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	<title>negativer Reiz Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>An der Wurzel gepackt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2014 08:42:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
		<category><![CDATA[Gewöhnung]]></category>
		<category><![CDATA[negativer Reiz]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerzen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nein, es geht heute nicht um ein Grundübel an den Finanzmärkten, derer es genügend gibt. Vielmehr musste ich gestern ganz schnell zum Zahnarzt. Bei der geringsten Berührung des Brückenzahns hinten rechts hatte ich Schmerzen, Schmerzen und noch mal Schmerzen. Und nach einer Röntgenaufnahme stand fest: Wieder einmal war eine Wurzelbehandlung fällig. Da wurden alte Erinnerungen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Nein, es geht heute nicht um ein Grundübel an den Finanzmärkten, derer es genügend gibt. Vielmehr musste ich gestern ganz schnell zum Zahnarzt. Bei der geringsten Berührung des Brückenzahns hinten rechts hatte ich Schmerzen, Schmerzen und noch mal Schmerzen. Und nach einer Röntgenaufnahme stand fest: Wieder einmal war eine Wurzelbehandlung fällig. Da wurden alte Erinnerungen wach.</p>
<p>Damals, vor einigen Jahren, in ähnlicher Angelegenheit, verzichtete ich auf eine lang anhaltende Betäubungsspritze, die ich wegen eines Interviews überhaupt nicht gebrauchen konnte. Ich entschied mich stattdessen für die schmerzhafte Prozedur. Ich könne ja eine Pause machen, wenn es zu anstrengend würde, bot mir der Doktor seinerzeit an. Drei Mal bat ich um Unterbrechung. Die Sprechstundehilfe fragte mich jedes Mal mit mitfühlender Miene: „Wollen Sie spülen?“, was ich natürlich gerne bejahte.</p>
<p>Am Ende war ich fix und fertig. Und mein Zahnnerv vermutlich auch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bei Schmerzen keine Pause, bitte!</strong></p>
<p>Obgleich ich meinen Zahnarztbesuch unter dem Strich als vergleichsweise optimal empfunden hatte, sind die beiden Professoren für Marketing, Leif Nelson und Tom Meyvis* von der New York University zu dem Schluss gekommen, dass ich mein Wohlbefinden entgegen aller Intuition, noch hätte deutlich steigern können.</p>
<p>Es gilt weithin als gesichert, dass sich Menschen meist ausgesprochen schnell an neue Situationen – gute wie schlechte – anpassen können. Neue Erlebnisse, Schmerzen und Schönes, werden anfangs am stärksten, aber mit fortschreitender Zeit und gleichbleibendem Reiz mit abnehmender Intensität wahrgenommen, wir gewöhnen uns. Pausen sorgen jedoch dafür, dass dieses Gewöhnungsniveau wieder auf seinen Ausgangspunkt zurückgesetzt wird und eine Wiederaufnahme des Reizes demzufolge wieder in voller anfänglicher Stärke empfunden wird.</p>
<p>Für meinen Zahnarztbesuch hätte dies bedeutet, dass ich entgegen meiner Intuition, womöglich auf Pausen hätte verzichten sollen. Pausen, die mir zwar ein paar schmerzfreie Sekunden und kurze Erleichterung einbrachten. Aber mit jedem Wieder­einsetzen des Bohrers, hatte ich Lärm und Schmerz wieder in der anfänglichen Stärke wahrgenommen. Um unser Wohlbefinden zu erhöhen, sollten wir also auf die abnehmende Sensitivität bei gleichbleibend negativen Sinnesreizen setzen.</p>
<p>Noch besser ist es, sich gar nicht erst auf eine solche Episode einzulassen, indem man sich (wie ich gestern) eine Betäubungsspritze geben lässt. An die vier Einstiche konnte ich mich jedoch, trotz der Aussicht auf eine schmerzfreie Behandlung, allerdings nicht schnell genug gewöhnen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>* Nelson, Leif D. and Meyvis, Tom (2008): <em>Interrupted Consumption: Adaptation and the Disruption of Hedonic Experience</em>, Journal of Marketing Research, Vol.45, pp.654-664, December 2008</p>
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