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	<title>FT Poll of Polls Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Die Wohlfühl-Wahl</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jun 2016 16:22:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Behavioral Public Choice]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8921 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg" alt="Big Ben" width="300" height="137" srcset="https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-300x137.jpg 300w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-768x350.jpg 768w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben-800x366.jpg 800w, https://www.joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Big-Ben.jpg 802w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Betrachtet man die Entwicklung der hiesigen Aktienmärkte seit Wochenbeginn, könnte man fast den Eindruck gewinnen, es handele sich um eine vorgezogene Party. Dabei soll es, dem Volksmund nach, Unglück bringen, wenn man jemandem zu früh zu seinem Geburtstag gratuliert oder die Champagnerkorken vorzeitig knallen lässt. Zugegeben: Die Anspannung vor dem Referendum in Großbritannien über dessen möglichen Austritt aus der EU am morgigen Donnerstag scheint sich etwas gelegt zu haben. Derzeit haben die Gegner eines solchen Brexit die Oberhand gewonnen – im ungünstigsten Fall liegen sie, so die jüngste Berechnung der übergeordneten Umfrage der Financial Times („Poll of Polls“), nur marginal hinter den Befürwortern.</p>
<p>Es gibt nicht wenige, die diesen Stimmungswechsel mit der Ermordung der britischen Abgeordneten Jo Cox in der vergangenen Woche in Verbindung bringen. Und es würde auch mich nicht wundern, wenn dieses schreckliche Ereignis zumindest auf bislang unentschiedene Wähler einen Einfluss in größerem Ausmaß gehabt hätte. So hatte ich bereits in einem anderen Beitrag (<span style="color: #ff0000;"><strong><a style="color: #ff0000;" href="http://joachim-goldberg.com/2016/06/16/im-zweifel-entscheidet-der-bauch/">HIER</a></strong></span>) darauf hingewiesen, dass die meisten Entscheider mit dem Referendum zumindest insofern überfordert sind, als wohl kaum jemand von ihnen in der Lage sein dürfte, sämtliche etwaige Folgen seines Votums aus allen Blickwinkeln und auch mit allen Konsequenzen zu überblicken. Um diesen schwierigen Entscheidungsweg abzukürzen, bedienen sich die meisten Menschen so genannter Heuristiken. Faustregeln, die im richtigen Kontext durchaus hilfreich sein können, weil sie die Komplexität schwer überschaubarer Sachverhalte verringern und so zu schnellen Ergebnissen führen können. Häufig kommt es aber auch zu ungenauen und verzerrten Einschätzungen, besonders bei ökonomischen und politischen Sachverhalten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Verfügbarkeitskaskaden entstehen</strong></p>
<p>Eine dieser Heuristiken ist der sogenannte Verfügbarkeitsirrtum, wonach Menschen sich durch besonders knallige, drastische oder eben verabscheuenswürdige Ereignisse, also durch leicht verfügbare Informationen, stark beeinflussen lassen. Werden solche Ereignisse auch noch in der Öffentlichkeit diskutiert und erregen sie starkes Aufsehen, können sogar regelrechte Verfügbarkeitskaskaden entstehen<a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a>. Am Anfang steht eine einzelne Wahrnehmung, die sich allein durch ihre häufige Erwähnung in den Medien in einer Art Kettenreaktion und sich selbst verstärkendem Prozess schließlich zu einer kollektiven Überzeugung verwandelt – entweder mit breiter sozialer Akzeptanz oder Ablehnung. Doch ist es nicht nur die leicht verfügbare Information, sondern oft auch der (meist unbewusste) Wunsch vieler Menschen, durch  Anpassung ihrer Meinung an die kollektive Überzeugung sozial akzeptiert zu sein, wodurch die Verfügbarkeitskaskaden verstärkt werden. Ein Phänomen, das für die Gesellschaft positive, aber auch negative Folgen haben kann. Daher ist es naheliegend, dass auf Verfügbarkeitskaskaden spezialisierte Aktivisten durch geschicktes Lostreten solcher Kaskaden den politischen Diskurs manipulieren können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Behavioral Public Choice</strong></p>
<p>Und so ist es kein Wunder, wenn sich unter dem Namen „Behavioral Public Choice“<a href="#_ftn2" name="_ftnref2">[2]</a> eine recht junge Wissenschaftsdisziplin mit dem irrationalen Verhalten politischer Akteure und Wähler beschäftigt und dessen Folgen für Politik und Gesellschaft untersucht. Die Experten dieser Forschungsrichtung sind davon überzeugt, dass sich die Wähler gerade in einem emotional aufgeladenen Umfeld wie dem Brexit-Referendum für die Option entscheiden werden, mit der sie sich im Augenblick wohl fühlen, während Nutzen oder Kosten ihrer Wahl in den Hintergrund treten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Frage ist, womit sich die Briten mehrheitlich – auch angesichts des Attentats der vergangenen Woche – vor allem moralisch wohl fühlen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a> Timur Kuran and Cass R. Sunstein (1999): <em>Availability Cascades and Risk Regulation</em> Stanford Law Review, Vol. 51, No. 4 (Apr., 1999), pp. 683-768</p>
<p><a href="#_ftnref2" name="_ftn2">[2]</a> Vgl. etwa: Gary J. Lucas &amp; Slaviša Tasić (2015): Behavioral Public Choice and the Law, West Virginia Law Review 199 (2015) a</p>
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		<title>Zu viel Vertrauen in die (eigene) Rationalität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jun 2016 15:33:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[Brexit]]></category>
		<category><![CDATA[DAX-Sentiment]]></category>
		<category><![CDATA[FT Poll of Polls]]></category>
		<category><![CDATA[Overconfidence]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die heutige Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) dürfte für viele Akteure an den Finanzmärkten ein Non-event darstellen. Denn es gibt derzeit nur ein einziges, alles beherrschende Thema: das Brexit-Referendum am 23. Juni. Dabei zeigen jüngste Umfragen in Großbritannien, dass sich die Mehrheitsverhältnisse unter den Wählern ganz eindeutig in Richtung eines Austritts Großbritanniens aus der [&#8230;]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="size-medium wp-image-8899 alignleft" src="http://joachim-goldberg.com/wp-content/uploads/2016/06/Senti_15062016-300x137.jpg" alt="Senti_15062016" width="300" height="137" /> Die heutige Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) dürfte für viele Akteure an den Finanzmärkten ein Non-event darstellen. Denn es gibt derzeit nur ein einziges, alles beherrschende Thema: das Brexit-Referendum am 23. Juni. Dabei zeigen jüngste Umfragen in Großbritannien, dass sich die Mehrheitsverhältnisse unter den Wählern ganz eindeutig in Richtung eines Austritts Großbritanniens aus der EU bewegen. Die übergreifende Umfrage der Financial Times (Poll of Pols) zeigt dabei eine leichte Führung der Brexit-Anhänger (47 Prozent gegenüber 44 Prozent REMAIN) an.</p>
<p>Dennoch scheinen viele britische Unternehmen keinen Notfallplan in der Schublade für die Zeit nach einem etwaigen Brexit zu haben. Dies mag wohl auch daran liegen, dass die Folgen eines Brexit völlig unklar sind. Dennoch lese ich immer wieder von Analysten, die ihre makroökonomischen Modelle mit Daten füttern und dann auf den Prozentpunkt genau vorhersagen können, wie heftig das Englische Pfund oder der Aktienmarkt im Falle eines Falles einstürzen werden. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass die Fundamentaldaten bereits seit Jahren durch die massiven Interventionen der großen Notenbanken in Form von geldpolitischen Lockerungs­programmen und ultraniedrigen Zinsen verwässert werden. Vor allen Dingen gehen diese Modelle davon aus, dass sich die Menschen an den Finanzmärkten rational verhalten. Eine Annahme, die angesichts der hohen Komplexität der möglichen Folgen und Rückkopplungen aus anderen Wirtschaftsräumen nach einem Brexit absurd erscheint.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Zu optimistisch</strong></p>
<p>Es ist keine 14 Tage her, da wurde mir vorgeworfen, ich sei viel zu pessimistisch. Denn in Anbetracht der Tatsache, dass die Wohneigentumsquote in Großbritannien bei etwa 70 Prozent läge, könnten sie sich wegen drohender Wertverluste ein Brexit-Votum kaum leisten. Wertverluste, die übrigens nur dann interessant sind, wenn man gerade sein Immobilieneigentum verkaufen möchte.</p>
<p>Auch war die Ansicht vieler Investoren recht deutlich, dass sich die Wählerinnen und Wähler im letzten Augenblick doch noch für einen Verbleib ihres Landes in der EU aussprechen würden. In einer eigenen, nicht repräsentativen Befragung konnte ich am vergangenen Donnerstag noch feststellen, dass aus einer größeren Gruppe institutioneller Anleger 75 Prozent der Befragten keine Angst vor einem Brexit hatten.</p>
<p>Bei den Börsianern macht sich unterdessen auch keine  Angst breit, dass sich die jüngsten Umfragen bewahrheiten und es am Ende zu einem großen Tohuwabohu nach dem 23. Juni kommen könnte. Meine Stimmungs-Analyse dazu, die ich wie immer für die Börse Frankfurt erstellt habe, finden Sie übrigens <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Mutig-wider-den-Brexit-790512" target="_blank"><strong><span style="color: #ff0000;">HIER</span></strong></a>.</p>
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