Dollar am Morgen

Nichts als Hängepartien und leere Drohungen

am
11. Dezember 2020

Nun hat die EZB bei ihrer gestrigen Ratssitzung ihre ultralockere Geldpolitik erneut erheblich ausgeweitet. So wird sie unter anderem ihr Notkaufprogramm für Anleihen (PEPP) wie vielerorts erwartet noch einmal um 500 Mrd. auf 1,85 Billionen EUR vergrößern, wobei die Laufzeit dieses Programmes um neun Monate bis zum März 2022 verlängert wurde. Der Einlagenzins bleibt unverändert bei ‑0,5 Prozent. Und weil bei den Beschlüssen Überraschungen ausblieben, reichte es für den Euro gegenüber dem US-Dollar für einem kleinen Sprung.

 

Keine Verbalintervention

Dieser Sprung wurde aber letztlich dann doch wieder abgebremst, als EZB-Chefin Christine Lagarde sowohl im Statement als auch in der Pressekonferenz darauf hinwies, dass die EZB die Entwicklung des Wechselkurses in Hinblick auf mögliche Implikationen für den mittelfristigen Inflationsausblick beobachten werde. Während dieser Satz mancherorts als Drohung aufgefasst wurde, glaube ich hingegen, dass es das Mindeste war, was die EZB diesbezüglich äußern konnte. Tatsächlich ist man bestenfalls bereit, verbal gegen den Euro zu intervenieren. Aber erfahrungsgemäß verpuffen solche Drohungen relativ schnell, solange den Worten keine Taten folgen.

 

Nachspielzeit gewährt

Überhaupt nicht weiter ging es indes mit den Verhandlungen zum Brexit-Deal, für den die Unterhändler des britischen Premiers Boris Johnson und der EU-Ratschefin Ursula von der Leyen noch einmal eine Nachspielzeit für einen Freihandelsvertrag bis Sonntag eingeräumt bekamen. Und weil die Hoffnungen auf ein Abkommen zuletzt wieder einmal deutlich gesunken waren, gibt es nicht wenige Akteure, die an eine erneute Verlängerung der Hängepartie glauben. Allerdings machte Boris Johnson gestern klar, dass er die Chancen für einen Brexit ohne Deal zum Ende des Jahres größer sehe als die für ein Abkommen.

Auch bei einem anderen Deal, geht es nicht voran. Gemeint sind die Verhandlungen von Demokraten und Republikanern über ein US-Konjunkturprogramm. Dabei hatte es doch in der vergangenen Woche noch danach ausgesehen, dass Spitzenvertreter der Demokraten und der moderaten Republikaner im Rahmen eines mehr als 900 Mrd. USD schweren Stimulus-Pakets eine Verlängerung der bundesstaatlichen Hilfen für Arbeitslose vorsehen würden. Indes: Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, und Finanzminister Steven Mnuchin möchten statt besagter Verlängerung lediglich eine Einmalzahlung von je 600 USD für die Arbeitslosen.

 

Rekord bei Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe

Übrigens hat sich die Zahl derer, die in den USA einen Erstantrag auf Arbeitslosenhilfe gestellt haben, in der zum 4. Dezember endenden Woche weit stärker erhöht, als dies von den Ökonomen erwartet worden war. 853 Tsd. Erstanträge bedeutet außerdem dem höchsten Stand seit Mitte September.

Obwohl der Euro gestern gegenüber dem Dollar einen vergleichsweise volatilen Tag verbrachte, ist am Ende in Sachen Aufwärtstrend im Vergleich zur Eröffnung der europäischen Handelssitzung praktisch nichts herausgekommen. Das schleppende Momentum ist jedoch nicht als Hinweis darauf zu werten, dass sich die Risiken einer deutlicheren Euro-Abwärtskorrektur erhöht hätten. Dies wäre erst der Fall, wenn das wichtige Niveau bei 1,2020/25 an der Unterseite verletzt würde.

 

 

Hinweis

Die genannten Preisniveaus verlieren ab einer bestimmten Durchstoßgröße ihre Gültigkeit. Diese beträgt für EUR/USD 5 Stellen.

 

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Joachim Goldberg
Frankfurt am Main

Seit rund 40 Jahren beschäftigt sich Joachim Goldberg mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein.

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