Dollar am Morgen

Mit eindrucksvoller Geschwindigkeit erholt

am
7. April 2021

Nun ist es fast zwei Wochen her, dass ich meinen letzten Kommentar zum Dollar geschrieben habe. Und obwohl sich gerade innerhalb dieses Zeitraums an den Aktienmärkten sowohl hierzulande in der Eurozone als auch in den USA eine veritable Rallye entwickelt hat, möchte ich Ihnen ersparen, auf all die Einzelheiten, die zu dieser Entwicklung beigetragen haben, an dieser Stelle einzugehen. Was am Ende meines lediglich mentalen Kurzurlaubs per gestern als Eindruck hängen geblieben ist: Die US-Ökonomie erholt sich in einer atemberaubenden Geschwindigkeit. 

 

Rosige Aktienmarkt-Welt

Allen voran der dortige Arbeitsmarkt, der zwar noch längst nicht die während der Pandemie verlorenen Stellen wieder wettgemacht hat. Aber der Zuwachs der neu geschaffenen Stellen im März, publiziert am vergangenen Freitag, war auf den ersten Blick so beeindruckend, dass man die Hochrechnungen in den Händlergehirnen förmlich rattern hören konnte. Denn noch weitere monatliche Stellenzuwächse bis zum Jahresende in ähnlicher Größenordnung wie im März – der US-Arbeitsmarkt wäre dann zumindest nach dieser kurzschlussartigen Rechnung fast geheilt. Und wenn man noch den überraschend positiv ausgefallenen ISM-Einkaufsmanagerindex der Dienstleister hinzunimmt, könnte die Welt zumindest für die Teilnehmer an den Aktienmärkten rosiger kaum aussehen.

 

Konsolidierung am US-Bondmarkt

Unterdessen hatte sich der Dollar, der noch zum Quartalsende gegenüber dem Euro den höchsten Stand des Jahres erreichte, in den ersten Apriltagen abgeschwächt. Und dies, obwohl die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen während des gleichen Zeitraums nicht weiter angezogen hatten. Ein weiterer Auftrieb derselben hätte eigentlich angesichts der positiven US-Wirtschaftsdaten keine Überraschung dargestellt. Auf der anderen Seite dürfte die Nachfrage nach eben diesen Anleihen aus dem Ausland angesichts der attraktiven US-Renditeentwicklungen gegenüber dem Euro dafür gesorgt haben, dass der Abwärtstrend der US-Bonds (und damit der Aufwärtstrend der Renditen) zumindest eine kleine Pause einlegte.

 

Wegweisende Yellen-Rede

Allerdings hat mich vorgestern viel mehr eine Rede von Janet Yellen beeindruckt, in der sich die US-Finanzministerin für einen globalen Mindeststeuersatz für Unternehmen stark machte. Noch beeindruckender war sicherlich Yellens Abrechnung mit der Außenpolitik des vorherigen US-Präsidenten Donald Trump. Ohne jede Schadenfreude. Man habe es aus erster Hand gesehen, was passiert, wenn sich Amerika von der globalen Bühne zurückzieht. „America first“ dürfe niemals „America alone“ bedeuten, so Yellen.

Unter dem Strich konnte man auf jeden Fall von einer wegweisenden Rede sprechen, die vielleicht – ohne dabei US-Präsident Joe Biden oder seiner Stellvertreterin Kamala Harris zu nahe treten zu wollen – das bislang stärkste außenpolitische Statement der neuen US-Regierung dargestellt haben dürfte. Auch mit positiven Folgen für den US-Dollar, dessen Status als Weltreservewährung auch nach Ansicht einiger Kommentatoren ungeachtet horrender Staats- und Außenhandelsdefizite durch eine nunmehr anscheinend verlässlichere und stabilere Außenpolitik zementiert wird.

 

Dollar-Anteil an Währungsreserven weiter gefallen

Interessant in diesem Zusammenhang: Der Anteil des Dollar an den globalen Währungsreserven sank im vierten Quartal 2020 auf 59 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Damit hat sich ein Trend fortgesetzt, der wahrscheinlich auch auf die unberechenbare Außenpolitik des früheren Präsidenten Donald Trump zurückzuführen ist. Nun hat der Dollar im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Euro um 4 Prozent zugelegt, so dass die Chancen gut stehen, dass zumindest vorgenannter Rückgang des vierten Quartals von vorübergehender Natur sein dürfte.

Allerdings hat sich der Euro während der ersten Apriltage eindrucksvoll erholt, so dass der kurzfristige Abwärtstrend sogar Gefahr läuft, nach Überschreiten von 1,1905/10 stark an Dynamik zu verlieren und oberhalb von 1,1950 gar beendet zu werden. Eine erste Stabilisierung der Gemeinschaftswährung ist auf jeden Fall bereits erfolgt und bleibt erhalten, solange an der Unterseite 1,1760 nicht mehr unterlaufen wird.

 

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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