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	<title>Lebensversicherung Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Falsche Ehrfurcht vor der schwarzen Null</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2014 21:17:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ob nun auf dem Thermometer oder in der Welt des Geldes – für viele Menschen spielt die Null eine ganz wichtige Rolle. Für manche ist sie die Trennlinie zwischen Gut und Böse, könnte man meinen. Auch für den deutschen Finanzminister Schäuble ist die Null offenbar ein so wichtiger Referenzpunkt, dass er für sie die merkwürdigsten [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ob nun auf dem Thermometer oder in der Welt des Geldes – für viele Menschen spielt die Null eine ganz wichtige Rolle. Für manche ist sie die Trennlinie zwischen Gut und Böse, könnte man meinen. Auch für den deutschen Finanzminister Schäuble ist die Null offenbar ein so wichtiger Referenzpunkt, dass er für sie die merkwürdigsten Verrenkungen vollführen und alle erdenklichen Opfer erbringen möchte. Da spielt es keine Rolle, dass unlängst die Wachstumsprognosen für die Eurozone zurückgenommen worden sind. Man kann es ja auch verstehen; schließlich hat er die historische Chance, zum ersten Mal seit 1969 als Finanzminister einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können. Mit einer schwarzen Null sozusagen hätte er das Zeug, in die Geschichtsbücher einzugehen. Notfalls muss dafür eben gespart werden.</p>
<p>In der Bankenwelt scheint man anders zu denken. „Wir Deutsche sparen zu viel“ war unlängst in der „Welt am Sonntag“ ein Interview mit dem Chefanlagestrategen der Deutschen Asset &amp; Wealth Management, Asoka Wöhrmann, überschrieben. Man dürfe keine Angst vor Nullen haben, konnte man da lesen, und dem geneigten Leser wurde unvermittelt klar: Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis auch die Sparbücher der Normalverbraucher mit Strafzinsen belegt werden. Vorbei ist es also mit dem zuletzt noch winzigen Taschengeld, mit dem sich der ein oder andere zumindest aus den jährlich erwirtschafteten Mini-Zinsen eine kleine Extraanschaffung leisten konnte. Immerhin: Auch das haben wir zwar mürrisch, aber letztlich doch fast klaglos hingenommen. Weil die Zinseinnahmen stets als Gewinn erlebt wurden. Und diese Gewinne zu verbrauchen verursacht selbst bei konservativ eingestellten Menschen nicht sofort ein schlechtes Gewissen.</p>
<p>Mental wurde – obgleich die Zinszahlung teilweise als Inflationsausgleich für die Entwertung des gesparten Kapitals dienen soll – in zwei Konten gedacht: eines fürs Kapital und eines für die Zinsen. Selbst wenn das Kapital real eigentlich weniger wurde – es gab ja Zinsen. Damit ist jetzt Schluss. Jetzt geht es für viele Sparbuchbesitzer nicht nur real ans Eingemachte.</p>
<p>Ich wage schon jetzt eine Prognose: Ein Viertelprozent Strafzinsen werden von den Anlegern doppelt so stark bewertet werden wie ein Viertelprozent Habenzinsen. Verluste, so die Erkenntnisse der Behavioral Finance, wiegen schwerer als Gewinne gleicher Größe. Aber nicht nur das. Denn wenn die Europäische Zentralbank auf die Idee käme, auf die bei ihr unterhaltenen Einlagen noch höhere Negativzinsen als bereits jetzt zu fordern, könnte es sogar noch schlimmer kommen. Ein halbes Prozent Strafzinsen p. a. für Kleinsparer? Hatte man uns nicht immer wieder gepredigt, bei null Prozent Zinsen sei Schluss nach unten, das sei so etwas wie eine rote Linie?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Referenzpunkt Null</strong></p>
<p>Diese ominöse Null ist für uns nicht nur ein materielles, sondern auch ein psychisches Problem. Und eine Frage der Wahrnehmung. Denn die Null ist ein leicht zu merkender Referenzpunkt. So wie ein DAX bei 10.000 Zählern. Zu Zeiten, als es noch für zehnjährige Anleihen vier Prozent Zinsen p.a. gab, haben sich viele Menschen nicht die Frage gestellt, wie weit das investierte Kapital einer schleichenden Entwertung unterworfen wäre. Man hat es einfach nicht gemerkt.</p>
<p>Eine gleich hohe „Realverzinsung“ unterstellt, fällt es uns nunmehr sehr schwer, für eine Extraausgabe das Kapital angreifen zu müssen. Obgleich man bei fallenden Konsumentenpreisen theoretisch mehr für sein Kapital bekommen würde, eine schleichende Aufwertung also. Aber es will uns nicht einleuchten, dass man in Bälde etwas davon abgeben soll, ohne etwas davon zu haben. Ganz zu schweigen von all den institutionellen Anlegern, die auf Ausschüttungen angewiesen sind oder aus rechtlichen Gründen ihr Kapital (z. B. Stiftungen) nicht angreifen dürfen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Achtung, Fehlentscheidungen drohen!</strong></p>
<p>Die Konsequenzen sind für Privatanleger vielfältig und möglicherweise schwerwiegende Fehlentscheidungen schon jetzt absehbar. Sei es, dass man seine liquiden Mittel ganz einfach abhebt und unter die Matratze steckt. Ja, das kann ziemlich riskant sein. Vor allem, wenn man auch noch in der Nachbarschaft herumerzählt, wie man der Bank ein Schnippchen geschlagen hat. Als viel gravierender erachte ich aber die Suche nach Anlageformen, die man unter normalen Umständen nie in Betracht gezogen hätte. Ja, drei, vier oder gar fünf Prozent p. a.! Das sieht ja noch ganz toll aus im Vergleich zu Negativzinsen. Diese drei, vier oder fünf Prozent bekommt man allerdings nicht, ohne entsprechende Risiken einzugehen. Aber das wieder besser gefüllte mentale Zinskonto ermöglicht dann immerhin den Luxus einer Extraausgabe. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines kräftigen (Total)verlustes auf dem Kapitalkonto dabei erheblich größer als bei einer altmodischen Sparform ist. Soll man jetzt überhaupt noch fürs Alter sparen, wo man fürs Sparen doch bestraft wird? Aber einfach drauflos konsumieren, selbst wenn man es sich leisten könnte? Das macht ja auch der Herr Schäuble nicht.</p>
<p>Wir werden uns umgewöhnen müssen in einer Zeit drohender Deflation. Es geht nicht mehr darum, wo ich die meisten Zinsen bekomme. Vielmehr sollte man den Sachverhalt einfach anders darstellen (Reframing) und sich stattdessen fragen, wo man am wenigsten bluten muss. Eine Anlageform, die langfristig nur das Kapital erhält, ist unter diesen Umständen vielleicht gar nicht so schlecht. Deswegen sollte man sich auch nicht ärgern, wenn man demnächst bei den Ersparnissen für die private Altersvorsorge selbst bei seinem Lebensversicherer gesetzlich garantiert nur noch null Prozent bekommt. Das ist dann, relativ gesehen, immer noch ganz gut.</p>
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		<title>Wie die Altersvorsorge noch unattraktiver wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Nov 2011 07:53:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Unlängst hat mein Mitstreiter Herman in einem Blog-Beitrag beschrieben, wie das so genannte Nudging (&#8222;Anstupsen“) bei der  Altersvorsorge funktioniert. Dabei zeigte sich, dass man oft nur den Bezugsrahmen eines Sachverhalts verschieben muss, um Menschen in Richtung einer bestimmten Entscheidung zu beeinflussen. Am Ende läuft es dennoch immer darauf hinaus, dass man in der Gegenwart ein [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: small;">Unlängst hat mein Mitstreiter Herman in einem Blog-Beitrag beschrieben, wie das so genannte Nudging (&#8222;Anstupsen“) bei der  Altersvorsorge funktioniert. Dabei zeigte sich, dass man oft nur den Bezugsrahmen eines Sachverhalts verschieben muss, um Menschen in Richtung einer bestimmten Entscheidung zu beeinflussen.<span id="more-2807"></span></span></p>
<p><span style="font-size: small;">Am Ende läuft es dennoch immer darauf hinaus, dass man in der Gegenwart ein Opfer zu Gunsten eines Gewinns in der Zukunft bringen muss, und genau das fällt vielen Menschen schwer. Obgleich einem der Verstand sagt, dass die staatliche Altersvorsorge allein nicht ausreicht, muss der Bauch erst überzeugt werden. Nicht nur weil ein Verlust bei den meisten Menschen mehr als doppelt so schwer wie ein Gewinn in gleicher Höhe wiegt, sondern weil generell Gewinne und Verluste, die in der Zukunft liegen, im Empfinden jedes Einzelnen stark abgewertet (diskontiert) werden. Hier kommt noch hinzu, dass die Folgen der Entscheidung, mehr Geld fürs Alter zurückzulegen, unmittelbar in der Gegenwart erfahren werden, während man sich die positiven Spätfolgen abstrakt vorstellen muss. Will sagen: Damit sich die heutigen Einbußen und der künftige Gewinn an Lebensqualität psychologisch die Waage halten, müsste die Rente um ein Mehrfaches höher sein als die monatlichen Belastungen, die durch die Einzahlungen ins Rentensystem entstehen. </span></p>
<p><span style="font-size: small;">In früheren Jahren, als die nominalen Renditen langfristiger Anleihen noch hoch waren, konnten von den Anbietern von Renten- und Kapitallebensversicherungen wegen des hohen Zinseszinseffektes attraktive Altersrenten prognostiziert werden. Das Ganze wurde meist auch schön übersichtlich präsentiert, damit sich der Kunde vorstellen konnte, wie sich ein Prozent Zinssteigerung oder ein Prozent Zinssenkung auf seine Rente auswirken würde. Mit nunmehr auch langfristig äußerst niedrigen Zinsen können solche Modellrechnungen selbst bei einem relativ günstigen Garantiezins der Lebensversicherer nicht mehr attraktiv aussehen. Am Ende wird der Sparer in seiner Wahrnehmung für die Altersversorgung vor dem Dilemma stehen, entweder Gefahr zu laufen, real einen Teil seines eingezahlten Kapitals zu verlieren oder höher rentierliche Anlagen zulasten eines höheren Risikos suchen zu müssen. Obgleich sich ceteris paribus an der Realverzinsung seines Investments gegenüber den früheren relativen Hochzinszeiten nichts geändert haben sollte<a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftn1">[1]</a>. Ansonsten steht einer nominal winzigen Verzinsung in der Zukunft ein Verzicht in der Gegenwart gegenüber, den die meisten Menschen auf sich zu nehmen nicht mehr gewillt sind.</span></p>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=342-20110630#_ftnref1">[1]</a><span style="font-size: x-small;">Viele Menschen dürften sich angesichts einer hohen und attraktiv aussehenden nominalen Verzinsung kaum die Mühe gemacht haben, die reale Rendite nachzurechnen.</span></p>
</div>
</div>
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		<title>Flucht ins Risiko?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Dec 2010 13:25:49 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Gestern las ich in der FTD, die Allianz werde ihre so genannte Überschussbeteiligung für Kunden der klassischen Lebens- und Rentenversicherung auf den Sparanteil der Prämien (etwa 80 Prozent der Prämie) im kommenden Jahr auf 4,1 Prozent senken. Eine Folge der Finanzkrise, weil die Lebensversicherer verständlicherweise für neue Anlagen, etwa in zehnjährige Bundesanleihen, derzeit nicht einmal 3 [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern las ich in der FTD, die Allianz werde ihre so genannte Überschussbeteiligung für Kunden der klassischen Lebens- und Rentenversicherung auf den Sparanteil der Prämien (etwa 80 Prozent der Prämie) im kommenden Jahr auf 4,1 Prozent senken. Eine Folge der Finanzkrise, weil die Lebensversicherer verständlicherweise für neue Anlagen,<span id="more-6650"></span> etwa in zehnjährige Bundesanleihen, derzeit nicht einmal 3 Prozent Zinsen p. a. bekommen. Sicherlich erzielen die meisten Versicherungsgesellschaften derzeit noch eine höhere Verzinsung aus Anleihen, die sie bereits länger im Bestand halten. Aber diese werden in nächster Zeit peu à peu auslaufen.</p>
<p>Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten äußert dabei zu Recht, die Absenkung der Überschussbeteiligung könnte bei einigen Kunden zu einem „Aha-Erlebnis“ führen. Und er fügt hinzu: &#8222;Sie sehen, dass die Altersversorgung nicht mehr das geplante Niveau hat, und können durch andere Investitionen gegensteuern&#8220;. Was natürlich für jemanden, der jetzt nicht mehr Geld für die Altersversorgung investieren möchte, im Klartext heißen würde, die Lebens- oder Rentenversicherung kündigen zu müssen, was aber, so auch Thorsten Rudnik, wegen der Hohen Einbußen bei vorzeitiger Auflösung kaum Sinn macht.</p>
<p>Clevere Zeitgenossen könnten aber durchaus auf die Idee kommen, ihre Lebensversicherung einfach stillzulegen und die so gesparten Beiträge anderweitig zu investieren. Wohl wissend, dass mit höheren Erträgen auch bestimmte Risiken eingegangen werden müssen. Risiken, die möglicherweise noch in ferner Zukunft liegen, aber im schlimmsten Fall genau das anrichten, was wir heute um jeden Preis vermeiden wollen: die Minderung unseres Kapitals.</p>
<p>Wer jedoch unterstellt, dass man in Zukunft keine Inflation fürchten muss (was angesichts der teils massiven Sparanstrengungen in Europa nicht völlig aus der Luft gegriffen wäre), braucht sich eigentlich wegen der niedrigeren Überschussbeteiligung der Lebensversicherer nicht wirklich zu grämen. Denn es wird tunlichst übersehen, dass der Zins zumindest teilweise einen Ausgleich für die Geldentwertung darstellen soll, die sich in einem inflationären Umfeld zwangsläufig ins angesparte (Versicherungs)kapital hineinfressen würde<a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ftn1">[1]</a>. Wenn Geldentwertung jedoch nicht stattfindet, bleibt der Wert des so eingezahlten Kapitals erhalten. Schön, wenn es dann noch eine kleine Überschussbeteiligung gibt.</p>
<p>Am Ende bleibt (wie immer) nur eine Frage zu lösen: Werden wir Inflation oder Deflation bekommen?</p>
<hr size="1" /><a href="http://www.blognition.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/paste/pasteword.htm?ver=327-1235#_ftnref1">[1]</a> Tatsächlich handelt es sich beim eingezahlten Versicherungskapital und den Überschüssen um zwei mentale Konten. Die Überschüsse werden von den Kunden als Gewinn separat wahrgommen, während sich die Versicherungssumme nominal nicht ändert.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/flucht-ins-risiko/">Flucht ins Risiko?</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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