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	<title>Pre-Commitment Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Zum Glück keine Fehler gemacht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jul 2013 07:16:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Wir können eigentlich froh sein, dass Ben Bernanke gestern keine Fehler gemacht hat. Entsprechend positiv und erleichtert haben die Kommentatoren auf seine Anhörung vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses reagiert. Ja, man konnte sogar lesen, der Fed-Chef habe endlich klare Worte gefunden. Ich würde es anders ausdrücken: Er hat sich alle Optionen offen gelassen, denn der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Wir können eigentlich froh sein, dass Ben Bernanke gestern keine Fehler gemacht hat. Entsprechend positiv und erleichtert haben die Kommentatoren auf seine Anhörung vor dem Finanzdienstleistungsausschuss des US-Repräsentantenhauses reagiert. Ja, man konnte sogar lesen, <span id="more-6347"></span>der Fed-Chef habe endlich klare Worte gefunden. Ich würde es anders ausdrücken: Er hat sich alle Optionen offen gelassen, denn der Satz „es gibt auf keinen Fall einen vorab feststehenden Kurs“ erinnert doch sehr an den früheren EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet, wonach dieser immer wieder betont hatte, die Zentralbank wolle sich nicht im Voraus festlegen. Eine Haltung, die man nicht gerade als transparent bezeichnen kann.</p>
<p>Und wenn Ben Bernanke dann auch noch fast gönnerhaft feststellt, die Märkte würden die Botschaft der Fed zu verstehen beginnen, mutet das auf den ersten Blick wie ein arrogantes Ratespiel an. Der Fed-Chef sagt etwas und die Akteure an den Finanzmärkten dürfen raten, was er gemeint hat. Implizit heißt das aber auch, die Finanzmärkte haben ihn in der Vergangenheit missverstanden. Will sagen: Sie haben sich nicht wie von ihm erwartet aufgeführt, sondern wie ein freches kleines Kind daneben benommen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Es gibt keine freien Märkte mehr</b></p>
<p>Jetzt begreife ich es erst! Marktpreise dürfen sich nicht mehr frei als Resultat von Angebot und Nachfrage entwickeln, sondern letztlich von Bernankes Gnaden. Sind die Anleiherenditen zu hoch? – die Fed wird sich darum kümmern. Genauso, falls zu stark anziehende Hypothekenzinsen die positive Entwicklung am Häusermarkt abwürgen sollten. Der Aktienmarkt läuft nicht? Keine Sorge, es gibt ja die Fed!</p>
<p>Kein Wunder also, dass sich kurzfristig orientierte Händler gestern so gerierten, als ob sie auf jede Intonation, möglicherweise auf jede Geste, jedes Räuspern Bernankes schnellstens reagieren müssten. Aber Bernanke hat keine Fehler gemacht und so sind die Kursausschläge glücklicherweise im Rahmen geblieben.</p>
<p>Aber halten wir fest: Auch wenn Ben Bernanke gestern eher etwas taubenhafter für einige geklungen haben mag, hielt er doch an seiner zuletzt eingeschlagenen Strategie fest. Und so bleibt genau genommen alles beim Alten. In der Fed zerbricht man sich den Kopf darüber, ob man die quantitativen Lockerungsprogramme zurückfahren solle, weil in den USA Arbeitsplätze geschaffen werden, obgleich die Lage an der Beschäftigungsfront insgesamt unbefriedigend bleibt. Während vom Häusermarkt ermutigende Signale ausgehen, bleibt die Entwicklung bei den Konsumentenpreisen unter dem Inflationsziel. Die Konjunktur wächst, aber das Wachstum ist immer noch unter dem gewünschten Trend. Man kann also verstehen, warum die geldpolitischen Entscheider sich so uneins sind.</p>
<p>Da haben wir es in der Eurozone schon einfacher. Das Wachstum ist negativ, die Arbeitslosenquote auf Rekordhoch und die Inflationsrate unter Ziel. Obwohl alles doch viel klarer als in den USA scheint, ist man sich auch in der EZB offenbar über den nächsten Schritt uneins. Selbst das jüngere Versprechen von EZB-Präsident Mario Draghi, die Zinsen für längere Zeit niedrig zu halten, wurde umgehend von anderen Ratsmitgliedern konterkariert, die sich das Recht vorbehalten wollen, für den unwahrscheinlichen Fall der Fälle auch kurzfristig die Zinsen anheben zu können.</p>
<p>Und was glauben die Börsianer, wenn sich schon die Notenbanker derzeit alle Optionen offen halten? Eine Antwort darauf könnte die jüngste Stimmungserhebung der Börse Frankfurt geben, die ich <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+wenig+angst+vor+bernanke+54365">hier kommentiert</a></span> habe. Die Detailanalyse finden Sie <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktsentiment+wenig+angst+vor+bernanke+54365#reiter=detailanalyse">hier</a></span>.</p>
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		<title>Ein klares Wort</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 08 Jul 2013 06:09:43 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Nicht wenige Kommentatoren dürften diese Äußerung als historisch bewertet haben. So hatte EZB-Präsident Mario Draghi erklärt,  der EZB-Rat erwarte, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen Niveau oder darunter blieben. Damit hatte Draghi für viele etwas noch nie Dagewesenes getan: Er hatte sich im Voraus festgelegt. Vor allem unterbrach er  auf diese [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nicht wenige Kommentatoren dürften diese Äußerung als historisch bewertet haben. So hatte EZB-Präsident Mario Draghi erklärt,  der EZB-Rat erwarte, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum auf dem gegenwärtigen Niveau oder darunter blieben. Damit hatte Draghi für viele etwas noch nie Dagewesenes getan: Er hatte sich im Voraus festgelegt. <span id="more-6316"></span>Vor allem unterbrach er  auf diese Weise die Tradition seines Amtsvorgängers Jean-Claude Trichets, der zumindest offiziell stets betont hatte: &#8222;We never pre-commit!&#8220; Statt einer Politik der klaren Worte bevorzugte Trichet Code-Wörter, mit denen er scheibchenweise die Finanzmärkte, vor allem Analysten und Journalisten, auf den nächsten Zinsschritt vorzubereiten pflegte. Jeder wusste, wenn er den Begriff &#8222;strongly vigilant“ verwendete, würden in der kommenden EZB-Sitzung Taten folgen. Tatsächlich bedeuteten auch diese Codewörter eine so starke Bindung an künftige Entscheidungen, dass sie dem jüngsten expliziten Commitment Mario Draghis eigentlich in nichts nachstanden.</p>
<p>Ich kann mich noch sehr gut an die EZB-Sitzung vom 7. April 2011 erinnern, als die Zentralbank den Leitzins trotz enormer Unsicherheitsfaktoren um einen Viertelprozentpunkt erhöhte. Immerhin gedachte die EZB in derselben Sitzung der Opfer der japanischen Nuklear-und Erdbebenkatastrophe in Fukushima, die sich nur wenige Wochen zuvor ereignet hatte. Eine Sitzung, an deren Vorabend auch noch Portugal die EU und den IWF um Hilfe hatte bitten müssen! Aber in der Konferenz davor hatte sich Trichet mit seiner Formulierung der &#8222;starken Wachsamkeit&#8220; bereits festgelegt – auch wenn er das Gegenteil behauptete.</p>
<p>So war also ein Commitment, eine Bindung an eine aus damaliger Sicht allemal zweifelhafte Entscheidung entstanden, wodurch, zumindest aus psychologischer Sicht, eine rasche Abkehr von weiteren Zinserhöhungen oder sogar eine rasche Zinssenkung nicht ganz einfach gewesen wäre. Denn ein späterer Kurswechsel wäre immer dem Eingeständnis gleichgekommen, dass die letzte Entscheidung keine gute gewesen war. Immerhin hat eine derartige Bindung andererseits den Vorteil, dass man seine Strategie nicht permanent wie ein Fähnchen im Wind in alle Richtungen flattern lassen kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Wie die Fed die EZB lenkt</b></p>
<p>Viele finden jetzt das offene Pre-Commitment von Mario Draghis problematisch. Weil der EZB-Präsident im Zweifel nicht so leicht aus dieser Nummer herauskommen könne, meinen sie. Ich sehe jedoch dieses Commitment in einem ganz anderen Licht, halte diese Festlegung sogar für etwas geringer als die einst von Jean-Claude Trichet. Denn wesentliche Voraussetzung dafür, dass psychologisch überhaupt ein Commitment entstehen kann, ist die Freiwilligkeit der damit verbundenen Entscheidung. Und genau mit dieser Freiwilligkeit habe ich so meine Probleme. Denn ich glaube, die Entscheidung der EZB ist als Reaktion auf die jüngsten Bestrebungen der US-Notenbank zu verstehen, die mit ihrer Bekanntgabe des so genannten Tapering bis dahin weltweit für einen Anstieg der Renditen gesorgt hatte. Mit der Ankündigung niedriger Leitzinsen für eine lange Zeit hat Mario Draghi den Akteuren an den Finanzmärkten ganz unmissverständlich klargemacht, was es für die Konjunktur in der Eurozone, vor allem aber für die Lage der Staaten an deren Peripherie bedeuten würde, wenn die Renditen weiter steigen sollten. Mit dieser klaren Ansage ist aber auch noch etwas anderes deutlich geworden: Die Politik der US-Notenbank, genauer gesagt des Offenmarktausschusses,  die Strategie eines kleinen, sicherlich nicht unfehlbaren Gremiums bestimmt die Zinspolitik und letztlich das ökonomische Schicksal der ganzen Welt.</p>
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