Dollar am Morgen

Mit Vorsicht optimistisch

am
29. April 2021

Obwohl es eigentlich im Vorfeld der gestrigen Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) weithin eine ausgemachte Sache zu sein schien, dass es wohl keine Überraschungen nach dem Ende der Zusammenkunft geben werde, mag dennoch ein etwas sonderbares Gefühl in den Köpfen mancher Händler vorgeherrscht haben: Denn wenn es überhaupt eine Überraschung seitens der Notenbank geben würde, wäre diese auf der hawkishen Seite zu finden, während das Festhalten am geldpolitischen Status quo nicht mehr als eine Bestätigung der ultralockeren Notenbankpolitik gewesen wäre. Allein aus dieser asymmetrischen Sichtweise heraus hätte man sich durchaus vorstellen können, dass einige Dollar-Shortpositionen im Vorfeld der gestrigen Notenbank-Entscheidung für den Fall der Fälle eingedeckt würden. Von alldem war allerdings fast nichts im Kursgeschehen sichtbar.

 

Keine Überraschung

Auch wenn das Statement der Notenbank dieses Mal noch keine Überraschungen enthielt, dürfte sich das nach Ansicht einiger Kommentatoren bereits bei der kommenden Sitzung im Juni ändern. Denn irgendwann muss selbst der vorsichtigste Notenbanker im Offenmarktausschuss zugeben, dass die US-Ökonomie „auf allen Zylindern“ läuft, zumal einige der Wirtschaftsdaten zuletzt so exzellent wie noch nie gewesen sind. Immerhin: Das FOMC-Statement klang diesbezüglich zumindest relativ optimistisch.

Aber Fed-Chef Jerome Powell machte in der anschließenden Pressekonferenz deutlich, dass die US-Ökonomie noch weit von den gesteckten Zielen entfernt sei. Dies ist natürlich vor allen Dingen in Hinsicht auf den US-Arbeitsmarkt richtig, der immer noch einen Verlust von 8,4 Millionen Arbeitsplätzen seit Beginn der Pandemie verarbeiten muss. Aber es gibt ermutigende Fortschritte. Und ich denke, wenn erst einmal die Hälfte dieser verloren gegangenen Arbeitsplätze wieder wettgemacht worden sind, werden die ersten – natürlich im Vorfeld mit größter Vorsicht – angekündigten Tapering-Diskussionen beginnen.

 

Immer noch Angst im Hinterkopf

Genau vor diesem Moment haben nicht nur Devisenhändler, sondern auch die Akteure an den Aktienmärkten eine gewisse Angst im Hinterkopf. Wer sich jedoch gegen diese Angst bislang abzusichern versucht hat, ist zumindest monetär nicht glücklich geworden. Gerade hierzulande, wo die Stimmung angesichts der DAX-Entwicklung während der vergangenen Wochen viel zu pessimistisch gewesen ist. Immerhin hat ein Teil der bearishen Mehrheit der Investoren nun aufgegeben, wie etwa die gestrige Umfrage der Börse Frankfurt (vgl. meinen Kommentar HIER) ergab.

Beim Kurs des Euro gegenüber dem US-Dollar hat sich diesbezüglich allerdings am gestrigen Handelstag keine „vorbeugende“ Positionierung der Akteure erkennen lassen. Im Anschluss an die Pressekonferenz von Notenbankchef Jerome Powell geriet der Greenback dagegen erneut unter die Räder, zumal einmal mehr klar wurde, dass die Fed die Inflationsentwicklung nach wie vor als ein vorübergehendes Phänomen betrachtet und die ultralockere Geldpolitik unverändert fortzusetzen gedenkt. Im gleichen Zuge erreichte der Euro seinen ersten Potenzialpunkt bei 1,2130 – der nächste liegt bei 1,2195. In diesem Zusammenhang darf der Euro nunmehr 1,1970 nicht mehr unterlaufen.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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