Dollar am Morgen

Besser geht es nicht

am
13. April 2021

„Es könnte kaum besser laufen“ – mit diesem Satz leitet ein von mir sehr geschätzter Kommentator sein ausführliches Editorial zur Situation an den US-Aktienmärkten ein. Ja, die Märkte seien bereits auf eine starke Erholung der Unternehmensgewinne eingestellt, sprich positioniert. Am morgigen Mittwoch werden die ersten Zahlen aus der an diesem Tag beginnenden Berichtssaison publiziert. Auch könne man von einem sogenannten Goldilocks-Szenario für die US-Ökonomie sprechen, von dem die Teilnehmer an den Finanzmärkten implizit ausgingen. Also eine Wirtschaft, die gerade so stark wächst, dass die Inflation in Richtung 2 Prozent steigt, aber nicht so stark, als dass die Zentralbanken die Zinsen erhöhen müssten. Implizit deswegen, weil die Aktienmarktteilnehmer ansonsten nicht so sorglos agieren würden.

 

An Goldilocks angepasst

Dabei ist es gerade einmal zwei Wochen her, dass man angesichts des Renditeanstiegs bei den US-Staatsanleihen bis dahin vielerorts davon ausging, dass die US-Inflation den von der Fed angestrebten Zielwert von 2 Prozent übertreffen und womöglich gar davonlaufen könnte. Auch wurde die Meinung vertreten, die Entwicklung an den Anleihemärkten, also die dort agierenden Teilnehmer, könnte die US-Notenbank schon viel früher als ursprünglich gedacht dazu zwingen, die geldpolitischen Zügel zu straffen.

Mehr noch: Prophezeit wurde, dass die Märkte diesen Meinungsstreit mit der Fed, die lediglich von einem vorübergehenden Anstieg der Inflation ausgeht, haushoch gewinnen würden. Eine Einstellung, von der man während der vergangenen Tage offensichtlich Abstand genommen hat, zumal sich die Renditen der US-Staatsanleihen, gemessen an denjenigen mit zehnjähriger Fälligkeit, ein wenig zurückgebildet hatten. Und weil etwa der S&P 500 Aktienindex seit Anfang April sechs neue Allzeithochs markierte. Kurzum: Man scheint das Narrativ einer möglicherweise überbordenden Inflation auf „Goldilocks“ angepasst zu haben.

 

Ruhe vor dem Sturm?

Jetzt müssen die hochgesteckten Erwartungen nur noch erfüllt werden. Aber zu diesen Erwartungen gehört auch die Annahme, dass die USA die Covid-19-Pandemie im Großen und Ganzen besiegt hat. Und wenn es dann so ruhig wird, dass etwa der hiesige DAX gestern gerade einmal eine Bandbreite von 60 Zählern generierte, kommt man schnell ins Grübeln, ob man vielleicht bei all den positiven Narrativen und dem Szenario-Denken nicht doch einen Fehler gemacht haben könnte. Sobald die erste größere Korrektur an den Aktienmärkten kommt, werden wir es wissen.

Ausgesprochen ruhig gestaltete sich gestern auch das Handelsgeschehen beim Euro gegenüber dem US-Dollar, wo sich der Handel auf eine Bandbreite von rund 50 Stellen beschränkte und damit den Momentumsverlust des noch vorherrschenden kurzfristigen Abwärtstrends einmal mehr bestätigte – oberhalb von 1,1950/55 ist dieser beendet. Und solange an der Unterseite 1,1780/85 nicht unterlaufen wird, bleibt die Gemeinschaftswährung ohnehin stabil.

 

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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