Dollar am Morgen

Der Dollar meldet sich zurück

am
9. März 2021

Normalerweise bringe ich für die Versteigerungen des US-Schatzamtes kein sonderlich großes Interesse auf. Aber seit am vorvergangenen Donnerstag, den 25. Februar, eine Versteigerung siebenjähriger Staatsanleihen nicht besonders gut gelaufen ist und zum erstmaligen Sprung der Renditen bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen über die Marke von 1,6 Prozent in diesem Jahr (vgl. HIER) führte, ist man gewarnt. Vor allem, weil das Schatzamt heute mit einer weiteren Serie von Versteigerungen mit einem Gesamtvolumen von 120 Mrd. USD beginnt. Heute geht es um dreijährige Papiere (58 Mrd. USD), morgen um zehnjährige (38 Mrd.) und am Donnerstag um Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit (24 Mrd. USD). Kurzum: Die Angst geht um, dass möglicherweise zumindest eine dieser Emissionen auf zu wenig Gegenliebe, sprich: Interesse der Investoren treffen könnte.

 

Vorerst herrscht Schweigen

Die Angst vor einem neuerlichen Mißerfolg könnte so die Anleihekurse erneut unter Druck bringen und die Renditen folgerichtig auf neue Jahreshochs treiben. Dies ist umso bedeutender, als die Akteure zumindest keinen verbalen Gegenwind der Fed befürchten müssen. Denn die Vertreter des Offenmarktausschusses (FOMC) müssen seit dem Wochenende bis zur Notenbanksitzung in der kommenden Woche schweigen. Und was man zuletzt von den FOMC-Vertretern vernahm, hörte sich ohnehin nicht so an, als ob man größere Probleme mit dem derzeitigen Anstieg der Renditen der US-Staatsanleihen hätte.

 

EZB zeigt sich zögerlich

Ganz anders die EZB. Dort zeigten sich in der vergangenen Woche diverse Vertreter des Rates hinsichtlich steigender Renditen in der Eurozone besorgt. Allerdings sind diesen verbalen Interventionsversuchen auch in der vergangenen Woche keine Taten in Gestalt von erhöhten Anleihekäufen im Rahmen des Pandemie-Notkaufprogramms PEPP gefolgt. Im Gegenteil: Die Anleihekäufe der EZB waren per Mittwoch vergangener Woche mit netto 11,9 Mrd. EUR praktisch genauso hoch wie in der Vorperiode. Allerdings verwies eine Sprecherin der EZB darauf, dass während des Berichtszeitraums ein größeres Volumen von Anleihen fällig geworden sei, das sich auf besagte Zahl ausgewirkt habe, dessen tatsächlicher Umfang jedoch erst heute publiziert werde.

 

Immer noch recht hohe Positionen in Euro-Futures

Nun habe ich den 25. Februar am Anfang auch deshalb hervorgehoben, weil sich der US-Dollar seither in eine Richtung bewegt hat, die weder in diesem Ausmaß erwartet wurde noch vielen Akteuren in den Kram passen dürfte. Denn der Greenback hat sich gegenüber einem Korb von Währungen, gemessen am Dollar-Index, seither in der Spitze um rund 3 Prozent befestigt, gegenüber dem Euro sogar noch deutlicher um 3,4 Prozent. Gleichzeitig sind aber etwa die spekulativen Euro-Long-Positionen an der Chicagoer Futures-Börse, gemessen an den CFTC-Meldungen der vergangenen beiden Wochen, gerade einmal um 10 Prozent zurückgegangen und lagen mit zuletzt 126 Tsd. Kontrakten (per 2. März) größenmäßig immer noch weit vor den Futures-Position der anderen Valuten.

Natürlich mögen diese Meldungen nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt sein, aber vermitteln doch (mit einem Timelag) ein gewisses Stimmungsbild. Ein Stimmungsbild, in dessen Rahmen für den Euro belastende Positionsauflösungen nicht überraschen sollten. Das für ihn ohnehin ungünstige Umfeld hat sich jedenfalls durch die gestrige Kursentwicklung weiter verschlechtert, so dass wir für den Euro nunmehr einen kurzfristigen Abwärtstrend feststellen, in dessen Verlauf sich das Umfeld für den Euro erst nach Überschreiten von 1,1995 verbessern wird.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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