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	<title>Status-quo-Bias Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
	<lastBuildDate>Tue, 31 May 2016 20:38:40 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Ausgeblendete Brexit-Realität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 May 2016 17:42:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>In Sachen Brexit scheint es einen neuen Trend zu geben. So berichtete etwa der britische Telegraph heute in aller Frühe auf seiner Internetseite über seine neueste Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut ORB. Dabei ist die Zahl derjenigen, die einen Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) befürworten, wieder deutlich gestiegen. Anders ausgedrückt: Der Vorsprung derjenigen, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>In Sachen Brexit scheint es einen neuen Trend zu geben. So berichtete etwa der britische <em>Telegraph</em> heute in aller Frühe auf seiner Internetseite über seine neueste Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut ORB. Dabei ist die Zahl derjenigen, die einen Austritt Großbritanniens aus der EU (Brexit) befürworten, wieder deutlich gestiegen. Anders ausgedrückt: Der Vorsprung derjenigen, die für einen Verbleib sind, liegt danach nur noch bei 51 Prozent gegenüber einem Anteil von 46 Prozent Brexit-Befürwortern<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Dies ist insofern bemerkenswert, als der Vorsprung des Remain-Camps am 22. Mai noch 13 Prozentpunkte betrug, was vor allem bei vielen Aktieninvestoren für Erleichterung sorgte. Aber auch andere Umfragen haben zuletzt die Brexit-Befürworter gleichauf mit den Gegnern oder zumindest näher an sie herangerückt gezeigt.</p>
<p>Vielleicht spielt das Thema Brexit für viele Anleger auch deshalb eine untergeordnete Rolle, weil die meisten sowieso davon ausgehen, dass die Briten am Ende doch in der EU bleiben werden. Da man sich gerade am Aktienmarkt und im Angesicht einer mehrheitlich bullishen Positionierung nicht mehr um einen Brexit scheren möchte, werden die Informationen darüber – vor allen Dingen, wenn die Brexit-Befürworter aufholen – offenbar gerne ausgeblendet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kein Status-quo-Bias</strong></p>
<p>Aber auch Erkenntnisse der Verhaltensökonomik zum Brexit deuten, zumindest auf den ersten Blick, auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU hin. Denn der so genannte Status-quo-Bias, gemeint ist die Neigung vieler Menschen, möglichst alles beim Alten zu belassen, müsste eigentlich für einen Sieg des Remain-Lagers sorgen. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn wie mein Freund und Kollege Herman Brodie unlängst in seinem Blog vom 19.05. <strong>(<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://hermanbrodie.com/" target="_blank">HIER</a></span>)</strong> scharfsinnig festgestellt hat, gibt es für die Briten eigentlich gar keinen Status-quo-Referenzpunkt mehr, an dem sie sich orientieren könnten.</p>
<p>So vergleicht er das Verhältnis Großbritanniens zur EU mit einer in die Jahre gekommenen Beziehung, an der die Partner möglicherweise nur aus Gewohnheit und wegen hoher materieller und psychischer Commitments festhalten. Doch ändert sich diese trügerische Ruhe in dem Moment, wenn einer von beiden die Möglichkeit einer Trennung ins Spiel bringt. Plötzlich steht das, was unausgesprochen doch als Selbstverständlichkeit galt, auf dem Spiel, scheint alles, was die beiden bisher verband und ihre gemeinsame Geschichte ausgemacht hatte, in Frage gestellt. Und nach diesem Moment gibt es kein Zurück mehr; die Zeit der Unschuld ist für immer vorbei.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nichts bleibt mehr so, wie es einmal war</strong></p>
<p>Denn ist die Möglichkeit einer Scheidung erst einmal ausgesprochen, konzentrieren sich die Partner spätestens von da an auf das Für und Wider einer Trennung, also auf einen neuen Referenzpunkt. Mehr noch: Selbst wenn dieses Thema zunächst noch einmal vom Tisch sein sollte – es kann jederzeit neu diskutiert und doch noch zur Realität werden.</p>
<p>Aber es gibt ja noch Trost für diejenigen, die Angst vor einem Brexit haben. Denn wie ich bereits an anderer Stelle (<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://joachim-goldberg.com/2016/05/30/wochenausblick-vom-30-mai-2016/" target="_blank"><strong>HIER</strong></a></span>) ausführte, wäre ein Votum für den Austritt Großbritanniens beim Referendum am 23. Juni rechtlich nicht bindend. Theoretisch könnte sich sowohl das Unterhaus als auch das Oberhaus, das House of Lords, weigern, einen Entscheid der Wähler für den Brexit umzusetzen. Vielleicht hängt es am Ende sogar an der Königin, ob der Wille des Volkes umgesetzt wird. Immerhin: Zuletzt hat sich 1707 ein britischer Monarch geweigert, ein Gesetz zu unterzeichnen.</p>
<p>Für mich jedenfalls ist das Brexit-Thema – auch wenn es bereits jetzt vielen zum Halse heraushängen sollte – noch längst nicht „durch“. Es bleibt spannend, finde ich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Gezählt wurden nur die Votings derer, die am 23 Juni auch tatsächlich beabsichtigen, an der Brexit-Abstimmung teilzunehmen</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Herumgeschubst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Mar 2015 07:34:36 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ganz neu ist das Thema „Nudging“ nun wirklich nicht mehr. Auch ich selbst habe mich dazu bereits mehrfach geäußert (<span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/"><strong>HIER</strong></a></span>, <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/berater-bashing/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/"><strong>HIER</strong></a></span>).</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/herumgeschubst/">Herumgeschubst</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ganz neu ist das Thema „Nudging“ nun wirklich nicht mehr. Auch ich selbst habe mich dazu bereits mehrfach geäußert (<span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/"><strong>HIER</strong></a></span>, <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/berater-bashing/"><strong>HIER</strong></a></span> und <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/"><strong>HIER</strong></a></span>). Jetzt hat sich auch Dieter Schnaas von der Wirtschaftswoche (unter dem Titel „Gütiger Himmel!“<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>) Gedanken darüber gemacht, wie die Politik mithilfe der Verhaltensökonomie den freien Bürger zum psychopolitischen Objekt degradiert. Damit gesellt sich Schnaas zu der großen Gruppe von traditionellen Volkswirten, die sich gegen eine Politik des so genannten Anstupsens („Nudging“), also gegen einen solchen sanften Paternalismus wehren.</p>
<p>Darunter versteht man die Methode, in der Politik mit geschicktem Anreizen und Argumenten den Bürgern einen Anstoß in die richtige Richtung zu geben, damit sie „bessere“ Entscheidungen treffen. Gleichzeitig bleibt die Freiheit des Einzelnen erhalten, zumal der sanfte Paternalismus den Entscheidern keine Vorschriften macht, was sie zu tun haben. Allerdings kann die beim Nudging häufig benutzte Technik, einen Sachverhalt nicht zu verändern, aber anders darzustellen, großen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Menschen ausüben. Gerade weil Menschen nun einmal Verluste schwerer bewerten als Gewinne in gleicher Höhe, spielt es eine wesentliche Rolle, ob man ein Glas als halb voll oder halb leer präsentiert. Mithin als relativen Gewinn oder relativen Verlust.</p>
<p>Natürlich mag Dieter Schnaas – möglicherweise sogar mit einigem Recht – bemängeln, dass Volksvertreter mit dem Geld ihrer Bürger Verhaltensexperten einstellen, denen sie dann den Auftrag erteilen, diejenigen, die ihre Gehälter bezahlen, in gewisser Weise zu „manipulieren“. Und weil die so genannten Nudge-Apologeten angeblich auch noch gleich den Homo Oeconomicus zu Grabe getragen haben, gelten sie ihm als besonders üble Zeitgenossen. Allerdings ist dessen „Leiche“ nicht erst seit dem Ausbruch der Finanzkrise „zur Schändung freigegeben“ wie der Autor des Essays es etwas sehr makaber ausdrückt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aufklärung statt Hexerei</strong></p>
<p>Schon als der Nobelpreisträger Daniel Kahneman gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen Amos Tversky vor mehr als 30 Jahren beweisen konnte, dass Menschen mit Verlusten und Gewinnen unterschiedlich umgehen, hätte das dem künstlichen Konstrukt des Homo Oeconomicus einen Todesstoß versetzen müssen. Denn es ist die für nahezu alle Menschen typische Verlustaversion, die dafür verantwortlich ist, dass man nicht gerne ein Gut gegen ein anderes eintauschen möchte, auch wenn beide gleichwertig sind. Der Verlust dessen, was man hergibt, wiegt schwerer als die Freude über das, was man dafür bekommt, und dies ist ein Grund, weshalb eine große Mehrheit von Entscheidern den Status quo gegenüber einer aktiven Entscheidung bevorzugt. Und genau diese Erkenntnis kann man sich zunutze machen, wenn man Menschen zu für sie „besseren“ Entscheidungen anstupsen möchte.</p>
<p>Was jedoch bei der ganzen Diskussion unter den Tisch fällt, bleibt die Tatsache, dass selbst der Status quo einst einmal festgelegt worden sein muss. Und damit verbunden die Fortführung einer früheren Entscheidung, die auf der Präsentation eines bestimmten Sachverhalts beruht. Ein Sachverhalt, der etwa von Marketingstrategen bewusst und womöglich sogar manipulativ dargestellt wurde, oft ohne dass die Betroffenen etwas davon gemerkt haben.</p>
<p>Wer jedoch Behavioral Economics mit der Methode einer gezielten Sinnestäuschung gleichsetzt, handelt nicht nur polemisch. Denn diese immer noch recht junge Wissenschaftsrichtung beinhaltet weit mehr als die Strategie des Nudging und als sanften Paternalismus. Wer sich außerdem darüber beschwert, dass Nudging nur das gemeine Ausnutzen einer Illusion sei und die Erkenntnisse der Behavioral Economics als zersetzend empfindet und als vermeintliche Gralslehre lächerlich zu machen versucht, verpasst eine wichtige Chance. Denn das beste Gegenmittel gegen die beklagte Einflussnahme des Staates ist immer noch Aufklärung, und diese sollte man besser betreiben, statt die wichtigen Erkenntnisse der Wirtschaftspsychologie als Hexerei und faulen Zauber zu denunzieren.</p>
<p>Und zur Aufklärung, wie Menschen tatsächlich wahrnehmen und entscheiden, tragen die Erkenntnisse der Behavioral Economics entscheidend bei.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Wirtschaftswoche Nr. 13 vom 23. März 2015</p>
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		<title>Darum entscheiden sie nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Mar 2015 16:12:02 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eigentlich sind sich viele Marktteilnehmer darüber einig, dass die US-Notenbank im Juni dieses Jahres oder auch erst im September die Zinswende einläuten wird. Manche sprechen neuerdings sogar erst von Dezember 2015. Auch innerhalb des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) wird mittlerweile erkennbar, dass sich selbst grundsätzliche Befürworter einer tendenziell lockeren Geldpolitik für eine erste Zinserhöhung in [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich sind sich viele Marktteilnehmer darüber einig, dass die US-Notenbank im Juni dieses Jahres oder auch erst im September die Zinswende einläuten wird. Manche sprechen neuerdings sogar erst von Dezember 2015. Auch innerhalb des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC) wird mittlerweile erkennbar, dass sich selbst grundsätzliche Befürworter einer tendenziell lockeren Geldpolitik für eine erste Zinserhöhung in diesem Jahr aussprechen. Dies geht aus den jüngsten Wortmeldungen von Fed-Vizepräsident Stanley Fischer, James Bullard (Fed St. Louis), John Williams (Fed San Francisco) und Denis Lockhart (Fed Atlanta) hervor, die jedoch teilweise derzeit nicht stimmberechtigt sind.</p>
<p>Unter dem Strich gewinnt man den Eindruck, dass ein erster Zinsschritt nicht nur gerechtfertigt, sondern von den Finanzmärkten bereits eingepreist ist. Warum also nicht bald die Leitzinsen um 25 Basispunkte oder etwas mehr erhöhen? Ohnehin wird man für einen derartigen Schritt nie den richtigen Augenblick erwischen, und genau das scheint auch die größte Angst innerhalb des FOMC zu sein. Nichts wäre schlimmer, als eine Zinserhöhung vorzunehmen, die man hinterher angesichts einer konjunkturellen Abkühlung – wie es vor Jahren der Bank von Japan nicht nur einmal erging – womöglich wieder zurücknehmen müsste.</p>
<p>Gerade in den jüngsten Bemerkungen Stanley Fischers anlässlich eines Vortrags in New York tritt diese Entscheidungsproblematik besonders deutlich zu Tage. Nicht nur dass sich der Fed-Vize bezüglich des Zeitpunkts für eine Zinswende nicht festlegen möchte. Vielmehr macht Fischer deutlich, dass der Offenmarktausschuss keineswegs die Absicht habe, eine Politik gleichmäßiger und vorhersagbarer Zinserhöhungen, wie sie in den Jahren 2004 und 2007 praktiziert wurde, noch einmal zu wiederholen. Und wenn Fischer in der „Financial Times“ mit der Aussage zitiert wird, es werde wahrscheinlich in Zukunft keine explizite „forward guidance“ (Leitlinie) der Fed geben, ist das nicht nur als Zeichen für weniger Transparenz in Sachen Notenbankpolitik zu werten. Vielmehr steckt darin der Hinweis darauf, dass man sich schwer tut, selbst nur ein oder zwei kleine Schritte in Richtung einer Zins-Normalität zu gehen. Es ist die Angst vor einer Fehlentscheidung, die im Zweifel zum Festhalten am Status quo, nämlich alles so zu belassen wie es ist, verführt.</p>
<p>Mehr Entscheidungsfreude haben unterdessen die von der Börse Frankfurt allwöchentlich befragten mittelfristig orientierten Marktteilnehmer bewiesen. Hier ist es nämlich zu einer Art verdeckter Kapitulation gekommen, die ich <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+eine+verdeckte+kapitulation+81145" target="_blank"><span style="text-decoration: underline;"><strong>HIER</strong></span></a> kommentiert habe.</p>
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		<title>Entgangene Gewinne</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2015 07:36:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Investmententscheidungen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Fast 25 Prozent hat der DAX in diesem Jahr an Gewinn auf seinem Konto in der Spitze verbucht, aber viele Anleger und vor allen Dingen Börsenprofis haben dieser Kursentwicklung und der Jagd nach neuen historischen Hochkursen oft nur fassungslos zugesehen. Zum einen, weil es praktisch keine „attraktiven“ Einstiegsniveaus auf diesem Weg nach oben gab. Immer [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Fast 25 Prozent hat der DAX in diesem Jahr an Gewinn auf seinem Konto in der Spitze verbucht, aber viele Anleger und vor allen Dingen Börsenprofis haben dieser Kursentwicklung und der Jagd nach neuen historischen Hochkursen oft nur fassungslos zugesehen. Zum einen, weil es praktisch keine „attraktiven“ Einstiegsniveaus auf diesem Weg nach oben gab. Immer wieder stellte sich die Frage für die Investoren: „Soll ich jetzt, ausgerechnet am höchsten Punkt der Bewegung, kaufen?“ Da ist zum einen die Angst, vor späterer Reue, weswegen man gerne solch knifflige Entscheidungen ein ums andere Mal in die Zukunft verschoben hat. Vielfach haben Marktteilnehmer aber auch nur auf eine technische Korrektur zum Einstieg gewartet und sind für einen psychologischen Vorteil, möglicherweise drei, vier oder auch fünf Prozent unter einem historischen DAX-Hoch zu kaufen, das Risiko eingegangen, einen Markt davonlaufen zu sehen.</p>
<p>Abgesehen davon, dass mit dieser Verhaltensweise die Faustregel, wonach das, was man gewinnen möchte etwa dreimal so hoch sein sollte wie das, was man zu riskieren bereit ist, aufs Gröblichste verletzt wird, kann ich natürlich verstehen, dass die Regretaversion vieler Anleger schlichtweg größer ist als die mögliche Freude über einen riesigen Börsengewinn.</p>
<p>Neben dieser Aversion gegenüber zukünftigen kognitiven Dissonanzen gibt es jedoch noch weitere Einflussfaktoren, weswegen sich viele Menschen nur sehr schleppend zu neuen Entscheidungen durchringen können. Selbst wenn alte Investments – etwa eine Nullverzinsung auf dem Sparbuch – nichts mehr bringen, sorgt nämlich der sogenannte Status-quo-Bias dafür, dass man häufig zu lange am Gewohnten festhält. Grund genug, dass ich mich im <em>Thema des Monats </em>März, das ich wie immer für die WGZ Bank <span style="text-decoration: underline;"><strong>(<a href="http://www.wgz-zertifikate.de/de/zertifikate/infothek/goldberg/index.html" target="_blank">HIER</a>)</strong></span> bearbeiten durfte, mit dieser Voreingenommenheit gegenüber neuen, möglicherweise profitableren Entscheidungen auseinandergesetzt habe.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/entgangene-gewinne/">Entgangene Gewinne</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Anhörung mit überzogenen Erwartungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jul 2013 08:59:58 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Viel ist während der vergangenen Tage über Ben Bernanke und den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank diskutiert worden. Wird der Fed-Chef bei den Anhörungen vor Ausschüssen des Kongresses am heutigen Mittwoch und Morgen Hinweise darauf geben, ob die Anleihekäufe der Notenbank nun früher oder später zurückgefahren werden? Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn kurzfristig orientierte [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/anhorung-mit-uberzogenen-erwartungen/">Anhörung mit überzogenen Erwartungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Viel ist während der vergangenen Tage über Ben Bernanke und den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank diskutiert worden. Wird der Fed-Chef bei den Anhörungen vor Ausschüssen des Kongresses am heutigen Mittwoch und Morgen Hinweise darauf geben, ob die Anleihekäufe der Notenbank nun früher oder später zurückgefahren werden? <span id="more-6341"></span>Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn kurzfristig orientierte Händler die jüngeren US-Wirtschaftsdaten lediglich danach bewerten, ob sie das so genannte Tapering beschleunigen oder verzögern könnten. So kommt es mitunter zu paradoxen, wenn auch nicht ausgeprägten oder nachhaltigen Marktreaktionen, insofern gute Wirtschaftsdaten auf Anleihe- und Aktienkurse drücken, während eher negative Daten positiv gesehen werden, weil sie den Tapering-Prozess weiter in die Zukunft schieben könnten. Viele Händler halten sich gerne an diese so genannten Daumenregeln: besser als erwartet oder schlechter als erwartet? Tapering „ein“ oder „aus“? Das ist einfach und spart Zeit, weil man nicht lange drüber nachdenken muss, was man zu tun hat. Dabei hat die Fed doch immer wieder deutlich gemacht hat, was tatsächlich für sie wichtig ist. Und das sind ganz bestimmt nicht einzelne ökonomische Daten.</p>
<p>Diejenigen, die nicht so stark ins Tagesgeschäft verstrickt sind, mögen sich mehr Gedanken darüber machen, was den Fed-Chef derzeit bewegen könnte. So las ich etwa gestern mit Verwunderung in der Börsenzeitung, dass momentan eine tiefe Kluft in der Fed Ben Bernanke zu schaffen mache, was ich nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen konnte. Sicherlich offenbart das drei Wochen alte Protokoll der vergangenen Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) vordergründig eine starke Polarisierung ihrer Mitglieder. Dennoch wollte man mehrheitlich, so hatte ich den Eindruck, die Anleihekäufe eher früher als später zurückfahren, was – und dies dürfte durchaus kalkuliert gewesen sein – zu entsprechenden Marktreaktionen führen würde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Überbewertete Polarisierung</b></p>
<p>Schnell einig schien man sich bei der Fed auch in der Reaktion darauf gewesen zu sein, dass sich die Finanzmärkte im Anschluss an die damalige FOMC-Sitzung wesentlich empfindlicher als erwartet gerierten. Mitglieder des Offenmarktausschusses, unter ihnen sogar auch Zins-Falken, traten an die Öffentlichkeit, um den Märkten zu signalisieren, sie hätten Ben Bernanke wohl nicht richtig interpretiert. Dieser selbst vermittelte in seiner Rede kurz nach Veröffentlichung des Notenbankprotokolls in der vergangenen Woche den Eindruck – obwohl er eigentlich gar nicht viel Neues gesagt hatte –, dass das Tapering wohl kommt, jedoch die Zinsen nicht erhöht werden. Ein Kommunikationsdesaster oder ein geniales Austarieren der Finanzmärkte?</p>
<p>Was kann man jetzt also von der immer noch gerne als „Humphrey Hawkins Testimony“ bezeichneten halbjährlichen Anhörung Bernankes vor dem Kongress erwarten? Schon jetzt bezeichnen einige den FED-Chef, dessen Amtszeit am 31. Januar 2014 enden wird, als [handlungsunfähige] „lame duck“. Vermutlich wird er seinen eingeschlagenen Kurs der vergangenen Tage fortsetzen. Weil es psychologisch gesehen am einfachsten ist. Außerdem würde ein zu kurz vor dem Amtswechsel eingeleitetes Tapering, womöglich verbunden mit einer öffentlich kommunizierten Strategie für die Zukunft („forward guidance“), die Bewegungsfreiheit von Bernankes Nachfolger(in) wesentlich stärker einschränken als eine Fortsetzung dieses bereits eingeschlagenen Kurses. Zwar hält dieser letztlich nur den Status quo aufrecht, doch dürfte er es gleichzeitig für den (die) künftige(n) Notenbankchef(in) leichter machen, ein neues Commitment einzugehen, ohne damit eine gerade erst gefällte Entscheidung des Vorgängers revidieren zu müssen.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/anhorung-mit-uberzogenen-erwartungen/">Anhörung mit überzogenen Erwartungen</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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		<title>Todsünde Trägheit</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/todsunde-tragheit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2013 06:50:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel Die Börse und das Böse Teil III geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/todsunde-tragheit/">Todsünde Trägheit</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst hatte ich einen Beitrag mit dem Titel <a href="http://www.blognition.de/blog/behavioral-livin/die-borse-und-das-bose-iii/" target="_blank"><i>Die Börse und das Böse Teil III</i> </a>geschrieben. Dabei ging es wieder einmal um mögliche Parallelen zwischen den klassischen sieben Todsünden und der  Behavioral Finance sowie darum, ob diese „Sünden“ eventuell das Entscheidungsverhalten der Teilnehmer an den Finanzmärkten beeinflussen könnten. Es zeigte sich, dass die Todsünde „Trägheit“ in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle spielt, weshalb ich noch einmal gesondert darauf eingehen möchte.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a><span id="more-6297"></span></p>
<p>In der Behavioral Finance würde man in erster Linie von einer Trägheit bei Entscheidungen sprechen, und diese kann sich sowohl an den Finanzmärkten als auch im Privatleben fatal auswirken. So empfinden viele Menschen eine große Aversion dagegen, überhaupt Entscheidungen zu treffen – am liebsten würden sie sich ganz davor drücken, aber primär nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie davor zurückschrecken, Verantwortung für die Folgen ihrer Entscheidung zu übernehmen und überhaupt irgendein Commitment einzugehen. Wenn überhaupt, dann treffen sie bestenfalls Entscheidungen, mit denen sie ohnehin den gesellschaftlichen Normen und Moden entsprechen. Daraus ergibt sich auch eine gewisse konservative Haltung, die Neigung, alles so zu belassen, wie es ist. In der Behavioral Economics spricht man auch von der so genannten Status-quo-Bias.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Entscheidungsträgheit bei hohen Einsätzen</b></p>
<p>Entscheidungsträgheit stellt sich vor allem dann ein, wenn es um hohe Einsätze, um ein hohes Commitment geht. Doch sollte man dabei generell zwischen Gewinn- und Verlustsituationen unterscheiden. Denn die meisten Menschen zeigen sich, wenn es um Gewinne geht, wesentlich entscheidungsfreudiger – schließlich winkt auf der anderen Seite auch eine greifbare Belohnung. Umgekehrt verhält es sich bei Verlusten, die per se nicht nur die Bindung, das so genannte Commitment einer Entscheidung erhöhen, sondern die man naturgemäß auch nicht gerne realisieren möchte. Da ist Entscheidungsträgheit durchaus verständlich, aber dennoch manchmal mit katastrophalen Konsequenzen verbunden.</p>
<p>Dramatisch wird Trägheit vor allen Dingen in extremen Situationen, wenn man so hohe Verluste aufgehäuft hat, dass man sie materiell oder moralisch kaum mehr rechtfertigen kann. Bis zur Kapitulation sind es im übertragenen Sinne nur noch wenige Meter. Trotzdem versuchen die meisten Menschen selbst hier, weitere Entscheidungen möglichst zu umgehen. Wenn man Anleger fragt, was sie lieber erleben möchten: Am Extrempunkt, am ungünstigsten Punkt einer Bewegung, einen Verlust zu realisieren oder nichts zu tun, werden sich die meisten für das Nichtstun entscheiden. Denn das Schlimmste, was einem passieren könnte, wäre, dass sich die Kapitulationsentscheidung auch noch als falsch herausstellt und die Kurse etwa nach dem Verkauf verlustbringender Aktien anschließend wieder nach oben gehen. Das würde man dann zusätzlich bedauern müssen.</p>
<p>Zur Entscheidungsträgheit gehört natürlich auch die so genannte Prokrastination, das Aufschieben von unangenehmen Entscheidungen. In der Gegenwart wird die Realisierung eines Verlustes vermieden oder auch ein Verzicht nicht geleistet, selbst wenn man weiß, dass Handeln langfristig profitabler oder gesünder wäre als Aussitzen. Zudem wird ein in der Zukunft liegender Gewinn oder Verlust von den Menschen mit abnehmender Sensitivität – und zwar wesentlich stärker, als man sich das vorstellen kann – wahrgenommen, sprich diskontiert. Klar, dass man heute als Raucher nicht gerne auf eine Zigarette verzichtet, obgleich dies langfristig gesünder ist; sich zu sagen: „Morgen höre ich auf!“ fällt dagegen viel leichter. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kalorienverbrauch für Übergewichtige oder aber auch mit dem Konsumverzicht in der Gegenwart zu Gunsten einer gesicherten Altersvorsorge in der Zukunft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Religion als Hilfestellung</b></p>
<p>Mit welcher Tugend könnte man der Todsünde der Trägheit begegnen? Den sieben Lastern wurde im Mittelalter immerhin ein Katalog himmlischer Tugenden (nach Aurelius Prudentius) gegenübergestellt. Gegen Faulheit soll demnach eine Portion Fleiß helfen. Heute sollte man vielleicht Fleiß durch Disziplin ersetzen. Und Disziplin erreicht man vor allen Dingen durch Pläne, aber, was noch wichtiger ist, vor allem auch durch deren Einhaltung. Mehr noch aber sollte man stets im Auge behalten, was einen langfristig glücklich machen könnte. Denn in mehreren Studien konnte nachgewiesen werden, dass sich nicht zu entscheiden kurzfristig zwar als angenehmer empfunden wird, als eine Entscheidung zu treffen, langfristig sich aber derjenige glücklicher fühlt, der ein Problem angepackt hat, statt nichts zu tun.</p>
<p>Einen strukturierten Handlungsplan bietet übrigens auch die Religion, von der der Kanon der Todsünden ja ursprünglich stammt. Auch setzt die Religion andere Referenzpunkte, bietet einen Neubeginn an sowie, gerade in einer Zeit der Orientierungslosigkeit, ein Gerüst der Traditionen und der immer wiederkehrenden Feiertage. Und gerade diese können für Entscheider in jedweder Hinsicht einen Freiraum eröffnen, um innehalten und mit den erlittenen Verlusten Frieden machen zu können.</p>
<div><br clear="all" /></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Dieses Thema war am 28. Juni 2013 Gegenstand des dritten Teils einer Trilogie für WGZ cognitrend WebTV</p>
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		<title>„Böse“ Schubser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Mar 2013 09:09:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich richtig gefreut, als ich einem Beitrag von Professor Dr. Britta Kuhn im Wirtschaftsblog Ökonomenstimme[1] über den Kampf vieler traditioneller Volkswirte gegen eine Politik des so genannten „Anstupsens“ lesen konnte. Diese Methode findet vor allen Dingen seit dem Erscheinen des Buches „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein aus dem Jahre 2008 [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/bose-schubser/">„Böse“ Schubser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Unlängst habe ich mich richtig gefreut, als ich einem Beitrag von Professor Dr. Britta Kuhn im Wirtschaftsblog Ökonomenstimme<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> über den Kampf vieler traditioneller Volkswirte gegen eine Politik des so genannten „Anstupsens“ lesen konnte. Diese Methode findet vor allen Dingen seit dem Erscheinen des Buches „Nudge“ von Richard Thaler und Cass Sunstein aus dem Jahre 2008<span id="more-5836"></span> immer mehr Anhänger, obwohl sich viele traditionelle Volkswirte gegen einen solchen libertären Paternalismus wehren. Dabei geht es darum, dass die Politik mit geschicktem Setzen von Anreizen und Argumenten den Bürgern einen Schubs in die richtige Richtung gibt, damit sie „bessere“ Entscheidungen treffen. Denn wie sich immer wieder zeigt, treffen viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen, die man als nicht gerade optimal bezeichnen würde. Zumal sie sich dabei über ihre Motive nicht immer im Klaren sind. Mit anderen Worten: Menschen sind leicht beeinflussbar und verlieren mitunter auch den Überblick. Schon nach kurzer Zeit bereuen viele, was sie heute konsumiert haben. So wie ich auch. Zurzeit halte ich wieder mal Diät, und nachdem mir gestern ein kleiner Ausrutscher in Form einer Kaloriensünde widerfuhr, hatte ich heute den ganzen Tag ein schlechtes Gewissen. Oder man denke an den Sparer, der fürs Alter regelmäßig einen bestimmten Geldbetrag zurücklegt, dieses Programm aber wegen der niedrigen Nominalverzinsung kurzum unterbricht und sich stattdessen einen langen gehegten Wunsch gönnt. Aber das neue Smartphone oder die neuen Lautsprecherboxen verlieren viel schneller ihren Reiz, als es sich der stolze Besitzer zuvor ausgemalt hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Libertärer Paternalismus lässt Bürgern freie Hand</b></p>
<p>Beim so genannten Anstupsen versucht die Politik eine Entscheidungssituation so zu gestalten, dass das Handeln der Menschen in die richtigen Bahnen gelenkt wird. Zugleich bleibt aber die Freiheit des Einzelnen erhalten: Der libertäre Paternalismus, an sich ein Paradox, macht den Entscheidern also keine Vorschriften. Zwar kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts einen enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben, aber letztlich bleibt die Freiheit eines jeden bei der Wahl einer Handlungsoption bewahrt. (Mehr dazu <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/berater-bashing/">hier</a> und <a href="http://www.blognition.de/blog/wirtschaft/entscheidungsanstose/">hier</a>) Und da Menschen nun mal Verluste schwerer bewerten als Gewinne, spielt es eine wesentliche Rolle, ob man ein Glas als halb voll oder halb leer präsentiert – als relativen Gewinn oder als relativen Verlust.</p>
<p>Die für nahezu alle Menschen typische Verlustaversion führt aber auch dazu, dass man nicht gerne ein Gut gegen ein anderes eintauschen möchte, auch wenn beide gleichwertig sind, eben weil der Verlust dessen, was man hergibt, schwerer wiegt als die Freude über das, was man dafür bekommt. Deswegen bevorzugen so viele Menschen den Status quo und bleiben lieber passiv, als aktiv eine Entscheidung zu treffen, die man womöglich hinterher noch bereuen könnte. Eine Neigung, die man sich als „Nudger“ zunutze machen kann.</p>
<p>Was jedoch bei der ganzen Diskussion darüber, ob der libertäre Paternalismus gut ist oder nicht, von Befürwortern wie Kritikern gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass auch der Status quo und die damit verbundene Fortführung vergangener Entscheidungen auf einer bestimmten oder gelenkten Präsentation eines Sachverhalts beruht. Vielleicht wurde auch hier schon mit einem „Schubs“ nachgeholfen. Marketingstrategen gibt es nicht erst seit gestern.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> <a href="http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/03/der-kampf-traditioneller-volkswirte-gegen-eine-anstups-politik-ist-realitaetsfern/">http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2013/03/der-kampf-traditioneller-volkswirte-gegen-eine-anstups-politik-ist-realitaetsfern/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Berater-Bashing</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Oct 2012 10:14:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Las unlängst in der Zeitung Die Welt[1] einen Artikel, der unter der etwas polemisch anmutenden Überschrift &#8222;Volkswirte experimentieren im Politik-Labor&#8220; den Eindruck zu erwecken versuchte, dass Politiker und am Ende auch die Bürger Versuchskaninchen der Verhaltensökonomen wären. Vor allem die Behauptung im Untertitel, wonach diese seit Jahren Barack Obama und David Cameron nur mit mäßigem [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/berater-bashing/">Berater-Bashing</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Las unlängst in der Zeitung <em>Die Welt</em><a title="" href="#_ftn1">[1]</a> einen Artikel, der unter der etwas polemisch anmutenden Überschrift &#8222;Volkswirte experimentieren im Politik-Labor&#8220; den Eindruck zu erwecken versuchte, dass Politiker und am Ende auch die Bürger Versuchskaninchen der Verhaltensökonomen wären. Vor allem die Behauptung<span id="more-5342"></span> im Untertitel, wonach diese seit Jahren Barack Obama und David Cameron nur mit mäßigem Erfolg beraten hätten, löste bei mir doch erhebliches Kopfschütteln aus. In dem Artikel von Martin Greive geht es um die beiden US-Verhaltensökonomen Richard Thaler und Cass Sunstein, die offenbar wegen des großen Erfolges ihres gemeinsamen Konzepts und Buches mit dem Titel <em>Nudge</em> beim britischen Premier bzw. beim US-Präsidenten so großen Eindruck hinterlassen hatten, dass sie zu deren Beratern ernannt wurden.</p>
<p>Beim Nudging (was so viel wie „anstupsen“ bedeutet) geht es darum, anstehende Entscheidungen in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen, Anstöße, die besonders gerne von Politikern gegeben werden. So kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben. Denn da die Menschen Verluste mehr als doppelt so stark wie Gewinne in gleicher Höhe erleben, spielt es eine enorme Rolle, ob man ein Glas als halb voll, also wie einen Gewinn, oder halb leer, also wie einen Verlust beschreibt. Anders ausgedrückt: Die Verlustaversion führt dazu, dass Menschen nicht gerne ein Gut gegen ein gleichwertiges anderes Gut eintauschen, denn der Verlust dessen, was man hergeben soll wiegt schwerer als der Gewinn dessen, was man dafür bekommt. Dies ist auch der Grund, warum die meisten Menschen Veränderungen in ihrem Leben nicht allzu sehr schätzen und dazu neigen, Gewohntes nicht zu verändern, also lieber am Status quo festhalten. Und wenn es um Entscheidungen geht, werden vorgegebene Handlungsoptionen bevorzugt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Angewandte Behavioral Economics </strong></p>
<p>Und so ist es den Beratern des britischen Premiers David Cameron zu verdanken, dass seit dem 1. Oktober 2012 dortzulande Arbeitnehmer automatisch in die betriebliche Altersvorsorge eingegliedert werden<a title="" href="#_ftn2">[2]</a>. Dabei hatte sich der Ökonom Richard Thaler eben jene Erkenntnisse über die unterschiedliche Bewertung von Gewinnen und Verlusten zunutze gemacht. Denn an einer <em>aktiven</em> Entscheidung für eine Altersvorsorge stört die meisten Menschen, dass sie ihren gegenwärtigen Konsum einschränken müssen, um in Zukunft irgendwann einmal einen höheren Lebensstandard genießen zu können. Ein Arbeitnehmer, der indes automatisch zu einem Programm zur Altersvorsorge geleitet wird, also <em>passiv </em>bleibt, muss eine solche Entscheidung gar nicht treffen. Mit einer ausdrücklichen Ablehnung des Programms dürfte er indes denselben Sachverhalt  genau umgekehrt wahrnehmen: Einbußen an Lebensstandard im Alter, verbunden natürlich mit einem höheren verfügbaren Einkommen in der Gegenwart. Und er hätte dabei das Gefühl, sich gegen eine geltende Norm zu entscheiden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Geringe Kosten, großer Erfolg</strong></p>
<p>Mit dieser so genannten „Opt-out“ Regelung, mit der man sich also aktiv gegen eine Vorgabe entscheiden muss, dürfte die britische Regierung eine wesentlich größere Anzahl ihrer Bürger dazu bringen, mehr fürs Alter zurückzulegen, als sie dies ohne diesen „Anstupser“ getan hätten. Die Kosten für dieses Programm sind übrigens für die unter Sparzwang stehende Regierung vergleichsweise gering, wenn man bedenkt, wie effektiv in diesem Fall bereits ein einziges richtig formuliertes Anschreiben an die zu Versichernden gewesen sein dürfte.</p>
<p>Doch zurück zum Beitrag von Martin Greive, der – im Widerspruch zur Unterzeile der Überschrift – in seinem Text selbst den Beleg erbringt, wie erfolgreich die Verhaltensökonomen in Großbritannien gearbeitet haben. Gleichwohl wirft er sie in einen Topf mit ihrem US-Pendant, dem Beraterteam des Präsidenten unter Leitung von Cass Sunstein, der im August dieses Jahres als Chef der US-Regulierungsbehörde zurücktrat. Zum einen dürfte es in Großbritannien aufgrund der politischen Struktur des Landes wesentlich leichter als in den USA sein, Gesetze auf den Weg zu bringen. Zum anderen zeichnen sich die im Artikel genannten positiven Beispiele angewandter Verhaltensökonomie dadurch aus, dass sie auf Erkenntnissen fußen, die bereits in vielen Experimenten von Wissenschaftlern bestätigt wurden.</p>
<p>Derartige Beweise vermisse ich jedoch, wenn auf Anraten der Ökonomen in den USA die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln vergrößert und ablenkende Werbeschilder auf Autos verboten werden sollen. Denn um dergleichen zu empfehlen, muss man kein Verhaltensökonom sein. Genauso wenig wie für das Gesetz, das Schülern in den USA ein gesünderes Mittagessen vorschreibt. Dessen Entwurf fiel dennoch in die Zuständigkeit eines Chefs der Regulierungsbehörde,  der, so Barack Obama, immerhin an einer Reihe „historischer Errungenschaften“ im Interesse des amerikanischen Volkes mitgewirkt habe<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>. So hatten die Berater des US-Präsidenten beispielsweise eine Rentenreform vorgeschlagen, die allerdings nie umgesetzt wurde. Doch sollte man dieses Scheitern eher den politischen Entscheidern als der Verhaltensökonomie zur Last legen, deren Vertreter sicherlich eine etwas sorgfältigere Beurteilung als die durch Martin Greive verdient hätten.</p>
<div><br clear="all" /></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Ausgabe vom 28. Oktober 2012</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Das Gesetz soll zunächst nur für die Belegschaft großer Unternehmen gelten</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a>Vgl. <a href="http://dailycaller.com/2012/08/03/obama-regulatory-czar-cass-sunstein-resigns/" target="_blank">http://dailycaller.com/2012/08/03/obama-regulatory-czar-cass-sunstein-resigns/</a></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
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		<title>Problem US-Erholung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 07:52:10 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da erregte ein Artikel im Wall Street Journal das Interesse der Akteure, weil er eine neue Spielart eines quantitativen Lockerungsprogramms à la QE3 in die Diskussion brachte. Und zwar in einer sterilisierbaren Variante. Seit vorgestern wissen wir, dass dieser Ansatz wohl ein großes Missverständnis gewesen sein soll. Zumindest [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist gerade einmal zwei Wochen her, da erregte ein Artikel im Wall Street Journal das Interesse der Akteure, weil er eine neue Spielart eines quantitativen Lockerungsprogramms à la QE3 <span id="more-3517"></span>in die Diskussion brachte. Und zwar in einer <em>sterilisierbaren </em>Variante. Seit vorgestern wissen wir, dass dieser Ansatz wohl ein großes Missverständnis gewesen sein soll. Zumindest wenn man dem Chef der Dallas-Fed Glauben schenken möchte. Aber Richard Fisher, ausgewiesener Zins-Falke, derzeit im Offenmarktausschuss der US-Notenbank jedoch nicht stimmberechtigt, möchte ohnehin nichts von weiteren Lockerungsprogrammen wissen. Ganz im Gegensatz zum Chef der NY-Fed, William Dudley, der unlängst zwar der US-Ökonomie eine gewisse Stabilisierung bescheinigte, allerdings bislang keine nachhaltige Erholung erkennen konnte.</p>
<p>Unterdessen scheinen die Akteure an den Finanzmärkten ohnehin umgedacht zu haben. Auf der einen Seite freut man sich natürlich über die sich besser als erwartet entwickelnde US-Konjunktur. Gleichzeitig sind jedoch die Hoffnungen auf ein neues Stimulus-Programm der Fed geschrumpft. Vor allem, weil sich die Zinstauben und auch Fed-Chef Ben Bernanke derzeit in Sachen QE3 bedeckt halten. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Bei der US-Notenbank weiß man vermutlich genauso wenig wie im Markt selbst, ob die derzeitige wirtschaftliche Erholung in den USA wirklich tragfähig ist. Denn jene wird nur allzu gerne mit einem falschen Referenzpunkt verglichen: Den bis vor kurzem noch zu pessimistischen Prognosen der Ökonomen, die teils aus der Aktienmarktkorrektur vom zweiten Halbjahr 2011 resultierten. Im Vergleich dazu sind die Daten tatsächlich erheblich besser als erwartet ausgefallen. Allen voran der Arbeitsmarkt.</p>
<p>Gemessen an den außergewöhnlichen Maßnahmen der Notenbank, also den Billionen Dollar schweren Stimulus-Programmen, kann man die konjunkturelle Entwicklung in den USA aber noch nicht zwingend als Selbstläufer beurteilen. Mit anderen Worten: Die Notenbank muss in einem ökonomisch ausgesprochen unsicheren Umfeld entscheiden, ob sie etwa die so genannte <em>Operation Twist</em> Ende Juni einfach auslaufen lassen oder ein Nachfolgemodell etablieren möchte. Erstere Variante hätte geldpolitisch nicht einmal eine allzu große Auswirkung, würde aber dennoch vom Markt als eine Straffung der Geldpolitik aufgefasst. Mit der Gefahr, dass dieses Signal – und das damit verbundene hohe psychologische Commitment – womöglich zu früh gegeben würde. Damit wäre eine spätere Rückkehr zur Politik des leichten Geldes ohne einen massiven externen Schock als Grund praktisch nicht mehr möglich.  </p>
<p>Hinzu kommt aber auch die natürliche Tendenz der Menschen, lieber am Status quo festzuhalten, als eine wichtige neue Entscheidung zu treffen. Vor allem, wenn der Erfolg der ersten Entscheidung noch nicht sichergestellt, das heißt, das Ziel (der Referenzpunkt) noch nicht erreicht ist. Ganz zu schweigen von der Reaktion der Investoren, deren Aktienkäufe der vergangenen Jahre zu einem großen Teil psychologisch motiviert waren, in der Hoffnung auf die permanente Präsenz der Notenbank als Retter der letzten Instanz. Es sind genau diese Investoren, die sich jetzt rückversichern möchten, ob die Fed noch zu diesem implizit gegebenen Versprechen steht, im Falle eines Falles für die Märkte da zu sein.  </p>
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		<title>Brandherde</title>
		<link>https://www.joachim-goldberg.com/brandherde/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jan 2011 12:48:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ägypten]]></category>
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		<category><![CDATA[Referenzpunkt(e)]]></category>
		<category><![CDATA[Status-quo-Bias]]></category>
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		<category><![CDATA[Verbundene Wahrscheinlichkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Immer wenn es irgendwo auf dem Globus eine schwerwiegende Krise gibt, sind die Kommentatoren schnell geneigt, von drohenden Ansteckungsgefahren zu sprechen. So geschehen etwa bei der Krise in der Eurozone. Dabei wird immer wieder gerne das Bild des Domino-Effekts bemüht,  also eine Verkettung von Ereignissen die aufeinander beruhen. Solche Szenarien, sind auf der einen Seite [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/brandherde/">Brandherde</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Immer wenn es irgendwo auf dem Globus eine schwerwiegende Krise gibt, sind die Kommentatoren schnell geneigt, von drohenden Ansteckungsgefahren zu sprechen. So geschehen etwa bei der Krise in der Eurozone. <span id="more-809"></span>Dabei wird immer wieder gerne das Bild des Domino-Effekts bemüht,  also eine Verkettung von Ereignissen die aufeinander beruhen. Solche Szenarien, sind auf der einen Seite sehr eingängig, sehen logisch und bildhaft aus und werden mit jedem Detail leichter vorstellbar und so für immer wahrscheinlicher gehalten. Auf der anderen Seite wird leider vergessen, dass mit Hinzufügen jedes weiteren Puzzleteils die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Szenarios sinkt – es handelt sich um so genannte verbundene Wahrscheinlichkeiten<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_edn1">[i]</a>.</p>
<p>Der jüngste Sturz des tunesischen Machthabers hat bei vielen Kommentatoren zu ähnlichen Gedankengebäuden geführt. Nach dem Motto: Wenn es in einem Land des Maghreb Aufstände gibt, wirkt dies wie ein Flächenbrand. Wenn man sich indes den eigentlichen Auslöser für den Aufstand der tunesischen Bevölkerung, eine Selbstverbrennung, vor Augen hält, muss man sich natürlich fragen, warum es anderswo bis dahin nicht ebenfalls schon längst zu Aufständen mit Umstürzen gekommen war. Etwa in Marokko oder Algerien, wo Selbstverbrennungen bis dato keine vergleichbaren Reaktionen ausgelöst hatten.</p>
<p>Ganz anders liegen indes die Dinge in Ägypten. Hier waren nicht notwendigerweise zu hohe Lebensmittelpreise die Ursache für die jüngsten Aufstände, die mit einem Male eine Größenordnung annehmen, die bislang für dieses Land undenkbar waren. Die Menschen hatten ihren Herrscher und die damit verbundene Herrschaftsform jahrzehntelang als etwas Normales akzeptiert – ein Status quo, an dem nur wenige während all der Zeit rütteln wollten. Veränderungen im Machtgefüge des Landes waren für eine große Mehrheit undenkbar.</p>
<p>So gesehen, hatten die Ereignisse in Tunesien per se nichts Ansteckendes. Nein, es war keine Selbstverbrennung eines Menschen, die einen Domino-Effekt ausgelöst hätte. Aber die Vertreibung ihres einstigen Präsidenten Ben Alí hat bei vielen Ägyptern offenbar zu einer Veränderung ihres Wahrnehmungsspektrums geführt: Es wurden Handlungsalternativen vorstellbar, die über Jahre hinweg im Bewusstsein der Menschen verschüttet gewesen sein müssen. Auch weil mit dem Festhalten am Status quo eine gewisse Schicksalsergebenheit, Trägheit oder auch Bequemlichkeit verbunden war. Jetzt hat man offenbar gesehen, dass es auch anders gehen kann. Und dieses &#8222;anders gehen&#8220; muss einen so starken positiven Eindruck hinterlassen haben, dass immer mehr Menschen trotz der damit verbundenen Gefahren für Leib und Leben, bereit sind, sich von jenem Status quo zu lösen. Einem immerhin mächtigen Bezugspunkt, mit dessen Aufgabe, psychologisch betrachtet, auch noch eine hohe Normabweichung einhergeht, solange die Proteste nur von wenigen getragen werden. Die Not muss schon groß gewesen sein, um dem Umdenken Taten folgen zu lassen. Demonstrationen, deren Erfolg nicht einmal gewiss ist.</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ednref1">[i]</a> So hätte etwa ein Szenario, das aus fünf voneinander abhängenden Ereignissen mit einer geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit von jeweils 80%, besteht, insgesamt nur eine Eintrittswahrscheinlichkeit von 0,8<sup>5</sup> = 32,8 Prozent.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/brandherde/">Brandherde</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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