Aktienmärkte Dollar am Morgen

Anscheinend an Inflationsängste gewöhnt

am
25. Mai 2021

Vielleicht mag es dem Pfingstwochenende geschuldet sein, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar gestern den dritten Tag in Folge praktisch in der am vergangenen Mittwoch gesetzten Handelsspanne verharrte. Dabei hatte es ständig den Anschein, als versuche er, an der Oberseite auszubrechen. Aber im entscheidenden Moment war die Dollar-Nachfrage dann doch groß genug, um dieses Vorhaben bislang zu verhindern.

 

Rekordzahlen aus den USA

Wir erinnern uns: Am vergangenen Mittwoch stand das Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) vom 27./28. April zur Veröffentlichung an. Dann gab es am Freitag die vorläufigen Einkaufsmanager-Indices (Markit) zu begutachten, von denen diejenigen der USA einmal mehr aus dem Rahmen fielen. Denn sowohl der PMI der Dienstleister markierte mit 70,1 eine neue Rekordmarke, die nicht nur gegenüber dem Monat April deutlich stärker ausfiel, sondern auch die optimistischste Prognose der Ökonomen bei weitem übertraf. Auch das Ergebnis beim verarbeitenden Gewerbe kann sich mit einem Wert von 61,5, ebenfalls weit über den Erwartungen, sehen lassen – für den zusammengesetzten Composite-Index ergab sich ebenfalls ein neues Allzeithoch. Dabei ist es fast überflüssig zu erwähnen, dass auch die Preiskomponente frühere Rekorde in den Schatten stellte.

 

… und die Gewöhnung daran

Umso bemerkenswerter ist es, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen sogar ein wenig gefallen ist und zuletzt mit 1,6063 Prozent den Eindruck vermittelte, als ob es weder Inflations- noch Tapering-Risiken gäbe. Vielleicht sind aber auch hinsichtlich der Inflation mittlerweile gewisse Gewöhnungseffekte bei den Akteuren eingetreten. Natürlich könnte man nun folgern, dass sich die Teilnehmer an den Aktienmärkten angesichts der Gleichgültigkeit der Anleihehändler auch keine allzu großen Zins-Sorgen machen müssten. Dennoch ist es fast schon spektakulär zu nennen, wie die Aktienmärkte in den USA und auch hierzulande jeweils drei deutliche Rücksetzer, verteilt auf jeweils drei Wochen, mit Bravour überstanden haben.

 

Wer die Aktienmärkte stützt

Tatsächlich lohnt sich in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Zuflüsse bei den globalen Aktienfonds, die in diesem Jahr bislang fast eine halbe Billion USD betragen haben. Etwa 388 der insgesamt 495 Mrd. USD flossen in ETFs, 210 Mrd. davon in US-Aktien-ETFs. Und schenkt man den Strategen von J.P. Morgan Glauben, waren diese Zuflüsse in diesem Jahr insbesondere nach Rücksetzern in den globalen Aktienmärkten besonders deutlich zu registrieren. Mit anderen Worten: Vor allem die US-Aktienmärkte werden zurzeit in erster Linie von privaten Investoren gestützt. Investoren, die durchaus Inflations- und Zinsängste haben mögen.

Aber noch größer ist die Angst, dass andere Investoren beim nächsten Dip-Kauf schneller sein könnten. Wer etwa infolge von klugen Analysen insgeheim mit einer technischen Korrektur von 5 Prozent rechnet, wird vielleicht nicht abwarten und vielleicht ja schon nach einem Rücksetzer von 4 Prozent als Käufer tätig werden wollen. Womöglich ist man aber nur noch bei 3,5 Prozent auf der sicheren Seite, vielleicht sollte man sogar noch früher tätig werden, dürften viele Anleger grübeln. So gesehen, kann eigentlich für die Aktienmärkte nicht viel schief gehen. Bis zu dem Tag X, an dem das Gros der Anleger diese Strategie über den Haufen wirft.

Dagegen verlief die Entwicklung des Euro während der vergangenen Tage eher unspektakulär. Immerhin bleibt die Gemeinschaftswährung in ihrem kurzfristigen Aufwärtstrend, darf allerdings in diesem Zusammenhang 1,2120/25 nicht unterlaufen, um das noch positive Momentum nicht zu gefährden.

 

 

Hinweis

 

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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