erfolgreichen konzentriert<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>, unterschätzt man leicht, wie wenig wahrscheinlich solche Lebensläufe sind. Wir alle kennen die Legende von Bill Gates, der sich Monate lang in einer Garage eingeschlossen haben soll, bis er dann das Tor wieder öffnete und mit Microsoft ein Unternehmen von Weltruhm gründete. Was geschah mit all den Anderen Computerfreaks, die sich ebenfalls in einen Schuppen oder eine Garage zurückgezogen haben, später aber ausgehungert und unverrichteter Dinge wieder herauskamen und bis heute talentierte, aber arme Schlucker geblieben sind? Und wer interessiert sich für all die Tellerwäscher, die nicht zum Millionär wurden und, wenn sie nicht gestorben sind, noch immer in der Küche stehen und Geschirr spülen?</p>
<p>Niemand.  </p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Der fünfte Wein, der einzige Winzerwein, zum Preis von 10,50 Euro kam bei der Blindverkostung bei Pigott übrigens nicht gut weg</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Tatsächlich handelt es sich um eine survivorship bias im weiteren Sinne  </p>
</div>
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<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/die-weinprobe-oder-am-rande-der-normalverteilung/">Die Weinprobe – oder: am Rande der Normalverteilung</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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