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	<title>Anstupsen Archive - Joachim Goldberg</title>
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	<description>Behavioral Finance, Behavioral Ethics und Behavioral Living</description>
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		<title>Ein wichtiger Stupser</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Oct 2017 14:17:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Anstupsen]]></category>
		<category><![CDATA[Behavioral Economics]]></category>
		<category><![CDATA[Börse Frankfurt Sentiment-Index]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, als das Kanzleramt vor ein paar Jahren gleich drei Stellen für Referenten mit Kenntnissen in Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik ausschrieb. Damals war ich überrascht, wie viele hämische Kommentare diese Stellenausschreibung provoziert hatte. Da verkündete die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragte, ob die Kanzlerin wohl [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/ein-wichtiger-stupser/">Ein wichtiger Stupser</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, als das Kanzleramt vor ein paar Jahren gleich drei Stellen für Referenten mit Kenntnissen in Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik ausschrieb. Damals war ich überrascht, wie viele hämische Kommentare diese Stellenausschreibung provoziert hatte. Da verkündete die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragte, ob die Kanzlerin wohl auf die Couch müsse; sogar von einem möglichen Burnout Merkels war die Rede. In vielen Reaktionen klang an, dass man die Aufstockung des Beraterstabs im Kanzleramt als Anzeichen für eine wachsende Ratlosigkeit der Regierenden deutete, so als suchten diese verzweifelt nach einem Ausweg aus der Alternativlosigkeit der eigenen Politik. Zahlreiche Bürger ließen zudem unverblümt durchblicken, dass sie von Psychologie nichts halten. So gaben damals im Jahre 2014 in einer Umfrage von t-online etwa zwei Drittel von 1926 Teilnehmern an, dass sie es als unsinnig ansähen, wenn Psychologen den Politikern dabei helfen, neue Strategien für „wirksameres Regieren“ zu entwickeln.</p>
<p>Immerhin war damals andernorts der Grundstein einer verhaltensorientierten Politikberatung schon längst gelegt worden. So hatten etwa der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein die so genannte Methode des „Anstupsens“ im Jahre 2008 in ihrem Buch „Nudge“ eindrucksvoll dargestellt. Unter „Nudge“ versteht man das geschickte Platzieren von Anreizen und Argumenten, um auf diese Weise dem Bürger einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, damit er „bessere“ Entscheidungen trifft. Dadurch sollen unter anderem langfristig die Staatsausgaben gesenkt werden. Denn es zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen treffen, die man nicht gerade als optimal bezeichnen möchte. Oft sind sie sich nämlich nicht über ihre Motive im Klaren, wodurch sie beeinflussbar werden.</p>
<p>Diese auch als „libertärer Paternalismus“ bezeichnete Methode ist jedoch immer noch bei vielen traditionellen Volkswirten verpönt, weil der Staat ihrer Meinung nach im Wortsinne nur das Beste von seinen Bürgern möchte und diese angeblich durch psychologische Tricks dahingehend manipuliert, ihm das auch zu geben. Im Grunde versucht die Politik beim so genannten Anstupsen jedoch lediglich, eine Entscheidungssituation argumentativ so aufzubereiten, dass das Handeln der Menschen unmerklich in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ohne dabei die Freiheit des Einzelnen wirklich anzutasten. Tatsächlich macht der libertäre Paternalismus den Entscheidern aber keinerlei Vorschriften.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nobelpreis für Pionier der Verhaltensökonomie</strong></p>
<p>Ob nun der libertäre Paternalismus ethisch einwandfrei ist oder nicht – darüber kann man durchaus diskutieren. Was jedoch von Befürwortern wie Kritikern gerne übersehen wird, ist die Tatsache, dass auch der Status quo und die damit verbundene Fortführung vergangener Entscheidungen auf einer bestimmten oder gelenkten Präsentation eines Sachverhalts beruht. Vielleicht wurde auch hier schon mit einem „Schubs“ nachgeholfen. Marketingstrategen gibt es nicht erst seit gestern.</p>
<p>Ich weiß nun nicht, was aus den ausgeschriebenen Stellen im Kanzleramt geworden ist. Aber ich habe mich ganz besonders gefreut, als ich hörte, der Ökonom Richard Thaler werde den Nobelpreis für Ökonomie erhalten. Damit wird mit Thaler nach Daniel Kahneman (2002) und Robert Shiller (2013) ein weiterer Pionier der so genannten Behavioral Economics ausgezeichnet – ein wiederholtes Signal an die Standardökonomie, sich mehr mit den systematisch auftretenden psychologischen Einflüssen auf die Ökonomie und die Finanzmärkte auseinanderzusetzen. So gesehen war der Nobelpreis für Thaler ein Stups in die richtige Richtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Beispiel aus der Praxis</strong></p>
<p>Zum Glück muss ich im Rahmen der Stimmungserhebungen, die ich in jeder Woche in Zusammenarbeit mit der Börse Frankfurt durchführe, niemanden mehr von der Sinnhaftigkeit der Verhaltensökonomik überzeugen. Denn es handelt sich bei dieser Umfrage durchaus um eine aufschlussreiche und mitunter profitable praktische Anwendung dieser mich stets von neuem faszinierenden wissenschaftlichen Disziplin. Die jüngste Sentiment-Umfrage habe ich übrigens <a href="http://www.boerse-frankfurt.de/nachrichten/aktien/Marktstimmung-Die-Lust-verloren-2310456" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #ff0000;"><strong>HIER</strong></span></a> schriftlich und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=e4xael34HXQ" target="_blank" rel="noopener"><span style="color: #00ff00;"><strong>DORT</strong></span></a> mündlich kommentiert.</p>
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		<title>Eine Couch ins Kanzleramt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Joachim Goldberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Aug 2014 14:41:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Märkte]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
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		<category><![CDATA[DAX-Stimmung]]></category>
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		<category><![CDATA[Verhaltensökonomik]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. [&#8230;]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/">Eine Couch ins Kanzleramt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nun ist die Erkenntnis also auch bei Angela Merkel angekommen, dass die Regierung möglicherweise wirksamer handeln könnte, wenn sie sich der Erkenntnisse der Behavioral Economics bedient. Doch hat mich erstaunt, wie viele hämische Kommentare die jüngste Stellenausschreibung des Kanzleramts, in der gleich drei Referenten mit Kenntnissen zu Psychologie, Anthropologie und Verhaltensökonomik gesucht werden, provoziert hat. Da verkündet die „Bild“-Zeitung: „Merkel will Psycho-Trainer anheuern“, während stern.de besorgt fragt, ob die Kanzlerin wohl auf die Couch müsse; sogar von einem möglichen Burnout Merkels ist die Rede. In vielen Reaktionen klingt an, dass man die Aufstockung des Beraterstabs im Kanzleramt als Anzeichen für eine wachsende Ratlosigkeit der Regierenden deutet, so als suchten diese verzweifelt nach einem Ausweg aus der Alternativlosigkeit der eigenen Politik. Zahlreiche Bürger lassen zudem unverblümt durchblicken, dass sie von Psychologie nichts halten. So gaben in einer Umfrage von t-online etwa zwei Drittel von 1926 Teilnehmern an, dass sie es als unsinnig ansehen, wenn Psychologen den Politikern dabei helfen, neue Strategien für „wirksameres Regieren“ zu entwickeln.</p>
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<p><strong>„Anstupsen“ ist nicht neu</strong></p>
<p>Aber geht es der Kanzlerin wirklich nur um eine neue PR-Strategie, um ihre Politik künftig besser an den Wähler verkaufen zu können? Oder sinnt sie vielleicht wirklich auf neue Wege in der Sozial- und Wirtschaftspolitik? Sie wäre dabei mitnichten die erste Regierungschefin, die sich der Erkenntnisse der Behavioral Finance bedient, denn der Grundstein einer verhaltensorientierten Politikberatung ist andernorts schon längst gelegt worden. So haben etwa der Ökonom Richard Thaler und der Jurist Cass Sunstein die so genannte Methode des „Anstupsens“ im Jahre 2008 in ihrem Buch „Nudge“ eindrucksvoll dargestellt. Eine Methode, die übrigens immer mehr Anhänger findet, auch innerhalb der Regierung Obamas, die seit Jahren von verhaltensorientierten Ökonomen beraten wird. Und auch der britische Premier David Cameron lässt sich bereits seit 2010 regelmäßig von seinem „Behavioral Insights Team“ Handlungsempfehlungen erteilen.</p>
<p>Unter „Nudge“ versteht man das geschickte Platzieren von Anreizen und Argumenten, um auf diese Weise dem Bürger einen Schubs in die richtige Richtung zu geben, damit er „bessere“ Entscheidungen trifft. Dadurch sollen unter anderem langfristig die Staatsausgaben gesenkt werden. Denn es zeigt sich immer wieder, dass viele Menschen, sobald sie auf sich selbst gestellt sind, Entscheidungen treffen, die man nicht gerade als optimal bezeichnen möchte. Oft sind sie sich dabei nicht über ihre Motive im Klaren, wodurch sie beeinflussbar werden. Mitunter verlieren sie im Dickicht der Statistiken und widersprüchlichen Argumente auch den Überblick.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Keine Tricks</strong></p>
<p>Diese auch als „libertärer Paternalismus“ bezeichnete Methode ist jedoch bei vielen traditionellen Volkswirten verpönt, weil der Staat ihrer Meinung nach Wortsinne nur das Beste von seinen Bürgern möchte und diese angeblich durch psychologische Tricks dahingehend manipuliert, ihm das auch zu geben. Im Grunde versucht die Politik beim so genannten Anstupsen jedoch lediglich, eine Entscheidungssituation argumentativ so aufzubereiten, dass das Handeln der Menschen unmerklich in die richtigen Bahnen gelenkt wird, ohne dabei die Freiheit des Einzelnen wirklich anzutasten. Tatsächlich macht der libertäre Paternalismus den Entscheidern keinerlei Vorschriften.</p>
<p>Dennoch kann eine leicht veränderte Darstellung ein und desselben Sachverhalts einen enormen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Bürger haben. So bewerten Menschen beispielsweise Verluste schwerer als Gewinne in gleicher Höhe. Es spielt also durchaus eine Rolle, ob man ein Glas als halb vor oder halb leer präsentiert.</p>
<p>Ob nun der libertäre Paternalismus ethisch einwandfrei ist oder nicht – darüber kann man durchaus diskutieren. Marketingstrategen gibt es ohnehin nicht erst seit gestern.</p>
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<p><strong>Psychologie nicht salonfähig?</strong></p>
<p>Dass sich Frau Merkel künftig die Erkenntnisse der Entscheidungspsychologie zunutze machen möchte, bedeutet beileibe nicht, dass sie sich jetzt im „Guru-Modus“ befindet, wie ein Kommentator schrieb. Sie hat damit vielmehr endlich nachgeholt, was in anderen Ländern längst „state of the art“ ist. Solche Reaktionen belegen vor allem, dass man sich vielerorts unter Verhaltensökonomik noch immer nicht viel vorstellen kann. Ganz zu schweigen davon, dass die Psychologie hierzulande in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch nicht akzeptiert wird, obwohl Depression die häufigste Erkrankung unter Deutschen ist, an der Schätzungen zufolge 40 bis 50 Millionen Bundesbürger leiden sollen. Die Einlassungen des Regierungssprechers zu dem neuen Beraterstab seiner Chefin dürften dabei auch nur wenig zielführend gewesen sein, denn er soll während der Bundespressekonferenz die Aufgabe dieses Teams mit den vielsagenden Worten umschrieben haben: „Es geht um die Beobachtung menschlichen Verhaltens – da haben sich viele Forscher mit befasst.“ Um sofort die Bitte an die versammelten Journalisten anzufügen, sie möchten doch bitte keine weiteren Fragen zu diesem Thema stellen, weil es sie womöglich „langweilen oder überfordern“ könnte. Das zeigt vor allem eines: Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Vielleicht mit einem Stups in die richtige Richtung.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Beispiel aus der Praxis</strong></p>
<p>Zum Glück muss ich bei den Stimmungserhebungen, die ich in jeder Woche in Zusammenarbeit mit der Börse Frankfurt durchführe, niemanden mehr von der Sinnhaftigkeit der Verhaltensökonomik überzeugen. Denn es handelt sich bei dieser Umfrage durchaus um eine aufschlussreiche und mitunter profitable praktische Anwendung dieser mich stets von neuem faszinierenden wissenschaftlichen Disziplin. Die jüngste Sentiment-Umfrage habe ich übrigens <strong><a href="http://www.boerse-frankfurt.de/de/nachrichten/boerse+frankfurt+news/marktstimmung+rallye+der+privatanleger+72342">HIER</a></strong> kommentiert.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://www.joachim-goldberg.com/eine-couch-ins-kanzleramt/">Eine Couch ins Kanzleramt</a> erschien zuerst auf <a href="https://www.joachim-goldberg.com">Joachim Goldberg</a>.</p>
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