Dollar am Morgen

Mit ruhiger Hand, aber entschieden

am
12. März 2021

Nun mag mancherorts die gestrige Sitzung des EZB-Rates mit besonderem Interesse verfolgt worden sein, wenn man die Erwartungshaltung einiger Kommentatoren und Experten berücksichtigt. Aber eigentlich ging es in erster Linie darum, was die Entscheider im EZB-Rat gegen den Anstieg der Anleiherenditen tun würden, der ihnen vorgeblich nicht so recht in den Kram passt. Kurzum: Man erwartete nach den Worten Taten. Und das Register dieser möglichen Taten reichte bis hin zu einer Ausweitung des Anleihekauf-Rahmens des pandemischen Notfallprogramms PEPP oder einer möglichen Kontrolle der Zinskurve („yield curve control“).

 

Erhöhte Prognosen von Inflation und Wachstum

Zu alldem ist es nun glücklicherweise nicht gekommen. Denn man hätte der EZB in diesem Fall durchaus nachsagen können, womöglich zu panisch auf den Renditeanstieg in der Eurozone reagiert zu haben. Denn tatsächlich ist die Rendite für Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren zwischen Jahresbeginn und heute um 30 Basispunkte gestiegen und befindet sich immer noch im negativen Bereich. Zieht man nun auch noch die gestrigen neuen EZB-Prognosen zu Wachstum und Inflation in Betracht, relativiert sich jener Renditeanstieg sogar ein wenig.

Denn die Inflationsprognose für 2021 wurde von 1 auf 1,5 Prozent und für 2022 von 1,1 auf 1,2 Prozent angehoben. Zudem machte die EZB-Präsidentin klar, dass man durch etwaige kurzfristige Inflationsschübe „hindurchsehen“, diese also nicht berücksichtigen werde. Aber auch die Wachstumsprognose wurde für das laufende Jahr leicht auf 4 Prozent angehoben. Indes: Die EZB will auf jeden Fall ihr Anleihekaufprogramm in den kommenden drei Monaten mit einem deutlich höheren Tempo durchführen, als dies im ersten Quartal dieses Jahres geschehen ist.

 

Nicht alles einstimmig im EZB-Rat

Nun ist es nicht lustig, aber offenbar dem Zeitgeist geschuldet, wenn nach einer solchen Sitzung Informationen von sogenannten mit der Angelegenheit betrauten Quellen durchgestochen werden. Vor allem, wenn von den EZB-Entscheidern zwar erhöhte monatliche Anleihekäufe im Rahmen des oben genannten PEPP-Programms festgelegt werden, aber gleichzeitig – so die Quellen – Stillschweigen über deren Volumen vereinbart wurde. Dieses soll zwar angeblich deutlich über den Anleihekäufen des Monats Februar von 60 Mrd., aber deutlich unter 100 Mrd. EUR pro Monat liegen. Auch soll die gestrige Sitzung längst nicht so harmonisch („total consensus“) verlaufen sein, wie dies Christine Lagarde während der Pressekonferenz vermittelte.

War der Euro gestern im Vorfeld Sitzung zunächst gestiegen, reagierte er in Reaktion auf die verkündeten erhöhten monatlichen Anleihekäufe erst einmal mit einem Rücksetzer. Bis zu dem Zeitpunkt, als den Akteuren klar wurde, dass der Rahmen der PEPP-Anleihekäufe überhaupt nicht vergrößert wurde, sondern lediglich ein Teil der ohnehin geplanten Käufe auf die kommenden drei Monate vorgezogen wird. Gepaart mit den „ausgewogeneren“ Wachstumsrisiken für die Eurozone, wie die EZB es ausdrückte, zeigte sich der Euro gegenüber dem Dollar nicht ganz ungerechtfertigt robust. Tatsächlich dürfte der Euro mit Überschreiten von 1,1990 seinen kurzfristigen Abwärtstrend deutlich verlangsamen und eine Korrekturphase eröffnen.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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