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	<title>Mindestlohn Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Mindestlohn ist nicht nur Fluch für Arbeitgeber</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2016 15:55:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Dass das gerade abgelaufene Jahr 2015 auch im Zeichen des in Deutschland nunmehr eingeführten Mindestlohns stand, habe ich zum Beispiel bemerkt, als ich im Sommer mit einem Freund zu den Händel-Festspielen nach Halle reiste. Damals hatten wir mit der Deutschen Bahn AG wieder einmal Schiffbruch erlitten. Gott sei Dank nicht irgendwo auf freier Strecke, sondern [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass das gerade abgelaufene Jahr 2015 auch im Zeichen des in Deutschland nunmehr eingeführten Mindestlohns stand, habe ich zum Beispiel bemerkt, als ich im Sommer mit einem Freund zu den Händel-Festspielen nach Halle reiste. Damals hatten wir mit der Deutschen Bahn AG wieder einmal Schiffbruch erlitten. Gott sei Dank nicht irgendwo auf freier Strecke, sondern in einer Ortschaft, so dass wir angesichts einer angekündigten Wartezeit von mehr als zwei Stunden kurzerhand beschlossen, unsere Reise im Taxi fortzusetzen. Der Kilometerpreis vor Ort sollte 3,10 Euro betragen – für deutsche Verhältnisse ein Rekord. An allem sei nur die Frau Nahles schuld, bedeutete uns der Taxifahrer mit unschuldigem Blick. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro müsse erst einmal erwirtschaftet werden. Und auch andernorts, wo nun die Taxipreise ebenfalls, wenn auch etwas moderater angehoben wurden, jammerten einige Fahrer, in der Zeit vor dem Mindestlohn sei alles besser gewesen. Da hätte man viel besser und vor allem leistungsgerecht verdient. Wer sich angestrengt und viele Fahrten angenommen habe, hätte immerhin einen guten Teil des Umsatzes sein Eigen nennen können. Jetzt verdienten die Faulen genauso viel wie die Fleißigen.</p>
<p>Nun kann man über Mindestlöhne denken, wie man will. Die einen halten sie für einen störenden staatlichen Eingriff in den freien Markt, die anderen für sozial gerechtfertigt. Aber als ich kürzlich hörte, dass das Mindestlohnmodell von seinen Erfindern als Erfolg gefeiert wurde und man aus Gewerkschaftskreisen vernimmt, dass eigentlich ein Mindestlohn von zehn Euro pro Stunde angemessen sei, dachte ich mir in einer ersten, möglicherweise vorschnellen Reaktion: „Die langen aber ganz schön kräftig hin.“</p>
<p>Nun dann traf ich unlängst einen jungen portugiesischen Ingenieur, der gerade seine Ausbildung mit einem zweiten akademischen Abschluss an einer angesehenen internationalen Hochschule beendet hatte. Wir kamen ins Gespräch, und er sagte mir, er könne von seinem monatlichen Einkommen in Frankfurt kaum leben. Als ich dann erfuhr, dass sein Arbeitgeber ihm vollmundig erklärt habe, er würde immerhin Mindestlohn bekommen und sei daher gut bezahlt, kam ich ins Grübeln. Der Chef hatte seinem Angestellten ein halbleeres Glas für halbvoll verkauft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Anker in beide Richtungen</strong></p>
<p>Schließlich wollte ich es genauer wissen und stieß auf eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die sich auf Daten der OECD stützt<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, wonach der in Deutschland eingeführte Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde etwas mehr als der Hälfte des mittleren Stundenlohns eines Vollzeitbeschäftigten im Jahre 2012 entspricht. Außerdem verweist die Studie auf die wichtige Ankerfunktion für die Lohnstruktur eines Landes oder die Gestaltung von Tarifverträgen. Doch zeigt sich dabei, dass der Mindestlohn bei der Entwicklung von Löhnen in Tarifverträgen nicht nur als Benchmark, also als Lohnuntergrenze und Sicherheitsnetz für Arbeitnehmer, die nicht durch Tarifverträge geschützt sind, fungiert.</p>
<p>Vielmehr bewirkt der Ankereffekt, dass eben nicht nur schlecht verdienende Beschäftigte vor extremer Ausbeutung geschützt werden<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a>. Denn der gleiche Anker wirkt auch in die andere Richtung und dürfte dazu führen, dass sich der Stundenlohn vormals besser bezahlter Arbeit nach unten, in Richtung des staatlich festgesetzten Mindestlohns bewegt. Mit anderen Worten: Für manchen Arbeitgeber ist der Mindestlohn nicht nur ein Fluch, sondern auch ein Segen, weil er sich auf ihn als einem als positiv und sozial verantwortungsbewusst geltendem Wert berufen kann. Dann heißt es nicht: „8,50 Euro ist das Mindeste, was ich Dir zahlen muss“, sondern: „Deine Bezahlung orientiert sich an einem anerkannten Standard.“</p>
<p>Zumindest habe ich nicht von großen Entlassungswellen wegen der Einführung des Mindestlohns gehört.</p>
<p>Im Gegenteil: „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung verzeichnet anhaltend kräftige Zuwächse“, beurteilt die Bundesagentur für Arbeit die Entwicklung im vergangenen Jahr<a href="#_ftn3" name="_ftnref3">[3]</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Studie der Friedrich Ebert-Stiftung: Schulten, Thorsten (Oktober 2014): <em>Contours of a European Minimum Wage Policy</em></p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Man bedenke, dass der Mindestlohn in manchen europäischen Staaten unter drei Euro pro Stunde und in manchen Staaten deutlich unter der Hälfte des mittleren Lohnes eines Vollzeitbeschäftigten liegt</p>
<p><a href="#_ftnref3" name="_ftn3">[3]</a> Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit Dezember und Jahr 2015, Seite 7</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Billig, billig, Uber alles …</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2015 06:34:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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		<category><![CDATA[Munchery]]></category>
		<category><![CDATA[Negativzinsen]]></category>
		<category><![CDATA[Taxikosten]]></category>
		<category><![CDATA[Uber]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Als ich unlängst mit einem Freund zu den Händel-Festspielen nach Halle reisen wollte, habe ich wieder einmal mit der Deutschen Bahn AG Schiffbruch erlitten. Zum Glück nicht auf freier Strecke – dieses Mal war es ein Oberleitungsschaden, der uns zu einem unfreiwillig längeren Aufenthalt im Bahnhof Naumburg zwang. Und da die Wartezeit zwei Stunden betragen [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich unlängst mit einem Freund zu den Händel-Festspielen nach Halle reisen wollte, habe ich wieder einmal mit der Deutschen Bahn AG Schiffbruch erlitten. Zum Glück nicht auf freier Strecke – dieses Mal war es ein Oberleitungsschaden, der uns zu einem unfreiwillig längeren Aufenthalt im Bahnhof Naumburg zwang. Und da die Wartezeit zwei Stunden betragen sollte, beschlossen wir kurzerhand, die Reise im Taxi fortzusetzen. Doch als ich erfuhr, dass der Kilometerpreis an diesem Ort 3,10 Euro betragen sollte – herzliche Grüße von Frau Nahles in Sachen Mindestlohn –, hätte ich fast die Fassung verloren. Gott sei Dank waren wir mittlerweile zu viert, so dass sich die Kosten einigermaßen in Grenzen hielten. Aber bei einer Rechnung von 135 Euro und einem Taxifahrer, der sich auch noch damit brüstete, dass die Naumburger Taxen die Kostenkönige von Deutschland seien, wäre ich fast ein Freund des Taxi-Schrecks Uber geworden. Uber, das ist jener Vermittler von Autofahrten über eine Smartphone-App, der wegen seiner aggressive Preis- und Expansionspolitik von der Taxi-Branche mit Argwohn betrachtet und als deren ärgste Bedrohung angesehen wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Uber reloaded</strong></p>
<p>Ein paar Tage später wurde ich zufällig auf einen neuen Lieferservice für Speisen und Getränke aufmerksam und staunte nicht schlecht, weil mich dieses neue Gastronomiekonzept sofort an Uber erinnerte. Nein, es geht nicht etwa um einen x-beliebigen Pizza- oder Sushi-Lieferdienst, sondern um ein US-Unternehmen, das sich Munchery nennt. Dieses Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco sei weder ein Restaurant noch ein Lieferservice, so die Investmentfirma Sherpa Ventures, die hinter Munchery steht und diese neue Geschäftsidee selbst als „größtes Engagement seit Uber“ bezeichnet.</p>
<p>Als ich erfuhr<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>, dass Munchery mit täglich wechselnder Speisekarte (an manchem Tag gut 50 Einzelpositionen von Vorspeise bis Nachtisch) anbietet, fragte ich mich, wie die das wohl machen würden. Denn ein normales Restaurant dürfte wohl kaum im Stande sein, eine vergleichbar große Vielfalt an Speisen anzubieten. Aber ein Restaurant, das seine Speisen ausschließlich seinen Kunden nach Hause liefert, kann sich riesige Küchen leisten, die mithilfe namhafter Köche ein ebenso großes Angebot bewältigen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Vom Negativzins zur Negativ-Marge</strong></p>
<p>Bislang gibt es Munchery in Metropolen wie San Francisco, New York oder Los Angeles, und die Preise können sich sehen lassen. Und wenn dieser Trend auch hierzulande eines Tages greifen sollte, wird so mancher Gastwirt, der schon heute mit engen Margen kalkulieren muss, bei dieser Konkurrenz ins Schleudern geraten. Selbst wenn das gelieferte Essen von den Spitzenköchen nicht ganz erstklassig sein sollte.</p>
<p>Aber es geht noch besser.</p>
<p>Vor ein paar Tagen wurde ich nämlich von einem Verlagsunternehmen kontaktiert, man wolle meine Vorträge zusammen mit denen anderer namhafter Finanzmarkt-Persönlichkeiten im Rahmen einer Live-Übertragung bis zu 15.000 Zuhörern im Internet zugänglich machen. Allerdings könne ich kein Honorar für meine sich möglicherweise über mehrere Tage erstreckende Tätigkeit erwarten. Im Gegenteil: Ich sollte sogar noch Geld drauflegen, vernahm ich erstaunt. Denn durch die Tätigkeit des Verlages würde ich eine bislang unerreichte Bekanntheit bei meinen potentiellen Kunden erreichen. Toll: Jetzt gibt es neuerdings nach Negativzinsen auch noch Negativ-Honorare.</p>
<p>Nein, beschloss ich, dieses verlockende Angebot kann ich leider nicht wahrnehmen. Sonst falle ich ja als möglicher Nutzer von Uber und künftiger Kunde von Munchery aus, und das kann ich der hiesigen Ökonomie nicht antun.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Vgl. <a href="http://uk.businessinsider.com">http://uk.businessinsider.com</a>: <em>A company that d delivers chef-prepared meals is poised to become as popular as Uber</em>, gelesen am 12.6.2015</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/billig-billig-uber-alles/">Billig, billig, Uber alles …</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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