Dollar am Morgen

Doppelt so schnell ausgegeben wie eingenommen

am
8. April 2021

Gut möglich, dass es um die US-Aktienmärkte, aber auch um den Dollar anders bestellt wäre, wenn sich die Akteure an den Finanzmärkten nicht nur auf die möglichen positiven Auswirkungen des von der Biden-Administration vorgeschlagenen Wirtschaftspakets mit einem geplanten Volumen von 2,25 Billionen USD konzentrieren würden. Denn die US-Finanzministerin Janet Yellen hat gestern auf der anderen Seite einen 17-seitigen Bericht als möglichen Fahrplan für die Finanzierung dieses Pakets vorgestellt. Die Rede ist von Ausgaben- und Steuervorschlägen, insbesondere zu einer erhöhten Besteuerung von Unternehmensgewinnen. Tatsächlich sollen diese Änderungen über einen Zeitraum von 15 Jahren etwa 2,5 Billionen USD an zusätzlichen Steuereinnahmen generieren und so die achtjährige Ausgabeninitiative des US-Staatspräsidenten finanzieren.

 

Roadmap für Steuerpläne

Nun sind die neuen Steuerpläne und die Roadmap dafür noch längst nicht vom Kongress abgesegnet, in dem es naturgemäß massiven Widerstand gegen erhöhte Unternehmenssteuern seitens der Republikaner geben wird. Aber auch innerhalb der eigenen Reihen ist der Vorschlag Janet Yellens noch längst nicht vollumfänglich akzeptiert. Zumal die Mehrheit der Demokraten in US-Senat mit einem Stimmenverhältnis von 50 zu 50 plus der in einer Pattsituation bei der Abstimmung ausschlaggebenden Stimme der US-Vizepräsidentin Kamala Harris hauchdünn ist. Ein einziger Abweichler in den Reihen der Demokraten, und die Mehrheit ist dahin. In diesem Zusammenhang muss ich immer wieder auf Joe Manchin, Senator von West Virginia, verweisen, der vermutlich als der am meisten gemäßigte Demokrat gelten dürfte. Manchin machte bereits deutlich, dass er einen Unternehmenssteuersatz von mehr als 25 Prozent nicht unterstützen werde.

 

Kein Anreiz mehr, Gewinne zu verlagern

Aber auch wenn die Teilnehmer an den Finanzmärkten feststellen sollten, dass im Rahmen des Infrastrukturpakets doppelt so schnell Geld ausgegeben wird, wie es über erhöhte Steuereinnahmen finanziert wird, sollte dies eigentlich Spuren hinterlassen. Vor allem wenn sich der Vorschlag Janet Yellens für eine globale Mindeststeuer für Unternehmen durchsetzen sollte und sich damit die Anreize für US-Unternehmen, Investitionen und Gewinne ins Ausland zu verlagern, verringern würden.

Indes: Der US-Dollar hat sich gestern gegenüber dem Euro von seiner ruhigen Seite präsentiert. Nicht zuletzt, weil das Protokoll zur Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank vor drei Wochen zur Veröffentlichung anstand. Dieses Dokument hat den Devisenhandel allerdings nicht bewegt. Und so hat sich an der kurzfristig stabilen Situation des Euro wenig geändert, zumal das fast zum Erliegen gekommene Momentum des kurzfristigen Abwärtstrends erst unter 1,1780/85 wieder aufleben würde. Letzterer wäre auf der anderen Seite oberhalb von 1,1950 sogar beendet.

 

 

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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