Dollar am Morgen

Powell hält sich bedeckt

am
5. März 2021

Nun waren gestern alle Augen auf Jerome Powell gerichtet, der im Rahmen einer virtuellen Veranstaltung des Wall Street Journal keine vorgefertigte Rede hielt, sondern sich den Fragen des Chef-Wirtschaftskorrespondenten der Zeitung stellte. Das besondere Interesse der Akteure galt natürlich den US-Anleihemärkten. Angesichts des starken Renditeanstiegs aus dem Vormonat hofften viele auf eine Andeutung oder winzigen Hinweis, ob die Notenbank nicht doch etwas gegen diese Entwicklung unternehmen werde. Denn bislang haben sich die meisten Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed (FOMC), die sich in den vergangenen Tagen geäußert hatten, doch recht sorglos gezeigt.

 

An ein imaginäres Skript gehalten

Und auch Jerome Powell schien sich gestern stur an ein imaginäres Skript des FOMC halten zu wollen. Ein Skript, das eben keine Antwort und auch keinen Hinweis auf die Frage enthält, ob und was die Fed gegen den starken Anstieg der Renditen zu tun gedenkt. Zwar erklärte Powell, auch ihn würde [im Zweifel] eine aus dem Ruder laufende Marktentwicklung beunruhigen, doch vermied er es, Maßnahmen zu einer eventuellen Eingrenzung der erhöhten Volatilität an den Anleihemärkten zu konkretisieren.

Die Teilnehmer an den US-Anleihemärkten dürften nicht nur enttäuscht gewesen sein. Vielmehr wird die Sorglosigkeit, die die Fed momentan zumindest vordergründig vermittelt, von manchen als Einladung verstanden, die Renditen weiter nach oben zu treiben. Ganz zu schweigen vom psychologischen Effekt, da am Wochenende im Vorfeld der am 17. März endenden Notenbanksitzung auch noch die Schweigeperiode der FOMC-Mitglieder beginnt. Insofern dürften während dieser Zeit Verbalinterventionen und Statements von Fed-Vertretern ausbleiben.

 

Schweigeperiode beginnt Morgen

Die Reaktion der zehnjährigen US-Staatsanleihen war jedenfalls eindeutig, und es fehlt nicht mehr allzu viel, bis das Renditehoch vom vorvergangenen Donnerstag von rund 1,61 Prozent getestet wird. Im gleichen Zuge war auch der US-Dollar gut gefragt, der den Euro unter die Marke von 1,20 drückte. Letzterer bleibt innerhalb seines übergeordneten Seitwärtsmodus zwischen 1,1900 und 1,2250 jedenfalls weiterhin unter Druck und müsste für eine Stabilisierung nunmehr 1,2085 überwinden.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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