Dollar am Morgen

„Bad news is good news“

am
9. Februar 2021

Vermutlich war es ein Satz der US-Finanzministerin Janet Yellen vom Wochenende, der dafür gesorgt hat, dass die Aktienmärkte in den USA und hierzulande auch der DAX Allzeithochs markierten. Das größte ökonomische Risiko bestehe darin, nicht genug zu tun, um den kleinen Unternehmen und den Arbeitslosen zu helfen, hatte Yellen erklärt.

 

Immer noch das gleiche Paket

Nun sprechen wir immer noch von demselben US-Konjunkturpaket in Höhe von rund 1,9 Billionen USD. Und dass dieses Stimulus-Paket irgendwie zum Tragen kommen würde, ist nun seit Anfang Januar, also, seit die Demokraten im Senat über eine hauchdünne Mehrheit verfügen, bei den Teilnehmern an den Finanzmärkten Konsens. Einzig und allein das Tempo bis zum Inkrafttreten und die endgültige Höhe des Pakets sind weiterhin offen. Dennoch hatte ich nie den Eindruck, dass die Aktienmärkte deswegen irgendwelche Zweifel in Form von Abverkäufen gezeigt hätten. Die größere Korrektur im Januar wird zumindest von der Mehrheit der Kommentatoren nicht mit Schwierigkeiten beim Stimulus-Programm in Verbindung gebracht.

 

Probleme werden ausgeblendet

Man könnte also vor allen Dingen den Aktienhändlern in den USA fast so etwas wie eine gewisse Euphorie bescheinigen. Zumindest, wenn man bedenkt, dass beispielsweise ungünstige Nachrichten zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie (Verzögerungen bei der Impfung der Bevölkerung, eingeschränkte Wirksamkeit von bestimmten Impfstoffen) derzeit anscheinend nicht wahrgenommen werden. Natürlich ist es verständlich, dass die Akteure genug von schlechten Neuigkeiten haben. Und sobald ungünstige Nachrichten wie etwa der US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag bekannt werden, werden sie flugs umgedeutet. Wie heißt es so schön: „Bad news is good news“. Ein Satz, den man vor allen Dingen während stark haussierender Aktienmärkte zu hören bekommt.

 

Auch ein Appell

Und so konnte man bereits am Wochenende den Eindruck bekommen, dass die Marktteilnehmer angesichts der miserablen Zahlen insgeheim noch mehr Stimulus für die USA erwarten. Woraus – und das wurde von Janet Yellen indirekt bestätigt – abgeleitet wurde, dass es wegen des Stimulus mehr Wachstum und natürlich auch mehr Inflation geben würde. Eine Inflation, die bis zum Erreichen des 2-Prozent-Ziels der Fed, zumindest für meinen Geschmack, etwas verharmlosend als Reflation bezeichnet wird. Aber halten wir fest: Das Stimulus-Programm hat sich nicht vergrößert, und die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat haben sich auch nicht verändert. Selbst wenn die Demokraten über eine extrem knappe Mehrheit verfügen, müssen alle Senatoren der Partei immer noch unter einen Hut gebracht werden. So gesehen, muss man Janet Yellens Statement nicht nur als Bestätigung der Politik ihres Präsidenten Joe Biden, sondern auch als Appell an die eigene Partei verstehen.

 

Nicht nur deswegen, sondern auch wegen der Risikofreude an den Aktienmärkten hätte der US-Dollar gestern durchaus etwas stärker unter Druck geraten können. Tatsächlich legte er auch gegenüber dem Euro fast schon eine lustlose Handelssitzung hin, die dort endete, wo sie gestern begonnen hatte. Erst heute früh in Fernost zeigte nun auch der Greenback Reaktion. Ob nun die Reflationserwartungen noch mehr Auftrieb erhalten, wird sich möglicherweise bereits morgen herausstellen, wenn die Entwicklung der US-Verbraucherpreise für den Monat Januar publiziert werden. Davon unabhängig bleibt der Euro jedoch in seiner ungünstigen Position, solange 1,2095/00 nicht überwunden wird.

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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