Dollar am Morgen

Träge Reaktion auf US-Inflationsdaten

am
14. Juli 2021

Nun ist der US-Konsumentenpreis-Index im Juni zum siebten Mal hintereinander gestiegen, wenn man jeweils die Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr in Betracht zieht. Ja, mit einem Zuwachs von 5,4 Prozent stand bei der Jahresinflation eine Zahl vor dem Komma, die zumindest bei Kommentatoren für eine gewisse Aufregung sorgte. Zumal es sich dabei um den größten Zuwachs seit August 2008 handelt. In der Kernrate sprechen wir übrigens von einem Plus von 4,5 Prozent im Jahresvergleich – zuletzt war diese nur noch im Jahr 1991 höher. Im Monatsvergleich weist der Konsumentenpreis- Index ein Plus von 0,9 Prozent (Kernrate ebenfalls +0,9 Prozent) aus, praktisch doppelt so viel, wie der Markt im Mittel erwartet hatte. Was Kommentatoren in Aufruhr versetzte, ließ die Finanzmärkte zunächst im Wesentlichen kalt. Lediglich der Dollar machte gegenüber dem Euro einen deutlicheren Sprung.

 

Rekordserie setzt sich fort

Diese erstaunlich träge Reaktion – an den US-Aktienmärkten gab es sogar teilweise neue Rekordhochs –, die auch die Rendite der US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Fälligkeit per Saldo zunächst[1] fast unverändert beließ, lässt sich vielleicht durch die Ergebnisse der gestern ebenfalls publizierten Fondsmanager-Umfrage der Bank of America (BofA) erklären. Denn nur noch netto 22 Prozent der Befragten gehen in der vom 2. bis 8. Juli durchgeführten Erhebung davon aus, dass die Inflation in den kommenden zwölf Monaten zunehmen       wird. Im Monatsvergleich handelt es sich um einen enormen Rückgang von 42 Prozentpunkten, und eine große Mehrheit, nämlich 70 Prozent der internationalen Umfrageteilnehmer, schließt sich der Ansicht der US-Notenbank an, dass es sich beim derzeitigen Anstieg der Inflation um ein vorübergehendes („transitory“) Phänomen handelt.

 

Boom könnte bald vorbei sein

Auch gehen die Fondsmanager davon aus, dass der gegenwärtige Boom womöglich seinen Höhepunkt überschritten hat. Zumal netto nur noch 47 Prozent der Befragten damit rechnen, dass sich die globale konjunkturelle Situation verbessern wird – im März hatten sich davon noch netto (!) 91 Prozent überzeugt gezeigt. Aber auch die Erwartungen an eine steilere Zinsstrukturkurve haben sich nach Angaben des BofA-Chefstrategen Michael Hartnett „drastisch“ verringert. Im Februar glaubten daran noch netto 70 Prozent der befragten Investoren, in der Juli Umfrage sind es nurmehr etwas über 30 Prozent. Kurzum: Immer weniger glauben an das Reflations-Narrativ.

 

Euro bleibt unter Druck

Nach dem vergleichsweise ruhigen Vortag hat der Euro infolge der neuerlichen Dollarstärke gestern seinen Abwärtstrend mit einem Tagesverlust von rd. 0,8 Prozent wieder etwas betont. Gleichzeitig hat sich die Gemeinschaftswährung ihrem wichtigen Niveau von 1,1770 genähert, das mancherorts als Auslöser für größere Abwärtsbewegungen gesehen wird. Dieses Niveau ist allerdings derart in aller Munde, dass es an dieser Stelle möglicherweise zu einer Fehlentwicklung kommt. Technische Analysten sehen nämlich unterhalb davon eine große Head & Shoulders Formation komplettiert – mit bearishen Konsequenzen. Was ich jedoch von solchen Formationen halte können Sie HIER nachlesen. Auf jeden Fall müsste auf der anderen Seite immer noch 1,1895 überwunden werden, um den Druck auf die Gemeinschaftswährung zu mildern.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

[1] Erst am Abend kam es möglicherweise aufgrund einer nicht ganz optimal verlaufenden Versteigerung 30-jähriger Staatsanleihen durch das Schatzamt zu steigenden Renditen, etwa bei den Papieren mit zehnjähriger Laufzeit in einer Größenordnung von zeitweise 5 Basispunkten

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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