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	<title>Verhaltensökonomik Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Ein Wut-Votum</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jun 2016 13:24:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Public Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass das Brexit-Referendum eine hoch emotionale Angelegenheit werden würde, hatte ich erwartet (vgl. HIER und HIER). Und viele, die sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU aussprachen, haben sich höchstwahrscheinlich von leicht verfügbaren Parolen und Bildern beeinflussen lassen. So mag die Verfügbarkeitsheuristik dafür gesorgt haben, dass eindrucksvolle Bilder von Zuwanderern oder ein roter Bus [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8921 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg" alt="Big Ben" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben.jpg 802w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Dass das Brexit-Referendum eine hoch emotionale Angelegenheit werden würde, hatte ich erwartet (vgl. <span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="http://joachim-goldberg.com/2016/06/22/die-wohlfuehl-wahl/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="color: #008000;"><strong><a style="color: #008000;" href="http://joachim-goldberg.com/2016/06/16/im-zweifel-entscheidet-der-bauch/">HIER</a></strong></span>). Und viele, die sich für einen Austritt Großbritanniens aus der EU aussprachen, haben sich höchstwahrscheinlich von leicht verfügbaren Parolen und Bildern beeinflussen lassen. So mag die Verfügbarkeitsheuristik dafür gesorgt haben, dass eindrucksvolle Bilder von Zuwanderern oder ein roter Bus mit dem Milliardenbetrag der angeblichen wöchentlichen Überweisungen Großbritanniens an die EU stärker gewogen haben als komplizierte Berechnungen möglicher Konsequenzen eines Brexit.</p>
<p>Aber nicht allein die leichte Verfügbarkeit plakativer Informationen dürfte das Verhalten der britischen Wähler am 23. Juni beeinflusst haben. Nicht umsonst verweist der frühere Berater der Obama-Administration und Harvard-Professor für Rechtswissenschaft, Cass R. Sunstein<strong><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a></span></strong>, darauf, dass das Abstimmungsergebnis zugunsten eines Brexit auch auf empörte Bürger zurückzuführen war, die auf diesem Wege ihrer Wut Luft machen wollten: Einmal in der Position des Richters sein und so scheinbar Ungerechtigkeiten bestrafen zu dürfen. Poltische und ökonomische Konsequenzen – seien sie gut oder schlecht – spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nur damit andere bestraft werden</strong></p>
<p>Ja, viele Menschen sind sogar bereit, Geld dafür auszugeben, dass andere bestraft werden. Eine entsprechende Labor-Studie hat bereits vor vielen Jahren Aufsehen erregt, weil zwei Drittel der Teilnehmer willens waren, Geld zu investieren, damit andere Menschen Geld verlieren<strong><span style="color: #000000;"><a style="color: #000000;" href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a></span></strong>. In zahllosen Ultimatum-Spielen (vgl. <span style="color: #008000;"><a style="color: #008000;" href="http://joachim-goldberg.com/2011/03/30/veto/" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span>), bei denen ein Entscheider zwischen sich und einer anderen Person einen Geldbetrag nach seinem Belieben aufteilen darf und der Geldbetrag nur ausgezahlt wird, wenn der Mitspieler der Verteilung zustimmt, zeigt sich immer wieder ein ganz starker Wunsch nach Fairness. Warum soll ich von 10.000 Euro, die ein anderer verteilt, nicht wenigstens die Hälfte bekommen? Es gibt nicht wenige, die bereit wären, lieber auf 2000 Euro bei solch einem Spiel zu verzichten, damit der andere nicht 8000 Euro bekommt. Mit anderen Worten: Man ist bereit, auf ökonomische Gewinnmaximierung zu verzichten, wenn man andere im Gegenzug für ihre Unfairness bestrafen kann.</p>
<p>Die Brexit-Befürworter haben nicht in erster Linie die EU-Bürokraten abgewählt, sondern ein politisches Establishment, von dem sie sich in den vergangenen Jahrzehnten mehrheitlich alleingelassen und ökonomisch zunehmend ungerecht behandelt fühlten. Eine Lehre, aus der die anderen EU-Mitglieder lernen müssen, wenn weitere Volksabstimmungen Schule machen sollten und vernünftige Entscheidungen durch Wut und Empörung ihrer Bürger überlagert werden. Und genau dabei kann eine Ausweitung der Erkenntnisse der Verhaltensökonomik auf Bereiche der Politik (Behavioral Public Choice) wertvolle Dienste leisten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Vgl. Cass R. Sunstein (28. Juni 2016): <em>When Outrage Clouds Political Judgment, in U.K. and Beyond, </em>gelesen bei Bloomberg.com</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a>  Daniel John Zizzo and Andrew J. Oswald (2001): <em>Are People Willing to Pay to Reduce Others&#8216; Incomes?</em>, Warwick University</p>
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		<title>Eine Couch ins Kanzleramt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2014 14:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Anstupsen]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Stimmung]]></category>
		<category><![CDATA[libertärer Paternalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Nudging]]></category>
		<category><![CDATA[Verhaltensökonomik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. [&#8230;]</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. Da verkündet die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragt, ob die Kanzlerin wohl auf die Couch müsse; sogar von einem möglichen Burnout Merkels ist die Rede. In vielen Reaktionen klingt an, dass man die Aufstockung des Beraterstabs im Kanzleramt als Anzeichen für eine wachsende Ratlosigkeit der Regierenden deutet, so als suchten diese verzweifelt nach einem Ausweg aus der Alternativlosigkeit der eigenen Politik. Zahlreiche Bürger lassen zudem unverblümt durchblicken, dass sie von Psychologie nichts halten. So gaben in einer Umfrage von t-online etwa zwei Drittel von 1926 Teilnehmern an, dass sie es als unsinnig ansehen, wenn Psychologen den Politikern dabei helfen, neue Strategien für „wirksameres Regieren“ zu entwickeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>„Anstupsen“ ist nicht neu</strong></p>
<p>Aber geht es der Kanzlerin wirklich nur um eine neue PR-Strategie, um ihre Politik künftig besser an den Wähler verkaufen zu können? Oder sinnt sie vielleicht wirklich auf neue Wege in der Sozial- und Wirtschaftspolitik? Sie wäre dabei mitnichten die erste Regierungschefin, die sich der Erkenntnisse der Behavioral Finance bedient, denn der Grundstein einer verhaltensorientierten Politikberatung ist andernorts schon längst gelegt worden. So haben etwa der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein die so genannte Methode des „Anstupsens“ im Jahre 2008 in ihrem Buch „Nudge“ eindrucksvoll dargestellt. Eine Methode, die übrigens immer mehr Anhänger findet, auch innerhalb der Regierung Obamas, die seit Jahren von verhaltensorientierten Ökonomen beraten wird. Und auch der britische Premier David Cameron lässt sich bereits seit 2010 regelmäßig von seinem „Behavioral Insights Team“ Handlungsempfehlungen erteilen.</p>
<p>Unter „Nudge“ versteht man das geschickte Platzieren von Anreizen und Argumenten, um auf diese Weise dem Bürger einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, damit er „bessere“ Entscheidungen trifft. Dadurch sollen unter anderem langfristig die Staatsausgaben gesenkt werden. Denn es zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen treffen, die man nicht gerade als optimal bezeichnen möchte. Oft sind sie sich dabei nicht über ihre Motive im Klaren, wodurch sie beeinflussbar werden. Mitunter verlieren sie im Dickicht der Statistiken und widersprüchlichen Argumente auch den Überblick.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keine Tricks</strong></p>
<p>Diese auch als „libertärer Paternalismus“ bezeichnete Methode ist jedoch bei vielen traditionellen Volkswirten verpönt, weil der Staat ihrer Meinung nach Wortsinne nur das Beste von seinen Bürgern möchte und diese angeblich durch psychologische Tricks dahingehend manipuliert, ihm das auch zu geben. Im Grunde versucht die Politik beim so genannten Anstupsen jedoch lediglich, eine Entscheidungssituation argumentativ so aufzubereiten, dass das Handeln der Menschen unmerklich in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ohne dabei die Freiheit des Einzelnen wirklich anzutasten. Tatsächlich macht der libertäre Paternalismus den Entscheidern keinerlei Vorschriften.</p>
<p>Dennoch kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts einen enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben. So bewerten Menschen beispielsweise Verluste schwerer als Gewinne in gleicher Höhe. Es spielt also durchaus eine Rolle, ob man ein Glas als halb vor oder halb leer präsentiert.</p>
<p>Ob nun der libertäre Paternalismus ethisch einwandfrei ist oder nicht – darüber kann man durchaus diskutieren. Marketingstrategen gibt es ohnehin nicht erst seit gestern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Psychologie nicht salonfähig?</strong></p>
<p>Dass sich Frau Merkel künftig die Erkenntnisse der Entscheidungspsychologie zunutze machen möchte, bedeutet beileibe nicht, dass sie sich jetzt im „Guru-Modus“ befindet, wie ein Kommentator schrieb. Sie hat damit vielmehr endlich nachgeholt, was in anderen Ländern längst „state of the art“ ist. Solche Reaktionen belegen vor allem, dass man sich vielerorts unter Verhaltensökonomik noch immer nicht viel vorstellen kann. Ganz zu schweigen davon, dass die Psychologie hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch nicht akzeptiert wird, obwohl Depression die häufigste Erkrankung unter Deutschen ist, an der Schätzungen zufolge 40 bis 50 Millionen Bundesbürger leiden sollen. Die Einlassungen des Regierungssprechers zu dem neuen Beraterstab seiner Chefin dürften dabei auch nur wenig zielführend gewesen sein, denn er soll während der Bundespressekonferenz die Aufgabe dieses Teams mit den vielsagenden Worten umschrieben haben: „Es geht um die Beobachtung menschlichen Verhaltens – da haben sich viele Forscher mit befasst.“ Um sofort die Bitte an die versammelten Journalisten anzufügen, sie möchten doch bitte keine weiteren Fragen zu diesem Thema stellen, weil es sie womöglich „langweilen oder überfordern“ könnte. Das zeigt vor allem eines: Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht mit einem Stups in die richtige Richtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Beispiel aus der Praxis</strong></p>
<p>Zum Glück muss ich bei den Stimmungserhebungen, die ich in jeder Woche in Zusammenarbeit mit der Börse Frankfurt durchführe, niemanden mehr von der Sinnhaftigkeit der Verhaltensökonomik überzeugen. Denn es handelt sich bei dieser Umfrage durchaus um eine aufschlussreiche und mitunter profitable praktische Anwendung dieser mich stets von neuem faszinierenden wissenschaftlichen Disziplin. Die jüngste Sentiment-Umfrage habe ich übrigens <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+rallye+der+privatanleger+72342">HIER</a></strong> kommentiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
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