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	<title>Immobilienkrise Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Lebenslänglich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Nov 2010 08:05:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Living]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Traf neulich im Sportstudio einen alten Bekannten. Nach dem üblichen Smalltalk, in den man automatisch verfällt, wenn man sich lange nicht gesehen hat, fragte mich mein Gegenüber: &#8222;Kannst du dich noch erinnern? So vor etwa gut zwei Jahren? Damals hatte uns doch das Sportstudio eine lebenslange Mitgliedschaft angeboten.&#8220; Jetzt dämmerte es mir: Richtig, ich glaube, [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Traf neulich im Sportstudio einen alten Bekannten. Nach dem üblichen Smalltalk, in den man automatisch verfällt, wenn man sich lange nicht gesehen hat, fragte mich mein Gegenüber: &#8222;Kannst du dich noch erinnern? So vor etwa gut zwei Jahren? Damals hatte uns doch das Sportstudio eine lebenslange Mitgliedschaft angeboten.&#8220; <span id="more-588"></span>Jetzt dämmerte es mir: Richtig, ich glaube, dieses lebenslange Commitment sollte seinerzeit 4000 € kosten. Bei einem Monatsbeitrag von ca. 80 bis 100 € für treue Mitglieder hätte dies ohne Zinseffekte etwa einer vier- bis fünfjährigen Beitragszahlung entsprochen.</p>
<p>&#8222;Damals hast Du mir davon abgeraten, nicht wahr?&#8220; Mein Bekannter, übrigens ein Volkswirt, schaute mich lächelnd an. Nein, er wollte mir sicherlich nicht vorwerfen, dass ich ihn seinerzeit schlecht beraten hätte. &#8222;Jetzt habe ich noch genau anderthalb Jahre, bis ich meinen Break-even erreicht habe.&#8220; Damals hatte ich sicherlich gute Gründe gehabt, den Sportsfreund vor einem derartigen Engagement zu warnen. Denn ich selbst hatte mich gegen &#8222;lebenslänglich&#8220; entschieden. Abgesehen davon, dass es – wir befanden uns Mitte 2008 immerhin bereits in der Immobilienkrise – für mein Sportstudio kein Kredit-Rating gegeben hatte, hegte ich durchaus noch andere Bedenken. Angenommen, 100 Mitglieder machten von dem Angebot Gebrauch, so hätte dies für den Betreiber des Studios zusätzliche Liquidität von 400.000 €, zinslos versteht sich, bedeutet. Das aber ließ mich grübeln: Wer offensichtlich so dringend Geld benötigt, ist vielleicht bereits vor Ende der Frist, die mein Bekannter als Break-even bezeichnet, pleite. Ganz zu schweigen davon, dass der Service sicherlich nachlassen würde, wenn man sich einer so großen Zahl von Kunden sicher sein kann. Denn diese können ja nicht mehr das Studio wechseln. Sie müssen in jedem Fall ausharren, selbst wenn die Duschen dreckig, die Geräte überaltert und die Trainer muffig sein sollten. </p>
<p>&#8222;Die anderthalb Jahre werden die auch noch schaffen“, fuhr mein Bekannter fort. &#8222;Bleibt eigentlich nur noch das Risiko, dass ich früh sterbe – aber den Frust darüber, dass sich die 4000 Euro dann nicht amortisiert haben, werde ich ja nicht mehr empfinden!&#8220;, lachte er. Im ersten Augenblick hätte ich ihm fast zugestimmt. Doch dann fiel mir ein, dass wir Menschen, gerade wenn es darum geht, Sachverhalte schnell begreifen zu müssen, zur Vereinfachung, zur Schwarzweißmalerei tendieren. Aber das Schicksal ist kein binäres Ereignis, kennt nicht nur Tod oder Leben. Plötzlich wurde mir klar, dass dazwischen durchaus noch viele Schritte liegen können,  die wir mangels Vorstellbarkeit ausblenden, was zu einer zu optimistischen Einschätzung von Risiken führen kann. Was ist, wenn man einen Unfall hat, querschnittsgelähmt wäre oder so herzkrank, dass der Arzt jede Anstrengung verbieten würde, dachte ich. Könnte man dann noch zum Training kommen? All’ das aber sagte ich nicht laut, denn ich wollte meinen Bekannten nicht in Angst und Schrecken versetzen, nur um Recht behalten zu haben.</p>
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